Thaiboxen für Kinder: Vorteile, Risiken und Training

Asiatischer Kampfsport bietet aus sportmedizinischer Sicht eine hervorragende Möglichkeit, alle körperlichen Hauptbelastungsformen zu trainieren - bei geringem Verletzungsrisiko und geringem Risiko für chronische Schäden am Stütz- und Bewegungsapparat.

Seine Ausübung führt zur Verbesserung von körperlicher Fitness, Balance, Psyche und Allgemeinbefinden.

Selbst ältere Neueinsteiger - ob gesund oder mit Vorerkrankungen - profitieren vom Training.

Mit einem erhöhten Risiko für akute Verletzungen und Überlastungserscheinungen muss nur dann gerechnet werden, wenn der Kampfsport wettkampfmäßig betrieben wird.

Was ist Thaiboxen?

Das Muaythai ist eine der ältesten Kampfsportarten und vor allem in Thailand sehr beliebt.

Lesen Sie auch: Thaiboxen: Jennifer Wegner im Fokus

Der Hauptunterschied zum durchschnittlichen Boxkampf liegt im Körpereinsatz. Darf beim Boxen nur mit den Fäusten gekämpft werden, so kommen in der thailändischen Version auch Knie, Ellenbogen, Füße, Kopf und Schienbeine zum Einsatz.

Bis auf die Leisten des Gegners darf überall angegriffen werden.

Die Techniken des Thai Boxens beruhen auf der Nachahmung verschiedener Tiere. So fließen Bewegungen von Tieren ein wie dem Kranich, Wasserbüffel, Kampfhahn oder dem Tiger.

Thaiboxen verleiht Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Geschicklichkeit sowie die Fähigkeit, auch unter Stress einen kühlen Kopf zu bewahren.

Thaiboxen fördert Reaktionsfähigkeit, Konzentration und die grundmotorischen Fähigkeiten.

Lesen Sie auch: Vereine für Thaiboxen

Kampfkunst vs. Kampfsport

„Kampf“ kann in Form von „Kunst“ oder „Sport“ ausgeübt werden.

Grundsätzlich bezeichnet man als Kampfkunst jeden Stil, der Fertigkeiten und Techniken der ernsthaften körperlichen Auseinandersetzung mit einem Gegner beschreibt, ohne Regeln festzulegen.

Dabei stehen die Selbstverteidigung und das Verhalten in echten Gefahren- oder Konfliktsituationen im Vordergrund, mit dem Bestreben, den Gegner mit allen Mitteln und möglichst schnell zu besiegen.

Aus der Kampfkunst entwickelt sich Kampfsport, wenn sie nach einem genau festgelegten Regelwerk ausgeübt wird, wodurch ein sportlicher Vergleich in Form eines Wettkampfs ermöglicht wird.

Dieser wird hauptsächlich in einem Zweikampf ausgetragen.

Lesen Sie auch: Informationen und Erfolge

Er kann aber auch in einer anderen Bewerbsform, wie zum Beispiel dem Bruchtest oder dem Formenlauf, der alleine oder im Team absolviert werden kann, erfolgen.

Die Philosophie hinter asiatischen Kampfsportarten

Allen asiatischen Kampfsportarten gemeinsam ist, dass sie nicht nur physische Kampftechnik, sondern auch Philosophie und Lebensweise lehren.

Diese sogenannte „innere Kampftechnik“ beschreibt eine besondere, in der jeweiligen Kultur und Tradition begründete geistige Haltung, die durch den Kampf gelebt und praktiziert wird.

Das Training basiert auf einer Kombination aus physischen konditionellen und koordinativen Fähigkeiten (Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Gewandtheit und Koordination) unter strikter Vermeidung einseitiger Belastung, gepaart mit der Vermittlung kultureller Grundwerte (Respekt, Gerechtigkeit, Ehrgefühl, Disziplin, Geduld, Stetigkeit, Bescheidenheit und Höflichkeit).

Es fördert die Einheit von Körper und Geist und stärkt Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen.

„Wer Kampfsport trainiert, der lernt, aufrecht zu gehen. Man hat eine gewisse Art aufzutreten, ist nicht mehr Opfer. Man lernt, in Stresssituationen zu beobachten und dosiert zu reagieren. Man ist nicht gezwungen, aus Angst gleich zuzuschlagen“ (Prim. Univ.-Prof. DDr. Josef Niebauer, MBA, Vorstand des Instituts für Sportmedizin des Landes Salzburg; Medizin populär 4/2012).

Ultimatives Ziel jedes Trainierenden sollte das Erleben des Alltags in völliger Harmonie von Körper und Geist sein.

Einstieg für Kinder und Erwachsene

Da die meisten Knaben und Mädchen erst im Alter von 8 bis 10 Jahren ein ausreichend differenziertes Gewaltverständnis entwickeln, sollen im Normalfall Taekwondo und Karate erst ab diesem Alter praktiziert werden.

In beiden Sportarten deckt das ganzheitliche Training das komplette Bewegungsausmaß sämtlicher Körperabschnitte in allen Raumebenen ab und beugt daher chronischen Schäden am Bewegungsapparat vor.

Die Durchführung des Kampfschreis soll schüchterne Kinder dazu motivieren, aus sich herauszugehen.

Positive Erfahrungen im Vergleich mit Gleichaltrigen steigern das Selbstvertrauen sowie die Bereitschaft, vor die Gruppe zu treten und erlernte Techniken zu präsentieren.

Aufgeweckte Kinder bauen ihre Aggressionen durch das Ausüben formalisierter Bewegungen ab.

Sie werden ruhiger, drängen sich weniger in den Vordergrund, akzeptieren Regeln und lernen, sich in die Gruppe zu integrieren.

Neueinsteiger im Erwachsenenalter sollten sich auf jeden Fall einem sportmedizinischen Test unterziehen.

Es sollte jene Kampfsportart gewählt werden, deren Anforderungsprofil aufgrund der körperlichen Voraussetzungen erfüllt werden kann, wobei generell die Intensität des Trainings dem jeweiligen Gesundheitszustand angepasst werden muss.

Vorteile des Thaiboxens für Kinder

  • Verbesserung der Fitness: Thaiboxen ist ein Ganzkörpertraining, das Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit fördert.
  • Stärkung des Selbstbewusstseins: Kinder lernen, ihre Stärken und Schwächen kennen und entwickeln ein gesundes Selbstvertrauen.
  • Abbau von Aggressionen: Durch das kontrollierte Ausüben von Techniken können Kinder ihre Aggressionen abbauen und lernen, mit ihren Emotionen umzugehen.
  • Förderung der Disziplin: Thaiboxen erfordert Disziplin und Konzentration, was sich positiv auf andere Lebensbereiche auswirken kann.
  • Verbesserung der sozialen Kompetenzen: Im Training lernen Kinder, Regeln zu akzeptieren, sich in die Gruppe zu integrieren und respektvoll miteinander umzugehen.

Risiken und Sicherheitsvorkehrungen

Grundsätzlich besteht beim Boxen ein gewisses Verletzungsrisiko, das jede Sportart und körperliche Aktivität mit sich bringt.

Die besondere Bewegungsart durch das Schlagen kann zudem zu Verletzungen führen - wie Zerrungen oder Knochenbrüchen führen.

Auch blutige Nasen oder Gehirnerschütterungen sind theoretisch möglich.

Um das Verletzungsrisiko für Kinder möglichst niedrig zu halten, tragen sie beim Boxen grundsätzlich eine Ausrüstung mit gepolsterten Boxhandschuhen, sodass Schläge auf den Körper und ggf. auf den Kopf gedämpft werden.

Professionelle Trainier kennen die Risiken für Kinder beim Boxen und praktizieren ausschließlich Techniken und Trainingsübungen, die für Kinder geeignet sind.

Darüber hinaus kann man Kinder auch einfach am Boxsack boxen lassen, ohne dass sie überhaupt mit anderen Kindern oder Trainingspartnern in Berührung kommen.

Aufgabe des betreuenden Arztes

Generell sollte die medizinische Betreuung von Leistungssportlern Leistungstests und Ernährungsberatung beinhalten.

Letztere spielt besonders vor Wettkämpfen eine wichtige Rolle, da der Erhalt einer Gewichtsklasse oft nur durch kurzfristiges und intensives Abnehmen erreicht werden kann.

Liegen Überlastungsverletzungen vor, ist in der Vorbereitungsphase eine geeignete Trainingsumstellung im Sinne einer Sekundärprophylaxe anzustreben.

Um Verletzungen vor Turnieren möglichst zu verhindern, sollte das Vollkontakttraining nicht oder nur sehr gut geschützt durchgeführt werden.

Vor dem Wettkampf muss das medizinische Team grippale Infekte und gastrointestinale Probleme effizient und ohne Verletzung der Dopingrichtlinien behandeln.

Während des Wettkampfes muss es im Falle einer offenen Wunde eine rasche und suffiziente Blutstillung gewährleisten, die Voraussetzung für die Fortsetzung eines Kampfes ist.

Es obliegt einzig und allein dem Sportarzt, den Grad und die drohenden Folgeschäden einer akuten Verletzung zu beurteilen, im Falle eines ernsthaften Traumas konsequent den Abbruch des Kampfes zu veranlassen und noch vor Ort eine adäquate Erstversorgung zu gewährleisten, auch wenn der Sportler wegen seines hochgefahrenen Adrenalinspiegels die Notwendigkeit einer Kampfaufgabe nicht unbedingt verstehen kann.