Der Stock ist vermutlich, neben dem schlicht vom Boden aufgehobenen Stein, die älteste Waffe der Menschheitsgeschichte. Gleichzeitig ist er eine der wenigen Nahkampfwaffen, die auch in heutiger Zeit noch eine praktische Anwendung finden.
Wenn man sich andere Beispiele aus dem klassischen Waffenkanon des Taijiquan ansieht, etwa Schwert, Säbel, Hellebarde und Speer, dann fällt auf, dass es sich hierbei zwar um sehr effektive Waffen handelt, die über Jahrhunderte hinweg das militärische Geschehen in China dominierten, dass sie aber allesamt im realistischen Kampf heutzutage nicht mehr eingesetzt werden. Es gibt viele gute Gründe dafür, warum es sich trotzdem lohnt, den Umgang mit diesen Waffen zu erlernen, aber der Wunsch nach einer effektiven Selbstverteidigung zählt nicht dazu.
Mit dem Stock hingegen verhält es sich völlig anders. Einerseits sind Stockwaffen auch heutzutage noch im Gebrauch, einige Beispiele dafür werden weiter unten gegeben. Andererseits lassen sich die Konzepte der Stockwaffen auf viele Alltagsgegenstände übertragen, die man im Falle einer Selbstverteidigungssituation evtl. zur Hand haben könnte, sei es ein Regenschirm oder ein Billardqueue.
Zur Verdeutlichung sei an dieser Stelle ein Beispiel aus der Geschichte der englischen Kampfkunst erlaubt. In seinem berühmten Buch „Paradoxes of Defence“ aus dem Jahr 1599 berichtet der britische Kampfkünstler George Silver von einem Vorfall, in dem der italienische Fechtmeister Signior Rocco in London einen unbewaffneten Bootsmann mit seinem Rapier angriff. Der Bootsmann verwandte kurzerhand ein Ruder zu seiner Verteidigung, das er im Stile eines Langstocks zum Einsatz brachte, und verprügelte damit den Angreifer. Den Umstand, dass der Italiener den Kampf verlor, verstand Silver nicht einmal als einen Hinweis auf eine besondere Inkompetenz seitens des Fechtmeisters.
Eine zweihändig geführte Langwaffe, und sei es nur ein als Waffe improvisiertes Ruder, ist in seinen Augen dem einhändig geführten Rapier so offensichtlich überlegen, dass es keiner großen Kunstfertigkeit bedurfte, den Angreifer zu überwinden.
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Arnis
Grundsätzlich könnte man das Arnis auch als Stockkampf bezeichnen, denn anders als bei anderen Kampfkünsten wird von Anfang an mit der wichtigsten Waffe trainiert: dem Stock. Die im Training verwendeten Rattanstöcke sind ca. Eine weitere Besonderheit der philippinischen Kampfkunst ist die Austauschbarkeit der Waffen.
Alle Bewegungsmuster und Techniken lassen sich auf andere Waffen, aber auch auf Alltagsgegenstände und die bloßen Hände übertragen.
Das Combat Arnis ist einer von vielen verschiedenen Arnis-Stilen, die - wie schon die Namensvielfalt vermuten lässt - in der heutigen Zeit existieren. Der philippinische Großmeister Cui Brocka und sein deutscher Vertreter und späterer Großmeister Hans-Dieter Rauscher, welcher noch heute den Europäischen Vorsitz der IMAF (International Martial Arts Federation) inne hat, brachten in den 70er Jahren den Stockkampf nach Deutschland.
Wie in allen Kampfkünsten wird auch im Stil des Combat Arnis zunächst in einem einfachen System aus festgelegten Angriffen und Verteidigungstechniken trainiert.
Stockkampf im Taijiquan
Nachdem in den bisherigen Teilen der Artikelserie ein Überblick über chinesische Waffen gegeben wurde und die Klingenwaffen Schwert und Säbel eingehender vorgestellt wurden, widmet sich der vorliegende vierte Teil dem Stock in seinen verschiedenen Längenausprägungen.Diese reichen von etwa 14 Zentimetern beim Taschenstock bis hin zu langen Stangen von mehreren Metern Länge.
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Aber nun zurück zur Verwendung von Stockwaffen im Taijiquan. Wie im ersten Artikel wird auch hier die Einteilung der Waffen in Kategorien nach Yang Jwing-Ming verwendet. Zunächst werden die verschiedenen Varianten des geraden Stocks vorgestellt, unterteilt in sehr kurze, kurze, lange und sehr lange Waffen. Zum Abschluss wird noch gesondert der Spazierstock behandelt, bei dem es sich zwar um eine Kurzwaffe handelt, der sich aber aufgrund seiner Form ein wenig von den geraden Stöcken unterscheidet.
Varianten des Stocks
Die sinnvollerweise zu verwendende Länge eines Stocks richtet sich in den meisten Fällen nach der Körpergröße der Person, die den Stock führt. Im Text wird versucht, solche relativen Angaben zu nennen.
Taschenstock
Die kürzeste Variante des geraden Stocks, die sinnvoll im Kampf eingesetzt werden kann, ist der Taschenstock. Diese Waffe wird im Englischen manchmal als „Chinese Stick“ bezeichnet, häufiger aber als „Palm Stick“. Sie ist in einigen Stilrichtungen des Jiu Jitsu recht beliebt, wo sie unter dem japanischen Namen Yawara bekannt ist. Umfangreiche Verwendung findet sie außerdem im philippinischen Arnis bzw.
Der Taschenstock hat eine Länge von etwa 14 Zentimetern, so dass die meist abgerundeten Enden ein Stück nach oben und unten herausschauen, wenn man ihn in der geschlossenen Faust hält. Üblicherweise wird er auf zwei Arten eingesetzt: Zum einen können die herausschauenden Enden für Schläge und Blocks verwendet werden, zum anderen kann die Wirkung von Hebeltechniken deutlich verbessert werden, wenn mit den Enden Druck auf empfindliche Stellen ausgeübt wird. Im Taijiquan findet diese überaus praktische Waffe leider keine Verwendung. Für die Selbstverteidigung ist sie im Prinzip ideal geeignet, da sie leicht zu transportieren ist und, zumindest nach deutschem Recht, ganz legal getragen und eingesetzt werden darf. Zudem können die Prinzipien dieser Waffe auch mit vielen Alltagsgegenständen, z. B.
Jiu Cun Bang
Die kürzeste Variante des geraden Stocks, die im Taijiquan eingesetzt wird, ist der Jiu Cun Bang („Neun-Cun-Keule“). Cun ist eine chinesische Längeneinheit, die mit ca. 3,3 Zentimetern etwa dem deutschen Zoll entspricht. Diese Waffe, die damit etwa eine Länge von 30 Zentimetern hat, wird im Ho-Gar-Stil Taijiquan verwendet, einer südchinesischen Stilrichtung.
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Keule bzw. Knüppel (Bang)
Die kleinere Variante des Stocks in der Kategorie Kurzwaffe ist die Keule bzw. der Knüppel, im Chinesischen Bang genannt. Von der Länge her entspricht die Keule etwa einem Drittel des Langstocks, das sind ungefähr 60 bis 65 Zentimeter. Als Material eignen sich Rattan oder Hartholz. In früheren Zeiten wurden durchaus Bang aus Vollmetall verwendet, die dadurch ziemlich schwer waren.
Es gab auch Varianten, die zusätzlich mit einem Schlagkopf versehen waren, wodurch sie in der Verwendung und Wirkung dem Streitkolben und vergleichbaren stumpfen Hiebwaffen sehr ähnelten, die im mittelalterlichen Europa verwendet wurden (s. Abb. 1: Polnischer Ritter aus dem 16. Jahrhundert. Der Streitkolben in seiner rechten Hand ähnelt sehr stark dem chinesischen Bang in der Variante mit Schlagkopf.
Während die Keule nicht zum klassischen Waffenkanon des Taijiquan zählt, findet sie durchaus Verwendung. So gibt es, auf jeden Fall im Chen- und im Yang-Stil, Waffenformen für die Doppelkeule (Shuang Bang). Der Umgang mit dem Shuang Bang wird meist eher als lohnend für Fortgeschrittene angesehen, die bereits Erfahrung mit den klassischen Taiji-Waffen gesammelt haben. Im philippinischen Arnis bzw.
Während das Messer aufgrund seines Aufbaus darauf ausgelegt ist, potentiell tödliche Schnitt- und Stichverletzungen zuzufügen, ist der Knüppel seiner Natur nach zunächst eine defensive Waffe, die es ermöglicht, einen Angriff abzuwehren, ohne den Angreifer dabei schwer zu verletzen. Das macht die Keule zu einer idealen Waffe für die moderne Selbstverteidigung.
Weltweit gibt es kaum eine Polizeieinheit oder Sicherheitskräfte, die nicht mit einem Schlagstock bewaffnet wären. Als beliebteste Form hat sich hier der MES (Mehrzweck-Einsatz-Stock) durchgesetzt, bei dem am Hauptstock noch eine kurze Stange in einem Winkel von 90 Grad angebracht ist, und der damit der chinesischen Guai („Krücke“) bzw. dem japanischen Tonfa entspricht.
Abgesehen vom oben erwähnten Taschenstock entspricht die Keule noch am ehesten der Größenordnung von Gegenständen, die man in einer Selbstverteidigungssituation ggf.
Aufgrund seiner überschaubaren Länge ist der Bang sehr gut zu transportieren.
Der Knüppel ist eine recht einfach zu erlernende Waffe. Bei Klingenwaffen ist im realistischen Training die Ausrichtung der Schneide extrem wichtig. Bereits kleine Missverständnisse und unsaubere Ausführungen können dazu führen, dass im Prinzip komplett sinnlose Techniken geübt werden, die beim realen Einsatz der Waffe gar nicht funktionieren könnten. Die Keule ist da sehr viel „nachsichtiger“.
Aus den genannten Gründen ist die als Einzelwaffe geführte Keule, der Dan Bang (s. Abb. 2), auch für das Waffentraining im Taijiquan ein exzellenter Einstieg für Anfänger. Wie im letzten Artikel dieser Reihe erläutert wurde, wird im Taiji der Umgang mit Waffen traditionell gern mit dem Schwert begonnen. Solange es nur um Solotraining ohne Partnerübungen geht, ist dieser Ansatz sehr sinnvoll.
Wanderstab (Shi San Ba Gun)
Die lange Version des geraden Stocks in der Kategorie Kurzwaffe ist der Wanderstab, manchmal auch Kurzstock genannt. Dieser zweite Begriff ist allerdings etwas irreführend, da er im Prinzip auf alle kurzen Stockvarianten zutrifft. Im Chinesischen wird er Shi San Ba Gun („Dreizehn-Faustbreiten-Stock“) genannt, da er ungefähr so lang ist wie dreizehn Fäuste, was etwa 120 bis 130 Zentimetern entspricht.
Ursprünglich wurde diese Stockvariante von reisenden daoistischen Mönchen tatsächlich als Wanderstab verwendet, der auch zum Tragen von Lasten eingesetzt werden konnte (s. Abb. Genau wie sich das Schwert bei den daoistischen Mönchen von einem rituellen Gegenstand zu einer praktischen Waffe entwickelte, wurde auch aus dem als Gehhilfe gedachten Stock eine überaus vielseitig einsetzbare Waffe, die zunächst besonders für das Verjagen wilder Tiere gedacht war.
Langstock (Gun)
In der Rubrik der Langwaffen nimmt der Stock eine ganz besondere Stellung ein. Nicht nur in der chinesischen Kampfkunst sondern auch in der europäischen Fechttradition des Mittelalters und der Renaissance gilt der Stock als die Basis aller Stangenwaffen (s. Abb. In beiden Systemen wurde bzw. wird das Training der Stangenwaffen in aller Regel mit dem Stock begonnen.
Eine kurze Stockvariante in der Kategorie Langwaffe ist der Affenstock (chinesisch: Hou Gun). Während dieser Stock v. a. im Affen-Kung-Fu (Hou Quan) eingesetzt wird, findet er durchaus auch im Taijiquan Verwendung (s. Abb. Im Taiji hat der Hou Gun eine Länge, die zum Kinn des Spielers bzw. der Spielerin gehen soll, etwa 150 bis 160 Zentimeter. Er ist mit ca. 3,5 Zentimetern Durchmesser dicker als andere Stockvarianten und ziemlich schwer, meist wird er aus Hartholz gefertigt.
Der Affenstock wird mit der Figur des Sun Wukong in Verbindung gebracht, dem König der Affen aus dem klassischen chinesischen Roman „Die Reise nach Westen“, der in der Ming-Dynastie (1368-1644 n. Chr.) geschrieben wurde (s. Abb. Obwohl es in dem Roman um die titelgebende Reise des Mönchs Xuanzang geht, ist die Figur des Affenkönigs, der einer seiner Begleiter ist, die heimliche Hauptfigur der Geschichte. Im Laufe der Geschichte erhält Sun Wukong einen magischen Kampfstab, der z. B. seine Größe beliebig ändern kann. In Abbildungen wird der Affenkönig meist mit seinem Stab in der Hand dargestellt und die Figur ist für den meisterlichen Umgang mit dieser Waffe berühmt.
Der Langstock ist weltweit in allen Kampfsystemen die am stärksten verbreitete Stockwaffe. In den europäischen historischen Fechttraditionen sprach man in Deutschland von der halben Stange und in England vom Quarterstaff. Auf Hawaii wird mit dem Ko’oko’o Loa gekämpft, auf den Philippinen mit dem Sibat und in Japan mit dem Bo, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. In der chinesischen Kampfkunst wird der Langstock Gun genannt.
In früheren Zeiten gab es Unterschiede in der präferierten Länge des Gun zwischen Nord- und Südchina, so wie es auch unterschiedliche Vorlieben für den bevorzugten Typus des Schwerts, Jian, gegeben hat. Im Norden wurde ein langer Gun verwendet, der bei über den Kopf gestrecktem Arm bis zum Handgelenk reichte (ca. 200 bis 210 Zentimeter). Im Süden dagegen kam ein kürzerer Gun zum Einsatz, der bis zu den Augenbrauen ging (etwa 160 bis 170 Zentimeter). Der heutzutage in den meisten Stilrichtungen des Taijiquan bevorzugte Gun überragt knapp den oder die SpielerIn, was etwa einer Länge von 180 bis 190 Zentimetern entspricht (s. Abb.
Der Gun hat im Taijiquan als Grundlage für die Langwaffen eine besondere Stellung. So war beispielsweise Yang Luchan (1799-1872 n. Chr.), der Gründer des Yang-Stils, bekannt für seinen meisterlichen Umgang mit dem Langstock und dem Speer. Im Chen-Stil, den Yang Luchan ursprünglich erlernte, sind sich die Prinzipien für den Umgang mit Stock und Speer sehr ähnlich. Heutzutage sind die Formen für Stock und Speer in diesem Stil sogar identisch.
Berühmter für die Verwendung des Gun als das Taijiquan ist allerdings das Shaolinquan, die Kampfkunst der Shaolinmönche (s. Abb. Sowohl die Legende als auch die Geschichte des Shaolinklosters sind eng mit dem Stockfechten verbunden. Tatsächlich war der Stock bereits ein Symbol für den Buddhismus, bevor er als Waffe verwendet wurde.
Es handelte sich bei ihm um eine der „18 Habseligkeiten“, die ein buddhistischer Mönch zur Erfüllung seiner Pflichten bei sich tragen sollte. Dieser Stock unterschied sich allerdings noch deutlich von einem Kampfstock, da er an einem Ende mit zwei bis vier Ringen aus Metall dekoriert war, an denen sich weitere sechs bis zwölf Ringe aus Metall befanden. Dieser Ringstab, der aufgrund der Geräusche, die die Ringe verursachten, Shengzhang („klingender Stab“) genannt wurde, diente wandernden buddhistischen Mönchen als Wanderstab.
Das Klingeln der Ringe sollte auf der Reise Schlangen, Skorpione und ähnliche gefährliche Tiere verscheuchen sowie mögliche Spender auf das Nahen eines Mönchs hinweisen, der um Almosen bittet. Neben seiner Bedeutung als religiöses Symbol hat der Stab in China auch eine lange Tradition als magische Waffe bzw. als Gegenstand mit magischen Eigenschaften.
Insgesamt gibt es auffällige Parallelen zwischen dem Langstock, Gun, und dem Schwert, Jian. Wie in dem vorletzten Artikel dieser Reihe erläutert wurde, entwickelte sich das Jian in den Händen der daoistischen Mönche von einem rituellen Objekt zu einer praktischen Waffe. Gleichzeitig wurden dem Schwert häufig magische Eigenschaften zugesprochen. Und ebenso wie beim Schwert finden sich diese Parallelen auch in anderen Kulturen wieder, z. B. in Europa. Der Stab war nicht nur als Zepter ein Zeichen weltlicher Macht, sondern als Hirtenstab auch ein Symbol...
Weitere asiatische Kampfsportarten mit Stock
Während man bei japanischer Kampfkunst häufig an den Samurai und das Katana denkt, war das Führen dieser Waffe nur Angehörigen dieses Kriegerstandes erlaubt. Vielen anderen Ständen war das Besitzen und Nutzen jeglicher Art von Waffe untersagt. Um sich trotzdem gegen Banditen oder andere Angreifer zu wehren, haben die einfachen Leute gelernt, sich mit Alltagsgegenständen zu wehren. Eine wichtige Verteidigungswaffe waren unter anderem Stöcke. Daraus haben sich die unterschiedlichsten Stockkampf-Variationen entwickelt, wie das Tosei Ryu Tanjōjutsu.
Tosei Ryu Tanjōjutsu
Das Tenshinkai Dojo Köln unterrichtet den vergleichsweise jungen Stockkampf-Stil Tosei Ryu Tanjōjutsu unter Luciano Gabriel Morgenstern Shinryu Sensei. Er ist der direkte Schüler des japanischen Großmeisters Niina Toyoaki Gyokusou Soke und trägt den 7. Dan Kyoshi im Tosei Ryu. Dieser äußerst effektive Stil wurde 1988 von dem Großmeister Niina Soke aus dem Shintō Musō Ryu (Kampfkunst mit dem Jō), Ikkaku Ryu (Kampfkunst mit Jitte und Tessen), Uchida Ryu und Mugai Ryu entwickelt.
Das Stockkampf-Training in Köln lehrt den Umgang mit dem Tanjō, einem 90 Zentimeter langen Holzstock. Der Stil ist rein kampfbetont und dank seiner einfachen, direkten und effizienten Technik äußerst gut für Selbstverteidigungszwecke geeignet. Die Techniken des Tosei Ryu lassen sich auch mit verschiedenen alltäglichen Gegenständen wie einem Regenschirm oder Gürtel ausführen. Dadurch lernt der Schüler gleichzeitig, sich auch gegen unterschiedlichste Waffen zu verteidigen.
Im Rahmen unseres Stockkampf-Curriculums ist ein gradueller Übergang zu weiteren Holzwaffen inbegriffen. Startet der Schüler mit einem Tanjō, kommt mit steigender Sicherheit ein zweites hinzu. Zusätzlich wird im Stockkampf-Training in Köln der Umgang mit dem ca. 120 Zentimeter langen Jō, sowie dem ca. 180 Zentimeter langen Bō gelehrt. Um unterschiedliche Kampfsituationen im Stockkampf zu simulieren, werden die Waffen in Partnerübungen in den unterschiedlichsten Konstellationen und auch gegen ein Bukotō genutzt.
Kobudo
Der Begriff Kobudo wird allgemein für die vor einigen hundert Jahren auf Okinawa entwickelten Waffenkampfsysteme mit mittelalterlichen Waffen und verschiedenen Arbeitsgeräten verwendet.
Bo
Der Bo ist eine Kobudo - Waffe, die ihren Ursprung in den asiatischen Ländern (überwiegend China) hat. Getarnt als Hirten- oder Wanderstab war diese eine optimale Selbstverteidigungswaffe gegen Angreifer aller Art. Bevorzugt wurde diese Waffe überwiegend von der unteren Bevölkerungsschicht und den Bauern, da die Herstellung des Bo schlicht war.
Hanbo
Der Hanbo (japanisch Sanshakubo) ist eine Stockwaffe mit einer Länge von 90 bis 100 cm und einem Durchmesser von ca. 3 cm. Er ist eine Defensiv-Waffe mit der Angriffe meist kreisförmig abgeleitet werden, lässt sich aber auch für Stoß- und Schlagtechniken, Hebel-, Transport und Festlegetechniken sowie Techniken auf Schmerzpunkte verwenden.
Der bekannteste Lehrer der japanischen Methode, an der auch wir uns bei der Handhabung des Hanbo orientieren, war Großmeister Masaaki Hatsumi (geb.
Tonfa
Das Tonfa hat sich aus einem Arbeitsgerät entwickelt, das ursprünglich zum Bewegen eines Mühlsteins verwendet wurde. Dazu wurde die lange Seite in den Mühlstein gesteckt und mit dem Griff der Mühlstein bewegt. Da die Anwendung des Tonfas als Arbeitsgerät weit verbreitet war, ist eine exakte Zuordnung zu einem Ursprungsland nicht möglich. Das Tonfa eignet sich als Sportwaffe und für berufliche Zwecke (zum Schutz für Sicherheitskräfte).
Der Deutsche Asien Kampfsport Verband übernimmt in Deutschland das Tonfa Ausbildungsprogramm in Zusammenarbeit und gegenseitiger Anerkennung von derzeit acht Internationalen Sportverbänden. Die Ausbildung ist offen für alle Sportler, die Interesse an dieser vielseitigen asiatischen Tonfa - Holzwaffe besitzen. Das Ausbildungsprogramm unterteilt sich in drei Klassen in denen international anerkannte Trainer Fachlizenzen für Sicherheitskräfte, Polizei + Budosportler erworben werden können.
Zusammenfassung
Die folgende Tabelle fasst die verschiedenen Stockwaffen und ihre Eigenschaften zusammen:
| Waffenname | Ursprung | Länge | Verwendung |
|---|---|---|---|
| Taschenstock (Palm Stick) | China/Philippinen | ca. 14 cm | Schläge, Blocks, Hebeltechniken |
| Jiu Cun Bang | China (Ho-Gar-Stil Taijiquan) | ca. 30 cm | Schläge, Blocks |
| Keule/Knüppel (Bang) | China | ca. 60-65 cm | Defensive Waffe, Schläge |
| Wanderstab (Shi San Ba Gun) | China | ca. 120-130 cm | Verteidigung, Tragen von Lasten |
| Affenstock (Hou Gun) | China | ca. 150-160 cm | Schläge, Hebel |
| Langstock (Gun) | China | ca. 180-190 cm | Grundlage für Langwaffen |
| Tanjō | Japan (Tosei Ryu Tanjōjutsu) | ca. 90 cm | Selbstverteidigung |
| Bo | China/Japan (Kobudo) | variabel | Schläge, Hebel, Verteidigung |
| Hanbo | Japan | ca. 90-100 cm | Defensive Waffe, Schläge, Stöße |
| Tonfa | Asien (Ursprung unklar) | variabel | Schläge, Blocks |
