Judo für Senioren: Vorteile, Nachteile und Besonderheiten

Judo ist in Deutschland nach wie vor eine der am stärksten verbreiteten Kampfsportarten. Es gibt viele Aspekte zu berücksichtigen, wenn man Judo im fortgeschrittenen Alter in Betracht zieht. Dieser Artikel beleuchtet die Vor- und Nachteile von Judo für Senioren, untersucht die Besonderheiten des Trainings und die Gründe für die geringe Popularität von Judo bei Erwachsenen.

Warum Judo für Senioren geeignet sein kann

Judo eignet sich durch das Grundprinzip des möglichst geringen Kraftaufwands besonders für Personengruppen, die nur wenig Körpergewicht mitbringen und diese Unterlegenheit durch bessere Technik ausgleichen müssen. Das bringt schon das Grundprinzip von Judo mit sich. Es lautet „Siegen durch Nachgeben“ bzw. die „maximale Wirkung bei einem Minimum an Aufwand“ erreichen. Es wird also die Kraft des Gegners genutzt und gegen ihn eingesetzt.

Judo hält nicht nur fit, sondern fördert auch das Selbstbewusstsein. Judo ist sehr gut für die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder und auch gut für Senioren. Und gleich vorab: Es gibt kein Alter um mit Judo anzufangen. Es ist bei uns nie zu spät und auch nie zu früh!

Warum? „Judo fördert in hohem Maße die Koordination und die Gleichgewichtsfähigkeit. Man bekommt dadurch ein besseres Vertrauen in den Bewegungsablauf“, gibt die „Möglichkeit, sich auszutoben - allerdings auf eine sehr kontrollierte Art.“, „verbessert das psychomotorische Lernen und fördert ein körperliches und geistiges Gleichgewicht.“ „Judo ist eine großartige Möglichkeit, den Respekt vor sich selbst und anderen zu fördern. „Judo is ideal for the development of a well proportioned body.“ The health impact of practising this olympic sport highlights the benefits of combat sports for children and adolescents.

Da dies aber vermutlich jeder von sich bzw. seinem Sport behaupten wird, handelt es sich nicht um eigene Aussagen, sondern um Zitate! Unserem Wort braucht Ihr nicht glauben. Dr. Gunter A. Pilz - Hauptreferat beim Workshop „JUDO - Chance in der Gewaltprävention?” des Deutschen Judo-Bundes in Bad Wildungen am 05.05. 2001.

Lesen Sie auch: Senioren Judo: Die Regeln im Wettkampf

In unserem Judoverein haben wir in den letzten Jahren eine spannende Entwicklung erlebt. Kurz vor der Corona-Pandemie haben wir eine eigene Abteilung für Senioren ins Leben gerufen, die sich dem Motto „Bewegt älter werden“ verschrieben hat. Unsere ältesten Teilnehmer sind stolze 70 Jahre alt und bereits im Besitz eines grünen Gürtels. Dies zeigt, dass Judo wirklich für jedermann ist, unabhängig von Alter, Geschlecht, oder körperlicher Verfassung.

In unserer Abteilung für Senioren legen wir großen Wert auf regelmäßige Prüfungen. Dies fördert nicht nur den sportlichen Ehrgeiz, sondern hilft auch dabei, die Fähigkeiten unserer Mitglieder kontinuierlich zu verbessern. Ebenfalls sind wir stolz darauf, dass unsere Senioren an Wettkämpfen in den Alterskategorien ü30, ü40 und ü50 teilnehmen. Dies zeigt, dass der Wettkampfgeist im Alter nicht verblasst, sondern weiterhin brennt. Unsere Trainerin, die den 2. „Bewegt älter werden“ ist für uns nicht nur ein Motto, sondern eine Lebenseinstellung. Judo hat nicht nur physische, sondern auch mentale Vorteile, die sich positiv auf das Alter auswirken.

Trainingsgestaltung für ältere Judoka

1) Wir haben am Montag und am Freitag eine Gruppe für "ÄLTERE". Montags wird (fast) immer noch "Kopfball" gespielt (ca. 20 Min.).

1. Teil 35-45 Min. Aufwärmen und Technikschulung mit dem Schwerpunkt "Entwicklung der Techniken aus dem korrekten Verhalten von Uke her" - also zumeist aus der Fallübung von Uke her. Diesen Teil plane und gestalte ich.

2. "Freies Training" (ca.25-35 Min.): in diesem Teil üben ALLE Teilnehmer das, was SIE sich vorgenommen haben; die meisten haben sich für diesen Teil schon mit einem Partner VORHER verabredet.

Lesen Sie auch: Was ist der Unterschied?

Sprints mit längeren Erholungspausen (die ich durch die Gruppenstärke steuere: Jünger= weniger Teilnehmer pro Gruppe = weniger Pause; Ältere = mehr Teilnehmer = längere Pausen; Dieser Stundenaufbau hat sich seit mehreren Jahren am Freitag bewährt.

Montags verfolgt unser Trainer ein etwas anderes Konzept, was ebenfalls - von durchaus unterschiedlichen Teilnehmern - gut angenommen wird.

5) Unsere "Oldie-Gruppen" sind offen, jeder, der will kann zu jedem Zeitpunkt ins Training einsteigen. D.h. Ich versuche auf "Neueinsteiger" oder "Wiedereinsteiger" durch Änderungen meines Eingangsteils Rücksicht zu nehmen und versuche im "freien Training" einen fortgeschrittenen Teilnehmer zu motivieren, mit den "Neuen" die ersten Grundlagen (nach meiner Vorgabe) zu trainieren.

Oft ist es so, dass die Kinder aufhören (nach 1-2 Jahren), die Eltern aber weitermachen wollen (oft die Väter) oder die Eltern (oft die Mütter) so lange ihren Kindern nachmittags zugeschaut haben, dass sie selbst interessiert sind, Judo zu erlernen.

Am meisten profitieren diejenigen, die sich (durchaus längerfristig) auf Dan- oder Kyuprüfungen vorbereiten.

Lesen Sie auch: Exploring Precht's Philosophy

Wenn auch Sie Interesse daran haben, „bewegt älter zu werden“ und die Vorteile von Judo für sich zu entdecken, laden wir Sie herzlich ein, an unseren Trainingsstunden am Montag teilzunehmen.

Nachteile und Herausforderungen

Ich glaube, dass gerade Judo für Erwachsene sehr viel härter und körperlich anspruchsvoller ist als für Kinder: Mehr Gewicht und längere Gliedmaßen bedeuten, dass erheblich mehr Flieh- und Hebelkräfte entstehen, und man tiefer fällt. In unserem Verein gibt es auch nur eine minimal kleine Erwachsenengruppe.

Das wenige Erwachsene Judo trainieren hat meiner Meinung nach mehrere Ursachen. Um im Judo erfolgreich zu sein (Wettkämpfe) muss man relativ früh damit beginnen, check einfach mal wann die aktuellen Mitglieder des Nationalteams mit Judo begonnen haben. Gerade in Österreich sind Wettkämpfe für Erwachsene Hobbysportler rar gesät. Es gibt natürlich Turniere für die Allgemeine Klasse, doch hier muss man sich als Hobbysportler mit Landes- & Bundesliga Athleten messen.

Wie du schon richtig schreibst ziehen viele KS interessierte Judo gar nicht in Betracht. Weil es nicht gefährlich, cool, etc. bei uns im Verein ist es so dass Kinder meistens im Alter zwischen 6 und 10 mit dem Judo anfangen. Es gibt noch eine Gruppe ab 4 Jahren, was aber für die Trainer sehr anstrengend sein kann. Wenn du mit 12 anfängst zählst du schon zu den Spätstartern. Bei den 6-10 jährigen ist das Ziel aus den Kindern Wettkampfathleten zu machen, bereits nach dem Anfängerkurs wird erwartet dass diese an Turnieren teilnehmen.

Die meisten Kämpfer der Regionalligamannschaft stammen aus der eigenen Jugend, einige Kämpfer haben es bis in die 2. Bundesliga geschafft und ein Kämpfer hat es sogar bis in die 1. So ist das Konzept des Vereins, scheinbar geht es auf, die Trophäenschränke sind prall gefüllt.

Klar kannst du auch als Erwachsener mit dem Judo anfangen, aber da wirst du halt in der Breitensportgruppe landen. Da tummeln sich auch andere Erwachsene Anfänger, aber meistens Rentner die schon 40 oder 50 Jahre Judo machen und dem Sport noch irgendwie verbunden bleiben wollen. Mit Randori ist da nicht mehr viel, einige dieser alten Knaben können kaum noch aufrecht laufen.

Richtig kämpfen lernst du nur in der Wettkampfgruppe, aber da wirst du als Beginner kaum mitmachen dürfen, falls doch gibt es gratis Flugunterricht. Kurz zusammengefasst: Ziel der Vereine ist es Kinder zu Wettkampfathleten zu machen. Erwachsene Anfänger landen in der Regel in der Breitensportgruppe bei den alten Opas.

Edit: Beim allergrößten Teil der DJB Vereine wird Judo als reiner Wettkampfsport betrachtet. Klar ist auch dass es Ausnahmen gibt.

Alternativen und Ergänzungen

Wenn man keine Lust auf Wettkampftraining hat, der Regeln wegen, kann man auf Glück hoffen, einen guten Lehrer für das Breitensporttraining zu finden. Erwachsenentraining braucht eines - Freiraum. Solange es nicht ein kompletter Anfänger ist, sollten ab 16 Jahre und ab Orange frei üben können. Alles vorgesagt bekommen, was man als nächstes üben muss, als Erwachserner...soviel sollte einem schon zugetraut werden.

Judo als Selbstverteidigung für Frauen

Die Frage ob Judo für Frauen zur Selbstverteidigung eingesetzt werden kann, kann durchaus bejaht werden. Judo eignet sich durch das Grundprinzip des möglichst geringen Kraftaufwands besonders für Personengruppen, die nur wenig Körpergewicht mitbringen und diese Unterlegenheit durch bessere Technik ausgleichen müssen.

Aufgrund der Tatsache, dass Frauen im Durchschnitt deutlich leichter sind als Männer, stellt Judo für Frauen einen sehr wirksamen Kampfsport dar. Im Gegensatz zu den Crashkursen für Frauen, wo Ihr in wenigen Stunden ausschließlich die gezielte körperliche Verteidigung gegen das männliche Geschlecht lernen sollt, bietet die Mitgliedschaft in einem Judo-Verein noch diverse andere Vorteile. Dazu gehören zum Beispiel neue soziale Kontakte, eine dauerhaft gesteigerte Fitness durch regelmäßiges Judotraining, ein stärkeres Selbstbewusstsein und ein besseres Gefühl für den eigenen Körper.

Judo für Frauen kann durchaus als effektive Selbstverteidigung, auch gegen Männer, eingesetzt werden. In einer Auseinandersetzung gegen einen einzelnen Gegner werden Euch die Techniken aus dem Unterricht sehr gute Dienste leisten, sollten aber keinesfalls leichtfertig eingesetzt werden. Und um eines vorweg zu nehmen, beim Judo stehen viele Fall- und Hebeltechniken im Vordergrund.

Judo für Frauen ist bestens geeignet, um sich gegen männliche Angreifer zur Wehr zu setzen, besonders da diese im Regelfall weit mehr Kraft und Gewicht vorweisen können.