Capoeira ist mehr als nur ein Kampfsport. Es ist eine Kunstform, die Bewegung, Musik und Kultur vereint. Capoeira ist eine afrobrasilianische Kampfkunst, die Spiel, Musik und brasilianische Geschichte vereint.
Mittlerweile wird der sanfte Kampfsport weltweit betrieben und hat einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht. In europäischen Großstädten trifft man bei einem Picknick im Park öfter mal auf eine Gruppe von Capoeiristas.
Capoeira ist eine international anerkannte Kunst, die bereits seit über 300 Jahren existiert. Als Sklaven diverser afrikanischen Kulturen in Brasilien zusammen kamen, wurden ihre Kulturen (d. h. die Lieder, Musik, Rituale, Tänze, Kampftechniken etc.) ausgetauscht und miteinander vermischt. Capoeira entwickelte sich als Ausdruck der Freiheit versklavter Völker, die durch eine Kunst vereint wurden.
Das Wesen der Capoeira
Bei der Capoeira handelt es sich um einen akrobatischen Kampfsport, der aus drei wesentlichen Elementen besteht. Charakteristisch ist zum einen die Formation der Gruppe zu einem Kreis, der so genannten Roda, in dessen Zentrum sich zwei Kämpfer begegnen. Zum anderen spielt die musikalische Begleitung eine wichtige Rolle.
Die Capoeiristas, die den Kreis bilden, singen traditionelle Reime und spielen Instrumente wie Berimbau (hölzerner Musikbogen mit Klangkalebasse), Atabaque (Fasstrommel) und Pandeiro (Handtrommel).
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Das dritte prägende Element der Capoeira sind die rhythmischen Bewegungen der beiden Akteure in der Kreismitte. Sie belauern sich, versuchen den Gegner zu lesen, seine Stärken und Schwächen aufzudecken, greifen an und wehren ab. Das geschieht in spielerischer Form. Tänzerische Drehungen und Sprünge, die von hoher Körperbeherrschung und Athletik zeugen, kommen zum Einsatz.
Heutzutage gibt es drei Stilrichtungen der Sportart:
- Capoeira Angola: Entstand zu Zeiten der Sklaverei im brasilianischen Nordosten unter dem Deckmantel eines Spieles. Diese Variante zeichnet sich aus durch langsame Bewegungen in Bodennähe und das ausführliche Studieren des Gegenübers. Dazu getragen werden schwarze Hosen und gelbe Oberteile.
- Capoeira Regional: Wartet mit schnelleren Bewegungen auf, vor allem zur flinken Musik des Berimbau. Man kann den Stil als effizienter und weniger akrobatisch bezeichnen. Mit Aufhebung des Capoeira-Verbotes fiel die Notwendigkeit zur Tarnung als Spiel für diese modernere Version weg. Die Bekleidung ist weiß.
- Capoeira der Gegenwart: Vermischen sich beide Stilrichtungen.
Kurioses: Verschiedenfarbige Kordeln klären über das Können der einzelnen Kämpfer auf. Jeder Verein veranstaltet regelmäßig Batizados (Gürtelprüfungen), bei denen neue Kordeln vergeben werden.
Die Capoeiristas nutzen Apelidos (Spitznamen), um ihre Identität zu tarnen, ein Erbe aus der Zeit der Sklaverei.
Im Zentrum der Capoeira steht die Malícia, wörtlich übersetzt „das Böse“. Diese Übersetzung ist irreführend. Gemeint sind die Fähigkeit die Beweggründe des Gegners zu erahnen und die „Verschlagenheit“ dies in den eigenen Vorteil umzumünzen.
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Historische Entwicklung
Bereits aus dem 16. Jahrhundert gibt es erste Aufzeichnungen über Capoeira in Brasilien. Das Land gehörte damals zu Portugal.
So entwickelten die Sklaven die Capoeira, um ihre kulturelle Identität zu bewahren, körperlich fit zu bleiben und den Arbeitsdruck abzubauen, ohne offen aufzubegehren. Sie übernahmen dabei ihre traditionellen afrikanischen Rhythmen zur Tarnung der Kampfbewegungen als Tanz.
Bis 1937 Jahre blieb der Kampfsport in Brasilien offiziell verboten und Capoeiristas wurden polizeilich verfolgt. Die Wende kam als der damalige Präsident Getúlio Vargas eine Vorführung zu sehen bekam und daraufhin die Capoeira zum brasilianischen Nationalsport erklärte.
Es begann der stetige Aufstieg der Sportart, der 2014 in der Anerkennung durch die UNESCO gipfelte. Die „Roda de Capoeira“ gilt seitdem als „Weltkulturerbe der Menschheit“.
Ursprung des Wortes
Genauso vielseitig wie die Capoeira selber ist auch die Herleitung des Begriffs. Es existieren vier unterschiedliche Deutungen:
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- Zunächst kann man Capoeira aus der angolanischen Bantu-Sprache ableiten, wo es für religiöse Riten, Tanz- und Kampfbewegungen steht.
- Das portugiesische Wort „Capão“ bedeutet „Hühnerkampf“ und verweist auf das niedere Ansehen der Sklaven als Vieh, das sich in gegenseitigen Kämpfen misst.
- Ein weiterer möglicher Ursprung liegt in der Zoologie. In Brasilien beheimatet ist ein gleichnamiger Vogel, dessen Gesang die ersten Capoeiristas in ihrer Musik imitierten.
- In der Sprache der brasilianischen Indigenen, dem Tupi Guarani, bedeutet „Caá-Pûera“ soviel wie „gerodete Urwalddichtung“. Der Begriff beschreibt die versteckten Örtlichkeiten, an denen die Sklaven die Capoeira ausübten.
Bedeutung der Capoeira für die Gesellschaft
Schon immer war Capoeira mehr als bloße körperliche Betätigung. Für die Sklaven bot sie die Möglichkeit zum kurzzeitigen Ausbruch aus der Kolonialherrschaft. Auch in der heutigen Zeit hat sie die Macht, das Leben von Menschen positiv zu beeinflussen.
ABADÁ Capoeira ist der nationale brasilianische Verein zur Förderung der Capoeira-Kunst mit Sitz in Rio de Janeiro. Diese übergeordnete gemeinnützige Vereinigung engagiert sich in unterschiedlichsten Projekten.
Dabei dient die Capoeira als Werkzeug und Motivator zur Verbesserung der Lebensbedingungen. ABADÁ möchte ein Bewusstsein schaffen für die Bereiche Soziales, Umwelt und Bildung.
In allen brasilianischen Staaten und in 58 Ländern auf fünf Kontinenten hat der Verein eine Repräsentanz. So trägt die Capoeira die brasilianische Kultur über die Landesgrenzen hinaus.
Capoeira in Freising
In Freising gibt es eine wachsende Gemeinschaft, die diese einzigartige Disziplin für Kinder zugänglich macht. Fabio Fernandes, ein Instructor aus Brasilien, bietet Kurse in dieser Mischung aus Tanz, Rhythmus und Kampfkunst an.
Capoeira besteht aus einem Fluss an tiefen, bodennahen Bewegungen, akrobatischen Elementen, die Gesang und Rhythmen traditioneller brasilianischer Instrumente begleiten.
Die Kompetenzstufen der Capoeira-Lehrer sind weltweit ähnlich strukturiert wie beispielsweise beim Judo.
In seinen Kursen für Kinder und Erwachsene vermittle er vor allem spielerisch die verschiedenen Techniken. "Ich sehe mir an, was die Kinder können, was sie mögen und passe den Unterricht daran an", beschreibt Fernandes. Es gehe um Spaß und Freude, nicht um Leistung.
Kinder liegen ihm besonders am Herzen, daher bietet er an einigen Freisinger Schulen Capoeirakurse an.
Seine Kurse sind ein Ort, um zusammen zu sein, wo sich verschiedene Kulturen treffen. Wer Capoeira macht, ist ein Weltbürger und fühlt sich dadurch auch in der Fremde zu Hause.
Die Vorteile von Capoeira für Kinder
Capoeira bietet viele Vorteile, die über die körperliche Fitness hinausgehen. Hier sind einige der wichtigsten Vorteile:
- Verbesserte Koordination: Die verschiedenen Bewegungen in Capoeira helfen Kindern, ihre Koordination und Balance zu verbessern.
- Stärkung des Selbstbewusstseins: Wenn Kinder neue Fähigkeiten erlernen, gewinnen sie Vertrauen in ihre Fähigkeiten.
- Stressabbau: Bewegung ist eine großartige Möglichkeit, Stress abzubauen. Capoeira macht Spaß und hilft Kindern, sich zu entspannen.
- Kreativität: Die Improvisation in Capoeira fördert die Kreativität. Kinder lernen, sich auszudrücken und ihre eigenen Bewegungen zu entwickeln.
- Disziplin: Regelmäßiges Training lehrt Kinder Disziplin und Durchhaltevermögen.
Capoeira und die Entwicklung von Lebenskompetenzen
Capoeira lehrt Kinder nicht nur körperliche Fähigkeiten, sondern auch wichtige Lebenskompetenzen. Hier sind einige Beispiele:
- Teamarbeit: Kinder lernen, im Team zu arbeiten und sich gegenseitig zu unterstützen.
- Konfliktlösung: Durch das Spielen lernen sie, Konflikte friedlich zu lösen.
- Zielsetzung: Kinder setzen sich Ziele, um neue Fähigkeiten zu erlernen, was ihnen hilft, auch in anderen Lebensbereichen zielstrebig zu sein.
- Respekt: Capoeira lehrt Respekt vor anderen, unabhängig von deren Fähigkeiten oder Hintergrund.
Vor- und Nachteile von Capoeira
Wie jede Sportart hat Capoeira besondere Aspekte, von denen gerade Kinder profitieren.
Vorteile
- Spaßfaktor: Capoeira trainiert nicht nur den ganzen Körper, sondern macht auch noch richtig Spaß! Im Training wie auch im Spiel mit dem Gegner wird viel gelacht und es herrscht eine tolle Stimmung.
- Fettabbau: Da man ständig in Bewegung ist, eignet sich Capoeira sehr gut, um Kalorien zu verbrennen. Gerade das Spiel mit dem Gegner ist sehr intensiv und anstrengend.
- Herz-Kreislauf-System: Je nach Musik erfolgen die Bewegungen langsamer oder schneller. So kann das Training ganz auf die körperlichen Belastbarkeit angepasst werden.
- Rückenfreundlichkeit: Durch die Stärkung der Rumpfmuskulatur wird der Rücken generell entlastet.
- Ausdauer: Durch mittlere bis hohe Belastung, gut als Intervalltraining geeignet.
- Koordination: Die spektakulär aussehenden Bewegungen erfordern ein hohes Maß an Koordination, die Schritt für Schritt aufgebaut wird, sodass schon bald Kombinationen aus den kompliziertesten Bewegungen möglich sind. Auch das Rhythmusgefühl wird verbessert, da das Training zu Musik stattfindet.
- Kraft: Die gesamte Muskulatur wird gestärkt, ganz besonders Oberarme, Po und Bauchmuskulatur. Viele Bewegungen ähneln Bodyweight-Übungen und trainieren Muskelgruppen mithilfe des eigenen Körpergewichts.
Nachteile
- Schonung der Gelenke: Bewegungen wie Sprünge und Akrobatik belasten die Gelenke teilweise stark. Deswegen ist Capoeira bei bestehenden Gelenkproblemen nicht zu empfehlen.
- Kontraindikation: Nicht geeignet bei Knieproblemen und Beschwerden anderer Gelenke. Kein Training bei akuten Erkrankungen!
Capoeira in Karlsruhe
Auch die Integration von Geflüchteten stellt für Capoeira Karlsruhe e.V. ein sehr wichtiges Thema dar. Seit 2016 bietet der Verein mit Unterstützung der Stadt Karlsruhe Capoeira-Training für minderjährige Geflüchtete an.
Im Mutterland Brasilien ist Capoeira zudem ein wirksames Instrument, um Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen zu unterstützen.
