Kinder mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) benötigen besondere Unterstützung, um ihre motorischen Fähigkeiten, Konzentration und Selbstkontrolle zu stärken. Es ist hinreichend bekannt, dass Sport für Betroffene aller Altersgruppen sich positiv auf die Symptome von ADHS auswirken kann.
Sport hält nicht nur fit und stärkt die körpereigenen Abwehrkräfte - er wirkt sich auch positiv auf die geistige Leistungsfähigkeit aus. Beispielsweise werden damit sogenannte exekutive Funktionen wie etwa die Konzentration und Aufmerksamkeit trainiert.
Warum Kampfsportarten bei ADHS sinnvoll sind
Kampfsportarten können eine ideale Ergänzung zur Therapie von ADHS sein. Kampfsportarten wie WingTsun und Panantukan fördern Disziplin, Selbstbeherrschung und Konzentration. Durch gezielte Übungen und klare Regeln unterstützen wir Kinder mit ADHS dabei, ihre Impulsivität zu kontrollieren und ein positives Selbstbild aufzubauen.
Nils Weyand, Trainer für Kickboxen und weitere Kampfsportarten, arbeitet seit einiger Zeit immer wieder auch mit Kindern, bei denen ADHS diagnostiziert wurde. Zusammen mit anderen Kampfsporttrainern, mit denen er in ständigem Austausch steht, konnte er, insbesondere nach Rücksprache mit Eltern der Betroffenen beobachten, dass sich Kampfsport in besonderem Maße positiv auf Betroffene auswirkt. Dies wird durch Mediziner bestätigt.
Der Schwierigkeit, sich nicht lang genug auf eine Sache konzentrieren zu können, wirken verschiedene Phasenwechsel entgegen. In der traditionellen Kampfkunst wird größten Wert auf Gerechtigkeit und Hilfsbereitschaft gelegt.
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Positive Aspekte von Kampfsportarten für Kinder mit ADHS
- Förderung der Konzentration und Aufmerksamkeit: Kampfsportarten erfordern ein hohes Maß an Konzentration und Aufmerksamkeit, was Kindern mit ADHS helfen kann, diese Fähigkeiten zu verbessern.
- Steigerung des Selbstbewusstseins: Durch das Erlernen neuer Techniken und das Erreichen von Zielen können Kinder mit ADHS ihr Selbstbewusstsein stärken.
- Verbesserung der Selbstbeherrschung: Kampfsportarten lehren Disziplin und Selbstbeherrschung, was Kindern mit ADHS helfen kann, ihre Impulsivität zu kontrollieren.
- Abbau von Stress und Aggressionen: Kampfsportarten können eine Möglichkeit sein, Stress und Aggressionen abzubauen und ein positives Ventil für überschüssige Energie zu finden.
- Förderung sozialer Kompetenzen: Im Kampfsport lernen Kinder, respektvoll miteinander umzugehen und sich an Regeln zu halten.
Beispiele für geeignete Kampfsportarten
Judo und Jiu-Jitsu
Asiatische Sportarten wie Judo und Jiu-Jitsu werden seit Jahren von zahlreichen Kindern ab dem Vorschulalter begeistert geübt. Diese Sportarten fördern den achtsamen Umgang mit dem Trainingspartner. Sie unterstützen die Bewegungskoordination, den Gleichgewichtssinn, die Fähigkeit, Kraft dosieren zu können sowie die grob- und feinmotorischen Fähigkeiten.
Die etablierte Berliner Sportschule für asiatische Sportarten Randori Pro rief den Trainingskurs „Jiu-Jitsu für ADS/ADHS-kids“ ins Leben. Speziell an die ADHS-Herausforderungen angepasst wird das Training für die Kinder stets mit mindestens zwei Trainern in extra kleinen Übungsgruppen durchgeführt. Die deutlich individuellere Ausrichtung auf die Bedürfnisse der kleinen Teilnehmer ist dabei ebenso selbstverständlich wie eine höhere Wiederholung der einzelnen Übungen und natürlich der regelmäßige Mit-Einbezug der Eltern.
Taekwon-Do
Im Taekwon-Do wird höchster Wert auf körperliche und geistige Kontrolle gelegt, alle Bewegungen müssen präzise und sauber ausgeführt werden. Hier ist nichts dem Zufall überlassen. Das Verletzungsrisiko ist praktisch Null, da ohne Körperkontakt geübt wird. Das Taekwon-Do bietet ein unwahrscheinlich hohes Bewegungsspektrum, das von Sprüngen, Drehungen, Stretching zu Arm- und Beinbewegungen in allen Varianten reicht.
Worauf Eltern achten sollten
Zwar bemängelt der BVKJ, dass es immer noch zu wenig Sportangebote speziell für Kinder mit ADHS gibt, allerdings sind diese auch nicht zwingend notwendig, damit euer Nachwuchs in einem Sportverein gut aufgehoben ist. Achtet einfach darauf, dass die Gruppen nicht zu groß sind, damit eine ausreichende Betreuung und Förderung gewährleistet werden kann. Des Weiteren ist es natürlich wichtig, dass die Trainer gleich zu Beginn von der Erkrankung erfahren. Zudem spielt auch der Grad ihrer Ausprägung eine wichtige Rolle.
Bevor ihr euer Kind in einem Sportverein anmeldet beziehungsweise gleich mehrere Stunden bezahlt, gebt ihm die Chance, sich auszuprobieren. Es ist vollkommen okay, wenn es sich mehrere Sportarten und Vereine anschaut und sich danach in Ruhe entscheidet. Dies ist nicht nur wichtig, um eine passende Sportart für euer Kind zu finden, sondern auch, um festzustellen, ob es in dem Verein gut aufgehoben ist und sich wohlfühlt.
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Ist euer Nachwuchs generell unsicher, ob er überhaupt eine Sportart ausüben möchte, versucht ihn nicht zu drängen und stattdessen mit Schnupperstunden und Argumenten sanft zu überzeugen.
Weitere Sportarten, die für Kinder mit ADHS geeignet sein können
- Reiten und Voltigieren: Durch das Reiten und Voltigieren trainiert euer Kind zum Beispiel seinen Gleichgewichtssinn und seine Aufmerksamkeit.
- Schwimmen: Auch beim Schwimmen kann sich euer Kind so richtig auspowern. Neben der Fitness und der Motorik steht dabei die bewusste Atmung im Fokus.
- Klettern und Bouldern: Geschult werden Konzentration und Aufmerksamkeit, Muskelspannung, Geschick und Gleichgewicht.
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