Der britische MMA-Kämpfer Paddy „The Baddy“ Pimblett hat die Herzen der UFC-Fans im Sturm erobert. Der Jürgen-Klopp-Fan aus Huyton bei Liverpool ist der neue Kultstar des Milliarden-Unternehmens UFC. Leichtgewicht Pimblett siegte in Vegas bei seiner Pay-Per-View-Premiere gegen Käfig-Veteran Jared Gordon, nach drei Runden schlug der frühere Federgewichts-Champion der Liga Cage Warriors - nicht unumstritten - nach Punkten, sein vierter Triumph im vierten UFC-Kampf.
Pimbletts Aufstieg zum Publikumsliebling
Obwohl Pimbletts Karriere dort noch jung ist, ist er bereits ein absoluter Publikumsliebling: Bei seinem Einzug herrschte eine Atmosphäre wie bei der Darts-WM im Ally Pally, die Kameras fingen zahlreiche Fans mit Tribut-Perücken ein: „Seit Conor McGregor hat wohl niemand bei seiner Ankunft so etwas bei den Fans ausgelöst, als er in die UFC gekommen ist“, hielt das Kommentatorenteam fest. Viele Fans bewegte Pimbletts Premiere mehr als der eigentliche Hauptkampf um den vakanten Halbschwergewichts-Titel zwischen Jan Błachowicz und Magomed Ankalaev, der Unentschieden endete.
Pimblett - Fan des FC Liverpool und erklärter Bewunderer von Coach Jürgen Klopp (“Er wird ein Denkmal bekommen, wenn er hier geht“) - strahlt etwas aus, das man im Kampfsport-Kosmos nicht oft findet. Der junge Mann mit der blonden Pony-Frisur hat eine liebenswerte Jedermann-Ausstrahlung, die er auch bewusst pflegt. Er sei „kein Riesentyp mit vielen Tattoos“, es sei daher wahrscheinlich für viele Fans leichter, sich mit ihm zu identifizieren, sagte er einmal.
Hinter dem unscheinbaren Look steckt allerdings auch ein leidenschaftlicher Fighter mit einem schwarzen Gürtel in Brazilian Jiu-Jitsu, der seit seinem 14. Lebensjahr den Traum von einer MMA-Karriere verfolgt. Seine ersten drei UFC-Kämpfe gewann er durch K.o. oder Aufgabe und verdiente sich jeweils den Preis für die „Performance of the Night“.
Emotionale Momente und Kontroversen
Pimblett begann, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, zusätzlich auch durch das emotionale Interview, das er im Juli nach seinem Kampf gegen Jordan Leavitt gab - den er einem Freund widmete, der kurz zuvor Suizid aufgrund psychischer Probleme begangen hatte.
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Auch McGregor und Wrestling-Star MJF bringen Pimblett ins Gespräch: Das Phänomen Pimblett begann den britischen und amerikanischen Boulevard zu beschäftigen, zusätzlich ins Gespräch brachte ihn eine Social-Media-Fehde mit Wrestling-Champion MJF: Das Aushängeschild des WWE-Konkurrenten AEW - in Las Vegas auch vor Ort - beschimpfte Pimblett als „billige Conor-McGregor-Kopie“ - worauf sich der echte McGregor einschaltete und konterte: „Auch eine billige McGregor-Kopie ist Millionen wert.“
Der Sieg gegen Gordon fiel nicht ganz so überzeugend aus wie die vorigen, viele Kampfbeobachter sahen in dem auf Augenhöhe geführten Schlagabtausch eher Pimbletts Gegner als den Sieger. Seine Pay-Per-View-Premiere in Las Vegas fällt jedoch nicht ganz überzeugend aus.
Pimblett vs. Chandler
"Immer wenn ich jemanden schlage, suchen die Leute Ausreden, warum ich doch nicht so gut sein soll", bemängelte der britische Shootingstar Paddy Pimblett vor seinem Duell gegen die Nummer sieben im Leichtgewicht, Michael Chandler. Der 30-Jährige hat alle seine sechs UFC-Kämpfe gewonnen, ein Sieg gegen den Amerikaner würde den Mann aus Liverpool mit dem Beatles-Haarschnitt in die Top-10 der Welt hieven.
Zwei Runden lang konnte Pimblett sein ganzes Repertoire zeigen. Striking, Ringerverteidigung, tolles Distanzmanagement. Egal, was Chandler versuchte, "The Baddy" hatte eine Antwort darauf. Der Amerikaner, der für seine wilden Vorstöße bekannt ist, wirkte ideenlos. Pimblett fing ihn mit Haken ab, mit rechten Geraden schüttelte er seinen Kontrahenten immer wieder durch.
Mit einem super getimten Kniestoß verpasste er Chandler in Runde drei dann einen heftigen Cut unter dem linken Auge. Mit spektakulären Schlag- und Trittkombinationen jagte Pimblett durch den Käfig, ehe er sich seinen Gegner schnappte und zu Boden rang. Immer wieder suchte der Brite eine Submission. Pimblett sicherte sich schnell die Mount-Position und ließ Schläge und Ellbogenstöße folgen. Chandler nahm die Deckung hoch, drehte sich, kam aus der Position aber nicht mehr heraus. Nach Dutzenden Treffern in die Deckung stoppte der Referee den Kampf. Sieger durch TKO: Paddy "The Baddy" Pimblett. "So holen wir unsere Siege. Wir haben einen Gameplan und nutzen unseren Fight-IQ. Noch Fragen?!", sagte der 30-Jährige nach dem Kampf. Er forderte danach die UFC-Veteranen Dustin Poirier, Justin Gaethje und Charles Oliveira heraus.
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Der Kampf gegen Jordan Leavitt
Im Vorfeld des Kampfes mit Jordan Leavitt bei UFC London hatte der Liverpooler Pimblett nichts ausgelassen, um seinen Gegner zu provozieren. Nachdem Leavitt seine Siege bislang regelmäßig mit dem Tanzstil "Twerking" gefeiert hatte, kündigte Pimblett im Falle eines Sieges an, den US-Amerikaner "Teebeuteln" zu wollen. Die Andeutung dieser Sexpraktik sei als Demütigung seines Kontrahenten gedacht. Beim traditionellen Face-off, der Gegenüberstellung der Kämpfer, grinste Pimblett seinem Gegner frech ins Gesicht, deutete einen Handschlag an, zog aber zurück, als Leavitt einschlagen wollte. Die Fans feierten ihren Lokalhelden für diese Kindergartenaktion, die aber zeigt, dass Pimblett genau weiß, was beim Publikum ankommt.
Und auch wenn Paddy "The Baddy" bei den Presseterminen im Vorfeld der Veranstaltung prognostiziert hatte, wie das Aufeinandertreffen mit Leavitt ablaufen werde - wie so oft im MMA-Sport - so richtig durchplanen lässt sich ein Kampf nicht. So musste der Engländer vor allem in der ersten Runde sein ganzes Grappling-Können aufbieten, um Leavitts Takedown-Versuche abzuwehren. Der Amerikaner schaffte es sogar, Pimblett einmal zu Boden zu werfen. In einer ausgeglichenen ersten Runde schwang sich Leavitt plötzlich auf, um zum Party-Crasher für die tobende Menge in London zu werden.
In der zweiten Runde hatte "The Baddy" dann aber eine Lösung auf den US-Amerikaner, der immer wieder in den Clinch ging. Nach einem Kniestoß gegen Leavitts Kopf, sackte dieser zu Boden. Das Manöver ermöglichte es Pimblett, seinen Gegner zu umklammern und zu einem Aufgabegriff anzusetzen. Leavitt konnte den engen Rear-Naked-Choke nur ein paar Sekunden lang abwehren, bevor er per Abklopfen aufgab. Es folgt das angedeutete "Teebeuteln", Leavitt nimmt's mit Humor - beide Kämpfer zollen sich mit einer Umarmung Respekt.
Das Publikum feiert die Aktion und den Sieg frenetisch, die blonden Beatles-Perücken fliegen durch die Luft - Bierduschen inklusive. Auch Pimblett genießt den Moment - und wird im Interview im Oktagon anschließend emotional. Den Sieg widme er "Baby Lee", einem Vierjährigen aus Liverpool, der vor einigen Wochen den Kampf gegen den Krebs verloren hatte.
Schicksalsschläge und soziales Engagement
Danach erzählt er von einem weiteren Schicksalsschlag, einer seiner Freunde habe sich vor ein paar Tagen das Leben genommen. "Es gibt ein Stigma in dieser Welt, dass Männer nicht reden können. Hör zu, wenn du ein Mann bist und eine Last auf deinen Schultern trägst und du denkst, dass der einzige Weg, das Problem zu lösen, darin besteht, dich umzubringen, dann sprich mit jemandem", so Pimblett. Ein Gänsehautmoment. Danach ertönt das Lied, welches zum Liverpooler und dieser Situation kaum besser passen könnte: "You'll never walk alone". Pimblett stimmt kurz mit ein, sackt dann weinend im Käfig zusammen. Unter Tränen verlässt der Publikumsliebling die Arena. Standing Ovations und Beifall für Pimblett.
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In der Medienrunde nach dem Kampf gibt Pimblett ein ähnliches Bild ab. Erst verdrückt er gierig zwei Döner in knapp sieben Minuten und greift anschließend das emotionale Thema nochmal auf. "Frauen reden miteinander. Da gibt es dieses Stigma nicht", sagte der 27-Jährige. "In Sekundenbruchteilen kann ein Leben ruiniert sein. Und das ist mir in dieser Woche passiert. Aber Leute wie ich, die im Rampenlicht stehen, die sollten anderen helfen. Und ich denke darüber nach, eine Charity-Aktion für Probleme mit der geistigen Gesundheit ins Leben rufe. In Großbritannien gibt es dafür keine Wohltätigkeitsfinanzierung. Keiner spricht darüber. Menschen bringen sich um und niemanden interessiert's. Das muss sich ändern."
Die Zukunft von Paddy Pimblett
Der Kämpfer mit dem blonden Beatles-Haarschnitt ist sich seiner Popularität bewusst und der Hype um ihn reißt nicht ab. Die britischen Fans werden wohl künftig auf Pimblett-Heimspiele verzichten müssen. Zu groß ist die Anziehungskraft und der Fansupport für den 27-Jährigen geworden. "Das wird für ein paar Jahre mein letzter Kampf in Großbritannien sein, bis wir im Anfield Stadion antreten. Danach werde ich auf Pay-per-Views kämpfen", orakelte Pimblett bereits vor dem Kampf. Die UFC verliere zu viel Geld, wenn er in den USA auf der günstigeren Bezahlplattform ESPN+ kämpfe.
Dann sollte es auch die Gagen geben. Millionengagen, davon träumt auch Pimblett. Aber ganz uneigennützig. Wenn er einmal "McGregor-Money" verdienen werde, soll kein Kind in Liverpool Hunger leiden, so Pimblett im März. Er werde mit dem Geld die Lebensmitteltafeln in seiner Heimatstadt unterstützen.
Pimblett vs. Ferguson
Nach einer umstrittenen Niederlage gegen Jared Gordon im Dezember 2022 kehrt Paddy “The Baddy” Pimblett zum ersten Mal seit 2022 in den Käfig zurück. Er bekommt es mit Tony “El Cucuy” Ferguson zu tun, der in einer Formkrise steckt und seine letzten sechs Kämpfe verloren hat. Der 39-jährige Ferguson war früher der Interims-Titelträger im Leichtgewicht der UFC und hatte eine beeindruckende Siegesserie von 12 Kämpfen, befindet sich jetzt aber in der schlimmsten Phase seiner Laufbahn.
Dieser Kampf wird Tonys Rückkehr zu den ganz Großen oder Paddy Pimbletts Aufstieg in die MMA-Elite markieren. Nach sechs Niederlagen in seinen letzten sechs Kämpfen fragen sich viele, ob Tonys Tage im Kampfsport gezählt sind.
Finanzielle Aspekte
Einen Teil seiner Einnahmen erhält Paddy Pimblett in Form von Gagen für seine MMA-Kämpfe. So kassierte er für die Fights gegen Luigi Vendramini im September 2021 und gegen Rodrigo Vargas im März 2022 jeweils rund 70.000 Euro. Für den Fight gegen Jordan Leavitt im Juli 2022 waren es sogar mehr als 300.000 Euro. Zudem wird Pimblett von verschiedenen Firmen finanziell unterstützt. 2021 wurde er Testimonial und Content Creator des New Yorker Medienunternehmens Barstool Sports, der Deal erhöhte sein Vermögen um rund 900.000 Euro. Seit Ende 2019 betreibt Pimblett einen YouTube-Kanal, mit dem er ebenfalls Geld verdient. Die mehr als 900.000 Abonnenten unterhält er in den Videos mit Vlogs und Q&As.
