Die Geschichte der Azaitar-Brüder ist eine faszinierende Mischung aus sportlichem Erfolg, familiärer Unterstützung und unvorhergesehenen Wendungen. Abu und Ottman Azaitar haben sich in der Welt des Mixed Martial Arts (MMA) einen Namen gemacht, doch ihr Weg war nicht immer einfach.
Ottman Azaitar: Vom Kölner Studenten zum UFC-Kämpfer
Ottman Azaitar, in Köln aufgewachsen, ist ein Paradebeispiel für den Hype, der weltweit die MMA-Szene erfasst hat. Er absolvierte sein BWL-Studium mit Auszeichnung und folgte seinem älteren Bruder Abu in die MMA-Welt.
Sein Debüt-Kampf in der Elite-Liga der Käfigkämpfer war eine Traum-Premiere. Er jagte seinen Gegner aus Finnland durch den Käfig und verpasste nur knapp den K.o. des Abends, was ihm einen Bonus von 50.000 Dollar einbrachte.
Ottman Azaitar sagte: „Wir sind temperamentvolle Brüder. Wie wenn du hungrige Wölfe in einen Käfig steckst. Wenn ich in einem goldenen Käfig groß geworden wäre, wüsste ich heute nicht zu schätzen, was ich habe.” Geschenkt wurde den Azaitars nichts. Im Käfig steht man schließlich am Ende alleine.
Das jähe Ende in der UFC
Trotz seines vielversprechenden Starts endete Ottmans UFC-Karriere abrupt. Er wurde von der UFC entlassen, nachdem er gegen die Corona-Auflagen verstoßen hatte. Er und sein Team hatten ihre Armbänder abgeschnitten und sie Leuten von außerhalb der Bubble gegeben. Dana White erklärte die Entlassung von Azaitar mit den Worten: "Er ist kein UFC-Kämpfer mehr."
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Die Konsequenzen ihres Handelns werden den Protagonisten dieses Schmierenstücks wohl erste nach und nach bewusst werden. Bei der UFC sind die Türen zu, soviel ist sicher. Ob Bellator oder die PFL einen Kämpfer nach diesen Aktionen überhaupt aufnehmen würden, ist mehr als fraglich.
Abu Azaitar: Zwischen Doping-Sperre und Comeback-Versuch
Auch Abu Azaitar, der ältere der beiden Brüder, hat eine bewegte Karriere hinter sich. Er wurde in Deutschland geboren und aufgewachsen, machte sein Abitur mit einem Notendurchschnitt von 1,9 und hat einen Bachelor-Abschluss in BWL mit der Note 1,0. Mittlerweile lebt er wieder in Marokko.
Abu Azaitar: „Die UFC ist die Champions League für MMA. Dort reinzukommen ist eine große Ehre.“ Die Chance will er nutzen und sich so bei der Mega-Organisation langsam etablieren. Die leise Kampfansage des „Bulldozer“: „Ich werde einfach in den Käfig gehen und meinen Job machen.“
Die Vorbereitung absolvierte Azaitar in Las Vegas, trainierte u.a. mit Superstar Khabib Nurmagomedov.
Doping-Verstoß und Sperre
Abu Azaitar hätte eigentlich im vergangenen Oktober gegen Joaquin Buckley im Käfig stehen sollen. Zum Kampf am 10. Oktober kam es jedoch nicht, denn in Azaitars Dopingproben im August und September wurde ein verbotenes Mittel gefunden, dass Azaitar auf Anweisung eines Arztes einnahm. Er wurde nun von der USADA rückwirkend für sieben Monate gesperrt und kann Ende März wieder kämpfen.
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Wie die USADA in einer Pressemitteilung bekannt gab, hat man sich mit Azaitar wegen seines Verstoßes gegen die Anti-Doping-Regularien auf eine siebenmonatige Strafe rückwirkend zum 25. August geeinigt. Der 34-Jährige wurde vom 25. August bis zum 17. September vier Mal positiv auf das verbotene Mittel Tamoxifen getestet.
Nachdem er von der USADA über den Befund informiert wurde, konnte Azaitar durch mehrere Beweise, darunter auch Krankenakten, glaubhaft machen, dass ihm das verbotene Mittel von einem Arzt verschrieben wurde.
Comeback mit bitterem Ende
Las Vegas - Bitterer Kampfabend für den Kölner Käfigkämpfer Abu Azaitar in Las Vegas. Der 35-Jährige verlor bei seinem Comeback bei der UFC 260 durch technischen K.o. in der dritten Runde.
Azaaitar verlor gegen den Kandier Marc-Andre Barriault (31) durch technischen K.o. in der dritten Runde. Nach 4:56 Minuten war der Kampf beendet, Der Ringrichter musste einschreiten, weil Azaitar am Boden lag und von Schlägen malträtiert wurde. Seinen Mundschutz hatte der Kölner da schon seit einigen Sekunden gar nicht mehr im Mund.
Dabei war er so gut in den Kampf gestartet, landete gute Treffer und dominierte das Geschehen, indem er seinen Gegner immer wieder in den Zaun drückte. Barriault wollte allerdings nicht zu Boden gehen, blieb trotz zahlreicher Treffer gefährlich. Und dann das bittere Ende für Azaitar: Er verlor seinen Mundschutz, wollte sich bücken um ihn zu holen. Doch der Ringrichter unterbrach den Kampf nicht. Der Kanadier nutzte die Chance und brachte Azaitar mit harten Treffern zu Boden.
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Soziales Engagement und Vorbildfunktion
Gleichzeitig wollen sie Vorbilder für die Jugend sein, sie legen sie viel Wert auf soziales Engagement, unterstützen Projekte für behinderte Menschen. „Im ganzen Land”, so Abu, „alles, was wir haben, verdanken wir Allah. Wir wollen Gutes tun und etwas zurückgeben.” Auch den K.o.-Bonus vom Sieg in Abu Dhabi, 50.000 Dollar, haben die Brüder als Ehrenmänner gespendet.
Deutsche Beteiligung bei UFC-Events
Mit dem Düsseldorfer David Zawada, Nasrat Haqparast und nicht zuletzt Ottman Azaitar, waren in der Mega-Week mit gleich drei Events auf Fight Island in Abu Dhabi mit deutscher Beteiligung geplant. Den Anfang machte David Zawada, der trotz guter Leistung gegen Ramazan Emeev nach Punkten (Split Decision) verlor. Das Unheil nahm seinen Lauf, als Nasrat Haqparast am Freitag nicht zur offiziellen Waage erscheinen konnte, da er von den UFC-Ärzten keine Freigabe für den Kampf erhielt. Haqparast hatte sich eine Staphylokokken-Infektion eingefangen und konnte wegen Durchfall und Erbrechen nicht antreten.
Deutsche Kämpfer in der UFC Fight Night in Hamburg
Hamburg im MMA-Fieber! Allein fünf Deutsche sind bei den Premium-Fights am Start - das gab es noch nie! Und dann steigt das Quintett auch noch vor heimischer Kulisse in den Käfig - mehr geht wirklich nicht! Schon jetzt ist klar: Diese UFC Fight Night wird dank dieser fünf deutschen Kämpfer ein echtes Spektakel!
- Nick Hein (Köln)
- Abu Azaitar (Köln)
- David Zawada (Düsseldorf)
- Nasrat Haqparast (Hamburg)
- Khalid Taha (Dortmund)
Die Zukunft der Azaitar-Brüder
Welche Chancen hat Azaitar nun seine Karriere auf dem bisherigen Niveau fortzusetzen? Eine interessante Frage ist auch die nach der Zukunft von Ottmans Bruder Abu. Gilt die Suspendierung auch ihn? War Abu Azaitar an den Aktionen beteiligt? Wurde er ebenfalls aus der UFC entlassen oder wird er seine Karriere fortsetzen können.
Was sich nicht erklären lässt, ist der Grund für die illegalen Aktionen Azaitars, was war so wichtig, dass er sehendes Auges dieses maximale Risiko einging? Was muss man dringend bei sich haben, dass man so respektlos alle Regeln der UFC und des gesunden Menschenverstandes ignoriert?
