Jerry Sags ist vor allem bekannt für seine Zeit als Mitglied der "Nasty Boys", einem der kultigsten Tag Teams der 90er Jahre.
Die Anfänge und der Aufstieg der Nasty Boys
Brian Knobbs und Jerry Sags, die beiden "Nasty Boys", waren bereits Kindheitsfreunde und beschlossen kurz nach Beginn ihrer Wrestling-Karriere im Jahr 1985, gemeinsame Sache zu machen. Bereits im berüchtigten Memphis-Territorium konnten sie erste Duftmarken setzen, wo sie als Heel Tag Team in ein Programm mit den Midnight Rockers (Shawn Michaels und Marty Jannetty) verwickelt wurden. Eine Fehde zwischen beiden Teams, die später auch in der WWF über die Bühne gehen sollte.
1990 wurde dann die WCW auf das effektive Heel Tag Team aufmerksam. Dort setzte man sie als Rivalen der Steiner Brothers ein, woraus die Nasty Boys jedoch als Verlierer hervorgingen. Danach ging es rüber zur WWF, wo der Titelerfolg nicht lange auf sich warten ließ.
Erfolge in der WWF und WCW
Ihnen wurde Jimmy Hart als Manager an die Seite gestellt, der damals gefühlt jedes Heel Tag Team managte, das nicht bei drei auf dem Baum war. In einem Tag Team Battle Royal um den Spot als Top-Herausforderer, setzten sich die Nasty Boys gegen sechs andere Teams durch. Dadurch wurden sie zu den Top Herausforderern und trafen bei WrestleMania VII auf die Hart Foundation. Anschließend blieben die Nasty Boys noch eine ganze Weile im WWF-TV als prominentes Tag Team präsent, ohne jedoch die Tag Team Titel noch einmal erobern zu können. Es folgten Fehden gegen die Rockers und die Bushwhackers sowie gegen Hacksaw Jim Duggan und Sgt. Slaughter. Dadurch konnten sich die Nasty Boys noch einige Zahltage bei diversen Großveranstaltungen sichern.
Bei der WWF sank der Stern der Nasty Boys anschließend. Ansonsten verbrachten die Nasty Boys Zeit damit, sich in ruppigen Matches gegen die Headshrinkers zu einer Reihe von Unentschieden und No-Contests zu prügeln. Dabei wurden auch diverse Gegenstände prominent als Waffen eingesetzt, was ein damals noch sehr ungewohnter Anblick im Mainstream-Wrestling war.
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1993 folgte dann auch die Entlassung aus der WWF. Grund soll ein nicht näher definierter Vorfall Backstage gewesen sein, was die Nasty Boys jedoch bis heute abstreiten. Schwer zu sagen, wer hier die Wahrheit sagt. Doch dass die Nasty Boys einen dubiosen Backstage-Ruf weg hatten und im Ring teilweise als übereifrig galten, kann nicht von der Hand gewiesen werden.
Kurz danach kamen die Nasty Boys bei der WCW unter. Dort konnten die Nasty Boys sich dreimal die Tag Team Championship sichern. So kam es, dass die Nasty Boys 1994 auch zum PWI Tag Team des Jahres gewählt wurden - eben wegen dieser innovativen Street Fights.
Kontroversen und das Ende der Mainstream-Karriere
Bei einem Match zwischen den Teams wurde Jerry Sags von irgendeinem Projekt hart am Hinterkopf getroffen. Hintergrund, dass Jerry Sags so ausflippte, war eine bestehende Nackenverletzung. Jerry Sags hielt sich dabei kalkuliert zurück und überließ Brian Knobbs die meiste Arbeit im Ring. Doch als es zu dem unglückseligen Treffer kam, brannten bei Sags daraufhin alle Sicherungen durch.
Da Kevin Nash, Scott Hall und Hulk Hogan den WCW Main Event damals quasi in eigener Sache buchten, waren die Tage der Nasty Boys in der WCW gezählt. Ihr wenig ruhmreiches Ausscheiden bei der anderen großen Adresse in den USA sowie die Verletzung von Jerry Sags kosteten das Tag Team im Grunde genommen ihren Spot im Mainstream Wrestling.
Danach tingelten sie nur noch durch die Indies und hatten lediglich nochmal einen kurzen Run in der WWE (2007). Doch auch der kam über ein Dark Match nicht hinaus, da die Nasty Boys sich bei ihrem Einmarsch wohl derart ausgiebig feierten und alles unnötig in die Länge zogen, dass daraufhin das TV-Taping in Zeitverzug kam.
2010 gab es dann noch ein Intermezzo bei TNA, wo die Nasty Boys (abermals dank Freund Hulk Hogan) unterkamen und in ein zumindest nominell interessantes Programm gegen Team 3D (besser bekannt als die Dudleys) auf die Beine stellen konnten.
Seither waren die Nasty Boys nur noch sporadisch in obskuren Indy-Promotions zu sehen und sind auch weitgehend aus den Augen der Öffentlichkeit und dem aktiven Wrestling-Geschehen verschwunden.
Das Vermächtnis der Nasty Boys
Alles in allem lässt sich wohl festhalten, dass den Nasty Boys ihr (nicht ganz ungerechtfertigter) Ruf und Image als pöbelnde Prügler selbst zu Kopf gestiegen ist. Denn auch wenn sie nicht an allen vorzeitigen Entlassungen allein schuld waren (zumindest in der WCW nicht), spricht es schon für sich, dass sie quasi bei jeder Mainstream-Wrestling-Promotion in den USA mindestens einmal gefeuert wurden.
