Asiatische Kampfsportarten mit Stöcken: Eine umfassende Liste

Das Gebiet der asiatischen Kampfsysteme ist unüberschaubar groß. Dennoch kann man sagen, dass sich die asiatischen Kampfsysteme in drei großen Kulturkreisen entwickelten: Im südostasiatischen Raum (Indien und Südostasien), in China und in Japan.

Entwicklung der Kampfkünste

Die japanischen Kampfkünste sind sehr stark chinesisch beeinflusst, haben jedoch völlig eigenständige Systeme entwickelt. Als nach der Einigung des Landes im 16. Jahrhundert die ständigen Bürgerkriege ein Ende fanden, entstanden Tendenzen philosophischen Inhalts in den Kampfsystemen. Dies führte zur Gründung neuer Methoden, die die kämpferischen Fähigkeiten mit der psychologischen Entwicklung der Übenden verbanden (budō).

Durch ihre gesamte Geschichte hindurch haben die Koreaner die handgetriebenen Wurf- und Schußwaffen und die waffenlosen Techniken bevorzugt.

Kampfsportarten mit Waffen: Eine Übersicht

Viele der traditionellen Stile sind auch unter dem Aspekt der Selbstverteidigung interessant. Die Prinzipien und Konzepte werden von z.B. den klassischen chinesischen Waffen auf alltägliche Gegenstände wie Zeitungen, Feuerzeuge oder Selbstverteidigungs-Regenschirme übertragen.

Beispielhafte Liste der Kampfstile mit Waffen

Nachfolgend eine beispielhafte Liste der Kampfstile, welche Waffen beinhalten. Die Liste ist nicht vollständig, bietet aber einen ersten Überblick der bewaffneten Kampfstile.

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Tabelle der Kampfsportarten und Kampfkünste mit Waffen

KampfstilEingesetzte Waffen
AikidoBokken (Nachbildung eines Katana Schwertes aus Holz), Jo (Stock) und Tanto (Holzmesser)
BudoGängige japanische Waffen wie z.B.: Bo, Bokken, Iaito, Jo, Hanbo, Kama, Katana, Kodachi, Kusarigama, Manjisai, Naginata, Ninjato, Nunchaku, Nuntebo, Rokushakukama, Sai, Shinai, Shuriken, Tachi, Tanto, Tecchu, Tekko, Tessen, Tinbei, Tonfa, Tsurugi, Wakizashi, Yari, Yumi
FechtenFlorett, Degen, Säbel
Filipino Martial ArtsKurzschwerter, Messer, Macheten, Dolche, Kurzstöcke, Speer, Streitaxt aber auch andere Hieb- & Stichwaffen
HapkidoKurzstock, mittellanger Stock, Langstock, Spazierstock, Schwert, Fächer, Messer und Fesseltechniken mit Gürtel oder Seil
Hsing-IVielfältige Waffenarten, ursprünglich Langstock und Speer, Bajonett, doppelhändiges Langschwert
IaidoKatana, Iaito (Übungsschwert)
KalarippayatHolzwaffen (Langstock, Kurzstock, Hornförmige Stöcke), Dolch, Speer, Schwert, Schild, Peitsche
KaliKurzschwert, Messer, Machete, Dolch, Kurzstöcke
KendoÜbungsschwerter aus vier Bambus-Lamellen (Shinai), Schwerter aus Holz oder Metall
KenjutsuWakizashi (kleines Schwert ähnlich dem Katana), Katana (Shinken, „echtes Schwert“), Tachi (säbelähnliche Klinge), Tsurugi (zweischneidige Klinge)
Krav MagaJe nach Zielgruppe: Alltagsgegenstände für private Selbstverteidigung oder Militärwaffen beim Militär
KobudoBo, Drei-Segment-Stock, Kama, Nunchaku, Sai, Tonfa
Kung FuStock, Speer, Säbel, Schwert, uvm.
KyudoPfeil und Bogen
Muay ThaiBei der klassischen traditionellen Art namens „Muay Thai Boran“ wird auch mit unterschiedlichen Waffen gekämpft. Beispielsweise mit Degen, Schwert, Stock, einem Stock mit einem kurzen Schwertaufsatz (genannt „Ngauw“) oder einem Schild. Im heutigen Wettkampfsport Muay Thai wird ohne Waffen gekämpft.
NinjutsuHanbo (kurzer Stock, ca. 91 cm lang), Bo (Langstock, ca. 1,82 m lang), Schwerter, Kusari-Fundo (kurzes Seil/Kette), Jutte (Schwertfänger), Tanto (Messer), Kyoketsu-Shoge), Yari (Speer), Naginata, Shuriken (Wurfklingen), Pfeil und Bogen, Kusarigama (Sichel-Ketten-Waffen)und viele andere
Pencak SilatDolch, Faustmesser, Sichel, Stock, Kerambit, Kris, Speer, doppelschneidiges Kurzschwert mit Wellenklinge (Keris), Machete, Dreieckiges Messer
Sanatan Shastar Vidiya - PlataSchwerter, Stöcke, Knüppel, Speere, Dolche, Schlagringe, Chakra (Wurfscheibe), Schilder, Keulen, Stab, Äxte, Pfeile und andere Waffen
Shaolin KempoLangstock (Meisterform)
SystemaWaffenabwehr gegen Messer, Stock, Kette. Aber auch der Umgang mit historischen Waffen (Schwert, Säbel, Lanze etc.) wird trainiert.
Tai ChiSchwert, Stock, Speer, Hellebarde, etc.
VovinamFortgeschrittene trainieren den Umgang mit traditionellen Waffen, wie Hellebarde, Axt, Schwert, Messer und Langstock.
Wing ChunLangstock (Luk Dim Boon Kwun) und Doppelmesser (Baat Jam Do)
WushuKlassische chinesische Waffen
XingyiquanVielfältige Waffenarten, ursprünglich Langstock und Speer, Bajonett, doppelhändiges Langschwert

Ausgewählte Kampfsportarten im Detail

Aikido

Das Aikido wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Morihei Ueshiba entwickelt. Die erste Erwähnung des Begriffs Aikido geht auf das Jahr 1941 zurück. Davor wurde von Aiki-Bujuts oder von Aiki-Budo gesprochen. Der Stilbegründer Morihei Ueshiba erlernte und studierte in seinem Leben verschiedene Kampfkünste, unter anderem Jujutsu, Kenjutsu und Judo.

Als Morihei Ueshiba immer mehr seinen eigenen Stil entwickelte, wollte er diese Veränderung und die in seinem Stil enthaltene Philosophie auch nach außen sichtbar machen. Deshalb gab er ihm von nun an einen eigenen Namen, Aikido.

Der Begriff Aikido setzt sich aus den drei Wörtern „Ai" für Harmonie, „Ki" für Lebensenergie und „Do" für den Weg zusammen.

Häufig wird Aikido als eine defensive Kampfkunst bezeichnet, denn im Aikido wird auf offensive Angriffstechniken verzichtet. Ziel ist, die Kraft des Angriffes umzuleiten und sie gegen den Angreifer einzusetzen, so dass dieser sich gewissermaßen selbst besiegt. Zu diesem Zweck werden meist Wurftechniken eingesetzt.

Im Aikido sind, wie auch in vielen anderen Kampfkünsten, keine Wettkämpfe vorgesehen. Auch Wing Tai ist eine Kampfkunst in der es keine Wettkämpfe gibt.

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Budo

Der Begriff Budo stammt aus dem japanischen und kann ins Deutsche übersetzt werden als "Kriegskunstweg" oder "Weg des Krieges". Budo wird als Sammelbegriff für alle japanischen Kampfkünste benutzt.

Das japanische Schrift-Zeichen "Bu" setzt sich nach einer gängigen Auslegung aus zwei anderen Schriftzeichen zusammen, die „Waffen anhalten" bedeuten.

Außer der Kampftechnik beinhaltet "Budo" auch eine „innere“ Weglehre, "Do" - der Weg kann also auch als die Philosophie innerhalb der Kriegskunst angesehen werden.

Sowohl der Kriegskunstweg (Budo) als auch der Weg des Kriegers (Bushido) werden als Methoden der Selbstentwicklung, Selbstverwirklichung und Selbstkontrolle angesehen.

Eskrima / Kali / Arnis / Pangamut

Der Begriff Eskrima leitet sich vom spanischen "Esgrima", zu Deutsch „fechten" ab. Mit dem Begriff Escrima bezeichneten die Spanier die auf den Philippinen heimische Kampfkunst.

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Bei der Eroberung der spanischen Kolonie auf den Philippinen müssen sich die Spanier erbitterte Kämpfe mit den Esgrimadores - den einheimischen Kriegern geliefert haben.

Außer der Bezeichnung Escrima sind auf den Philippinen auch die Begriffe Kali/ Arnis/ Pangamut gebräuchlich.

Eskrima/ Kali / Arnis / Pangamut ist zunächst eine bewaffnete Kampfkunst. Gearbeitet wurde hier vor allem mit Klingentechniken und Waffen, wie verschiedenen Schwertern (z.B. Barong, Bolo, Kampilan, Kris, etc.) die unter anderem auch als Doppelschwerter benutzt wurden, aber auch Messer (z.B. Balisong - bei uns als Butterflymesser bekannt, Karambit, etc.) Speer, sowie Schild.

Generell kann man sagen, dass im Eskrima/ Kali / Arnis / Pangamut verschiedene Konstellationen mit Waffen und waffenlose Techniken isoliert als auch kombiniert geübt werden.

Kendo

Kendo ist eine fernöstliche Kampfsportart, welche in Japan entwickelt wurde. Es ist eine abgewandelte, moderne Art des ursprünglichen japanischen Schwertkampfes, wie ihn die Samurai erlernten. Kendo ist eine klassische Budo-Disziplin und heißt wörtlich „Schwert-Weg“.

Ken ist das japanische Wort für Schwert. Der Begriff Do lässt sich als „Lebensweg“ interpretieren und weist darauf hin, dass es im geduldigen, unermüdlichen Üben außer auf körperliche und technische Entwicklung auch auf die Vervollkommnung charakterlicher Eigenschaften ankommt.

Zielsetzung ist im Kendo, neben Aufmerksamkeit, Belastbarkeit, Ausdauer, Geschick auch Entschlusskraft, Konzentration und Reaktionsvermögen, sowie Selbstdisziplin, Verantwortung, Teamgeist und vor allem Fairness zu fördern.

Kobudo

Der Begriff Kobudo umschreibt einen Oberbegriff für Bauernwaffen aus dem alten Japan. Das von uns unterrichtete Okinawa Kobudo wurde zur Selbstverteidigung der Bewohners Okinawas vor den Japanischen Besatzern entwickelt.

Sie durften keine Schwerter tragen, da dies nur den Samurais vorbehalten war. Unser Training befasst sich vor allem mit den alten traditionellen Waffen der Okinawa Bevölkerung.

Zu den meist bekanntesten Waffen des Kobudos zählen der Bo, das Tonfa und das Nunchacku. Letzteres gilt in Deutschland als eine verbotene Waffe und wird daher nicht unterrichtet.

Kung Fu

Der Ursprung der chinesischen Kampfkünste liegt in grauer Vorzeit und geht bis ins 12. und 13. Jahrhundert vor Christus zurück.

Ninjutsu

Ninjutsu war früher die Art der japanischen Spionage und wird heute mit der Kampfkunst der Ninja umschrieben.

Das Video, gibt ein paar interessante Prinzipien und Fakten der indischen Kampfkunst wieder.

Trainingswaffen für sicheres Üben

Um Techniken in Kampfsportarten mit Waffen sicher zu trainieren, sind spezielle Trainingswaffen ideal. Sie ermöglichen ein realistisches Üben, reduzieren das Verletzungsrisiko und sind in verschiedenen Materialien erhältlich.

Fazit

Die Auswahl ist so vielfältig, dass du dir darüber Gedanken machen solltest welche Art von Waffen du erlernen möchtest. Des Weiteren gibt es Stile, welche sich ausschließlich auf Waffenkampf fokussieren.

Zu der Kampfkunst nur mit Waffen gehören die meisten Schwertkünste wie Kenjutsu, Iaido oder Kendo. Aber auf das japanische Kyudo konzentriert sich ausschließlich auf das Bogenschießen.

Nebenbei gibt es aber auch Kampfkünste, welche die Kampfkunst mit Waffen verbinden. Hierbei trainierst du sowohl den Umgang mit Waffen als auch den waffenlosen Kampf.