Die zweifache Judo-Weltmeisterin Anna-Maria Wagner wird in diesem Jahr ihre Karriere beenden. 2025 wird das letzte Jahr in der überaus erfolgreichen sportlichen Karriere von Anna-Maria Wagner sein.
Erfolge und Auszeichnungen
Anna-Maria Wagner ist eine der herausragendsten Judoka Deutschlands und zählt zu den besten Athletinnen weltweit in der Gewichtsklasse bis 78 kg. Ihre größten Erfolge sind neben den olympischen Bronze-Medaillen sowohl im Einzel als auch im Team in Tokio 2021 die beiden Weltmeistertitel 2021 und 2024. Sie hat damit Geschichte geschrieben und ist die einzige deutsche Doppelweltmeisterin im Judo.
Zu ihren weiteren Auszeichnungen gehört, dass sie bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Paris im vergangenen Sommer gemeinsam mit Basketball-Star Dennis Schröder die deutsche Fahne getragen hat. Als Anerkennung für ihre Leistungen durfte sich die 28-jährige Judoka des KJC Ravensburg ein weiteres Mal ins Goldene Buch der Stadt Ravensburg eintragen.
Besondere Momente
Welchen Moment sie in ihrer Karriere als den schönsten bezeichnen würde - darauf möchte sich die 28-Jährige nicht festlegen. Die beiden Weltmeistertitel? Die olympischen Bronzemedaillen? Oder doch die große Ehre, die deutsche Fahne in Paris getragen zu haben?
Der Weg zum Erfolg
Geboren am 17. Mai 1996 in Ravensburg, begann sie bereits in ihrer Kindheit mit dem Judo und entwickelte sich schnell zu einem Ausnahmetalent. Zum Judo kam Anna-Maria Wagner über eine Judo-AG. „Es hat mir so viel Spaß gemacht, da wollte ich danach direkt im Verein KJC Ravensburg weiter machen.“
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Wagners Stil zeichnet sich durch technische Präzision, enorme Kraft und mentale Stärke aus. Diese Eigenschaften haben ihr in den letzten Jahren viele bedeutende Erfolge auf nationaler und internationaler Bühne eingebracht. Im Oktober 2016 ging es dann für sie an den Stützpunkt Köln.
Olympische Spiele in Paris
Mit dem WM-Titel im Rücken hatte sie in Paris nur ein Ziel: Olympia-Gold! Zunächst jedoch fiel die Wahl als Fahnenträgerin bei der Eröffnungsfeier auf der Seine auf sie. Eine riesige Ehre für sie und auch für den deutschen Judo-Sport.
In der französischen Hauptstadt hatte sie die erhoffte Medaille verpasst. Ihren Bronze-Kampf in der Gewichtsklasse bis 78 Kilogramm verlor sie gegen Ma Zhenzhao aus China. Es wurde in Paris am Ende Platz 5, für sie ein enttäuschendes Ergebnis.
Die Zeit nach Paris
Nach der Rückkehr aus Paris, wo ihr die erhoffte Einzel-Medaille verwehrt geblieben war, hatte sie sich vom Judosport zurückgezogen. Zunächst hatte sie sich zurückgezogen und den Judogi im Schrank gelassen. Auch hatte sie offengelassen, ob sie wieder auf die Tatami zurückkehrt. Sie wollte sich keinen Druck machen und ihr Körpergefühl entscheiden lassen. Sie fragte sich auch, ob das innere Brennen für den Sport noch da ist.
Um ihre schwere Enttäuschung zu verarbeiten, lenkte sie sich bewusst mit Unternehmungen außerhalb ihres Sports ab. Im SWR-Interview hatte sie betont, dass sie versuche, schöne Ereignisse einzubauen, "damit ich nicht in ein Loch rutsche. Ich möchte die Zeit, die ich jetzt zur Verfügung habe, genießen." Sie wollte nachholen, worauf sie in den vergangenen Jahren "meist gern" verzichtet hatte.
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Erst zu Beginn dieses Jahres hatte die Athletin des KJC Ravensburg wieder den Judoanzug übergestreift und mit dem Training begonnen. Allerdings nicht, wie in den vergangenen gut acht Jahren am Olympiastützpunkt Rheinland in Köln, sondern am Olympiastützpunkt in Stuttgart. Hier hatte Wagner ihre Karriere in jungen Jahren gestartet.
Pläne für die Zukunft
Und sie hat nun eine Entscheidung getroffen. Diese teilt sie auf ihrem Instagram-Account mit: „2025 wird mein letztes Jahr sein. Nach vielen Jahren im Leistungssport ist es nun soweit: Mein Kopf, mein Körper und mein Herz sehnen sich nach Veränderung."
Über ihre Zukunftspläne verrät Wagner nur wenig. "Es warten nicht nur Kämpfe, sondern auch tolle Projekte", schreibt sie. "Was dieses Jahr für mich bereithält, werde ich euch Stück für Stück verraten", erklärte Wagner.
Aber die Familie soll wieder im Mittelpunkt stehen, ihr Studium im Hotel- und Tourismusmanagement nimmt sie nach fünf Jahren wieder auf. "Es ist mir wichtig, nach dem Sport die Priorität auf das Leben danach zu legen und es in die Arbeitswelt zu schaffen", sagt sie.
Sie wird jedoch noch auf den Matten zu sehen sein. Ihren ersten Kampf in diesem Jahr wird sie schon bald bestreiten. Am 12. April startet sie für die TSG Backnang in der 1. Bundesliga. „Ich freu mich riesig auf mein Abschiedsjahr und darauf, nochmal alles zu geben.“
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Ihre Pläne für dieses Jahr und sicher auch die Zeit danach will sie nach und nach auf ihrem Instagram-Kanal veröffentlichen. "Es warten nicht nur Kämpfe, sondern auch tolle Projekte, die ich mit Euch teilen werde", schreibt sie.
Engagement und Vorbildfunktion
Anna-Maria Wagner gilt seit langem auch über den Sport hinaus als Vorbild. Neben den vielen Erfolgen brachte ihr auch der offene Umgang mit ihren mentalen Problemen viel Respekt ein. Nach den Sommerspielen in Japan vor knapp vier Jahren war sie in ein psychisches Loch gefallen, die Diagnose: Post-Olympia-Depression. Bemerkenswert offen sprach Wagner anschließend über die "sehr, sehr schwierige Zeit. Es war nicht einfach, sich da rauszukämpfen". Corona erschwerte die Situation zusätzlich. Wagner dachte über ein Karriereende nach.
Sie ist seit Kurzem Judo-Botschafterin der Special Olympics - dem großen Sportereignis für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Beeinträchtigung. Die Freude war auch ganz auf der Seite Anna-Maria Wagners. „Die Special Olympics Athleten haben mich damals schon beeindruckt. Ich freue mich sehr, ab sofort auch ein Teil der Special Olympics-Familie zu sein. Ich möchte einen kleinen Teil dazu beitragen, dass noch mehr Menschen mit geistiger Beeinträchtigung den Judo-Sport kennen und lieben lernen. So wie Andrea und ich es auch tun. Jeder hat das Recht auf Sport. Sport verbindet und hält fit. Ich freue mich darauf, die Athletinnen und Athleten bei gemeinsamen Trainings und Wettkämpfen kennenzulernen und hoffe, meine Erfahrungen weitergeben zu können.“
Anna-Maria Wagner im Überblick
| Geboren am: | 17.05.1996 |
|---|---|
| Größe: | 1,82 m |
| Beruf: | Sportsoldatin |
| Graduierung: | 5. Dan |
| Aktiv seit: | 2004 |
| 1. Verein: | KJC Ravensburg |
| Aktueller Verein: | KJC Ravensburg |
