Es gibt die unterschiedlichsten, asiatischen Kampfsportarten. Einige zielen auf schnelle praktische Anwendbarkeit, während andere erst nach Jahren der Perfektionierung einsetzbar sind, dann aber sehr effektiv.
Die bekanntesten asiatischen Kampfsportarten
Die bekanntesten asiatischen Kampfsportarten sind ohne Zweifel Judo und Karate. Beide stammen aus Japan und zielen auf eine effektive Entwaffnung des Gegners ab. Für beide benötigen Sie viel Selbstbeherrschung. Insbesondere im Judo liegt der Fokus darauf, wenig bis keine Verletzungen zu erzeugen und sich dennoch effektiv zu verteidigen.
Judo heißt übersetzt: Der sanfte Weg. Es wurde im 19. Jahrhundert von Kanō Jigorō gegründet. Karate ist deutlich älter als Judo. Erfunden wurde die Kampftechnik im Wesentlichen auf der japanischen Insel Okinawa im 16. Jahrhundert. Im Gegensatz zum Judo verfolgt das Karate einen deutlich massiveren Ansatz. Allerdings ist es ausschließlich als Selbstverteidigungstechnik gedacht.
Körperliche wie geistige Fokussierung und Konzentration stehen bei vielen Kampfsportarten im Vordergrund. Kämpfende sollen nicht blindlings oder im Zorn auf einander losgehen. Die Bewegungsabläufe werden ähnlich wie Tänze einstudiert. Daher - und um ihrer Effektivität im Akutfall Willen - werden die Kampftechniken bis zur Perfektion studiert.
Wenig Kraft, viel Technik
Bei vielen asiatischen Kampfsportarten spielt Körperkraft nur eine untergeordnete Rolle. Mit Hilfe von Hebelwirkungen, Schwung und dem Einsatz von Körpergewicht befähigen sie Frauen wie Männer dazu, auch körperlich überlegene Gegner besiegen zu können.
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Beispielhaft hierfür sind unter anderem:Ju-Jutsu - Der Name bedeutet so viel wie "ausweichen" oder "nachgeben". Bei dieser Kampfsportart wird die Kraft des Gegeners anstelle der eigenen Kraft genutzt, indem sie umgelenkt wird. Beispielsweise kann so der Schwung eines Schlags den Schläger selbst zu Fall bringen. Jiu-Jitsu ist die älteste, japanische Kampfsportart. Ihr Ursprung liegt bei den Samurai. Heute ist sie Teil der polizeilichen Ausbildung. Auch Aikido legt keinen Wert auf Muskelmasse.
Selbstbeherrschung auf allen Ebenen
Asiatische Kampfsporten verfolgen immer eine Mentalität. Diese wird in der Regel gemeinsam mit den praktischen Techniken unterrichtet. Besonders spürbar wird das beim Wing Tsun. Der Name dieses chinesischen Kung-Fu-Stils bedeutet "Schöner Frühling".
Beim Wing Tsun werden nicht nur Verteidigungs-, sondern auch Kommunikationsstrategien gelehrt. Insofern setzt das die Technik, die im frühen 19. Jahrhundert entstand, noch vor dem Kampf an. Denn hier geht es nicht nur darum, Kämpfe im Zweifelsfall zu gewinnen.
Muay Thai und mehr
Doch nicht nur Japan und China sind Herkunftsländer großer Kampfsportarten. Aus Thailand beispielsweise wurde das Muay Thai Boran sowie das ebenfalls waffenlose Thai-Boxen bekannt. Es hat seinen Ursprung in der ebenfalls thailändischen, allerdings bewaffneten Kampfkunst des Krabi Krabong.
Ähnlich dem Mixed Martial Arts (gemischte Kampfsportarten) entstand auf den Phillippinen Filipino Martial Arts. Eine gemischte Kampfkunst der unterschiedlichen regionalen Stile, wie Panantukan, Suntukan, Arnis, Eskrima und Kali. Auch die koreanischen Techniken des Hapkido und des Taekwondo arbeiten effektiv und stilübergreifend, etwa mit unterschiedlichen Schlag- und Trettechniken.
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Ursprünge und Entwicklung
Die Wiege der Kampfkunst liegt vermutlich in China. Die ältesten Hinweise auf standardisierte Kampftechniken für den Krieg stammen aus dem Jahr 2698 vor Christus. Die Truppen sollten die Verteidigungs- und Angriffstechniken beherrschen, um dem Gegner überlegen zu sein. Heute, mehr als 4700 Jahre später, geht es in den Kampfkünsten aus Asien nicht mehr ums nackte Überleben. Statt dessen betreiben viele eine Kampfkunst wegen der Philosophie, die dahinter steckt, und deren Konzept sich häufig an den Konfuzianismus oder den Buddhismus anlehnt. Ein Kampfkünstler soll nach Frieden streben und das eigene Ich finden. Dass er auch Techniken erlernt, mit denen er Menschen töten kann, scheint ein Widerspruch zu dieser Sinnsuche zu sein.
Die Entwicklung der Kampfkünste in China ist eng mit der des Militärs verknüpft. 702 gab es hier die ersten Kampfkunstprüfungen, nach denen die Soldaten ihren Rang erhielten. Bis zum Ende der republikanischen Periode im Jahre 1949 blieb die Kampfkunst mehr oder weniger ein Privileg der Soldaten. Erst dann ging Chinas Regierung dazu über, die Kampftechniken als Nationalkunst zu bezeichnen, und machte diese einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Die Kampfkunst erlebte jedoch nur eine kurze Blüte: Nach der Gründung der Volksrepublik China am 1. Oktober 1949 wurden viele traditionelle Kampfstile verboten.
Die Regierung in China erkannte lange nur das moderne Wushu an, das sie in den 1950ern entwickeln ließ. Diese Kampfkunst kombiniert verschiedene Stile miteinander. Viele Kampfkünstler lehnen Wushu daher ab. Auch in Nord- und Südkorea ist Kampfkunst sehr populär. Die verschiedenen Varianten sind vor allem durch den Buddhismus beeinflusst.
Ein traditioneller Stil ist das Taekgyeon, eine Kampfkunst mit tänzerischer Anmutung, deren Bewegungen sich in keinem anderen asiatischen Stil wiederfinden. Taekgyeon war bis zur Besatzung durch die Japaner im Jahre 1910 sehr verbreitet. Während der Besatzungszeit (1910 bis 1945) entwickelte sich aus dem japanischen Karate das Taekwondo. Tae heißt Fuß, Kwon steht für Faust und Do für Weg. Der Begriff für den neuen Stil wurde allerdings erst 1955, zehn Jahre nach Ende der japanischen Kolonialherrschaft, durch den südkoreanischen General Choi Hong-hi geprägt. Seit 2000 ist Taekwondo eine olympische Disziplin.
In den Kämpfen geht es darum, den Gegner mit kraftvollen Tritten und Fauststößen zu treffen - vor allem Tritte gegen den Kopf bringen viele Punkte.
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Japanische Kampfkünste
Die weltweit bekanntesten Kampfstile aus Japan sind Judo, Karate und Aikido. Diese Disziplinen sind noch relativ jung. Das Judo (japanisch für "sanfter Weg") stammt etwa aus dem 19. Jahrhundert. Sein Begründer Jigoro Kano führte die farbigen Gürtel ein, die den Entwicklungsstand eines Schülers symbolisieren. Kano systematisierte das Judo, indem er Würfe aus dem Ju-Jutsu mit anderen Techniken kombinierte.
Lange vor dem Judo prägten vor allem die Krieger aus der Oberschicht - die Samurai (Diener) - die Kampfkunst in Japan. Der Kodex, den sie befolgen, heißt auf Japanisch Buschido, der Weg des Krieges. Ab dem 8. Jahrhundert waren die Samurai zunächst Soldaten im Dienste des Kaisers. Dieser verlor jedoch wegen kriegerischer Auseinandersetzungen innerhalb des Hochadels immer mehr an Macht. Ab dem 12. Jahrhundert herrschten die Samurai über Japan.
Die Samurai entwickelten ihre Kampfkunst stetig fort. Sie waren vor allem für ihre Fähigkeiten mit dem Schwert berüchtigt. Die in ihrer Ära hergestellten Klingen zählen bis heute zu den besten, die jemals gefertigt wurden. Sie waren leicht, extrem hart und scharf. Das Katana etwa ist ein langes, leicht gebogenes Schwert, das die Seele eines Samurai verkörpern soll. Dieser hatte zumindest theoretisch das Recht, jeden zu töten, der ihm nicht den gebotenen Respekt zollte.
Ab dem 17. Jahrhundert bröckelte die Herrschaft der Samurai. 1868 setzten die kaisertreuen Fürstentümer Japans dem Samurai-Regiment ein Ende. Fortan war es verboten, in der Öffentlichkeit ein Schwert zu tragen. Das Verbot beeinflusste die Fortentwicklung der Kampfkunst in Japan.
Weitere Kampfsportarten und -künste
Neben den bereits erwähnten gibt es eine Vielzahl weiterer asiatischer Kampfsportarten und -künste, darunter:
- Aikido: Eine japanische Kampfkunst, die auf defensiven Techniken basiert und darauf abzielt, die Kraft des Angreifers umzuleiten.
- Kendo: "Der Weg des Schwertes" basiert auf dem Kenjutsu der japanischen Samurai.
- Kyudo: Die ausgeübte Kunst des japanischen Bogenschießens beeindruckt durch den präzisen Bewegungsablauf, die Zeremonie und die traditionelle Kleidung.
- Iaido: Die japanische Kunst des Schwertziehens und stammt aus der Zeit der Samurai.
- Hapkido: Die zweitpopulärste Kampfkunst aus Korea neben dem weltweit bekannten Taekwondo.
- Kalarippayat: Die Kampfkunst hat seine Wurzeln im südindischen Kerala.
- Xingyiquan: Eine traditionelle chinesische innere Kampfkunst, die sich durch ihre geradlinigen, explosiven Techniken auszeichnet.
- Wing Chun: Eine effektive chinesische Kampfkunst, die sich durch ihre direkten Bewegungen und effizienten Techniken auszeichnet.
- Vovinam: Eine vietnamesische Kampfkunst, welche auch mit Waffen trainiert.
- Tai Chi Chuan (Taijiquan): Eine chinesische Bewegungskunst, die auch unter dem Namen Schattenboxen bekannt ist.
- Sumo: Das japanische Sumo Ringen verbindet Wettkampf mit Tradition.
- Shaolin Kung Fu: Die chinesische Kampfkunst der Shaolin Mönche besticht durch harte Arbeit und Präzision.
- Ninjutsu: War früher die Art der japanischen Spionage und wird heute mit der Kampfkunst der Ninja umschrieben.
- Modern Arnis: Die Weiter- und Zusammenführung der vielen Filipino Martial Arts Unterstile.
- Lethwei: Ein Vollkontakt Boxkampfstil aus Myanmar (Burma).
- Kyusho Jitsu: „Die Kunst der Vitalpunkte“ ist keine Kampfkunst, wird aber in einigen Kampfsportarten angewandt.
- Kyokushin Kaikan: Eine Karate Organisation, welche sich auf den Vollkontakt konzentriert.
- Kali (Arnis oder Escrima): Eine philippinische Kampfkunst, welche sich hauptsächlich auf die Auseinandersetzung mit Waffen (Stock & Schwert) spezialisiert hat.
Asiatischer Kampfsport aus sportmedizinischer Sicht
Asiatischer Kampfsport bietet aus sportmedizinischer Sicht eine hervorragende Möglichkeit, alle körperlichen Hauptbelastungsformen zu trainieren - bei geringem Verletzungsrisiko und geringem Risiko für chronische Schäden am Stütz- und Bewegungsapparat. Seine Ausübung führt zur Verbesserung von körperlicher Fitness, Balance, Psyche und Allgemeinbefinden. Selbst ältere Neueinsteiger - ob gesund oder mit Vorerkrankungen - profitieren vom Training. Mit einem erhöhten Risiko für akute Verletzungen und Überlastungserscheinungen muss nur dann gerechnet werden, wenn der Kampfsport wettkampfmäßig betrieben wird.
„Kampf“ kann in Form von „Kunst“ oder „Sport“ ausgeübt werden. Grundsätzlich bezeichnet man als Kampfkunst jeden Stil, der Fertigkeiten und Techniken der ernsthaften körperlichen Auseinandersetzung mit einem Gegner beschreibt, ohne Regeln festzulegen. Dabei stehen die Selbstverteidigung und das Verhalten in echten Gefahren- oder Konfliktsituationen im Vordergrund, mit dem Bestreben, den Gegner mit allen Mitteln und möglichst schnell zu besiegen. Aus der Kampfkunst entwickelt sich Kampfsport, wenn sie nach einem genau festgelegten Regelwerk ausgeübt wird, wodurch ein sportlicher Vergleich in Form eines Wettkampfs ermöglicht wird. Dieser wird hauptsächlich in einem Zweikampf ausgetragen. Er kann aber auch in einer anderen Bewerbsform, wie zum Beispiel dem Bruchtest oder dem Formenlauf, der alleine oder im Team absolviert werden kann, erfolgen.
Allen asiatischen Kampfsportarten gemeinsam ist, dass sie nicht nur physische Kampftechnik, sondern auch Philosophie und Lebensweise lehren. Diese sogenannte „innere Kampftechnik“ beschreibt eine besondere, in der jeweiligen Kultur und Tradition begründete geistige Haltung, die durch den Kampf gelebt und praktiziert wird. Das Training basiert auf einer Kombination aus physischen konditionellen und koordinativen Fähigkeiten (Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Gewandtheit und Koordination) unter strikter Vermeidung einseitiger Belastung, gepaart mit der Vermittlung kultureller Grundwerte (Respekt, Gerechtigkeit, Ehrgefühl, Disziplin, Geduld, Stetigkeit, Bescheidenheit und Höflichkeit). Es fördert die Einheit von Körper und Geist und stärkt Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen.
„Wer Kampfsport trainiert, der lernt, aufrecht zu gehen. Man hat eine gewisse Art aufzutreten, ist nicht mehr Opfer. Man lernt, in Stresssituationen zu beobachten und dosiert zu reagieren. Man ist nicht gezwungen, aus Angst gleich zuzuschlagen“ (Prim. Univ.-Prof. DDr. Josef Niebauer, MBA, Vorstand des Instituts für Sportmedizin des Landes Salzburg; Medizin populär 4/2012). Ultimatives Ziel jedes Trainierenden sollte das Erleben des Alltags in völliger Harmonie von Körper und Geist sein.
Die populärsten Kampfsportarten sind Aikido, Judo, Jiu-Jitsu, Karate und Kendo aus Japan, Kung-Fu und Wing Tsun aus China und Taekwondo aus Korea.
Einstieg für Kinder und Erwachsene
Judo eignet sich bereits für Kleinkinder, die im Training spielerisch raufen und richtig fallen lernen, wobei ihre Kraft und Ausdauer gleichermaßen geschult werden. Da die meisten Knaben und Mädchen erst im Alter von 8 bis 10 Jahren ein ausreichend differenziertes Gewaltverständnis entwickeln, sollen im Normalfall Taekwondo und Karate erst ab diesem Alter praktiziert werden. In beiden Sportarten deckt das ganzheitliche Training das komplette Bewegungsausmaß sämtlicher Körperabschnitte in allen Raumebenen ab und beugt daher chronischen Schäden am Bewegungsapparat vor. Die Durchführung des Kampfschreis soll schüchterne Kinder dazu motivieren, aus sich herauszugehen. Positive Erfahrungen im Vergleich mit Gleichaltrigen steigern das Selbstvertrauen sowie die Bereitschaft, vor die Gruppe zu treten und erlernte Techniken zu präsentieren. Aufgeweckte Kinder bauen ihre Aggressionen durch das Ausüben formalisierter Bewegungen ab. Sie werden ruhiger, drängen sich weniger in den Vordergrund, akzeptieren Regeln und lernen, sich in die Gruppe zu integrieren.
Neueinsteiger im Erwachsenenalter sollten sich auf jeden Fall einem sportmedizinischen Test unterziehen. Es sollte jene Kampfsportart gewählt werden, deren Anforderungsprofil aufgrund der körperlichen Voraussetzungen erfüllt werden kann, wobei generell die Intensität des Trainings dem jeweiligen Gesundheitszustand angepasst werden muss.
Wissenschaftlich nachgewiesene positive Aspekte
Taekwondo-Training führt bei präpubertären Knaben zu einer verbesserten posturalen und neuromuskulären Leistung. 11- bis 14-jährige Taekwondo-Schüler und -schülerinnen weisen im Vergleich zu Gleichaltrigen ohne Kampfsporttraining ein verbessertes Aufmerksamkeitsverhalten, eine erhöhte Genauigkeit bei Funktionstests sowie eine (durch ihre Eltern eingeschätzte) verbesserte Verhaltenskontrolle auf. Pons van Dijk et al untersuchten den Effekt des altersadaptierten Taekwondo-Trainings bei über 40-jährigen Neueinsteigern. Eine Stunde Taekwondo-Training pro Woche im Zeitraum eines Jahres verbesserte sowohl Balance als auch kognitive Fähigkeiten der Studienteilnehmer. Dieser positive Effekt wird auch durch ein nicht erschöpfendes Training erzielt - eine wichtige Tatsache für alle Kampfsportler, die sich aufgrund von kardiovaskulären und respiratorischen Vorerkrankungen nicht ausbelasten können und sollen. Kim et al konnten nachweisen, dass Taekwondo-Training die „Körperintelligenz“ und zerebrale Konnektivität vom Kleinhirn zum parietalen und frontalen Kortex verbessert. Kampfsport kann aber nicht nur bei gesunden Menschen, sondern auch als Ergänzung in der Rehabilitation zur Haltungskorrektur eingesetzt werden. Byun et al zeigten an Volksschulkindern mit Fehlhaltungen, dass Taekwondo-Basisbewegungen, die dreimal pro Woche für insgesamt acht Wochen ausgeführt wurden, eine signifikante Verbesserung der Nacken-, Schulter- und Beckeninklination bewirkten.
Wettkampfsport
Bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio werden die Kampfsportarten Boxen, Ringen, Judo, Taekwondo und zum ersten Mal auch Karate vertreten sein. In einem Zweikampf, besonders wenn er taktisch geführt wird, liegt der Großteil der Belastung im rein aeroben Bereich, wobei während explosiver Angriffsfolgen Laktatkonzentrationen von 15 bis 20mmol/l im Blut erzielt werden können. Um im Wettkampf erfolgreich zu sein, sind daher ein ausreichendes Training der Grundlagenausdauer, das leider von vielen Sportlern als monoton und langweilig erachtet wird, und ein spezifisches anaerobes laktazides Training zur Verbesserung der Laktattoleranz unabdingbar. Weitere Grundpfeiler des Erfolges sind Technik, Kraft, Beweglichkeit und Reaktionsschnelligkeit, für deren Verbesserung ausreichend Zeit in der Trainingsplanung veranschlagt werden muss.
Akute Verletzungen
Während sich Freizeit-Kampfsportler im Allgemeinen nur relativ selten verletzen, steigen Anzahl und Schwere akuter Verletzungen bei Leistungssportlern deutlich an. Als häufigste Ursachen werden ein ungenügendes Warm-up (22,4 %), ein Schlag des Trainingspartners (19,4 %), ein ungenügender physischer Trainingszustand (8,9 %) und eine ungenügende Schutzausrüstung (8,9 %) genannt.
Asiatische Kampfsportarten weisen generell eine sehr hohe lineare Beschleunigung bei Fußtritten auf, die bis zu fünffach höher als jene bei Faustschlägen im Boxsport sein kann. Die kumulative Verletzungshäufigkeit bei allen asiatischen Kampfsportarten beträgt 41,8 % für die unteren Extremitäten, 28,0 % für die oberen Extremitäten, 15,0 % für Rumpf/Thorax/Wirbelsäule, 10,0 % für Kopf/Hals und 4,7 % für die restlichen Körperteile (Sammelstelle für die Statistik der Unfallversicherung UVG). Zetaruk et al analysierten die Verletzungen bei der Ausübung von fünf verschiedenen Stilen (Taekwondo, Aikido, Kung-Fu, Karate und Tai-Chi) in einem Zeitraum von einem Jahr. Bei Taekwondo fanden sie ein dreifach erhöhtes Verletzungsrisiko und ein dreimal so hohes Mehrfachverletzungsrisiko im Vergleich zu Karate. Den Kampfsportlern aller fünf Stile war ein vierfach erhöhtes Risiko bei einem Alter über 18 Jahre, ein 2,5-fach erhöhtes Risiko bei einer Trainingserfahrung über drei Jahre und ein zweifach erhöhtes Risiko bei einem Trainingspensum von über drei Stunden pro Woche gemeinsam. Laut Altarriba-Bartes et al, die 48 Elite-Taekwondo-Athleten über zwei Olympiazyklen hinweg begleiteten, muss ein Hochleistungswettkämpfer mit vier bis fünf Verletzungen pro Jahr rechnen, wobei hauptsächlich die unteren Extremitäten - Knie (21,3 %), Fuß (17,0 %), Sprunggelenk (12,2 %), Oberschenkel (11,4 %) und Unterschenkel (8,8 %) - betroffen sind. Niedrige Gewichtsklasse und Wettkampfphase konnten als Risikofaktoren für das Erleiden von Verletzungen identifiziert werden.
Übliche Empfehlungen der sportartspezifischen Verletzungsprophylaxe sind im Kampfsport nur bedingt zielführend, weil das Training propriozeptiver und koordinativer Fähigkeiten ohnehin den Grundstock der sportlichen Ausbildung darstellt. Da das Training variabel gestaltet wird und Dehnübungen ein integraler Bestandteil sind, treten muskuläre Verkürzungen, Dysbalancen und Verkettungssyndrome im Vergleich zu anderen Sportarten eher selten auf. Im Wettkampf sollten nur ausreichend qualifizierte Kampfrichter eingesetzt werden, die bei Ungleichheit der Kontrahenten rechtzeitig erkennen, wann sie schützend einschreiten und den Kampf abbrechen müssen.
Chronische Überlastungserscheinungen
Überlastungssyndrome, die definitiv zu den Schattenseiten eines exzessiven Kampfsporttrainings zählen, sind bei fast allen langjährigen Leistungssportlern zu finden. Bei ihnen werden wegen ihrer normalerweise ausgezeichnet geschulten propriozeptiven Fähigkeiten chronische Bandinstabilitäten, die hauptsächlich nach multiplen Distorsionen vor allem am Knie und am Sprunggelenk entstehen, meistens erst in höhergradigen Stadien klinisch symptomatisch und erfordern oftmals eine operative Behandlung.
Bedingt durch die regelmäßig durchgeführten hohen, mit maximaler Flexion und Abduktion im Hüftgelenk ausgeführten Tritte leiden Leistungssportler häufig auch an einem Hüftimpingement. Da die klinische Untersuchung oft nicht ausreichend aussagekräftig ist, erfolgt die Diagnosesicherung vorzugsweise mittels Magnetresonanzarthrografie. Bei mäßiger Manifestation sollte primär ein konservativer Therapieansatz versucht werden.
Weil Fußtritte zu einer endgradigen Hyperextension und Außenrotation im Knie führen, treten bei Kampfsportlern Meniskusläsionen vor allem im Bereich des Außenmeniskusvorderhorns auf. Die Diagnosesicherung mittels MRT ist nicht immer konklusiv und darf nur zusammen mit der Klinik interpretiert werden.
Im Bereich des Vorfußes findet man häufig einen Hallux rigidus, der zumindest teilweise durch erlittene Kapseldistorsionen bedingt ist. Auch hier sollte primär ein konservativer manualmedizinischer Therapieversuch (eventuell in Kombination mit einer Infiltration) durchgeführt werden.
Aufgabe des betreuenden Arztes
Generell sollte die medizinische Betreuung von Leistungssportlern Leistungstests und Ernährungsberatung beinhalten. Letztere spielt besonders vor Wettkämpfen eine wichtige Rolle, da der Erhalt einer Gewichtsklasse oft nur durch kurzfristiges und intensives Abnehmen erreicht werden kann. Liegen Überlastungsverletzungen vor, ist in der Vorbereitungsphase eine geeignete Trainingsumstellung im Sinne einer Sekundärprophylaxe anzustreben. Um Verletzungen vor Turnieren möglichst zu verhindern, sollte das Vollkontakttraining nicht oder nur sehr gut geschützt durchgeführt werden. Vor dem Wettkampf muss das medizinische Team grippale Infekte und gastrointestinale Probleme effizient und ohne Verletzung der Dopingrichtlinien behandeln. Während des Wettkampfes muss es im Falle einer offenen Wunde eine rasche und suffiziente Blutstillung gewährleisten, die Voraussetzung für die Fortsetzung eines Kampfes ist. Es obliegt einzig und allein dem Sportarzt, den Grad und die drohenden Folgeschäden einer akuten Verletzung zu beurteilen, im Falle eines ernsthaften Traumas konsequent den Abbruch des Kampfes zu veranlassen und noch vor Ort eine adäquate Erstversorgung zu gewährleisten, auch wenn der Sportler wegen seines hochgefahrenen Adrenalinspiegels die Notwendigkeit einer Kampfaufgabe nicht unbedingt verstehen kann.
Besorgniserregender Trend
Der Begriff „Mixed Martial Arts“ (MMA) bezeichnet einen relativ modernen, aus Brasilien und den USA stammenden Vollkontaktsport, der Techniken aus verschiedenen Kampfsportarten beinhaltet und meistens in Form von Käfigkämpfen ausgeübt wird, wobei Schlag- und Tritttechniken sowie Bodenkampf- und Ringertechniken erlaubt sind. Auch weil - im Gegensatz zu asiatischen Kampfsportarten - im Bodenkampf weiter geschlagen und getreten werden darf, erinnern Käfigkämpfe an Gladiatorenkämpfe, bei denen die Gesundheit der Kontrahenten bewusst aufs Spiel gesetzt wird.
Vergleich einiger bekannter asiatischer Kampfsportarten
Um einen besseren Überblick über die Unterschiede und Merkmale verschiedener asiatischer Kampfsportarten zu geben, hier eine vergleichende Tabelle:
| Kampfsportart | Herkunft | Fokus | Merkmale |
|---|---|---|---|
| Judo | Japan | Werfen, Halten, Hebeln | Sanfter Weg, Selbstverteidigung ohne Verletzung |
| Karate | Japan (Okinawa) | Schlagen, Treten, Stoßen | Massiver Ansatz, reine Selbstverteidigung |
| Kung Fu | China | Vielfältig, je nach Stil | Oberbegriff vieler Stile, Philosophie |
| Taekwondo | Korea | Treten, Schlagen, Springen | Dynamisch, schnell, olympische Disziplin |
| Aikido | Japan | Ausweichen, Ableiten, Kontrollieren | Defensiv, keine Aggression, Harmonie |
| Muay Thai | Thailand | Schlagen, Treten, Ellenbogen, Knie | Hart, Vollkontakt, traditionell |
Diese Tabelle bietet einen groben Überblick. Jeder Stil hat seine eigenen Nuancen und Schwerpunkte, die ein tieferes Studium erfordern.
