Taekwondo: Definition und Ursprünge einer koreanischen Kampfkunst

Taekwondo ist ein koreanischer Kampfsport. Die drei Silben des Namens stehen für Fußtechnik (Tae), Handtechnik (Kwon) und Weg (Do).

Was ist Taekwondo?

Taekwondo ist eine koreanische Kampfkunst zur waffenlosen Selbstverteidigung. Es ist eine ursprünglich aus Korea stammende Form waffenloser Selbstverteidigung bzw. die daraus hervorgegangene Kampfsportart, bei der schnell ausgeführte Abwehr-, Schlag- und Tritttechniken trainiert bzw. physiologische Zusammenhänge ausgeübt wird.

Obwohl Taekwondo für den Betrachter große Ähnlichkeiten mit anderen asiatischen Kampfsportarten aufweist, unterscheidet es sich in einigen wesentlichen Punkten von diesen. So ist die Taekwondo-Technik sehr auf Schnelligkeit und Dynamik ausgelegt, was nicht zuletzt durch den Wettkampf bedingt ist.

Wie allen ursprünglichen asiatischen Kampfkünsten, ist die Philosophie des „DO“ (übersetzt mit „der Weg“) die Basis für alles. (wörtlich „Weg“) Gemeint ist damit die technische und geistige Entwicklung. Neben den körperlichen Werten werden auch geistige Werte wie Höflichkeit, Ehrenhaftigkeit, Selbstdisziplin, Zielstrebigkeit und Gerechtigkeitssinn wichtige Ziele im Taekwondo gefördert.

Ziele im Taekwondo

  • Selbstkultivierung
  • Weiterentwicklung von Gerechtigkeitssinn
  • Großzügigkeit
  • Persönlichkeitsentwicklung

Im Gegensatz zu klassischen Kampfsportarten, wie beispielsweise Judo oder Boxen, steht im traditionellen Taekwondo nicht der Kampf gegen eine andere Person, sondern vielmehr die persönliche Entwicklung von Körper und Geist im Fokus. Der Trainingsfortschritt wird nicht über Sieg und Niederlage in Wettkämpfen gemessen, sondern über die eigene Entwicklung, die jeder Mensch individuell durchläuft.

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Ursprünge und Entwicklung des Taekwondo

Die Wurzeln des Taekwondo reichen in Korea bis ins vierte Jahrhundert n. Chr. zurück, als die koreanische Halbinsel in die drei Königreiche Koguryo, Baek-Je und Silla aufgeteilt war. Aus dieser Zeit entdeckten Archäologen im Jahre 1935 Deckengemälde, Grabmäler und Aufzeichnungen, die auf das heutige Taekwondo hindeuten.

Silla, das kleinste der drei Königreiche, hatte unter den ständigen Überfällen und Belästigungen seiner beiden Nachbarreiche im Norden und Westen zu leiden. Deshalb wurde vom 24. König der Silla-Dynastie, Chin Hung, eine Elitetruppe, die sich Hwarangdo nannte (wörtlich „Weg der erblühenden Jugend“), ins Leben gerufen. Diese Kriegskorps übten sich nicht nur in den üblichen Waffen, wie Speer, Bogen oder Schwert, sondern auch in geistiger und körperlicher Disziplin und in der Kunst des Hand und Fußkampfes.

Durch ihre Heldentaten verhalfen sie dem Volk von Silla dazu, sich zu erheben und die Auseinandersetzung mit Koguryo im Jahre 668 n.Chr. zu gewinnen. Dann in der nachfolgenden Koryo-Dynastie wurde Taekwondo, unter der damaligen Bezeichnung „Soobak“, als eine Militärkunst von hohen Werten angesehen.

In der anschließenden Periode der Yi-Dynastie (1392 bis 1905) wurde ein Buch veröffentlicht, um diesen Sport unter dem Volk zu verbreiten. Dann zu Beginn der Aufklärung wurde alles, was mit Militär zu tun hatte, abgewertet und folglich verlor auch die waffenlose Kampfkunst an Bedeutung.

Gegen Ende der Yi-Dynastie um 1905 schienen die kriegerischen Künste fast ausgestorben zu sein und Soobak verwandelte sich in eine Freizeittätigkeit des einfachen Volkes. Während der japanischen Besetzung Koreas von 1909 bis 1945 war die Ausübung aller kriegerischen Künste verboten und die koreanische Kampfkunst schien auszusterben.

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Nach der Befreiung Koreas im Jahre 1945 bemühten sich die Koreaner den traditionellen Sport neu zu beleben. Im Jahre 1955 wurde einem Ausschuss bestehend aus Lehrern, Historikern und anderen bekannten Persönlichkeiten der Name Taekwondo als neue Bezeichnung für die nationale Kampfkunst gewählt.

Auf einer Sitzung eines Komitees, das aus Vertretern unterschiedlicher gesellschaftlicher Funktionen des neu befreiten Koreas bestand, wurde am 11. April 1955 der Name "Taekwondo" für die Kampfart von Choi, Hong Hi ausgewählt. Der Name bedeutet übersetzt „Weg des Fußes und der Hand“ (Tae = Fuß, Kwon = Faust, Do = Weg).

Während des Koreakrieges, als US-Soldaten in Korea stationiert waren, wurden auch Amerikaner in Taekwondo unterrichtet. Dadurch konnte Taekwondo in begrenztem Umfang auch in den Vereinigten Staaten bekannt werden.

Internationale Anerkennung

Im Mai 1973 fanden die ersten Taekwondo-Weltmeisterschaften statt, an denen 19 Nationen teilnahmen. Daraufhin wurde drei Tage später am 28. Mai 1973 die World Taekwondo Federation (WTF) gegründet.

Zur Sommerolympiade 1988 in Seoul in Korea war Taekwondo zum ersten Mal Demonstrationssport. Auch 1992 in Barcelona ist Taekwondo nochmals in gleicher Weise in das olympische Programm aufgenommen worden. Seit den Olympischen Spielen 2000 in Sydney ist es eine vollwertige olympische Disziplin.

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Disziplinen im Taekwondo

Das Taekwondo verfügt über verschiedene Bereiche, die sich in mehrere Oberbegriffe einteilen lassen:

  • Grundschule (Gibon Yeonseup)
  • Formenlauf (Teul, Hyeong, Pumsae (Taegeuk/Palgue))
  • Einschrittkampf (Hanbon Gyeorugi, Ilbo Matsogi, Ilbo Daeryeon)
  • Wettkampf (Kyorugi)
  • Bruchtest (Kyok Pa)

Grundschule

Die Grundschule des Taekwondo umfasst die stilisierten Techniken der Kampfkunst und soll durch festgeschriebene Bewegungsabläufe den Inhalt des Taekwondo bewahren und allgemeingültige Trainingserfolge sicherstellen. Die Grundschule kann durchaus als ein grundlegendes Krafttraining betrachtet werden. Der Körper wird damit auf die kommenden Herausforderungen des Taekwondoin (so nennt man einen Menschen, der Taekwondo ausübt) vorbereitet.

Formenlauf

Bei den Übungsformen (Poomsae) werden Grundschultechniken in vorgeschriebenen Bewegungsabläufen präsentiert und ein Kampf gegen imaginäre Gegner durchgeführt. Diese Übungsform stellt in den asiatischen Lehren einen wesentlichen Schritt zur Meisterschaft dar, der aber erst in der Kampfarten-Moderne verstärkt eingeführt wurde. Heute ist der Formenbereich eine feste und interessante Größe im Wettkampfspektrum des Taekwondo.

Wettkampf

Der Vollkontaktsport ist die Domäne des sportlichen Taekwondo-Wettbewerbs und auch der wirklich vollkommen eigenständige Entwicklungsbereich. Hier tragen die Sportler eine Schutzausrüstung und die Techniken werden nicht abgestoppt. Der Wettkampf hat sich über die Jahre sehr weit entwickelt und ist insgesamt wesentlich athletischer geworden. Als olympische Disziplin ist Taekwondo eine feste Größe geworden.

Bruchtest

Mit dem Bruchtest werden die technischen Fertigkeiten des Taekwondoin überprüft und ebenfalls demonstriert. Dabei ist ein hohes Maß an Konzentration erforderlich, um das Bruchtestmaterial, das im normalen Bruchtest aus Fichtenholz besteht, zu zerbrechen. In diesem Bereich lohnt sich eine extrem genaue Ausbildung der Taekwondo-Techniken.

Taekwondo als Lebensschule

Taekwondo ist der Definition nach somit auch eine Lebensschule, in der wir lernen, uns in der Welt zurechtzufinden, sie zu verstehen und nach Möglichkeit zu verbessern.

Der Sport Taekwondo schult also gleichermaßen Körper und Geist. Bereits das anfängliche Training der Grundtechniken erhöht die Ausdauer und Willenskraft. Ist diese Stufe erreicht, merkt der Schüler, daß nur mit Geduld etwas zu erreichen ist.

Der Umgang mit dem Lehrer und den bereits höher graduierten Schülern lehrt ihn, höflich und bescheiden zu sein, führt aber auch zur Kritik und Selbstkritik. Beim Kämpfen werden Eigenschaften wie Selbstbeherrschung, Ehrbarkeit und Gerechtigkeit gefördert.