Judo Olympia: Die Bedeutung von Handschlag und Fair Play

Fair Play ist eine Grundvoraussetzung für den Sport, so wie wir ihn kennen. Ohne einen respektvollen Umgang der Sportlerinnen und Sportler untereinander wäre ein sportliches Kräftemessen nicht wirklich möglich.

Die Verbeugung vor einem Judokampf und der Handschlag nach einem Gefecht sind vorgeschriebene Rituale zur Durchsetzung von Fair Play. Eigentlich ganz einfach.

Kontroversen um den Handschlag

Doch nicht immer werden diese Regeln von allen Sportlerinnen und Sportlern vorgelebt. Ausgerechnet auf der großen Olympia-Bühne gab es in jüngerer Vergangenheit daher den einen oder anderen Fehltritt. Die Spiele in Paris sind da schon am ersten Wettkampftag keine Ausnahme mehr.

Fall 1: Ryuju Nagayama

Im Viertelfinal-Duell zwischen dem Spanier Francisco Garrigós (29) und dem Japaner Ryuju Nagayama (28) gerieten gleich beide Kämpfer in den Fokus. Der unterlegene Japaner Ryuju Nagayama wollte seine umstrittene Niederlage anfangs nicht akzeptieren, verweigerte den Handschlag. Als er sich im Sieges-Jubel seinem Gegner zum Handschlag zuwandte, ignorierte der die Geste, zeigte dem Iberer sekundenlang die kalte Schulter. Garrigós hatte schließlich ein Einsehen, zog die Hand zurück, verbeugte sich vor Nagayama und ging auf seine Seite der Matte.

Schon zuvor, als die Kampfrichterin Garrigós zum Sieger erklärte, hatte sein unterlegener Gegner die Arme aus Protest ausgebreitet. Bei genauerem Hinsehen keinesfalls zu Unrecht. Kurz vor der Ippon-Wertung war Nagayama viele Sekunden lang in den Würgegriff von Garrigós geraten, mit dem unmissverständlichen „Mate“-Ausruf hatte die Kampfrichterin dann aber signalisiert, dass der Spanier den Griff wieder lösen müsse.

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Nagayama verlor für einen kurzen Augenblick sogar das Bewusstsein, rappelte sich danach mühevoll auf. Als er dann mit einer Wiederaufnahme des Kampfes rechnete, ließ die Geste der Kampfrichterin seine Gold-Hoffnungen platzen: Sie erklärte Garrigós zum Sieger.

Immerhin: Dank der im Judo üblichen Hoffnungsrunde konnte Nagayama seinen Frust noch einmal in Energie umwandeln, holte sich über den Verlierer-Pfad letztlich ebenso wie Garrigós die Bronzemedaille.

Fall 2: Islam El Shehaby

Ein weiterer Vorfall ereignete sich bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro, als sich der ägyptische Judoka Islam El Shehaby weigerte, seinem israelischen Kontrahenten Or Sasson die Hand zu geben. Das Publikum pfiff den Ägypter daraufhin aus.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verurteilte den Vorgang. In einer Mitteilung der Disziplinarkommission hieß es, El Shehaby habe sich nicht entsprechend der Regeln des Fair Play und der olympischen Werte verhalten. Der Judoka habe einen "strengen Verweis für unangemessenes Verhalten" erhalten. Die Disziplinarkommission forderte zudem das nationale olympische Komitee Ägyptens auf, seine Sportler künftig vor den Spielen über die olympischen Werte zu informieren. El Shehaby wurde daraufhin nach Hause geschickt.

Sasson hatte sich enttäuscht zum Vorfall geäußert. "Mein Gegner kam sehr emotional zum Kampf, er stand ungewöhnlich unter Druck. In manchen Situationen habe ich den Hass in seinen Augen gesehen", sagte Sasson der Bild am Sonntag: "Trotzdem habe ich danach versucht, ihm die Hand zu geben. Im Judo ist es einfach wichtig, den Gegner zu respektieren."

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Der Präsident von Ägyptens Olympischem Komitee, Hescham Hatab, bezeichnete al-Schehabis Gebaren als "persönliches Verhalten". "Wir haben ihm wiederholt gesagt, dass er den sportlichen Geist respektieren, nicht die Regeln verletzen und sich nicht dem Druck beugen soll", sagte Hatab AFP.

Fall 3: Olga Kharlan

Ein aktuelleres Beispiel ist der Fall der ukrainischen Fechterin Olga Kharlan, die nach einem Gefecht ihrer russischen Gegnerin den Handschlag verweigerte. Den Regeln entsprechend wurde sie disqualifiziert, später aber wieder rehabilitiert. Kharlans verweigerter Handschlag löste eine Diskussion aus, die dazu geführt hat, dass nun kein Handschlag mehr vorgeschrieben ist nach einem Kampf.

Sie betonte, wie schwer für sie die Situation bei der WM gewesen sei. Sehr ernst blickt sie drein, sagt, dass sie alles genauso noch einmal machen würde. Die Regeln seien „unfair“ gewesen. Es sei darum gegangen, sie zu ändern.

Die Rolle des IOC

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) steht in der Verantwortung, die Einhaltung der olympischen Werte zu gewährleisten und gegen Verstöße vorzugehen. Es gab jedoch auch Kritik am IOC, insbesondere im Zusammenhang mit antisemitischen Vorfällen.

Michaela Engelmeier vom jüdischen Sportbund Makkabi kritisiert, dass das IOC sich nicht immer klar positioniert und Konsequenzen zieht. Sie fordert, dass das IOC unmissverständlich formuliert: „Es gibt bei den Olympischen Spielen keinen Antisemitismus, keinen Rassismus und keine Ausgrenzung und Diskriminierung - von wem auch immer!“

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Auswirkungen des Krieges in der Ukraine

Die Situation im Sport hat sich durch den Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 verändert. Viele ukrainische Sportlerinnen und Sportler sind von den Auswirkungen des Krieges betroffen. Fragen des sportlichen Fair Plays werden ganz klein bei den Geschichten, die die ukrainischen Sportler erzählen.

Wadym Hutzajt, ehemaliger Sportminister und amtierender Präsident des Ukrainischen Olympischen Komitees, wird gefragt, wie denn seine Sportlerinnen und Sportler reagieren sollen, wenn sie einem der Neutralen aus Russland begegnen. „Für uns gibt es keine Athleten aus Russland. Wir grüßen sie nicht.", sagte er.

Fair Play im Judo

Als eine der nobelsten Sportarten der Welt ist Judo international seit jeher anerkannt, beim japanischen Kampfsport gehört Fairplay zu den wichtigsten Grundlagen.

Die Verbeugungen vor dem Kampf und der Handschlag danach gehören bei Judo-Wettkämpfen zum Standard.