Miriam Butkereit: Eine Judo-Biografie

Miriam Butkereit, geboren am 8. Mai 1994 in Hamburg, ist eine herausragende deutsche Judoka. Ihre Größe beträgt 1,80 m. Sie ist Bundespolizistin und trägt den 2. Dan. Aktiv ist sie seit 2001. Ihre Trainer sind Kansetsu Eguchi und Swenja Krosien. Sie startete ihre Karriere beim TSV Glinde, wechselte aber später zum SV Halle.

Anfänge und erste Erfolge

Ihre sportliche Laufbahn begann Butkereit beim DSC Wanne-Eickel. Obwohl ihr der Sport zu Beginn nicht besonders zusagte, entwickelte sie schnell eine tiefe Begeisterung, die sie schon früh auf die nationale Wettkampfbühne brachte. Miriam Butkereit besuchte als Siebenjährige einen Judo-Schnupperkurs, der ihr aber nach eigener Aussage nicht gefiel. Letztlich kam sie über eine Freundin, deren Vater Judotrainer war, doch noch zum Judo und trainierte ab 2002 in ihrem Heimatort Glinde unter Swenja Krosien, die bis ins Erwachsenenalter ihre Trainerin blieb.

Im Alter von sieben Jahren begann sie mit Judo. Sie hatte damals mit ihrer Cousine Schnupperkurse in verschiedenen Sportarten gemacht, unter anderem Judo. „Da hat es mir überhaupt nicht gefallen“, sagt sie über die Anfänge. „Aber ein Jahr später ist eine Freundin von mir zum Judo gegangen und ihr Papa war der Trainer.“ Den kannte sie sehr gut, da er früher mit ihrer Mutter und dem Onkel zusammen Judo gemacht hat. „Also hab ich dem Ganzen eine Chance gegeben und bin hin.“

Ihr erstes Turnier war dann eine Bezirksmeisterschaft, in der sie von vier Kämpfen jeden verloren hatte. „Ich war super traurig und wollte mit Judo aufhören. Am Abend, als meine Mum mir dann sagte, dass sie mich abmelden könne, hab ich wieder geweint und hab ihr gesagt, sie solle das lassen und ich geh jetzt viel öfter zum Training.“ Aus einem Training in der Woche ging sie auf einmal in jede mögliche Trainingsstunde, die angeboten wurde und trainierte sieben Stunden in der Woche.

2008 feierte Butkereit beim Roland Cup in Bremen in der Altersklasse U16 und in der Gewichtsklasse unter 57 kg ihren ersten Sieg. 2014 legte Butkereit den Grundstein für ihre internationale Karriere, als sie sich ihren ersten deutschen Meistertitel sicherte.

Lesen Sie auch: Miriam Schneider: Judo-Talent im Porträt

Internationale Karriere

2015 begann sie ihre Ausbildung bei der Bundespolizei. Damit hatte sie auch die Möglichkeit, ihre berufliche Entwicklung gut mit den sportlichen Zielen zu verbinden. Sieben Jahre später, 2021, gewann sie ihre erste internationale Medaille: Bei den Europameisterschaften erkämpfte sie sich in ihrer Gewichtsklasse die Bronzemedaille. Noch im selben Jahr erfüllte sich für sie ein Traum, als sie sich für die Olympischen Spiele in Tokio qualifizierte.

Bereits 2021 war Miriam Butkereit im Rennen um die Olympiaqualifikation. Damals fuhr jedoch Giovanna Scoccimarro nach Tokio, die ein paar Punkte in der Rangliste vor ihr lag. Für Paris dreht sie nun den Spieß um und hält das Olympiaticket fest in der Hand. Mit ihren Siegen bei den Grand Slam in Paris und Taschkent in diesem Jahr sichert sie sich das Ticket ab und geht nun als Siebte mit einem Setzplatz in die Spiele von Paris.

Miriam Butkereit feierte in der Gewichtsklasse bis 70 kg ihre erste Goldmedaille bei einem Grand Slam und sicherte sich damit auch wertvolle Punkte für das Olympia-Ranking, über das am Ende die Olympia-Tickets vergeben werden. Auf dem Weg zu Olympia nennt sie den Grand Slam in Paris als einen besonderen Wettkampf. „Im olympischen Jahr in Paris gegen eine Französin zu gewinnen, war magisch.

Wechsel zum SV Halle

Bis 2022 blieb sie ihrem Heimatverein in Glinde treu, ist jedoch im Jahr nach Olympia von Glinde zum SV Halle gewechselt und trat somit die Nachfolge von Luise Malzahn an. Ab sofort wird die Judoka Miriam Butkereit, die am Bundestützpunkt Köln trainiert und aktuell den fünften Platz der Judo-Weltrangliste in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm anführt, für den Verein starten. Die Entscheidung mit Miriam Butkereit den halleschen Judo-Kader zu verstärken, ist ein Bekenntnis und zugleich Wunsch des SV, am Status und der Tradition langjähriger Erfolge im Judosport festzuhalten - an einem Status, der ganz wesentlich durch die nationalen und internationalen Erfolge der Malzahn-Schwestern (Luise und Claudia) geprägt wurde.

„Im April hatte mich Luise in Antalya beim Grand Slam gefragt, ob ich mir so einen Wechsel vorstellen kann“, sagt die 28-Jährige, die bereits Halle durch private Besuche bei Luise kennt. „An den Schritt sind natürlich auch Erwartungen geknüpft. Die Judo-Weltmeisterschaften in Taschkent stehen vor der Tür. In drei Wochen kämpfe ich dann erstmals für den SV Halle“, betont Butkereit. Der Wechsel hin zu einem Verein mit gewachsenen Strukturen, vorzeigbaren Wettkampf-Erfolgen, gepflegten und gelebten Traditionen sei für sie ein Glücksfall.

Lesen Sie auch: Deutsche Judo-Erfolgsgeschichte

Verschnaufen kann die SV-Athletin nach dem Wechsel vom TSV Glinde zum SV Halle nicht. Nach der WM wird sie zunächst in einem Praktikum ihren beruflichen Pflichten bei der Bundespolizei nachkommen, sich parallel aber auch schon auf die nächsten sportlichen Höhepunkte wie den Grand Slam in Tokio (03. bis 04. Dezember) und die Jerusalem Masters (20. bis 22. Dezember 2022) in Israel vorbereiten.

Olympische Spiele 2024 in Paris

Ihr langfristiges Ziel ist klar: Die Olympiateilnahme 2024 in Paris. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris überraschte Miriam Butkereit die Judo-Welt, indem sie sich bis ins Finale kämpfte. Dort musste sie sich lediglich der kroatischen Weltranglistenersten Barbara Matić geschlagen geben und gewann die Silbermedaille - ein herausragender Erfolg.

Miriam Butkereit kämpfte sich ins Finale - und sahnte trotz Niederlage ab. Judoka Miriam Butkereit hat bei den Olympischen Spielen in Paris die Silbermedaille gewonnen und den größten Erfolg ihrer Karriere gefeiert. Die 30-Jährige unterlag in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm erst im Finale der zweimaligen Weltmeisterin Barbara Matić aus Kroatien.

Die Sportlerin aus Glinde, die inzwischen für den SV Halle kämpft, sicherte dem Deutschen Judo-Bund nach zuvor enttäuschenden Tagen die erste Medaille bei den Spielen in Frankreich. Fast hätte es sogar zum erst zweiten Gold einer weiblichen deutschen Judoka nach dem Triumph von Yvonne Snir-Bönisch 2004 in Athen gereicht. Doch Favoritin Matić war im Finale nicht zu schlagen.

Im Halbfinale war Butkereits Gegnerin Michaela Polleres, die bei den Spielen in Tokio vor drei Jahren Silber geholt hatte und von der früheren deutschen Judo-Olympiasiegerin Yvonne Snir-Bönisch trainiert wird, favorisiert.

Lesen Sie auch: Was ist der Unterschied?

Miriam Butkereit (oben): Sie hat in Paris die erste Medaille für das deutsche Judo-Team geholt.

Bürgermeister Rainhard Zug gratuliert der Glinderin Miriam Butkereit. Die 30-Jährige, die lange Zeit für den TSV Glinde auf der Matte stand, holte in Judo-Wettkampf der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm in Paris die Silbermedaille.

Drei Sportlerinnen aus Glinde treten bei den Olympischen Spielen in Paris an - vor ein paar Wochen sorgte diese Nachricht bereits für große Freude für die drei Frauen und respektvolle Anerkennung. Jetzt ist die Freude und Begeisterung in der Stadt noch größer. Miriam Butkereit hat (am 31. Juli 24) die Silbermedaille im Judo in der Gewichtsklasse bis 70 kg gewonnen. „So ein spannendes Finale! Viele Menschen in Glinde haben Miriam Butkereits Wettkampf im Fernsehen, Internet und Audiostream mitverfolgt und mitgefiebert. Wir gratulieren herzlich zu diesem überragenden Erfolg.“ sagt Glindes Bürgermeister Rainhard Zug nach den Wettkämpfen.

Und er ergänzt: „Als Judoka kann Miriam sehr stolz auf sich sein. Wir sind es auf jeden Fall und haben großen Respekt vor ihrer Leistung in Paris.“ Genauso stolz können auch Mascha und Seija Ballhaus sein. Die 24-jährigen Zwillinge sind ebenfalls Top-Sportlerinnen im Judo. Bei den olympischen Wettkämpfen hat Mascha in der Gewichtsklasse bis 52 kg den siebten Platz geholt. Bürgermeister Rainhard Zug spricht ihr dafür seine Anerkennung aus. Das gilt auch für Seija Ballhaus. Sie wurde trotz großartiger Leistungen nicht für Paris nominiert, war aber als Unterstützung und Trainingspartnerin dabei.

Alle drei Sportlerinnen sind in Glinde sehr bekannt und hochgeschätzt. Ihren Ehrgeiz haben sie schon früh beim TSV Glinde von 1930 e.V. gezeigt. Es sei ein großer Verdienst des Sportvereins, so Bürgermeister Rainhard Zug. „Die ehrenamtlichen Trainerinnen und Trainer unterstützen mit mehr als Rat, Kraft und aufbauenden Worten. Sie begeistern immer wieder junge Menschen zu außergewöhnlichen Leistungen und sind Teil ihrer Biografie. Dafür sprechen wir gerne immer wieder unsere Anerkennung aus.“ Außerdem sei es sehr schön gewesen, bei den Wettkämpfen in Paris viel Unterstützung von Familie und Freunden der Athletinnen zu sehen.

Bürgermeister Rainhard Zug hofft Miriam Butkereit, Mascha und Seija Ballhaus demnächst persönlich im Namen der Stadt Glinde zur erfolgreichen Teilnahme an den Olympischen Spielen gratulieren zu können.

Stärken und Persönlichkeit

Besonders geschätzt wird Butkereit für ihren kraftvollen Kampfstil und ihre exzellente Technik im Bodenkampf.

Miriam Butkereit ist ehrgeizig und auch eine sehr zielstrebige Sportlerin. „Ehrgeiz ist meine größte Stärke - aber auch meine größte Schwäche“, schätzt sie ein. Und ergänzt gleich noch: „Ja, auch sehr zielstrebig, aber leider manchmal auch ziemlich ungeduldig.“

Judo hat eine ganz besondere Bedeutung in ihrem Leben. „Es ist ein sehr großer Teil meines Lebens, den ich nicht missen möchte.“ Beim Judo sieht sie immer wieder neue Dinge, die sie entdecken kann. „Man kann sein Gefühl für gewisse Momente schulen und sich immer wieder aufs Neue auspowern. Mir gibt das alles so viel Energie und Freude“, sagt sie begeistert.

Nach der intensiven Zeit in der Olympiaqualifikation wird sie nach Olympia erst einmal viel Zeit mit ihren Liebsten verbringen. „Es ist in den letzten zwei Jahren vieles zu kurz gekommen und ich will nachholen, was liegen geblieben ist.“ Die Zeit in der Familie ist ihr auch im Alltag wichtig. „Ich verbringe meine freie Zeit mit meinem Freund und unserem Hund.“ Wenn es ihre Zeit zulässt, näht sie auch sehr gern.

Die ehrgeizige Sportlerin will nun alles dafür tun, um bestmöglich auf Olympia vorbereitet zu sein. Dabei möchte sie sich nicht mit hohen Erwartungen unter Druck setzen.

Fragen an Miriam Butkereit

  • Was treibt Dich an? Meine Ziele
  • Wie schaffst Du es, Deinen inneren Schweinehund zu überlisten? Ich denke daran, dass mich dieses Training näher an meine Ziele bringen wird
  • Was gefällt Dir an Dir besonders? Meine verpeilte Art, sie sorgt immer für einen Lacher
  • Gibt es ein Ritual/Glücksbringer beim Wettkampf? Ich habe immer die gleiche Wettkampfkleidung an.
  • Was magst Du an Dir gar nicht? Dass ich manche Sachen auf die lange Bank schiebe.
  • Wie kannst Du am besten entspannen? Zu Hause auf der Couch und nichts tun
  • Was ist Deine Lieblingsspeise, die Du Dir wünschst, wenn Du nach Hause zu den Eltern kommst? Die brauch ich mir gar nicht wünschen, die gibt es immer, wenn ich nach Hause komme.

Erfolge

Miriam Butkereit gelang 2024 der Durchbruch in die Weltspitze im Judo, als sie zunächst in Paris und Taschkent ihre ersten beiden Turniersiege auf Grand-Slam-Ebene feierte und sich anschließend bei den Olympischen Spielen in Paris in herausragender Form präsentierte. Die 30-Jährige kämpfte sich in der Klasse bis 70 kg bis ins Finale durch, verlor dieses zwar gegen die favorisierte Kroatin Barbara Matic, feierte aber mit Olympiasilber ihren größten Erfolg.

Erfolg Jahr
Olympiazweite 2024
WM-Dritte Mixed-Team 2022
Mehrfache Siegerin World Tour