Richard David Precht, geboren 1964, ist ein bekannter Philosoph und Moderator. Seine leicht verständliche Einführung in die Philosophie «Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?» wurde zum Millionenbestseller. Seit 2012 ist Precht Gastgeber seiner eigenen Sendung «Precht» beim ZDF. Er äussert sich dezidiert auch zu gesellschaftlichen und politischen Themen.
In einem Interview mit Hazel Brugger im Rahmen der Veranstaltungsreihe Big Talk von NZZ Live diskutierten die beiden über künstliche Intelligenz und das phantastische Potenzial hässlicher Kleinstädte.
Precht über Judo und Kindheitserinnerungen
Brugger und Precht sprachen auch über ihre Erfahrungen mit Judo. Brugger erzählte, dass sie nur wegen ihres Bruders beim Judo war und es ihr keinen Spass gemacht habe. Precht hingegen hatte viel Spass am Judo und erklärte: «Ich habe mich als Kind ja auch nicht ungern mal geprügelt, und beim Judo konnte man das so hinkriegen, dass man nicht nachher eine blutige Nase hatte oder dass sie gebrochen war.» Er habe aufgehört, als er seine Doktorarbeit geschrieben hatte, weil er zu viel Angst hatte, sich zu verletzen. Auf die Frage, ob ihm das Prügeln heute in seinem Philosophen-Alltag fehle, antwortete er, dass er vor einem guten Jahr nochmals in die Judo-Schule eines ehemaligen Kameraden gegangen sei, aber schon nach dem Aufwärmen ziemlich alle gewesen sei.
Die Bedeutung des Aufwachsens in Solingen
Precht äusserte sich auch zu seiner Kindheit in Solingen und sagte, dass er vielleicht nicht so interessiert am Denken und an fiktiven Welten gewesen wäre, wenn er an einem spannenderen Ort aufgewachsen wäre. Er fügte hinzu, dass es tatsächlich diese von Phantasie verlassenen mittelgrossen deutschen Städte gebe, die nach dem Zweiten Weltkrieg zu Unrecht wieder aufgebaut wurden. Immerhin hat die Phantasie in diesen Städten noch richtig Platz, da es dort so wenig Bespassungs-Angebote gibt. Das weckt den Sinn für das Nachdenken, regt die Phantasie an und wohl auch die Frage nach dem Sinn des Lebens.
Philosophie und die Suche nach Wahrheit
Precht äusserte sich kritisch über die Entwicklung der Philosophie hin zu einer exakten Wissenschaft. Er argumentierte, dass je wissenschaftlicher Philosophie wird, umso bedeutungsloser wird sie. «Aus Philosophie Wissenschaft zu machen, ist eine Vergewaltigung von Philosophie, weil am Ende nicht mehr viel übrig bleibt, worüber man im strengsten Sinne wissenschaftlich reden kann.» Während die Sprachlogik, die viele Philosophen betreiben, zwar wichtig und verdienstvoll sei, erreiche sie die breite Mehrheit der Menschen nicht, die philosophische Fragen und Bedürfnisse haben.
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Precht betonte, dass Wahrheit nicht nur eine Frage logischer Sätze sei, sondern sich auch in anderen Formen wie Unmittelbarkeit, Authentizität oder dem Gefühl einer Grundsicherheit offenbaren könne. Er zitierte António Lobo Antunes, der sagte, dass er nicht wolle, dass seine Romane regulär in Buchhandlungen verkauft würden, sondern in einem speziellen Giftschrank, da sie die Wahrheit enthielten, die die meisten Menschen nicht vertragen würden.
Künstliche Intelligenz und ihre Grenzen
Precht sprach auch über sein Buch über künstliche Intelligenz und betonte, dass die Frage nach künstlicher Intelligenz unsere Lebenswelten rasant verändern wird. Er erklärte, dass er die Menschen zum Handeln animieren möchte, um die Grenzen des sinnvollen Einsatzes künstlicher Intelligenz zu erkennen. Insbesondere warnte er davor, künstliche Intelligenz moralische Entscheidungen treffen zu lassen, da dies der Natur von Moral widerspreche.
Auf die Frage, warum Computer nicht zu Boshaftigkeit in der Lage seien, antwortete Precht mit dem Konzept der Emergenzphänomene. Er erklärte, dass Leben und Bewusstsein Eigenschaften haben, die im toten Sternenstaub, aus dem sie entstanden sind, nicht enthalten sind. Ebenso gebe es keine Evidenz dafür, dass Intelligenz zu Wille führe, wie es einige wie Stephen Hawking und Elon Musk befürchten.
Die Rolle des Verstandes und des Willens
Precht zitierte David Hume, der sagte, dass der Verstand zwar alles analysieren könne, aber am Ende der Wille entscheide. «Der Verstand ist eine Art Marketing-Abteilung, die im Nachhinein rechtfertigt, was der Wille vorher entschieden hat.» Er nannte politische Grundüberzeugungen als Beispiel, die man meistens im Alter zwischen 17 und 25 Jahren erwerbe, obwohl man in diesem Alter das Leben noch nicht kenne. Danach teile man die Argumente nur noch so ein, dass sie in das bestehende Weltbild passen.
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