Kickboxen und Knie: Eine Analyse der Risiken und Auswirkungen

Kampfkunst und Kampfsport: Mehr als nur Technik

Grundsätzlich bezeichnet man als Kampfkunst jeden Stil, der Fertigkeiten und Techniken der ernsthaften körperlichen Auseinandersetzung mit einem Gegner beschreibt, ohne Regeln festzulegen. Aus der Kampfkunst entwickelt sich Kampfsport, wenn sie nach einem genau festgelegten Regelwerk ausgeübt wird, wodurch ein sportlicher Vergleich in Form eines Wettkampfs ermöglicht wird.

Allen asiatischen Kampfsportarten gemeinsam ist, dass sie nicht nur physische Kampftechnik, sondern auch Philosophie und Lebensweise lehren.

Die populärsten Kampfsportarten sind Aikido, Judo, Jiu-Jitsu, Karate und Kendo aus Japan, Kung-Fu und Wing Tsun aus China und Taekwondo aus Korea.

Asiatischer Kampfsport bietet aus sportmedizinischer Sicht eine hervorragende Möglichkeit, alle körperlichen Hauptbelastungsformen zu trainieren - bei geringem Verletzungsrisiko und geringem Risiko für chronische Schäden am Stütz- und Bewegungsapparat. Seine Ausübung führt zur Verbesserung von körperlicher Fitness, Balance, Psyche und Allgemeinbefinden.

Einstieg und positive Aspekte

Judo eignet sich bereits für Kleinkinder, die im Training spielerisch raufen und richtig fallen lernen, wobei ihre Kraft und Ausdauer gleichermaßen geschult werden.

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Neueinsteiger im Erwachsenenalter sollten sich auf jeden Fall einem sportmedizinischen Test unterziehen. Es sollte jene Kampfsportart gewählt werden, deren Anforderungsprofil aufgrund der körperlichen Voraussetzungen erfüllt werden kann, wobei generell die Intensität des Trainings dem jeweiligen Gesundheitszustand angepasst werden muss.

Wissenschaftlich nachgewiesene positive Aspekte

  • Taekwondo-Training führt bei präpubertären Knaben zu einer verbesserten posturalen und neuromuskulären Leistung.
  • Pons van Dijk et al untersuchten den Effekt des altersadaptierten Taekwondo-Trainings bei über 40-jährigen Neueinsteigern.
  • Kim et al konnten nachweisen, dass Taekwondo-Training die „Körperintelligenz“ und zerebrale Konnektivität vom Kleinhirn zum parietalen und frontalen Kortex verbessert.
  • Byun et al zeigten an Volksschulkindern mit Fehlhaltungen, dass Taekwondo-Basisbewegungen, die dreimal pro Woche für insgesamt acht Wochen ausgeführt wurden, eine signifikante Verbesserung der Nacken-, Schulter- und Beckeninklination bewirkten.

Kampfsport kann aber nicht nur bei gesunden Menschen, sondern auch als Ergänzung in der Rehabilitation zur Haltungskorrektur eingesetzt werden.

Kickboxen und Knie: Eine kritische Betrachtung

Die Frage, ob Kickboxen gefährlich für die Knie ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es ist wie so oft im Leben: Mit richtiger Technik und verantwortungsbewusst ausgeübt, besteht da eigentlich keine allzu große Gefahr.

Allerdings gibt es Faktoren, die das Risiko von Knieproblemen beim Kickboxen erhöhen können:

  • Fehlende Schuhe: Im Kampfsport wird ja fast immer auf Schuhe verzichtet.
  • Technik: Kicks ohne Widerstand üben (z.B. Roundkicks in die Luft) kann schlecht fürs Kniegelenk sein.
  • Bodenbeschaffenheit: Kickboxing mit Schuhen (WKA-Vollkontakt) auf einem Boden, der die Drehung hemmt, kann auch die Knie belasten.

Akute Verletzungen im Kampfsport

Während sich Freizeit-Kampfsportler im Allgemeinen nur relativ selten verletzen, steigen Anzahl und Schwere akuter Verletzungen bei Leistungssportlern deutlich an.

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Als häufigste Ursachen werden ein ungenügendes Warm-up (22,4 % ), ein Schlag des Trainingspartners (19,4 % ), ein ungenügender physischer Trainingszustand (8,9 % ) und eine ungenügende Schutzausrüstung (8,9 % ) genannt.

Laut Altarriba-Bartes et al, die 48 Elite-Taekwondo-Athleten über zwei Olympiazyklen hinweg begleiteten, muss ein Hochleistungswettkämpfer mit vier bis fünf Verletzungen pro Jahr rechnen, wobei hauptsächlich die unteren Extremitäten – Knie (21,3 % ), Fuß (17,0 %), Sprunggelenk (12,2 % ), Oberschenkel (11,4 % ) und Unterschenkel (8,8 % ) – betroffen sind.

Übliche Empfehlungen der sportartspezifischen Verletzungsprophylaxe sind im Kampfsport nur bedingt zielführend, weil das Training propriozeptiver und koordinativer Fähigkeiten ohnehin den Grundstock der sportlichen Ausbildung darstellt.

Chronische Überlastungserscheinungen

Überlastungssyndrome, die definitiv zu den Schattenseiten eines exzessiven Kampfsporttrainings zählen, sind bei fast allen langjährigen Leistungssportlern zu finden.

Bei ihnen werden wegen ihrer normalerweise ausgezeichnet geschulten propriozeptiven Fähigkeiten chronische Band­instabilitäten, die hauptsächlich nach multiplen Distorsionen vor allem am Knie und am Sprunggelenk entstehen, meistens erst in höhergradigen Stadien klinisch symptomatisch und erfordern oftmals eine operative Behandlung.

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Weil Fußtritte zu einer endgradigen Hyperextension und Außenrotation im Knie führen, treten bei Kampfsportlern Meniskusläsionen vor allem im Bereich des Außenmeniskusvorderhorns auf.

Kniefreundliche Alternativen und Prävention

Wenn Sie bereits Knieprobleme haben oder diesen vorbeugen möchten, gibt es kniefreundlichere Alternativen zum Kickboxen, wie zum Beispiel:

  • Rückenschwimmen
  • Laufen auf dem Crosstrainer
  • Nordic Walking
  • Yoga
  • Inline Skaten
  • Skilanglauf
  • Eislaufen
  • Fahrradfahren
  • Joggen (mit guter Technik und geeignetem Schuhwerk)

Unabhängig von der gewählten Sportart ist es wichtig, auf eine gute Technik zu achten, die Muskeln rund um das Knie zu stärken und die Knie im Alltag zu entlasten.

Aufgabe des betreuenden Arztes

Generell sollte die medizinische Betreuung von Leistungssportlern Leistungstests und Ernährungsberatung beinhalten. Liegen Überlastungsverletzungen vor, ist in der Vorbereitungsphase eine geeignete Trainingsumstellung im Sinne einer Sekundärprophylaxe anzustreben.

Es obliegt einzig und allein dem Sportarzt, den Grad und die drohenden Folgeschäden einer akuten Verletzung zu beurteilen, im Falle eines ernsthaften Traumas konsequent den Abbruch des Kampfes zu veranlassen und noch vor Ort eine adäquate Erstversorgung zu gewährleisten, auch wenn der Sportler wegen seines hochgefahrenen Adrenalinspiegels die Notwendigkeit einer Kampfaufgabe nicht unbedingt verstehen kann.

Verletzungshäufigkeit im Kampfsport
Kampfsportart Verletzungen pro 1000 Stunden
Taekwondo 0,21
Karate 0,33
Ringen 0,71