Jerry Springer und WWE: Eine unerwartete Verbindung

Die Welt des Wrestlings und die Welt der Talkshows scheinen auf den ersten Blick wenig gemeinsam zu haben. Doch die WWE hat in ihrer Geschichte immer wieder auf prominente Gastauftritte gesetzt, um ihre Shows aufzuwerten und neue Zielgruppen zu erschließen. Eine dieser unerwarteten Verbindungen war die mit Jerry Springer.

Jerry Springer: Vom Talkshow-Master zum WWE-Moderator

Jerry Springer, der vor allem für seine polarisierende Show "The Jerry Springer Show" bekannt war, arbeitete in der Vergangenheit mehrmals für WWE. Es war nicht unüblich, dass sich Gäste dort zofften, was das Zeug hält. Der Brite schien jedoch immer den Überblick über die Lage zu behalten - und wurde dafür von den Fans gefeiert.

Im Februar 2010 trat er als Sonder-Gastgeber einer Raw-Ausgabe in Erscheinung. Im Jahr 2014 moderierte er ein Segment mit den Bella-Zwillingen. Die Bellas befanden sich seit SummerSlam in einem heftigen Streit, nachdem Nikki ihre Zwillingsschwester Brie verraten hatte. Springer sollte versuchen, die Kluft zwischen den streitenden Schwestern zu überbrücken.

Einige Fans äußerten sich skeptisch über Springers Rolle bei WWE. Sie befürchteten, dass sein Auftritt zu trashig werden könnte. Andere sahen darin eine unterhaltsame Abwechslung.

WWE erinnerte an Jerry Springer: Krawall-Talkshow-Gastgeber Jerry Springer ist am Donnerstag gestorben. Er wurde 79 Jahre alt.

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Der Fall Michael Sam: Eine verpasste Chance?

Im Jahr 2014 lud die WWE den ersten offen homosexuellen Footballspieler der NFL, Michael Sam, zu einer RAW-Episode ein. Sam war kurz zuvor aus dem Kader der St. Louis Rams gestrichen worden. Die WWE wollte ihm die Gelegenheit geben, sich live am Mikrofon zu seinem Rauswurf zu äußern.

Die Einladung der WWE an Michael Sam stieß auf gemischte Reaktionen. Einige kritisierten den Schritt als peinlichen und verzweifelten Versuch, die Einschaltquoten zu erhöhen. Sie befürchteten, dass Sam für eine solche Nummer missbraucht werden könnte. Andere sahen darin eine Chance, ein wichtiges Zeichen für Toleranz und Akzeptanz zu setzen.

Letztendlich lehnte Michael Sam die Einladung der WWE ab. Stattdessen unterschrieb er bei den Dallas Cowboys. Die WWE gratulierte Sam zu seinem Vertrag und sprach eine erneute Einladung für zukünftige RAW-Ausgaben aus.

Nachdem NFL Player Michael Sam die Einladung der WWE am gestrigen Dienstag abgelehnt hat, in der kommenden RAW Episode aufzutreten und sich dort zu seinem Rauswurf aus dem Kader der St. Louis Rams zu äußern, hat die WWE in der aktuellen WWE Main Event-Episode umgehend Ersatz angekündigt und Jerry Springer für die kommende RAW Episode am Montag, den 08.

WWE und Netflix: Eine neue Ära

In der vergangenen Woche begann mit der ersten Ausgabe von „Monday Night RAW“ auf Netflix eine neue Ära und somit endeten auch die Zeiten, in der es konkrete TV-Ratings der roten Show zu berichten gab. Netflix selbst verkündete, dass die Show innerhalb der ersten 24 Stunden von insgesamt 4,9 Millionen Haushalten weltweit gesehen wurde. Jene von Netflix veröffentlichten Views werden errechnet, indem die Gesamtanzahl der Watchtime durch die Laufzeit der Show geteilt wird. Wie viele Personen pro Haushalt auf Netflix schauten, ist aber unklar. Nimmt man an, dass die Anzahl der Personen pro Haushalt dieselbe war, wie zuletzt auf dem USA Network (1,36 Personen pro Haushalt), so läge die weltweite Zuschauerzahl bei 6,664 Millionen Zuschauern.

Die WWE hat den ersten offen homosexuellen Footballspieler der NFL, Michael Sam, in die nächste RAW Episode am kommenden Montag, den 08. September 2014 in Baltimore, Maryland, eingeladen.

Laut der von Netflix veröffentlichten Daten kam WWE Raw (Folge vom 6.1.25) in der gesamten Vorwoche auf 5,9 Millionen Views. Weltweit wurden in Kalenderwoche 2/2025 (6. bis 12. Januar) 17.700.000 Stunden der Raw-Folge gestreamt.

In den weltweiten Netflix-Top-10 landet die Raw-Folge auf Platz 4, hinter der Mini-Serie „Missing You“ (15,2 Millionen Views), dem Neustart „American Primeval“ (10,4 Millionen Views) sowie der Dokumentation über TV-Talker Jerry Springer (7,7 Millionen Views).

In den kommenden Wochen wird spannend zu beobachten sein, ob Raw nach dem ersten Hype weiterhin in den wöchentlichen Top 10 aufschlagen wird. Ein positives Indiz: Die zweite Folge führte am Dienstag die US-Tagescharts und am Mittwoch die UK-Tagescharts an.

WWE gab in einer Pressemitteilung an, dass die Zuschauerzahl in der Hauptzielgruppe P18-49 doppelt so hoch war, wie im vergangenen Jahr auf dem USA Network. Im Jahr 2024 erreichte „RAW“ im Schnitt 707.000 in P18-49, was bedeuten würde, dass ca. 1,4 Millionen Zuschauer (von den geschätzten 3,2 bis 3,536 Mio. Netflix veröffentliche nun auch ergänzende Werte zu den Zahlen von „Monday Night RAW“ in den vergangenen sieben Tagen. So erreichte die Show in den verbliebenen fünf Tagen der Woche weitere 1 Millionen Haushalten weltweit, welche auf die zuvor berichteten 48-Stunden-Werte addiert werden.

Die "Attitude Era": Kontroverse und Erfolg

Die "Attitude Era" der früheren WWF war ein Erfolgsrezept, eine Zauberformel, die als entscheidend im "Monday Night War" galt, in dem die Promotion Ende der neunziger Jahre mit Stars wie "Stone Cold" Steve Austin und The Rock die Showkampf-Marktführerschaft dauerhaft eroberte.

Mit einer neuen, erwachsenen und kontroversen Ausrichtung (ein Gegenpol zur späteren "PG Era") sorgte die damalige WWF für den zweiten großen globalen Wrestling-Boom nach dem Aufstieg von Hulk Hogan und seiner "Hulkamania" eineinhalb Jahrzehnte vorher.

McMahon grenzte sich ab von "Superhelden, die euch erzählen, eure Gebete zu sprechen und Vitamine zu essen" (der Standardspruch Hogans) und von "dem immergleichen, alten und einfachen Gut-gegen-Böse-Schema". Die WWF hätte verstanden, dass "die Zuschauer es satt haben, ihre Intelligenz beleidigt zu sehen" und gelobte eine "weit kreativere und innovativere" neue Ausrichtung seines Produkts.

Noch mehr als bisher wollte er die Einflüsse aus anderen Unterhaltungssparten aufnehmen. Er nannte konkret unter anderem "Seifenopern wie 'The Days of our Lives', Musikvideos auf MTV, Talkshows wie Jerry Springer, Cartoons wie 'King of the Hill' und Sitcoms wie 'Seinfeld'" als Vorbilder.

Vor allem aber verkündete McMahon: Seine Flaggschiff-Show RAW werde nun bewusst nicht mehr jugendfrei gehalten. Das neue Leitmotiv: "Attitude" (auf Deutsch übersetzt: Haltung, Einstellung, Standpunkt).

Vince McMahon verkündet Gründungsmanifest: Am 15. Dezember 1997 - dem Tag, an dem Hart sein Debüt bei der WCW-TV-Show Monday Nitro feierte - wandte McMahon sich bei RAW mit einer zweiminütigen Ansprache an sein Publikum und versprach, es künftig "auf eine zeitgemäßere Weise zu unterhalten".

Die "Attitude Era" hatte auch Schwächen: Als Dauerkonzept lief der Tabubruch sich zwangsläufig tot, die provokanten Ideen nutzten sich ab. Attitude-Autor Russo wurde vorgehalten, dass sein Konzept des "Crash TV", in dem viele Matches eher Vehikel für seine Story-Ideen waren als umgekehrt, auf Dauer den athletischen Kern des Produkts schwächte.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die WWE in ihrer Geschichte immer wieder auf prominente Gastauftritte und kontroverse Storylines gesetzt hat, um ihre Shows aufzuwerten und neue Zielgruppen zu erschließen. Die Verbindung mit Jerry Springer und die "Attitude Era" sind Beispiele für diese Strategie, die sowohl Erfolge als auch Kritik hervorgerufen hat.

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