Charlotte Glaser ist Deutsche Meisterin im Kickboxen. Im Oktober erkämpfte sie sich auf der Nürtinger Fightnight den Europameistertitel in der Klasse bis 57 kg. 2020 gewann sie bereits den EM-Gürtel in der Gewichtsklasse bis 60 kg.
Die Anfänge und der Weg zum Kickboxen
Mit gerade einmal acht Jahren entdeckte Charly Glaser ihre Begeisterung für den Kampfsport. Gemeinsam mit ihren Geschwistern Georg und Paula begann sie ihre Reise im Karate und trainierte insgesamt 6 Jahre lang an der Shotokan Karate Schule in Frickenhausen, bis sie den violetten Gürtel erreichte. Obwohl sie viele Formen und Techniken beherrschte, konnte ihr Verlangen nach mehr Action und körpernahem Kampf nicht gestillt werden. Mit 17 Jahren fasste Charly den Entschluss im Kickboxen an der Kampfsportakademie in Nürtingen durchzustarten.
„Ich bin in die Damenumkleide hereinspaziert, hatte mich vorgestellt und direkt die Aussage getroffen, dass ich gerne kämpfen möchte“. Und kurz darauf tat sie auch genau das - kämpfen.
Fortan widmete sich Charly mit Eifer dem Kickboxen und erweiterte konstant ihre Fähigkeiten darin. Ihr Kampfgeist ist bis heute unverändert geblieben und Charlys Passion für Sport, Adrenalin und Action zeichnen sie nicht nur als Mensch, sondern ganz klar auch als Kämpferin aus. Sie wird besonders für ihre Zielstrebigkeit und Loyalität geschätzt, und diese Eigenschaften spiegeln sich nicht nur in ihren schnellen und kraftvollen Schlägen wider, sondern auch in ihrem fairen Kampfstil.
Im Alter von acht Jahren begann sie mit Karate, spielte bis zur B-Jugend drei Jahre beim FV 09 Nürtingen Fußball, ehe sie 2013 in der Kampfsport-Akademie Nürtingen mit dem Kickboxen begann.
Lesen Sie auch: BJJ-Karriere von Charlotte von Baumgarten
Der Europameistertitel 2020
Und in der Tat war das mein schwerster Kampf, am 12. Februar 2020 bei der Nürtinger Fightnight in der Stadthalle K3N. Bei dem Kampf ging es um den vakanten Europameisterschaftsgürtel in der Kategorie Vollkontakt bis 60 Kilogramm der World Kickboxing and Karate Union (WKU), einem von insgesamt acht Verbänden im Kickboxen. In diesem Kampf traf ich als amtierende Deutsche Meistern (bis 57 Kilogramm) auf die dreimalige Schweizer Meisterin und viermalige Amateurweltmeisterin Linda „The Tiger“ Schlup.
In der ersten und zweiten Runde fand ich nicht richtig in den Kampf und musste unheimlich viel einstecken. Meine Mutter - und auch meine Fans - waren hell entsetzt und hätten in diesen Momenten sicherlich keinen Cent mehr auf mich gesetzt, denn die Schweizerin dominierte fast nach Belieben. Mein Trainer Ertekin Arslan wollte sogar schon das Handtuch werfen! Doch Dennis Ulrich, mit dem ich viel trainiert habe und der mich deshalb gut kennt, verhinderte dies: „Warte ab, sie kommt noch!“
Die dritte Runde verlief dann auch relativ ausgeglichen, die Runden vier und fünf konnte ich anschließend klar für mich verbuchen. Wäre Linda Schlup die Titelträgerin gewesen, hätte sie mit diesem Unentschieden, das die Punkterichter werteten, ihren Gürtel verteidigt, weil es aber um einen vakanten Titel ging, musste der Kampf in die Verlängerung. WKU-Präsident Klaus Nonnemacher rief also zu einer alles entscheidenden sechsten Runde auf. Hier konnte ich noch einmal alles zeigen und mir am Ende den einstimmigen Sieg sichern - ich war endlich Europameisterin!
Ringsprecher Tobias Gerold bat zur Siegerehrung Nürtingens Oberbürgermeister Dr. Johannes Fridrich in den Ring, der mir den hart erkämpften Gürtel umlegen durfte.
Es war ein langer Weg, den ich bis zu diesem Titel zurücklegen musste, und meine Familie unterstützte mich die ganze Zeit. Papa schafft beim Daimler, Mama bei Kemmler in Zizishausen, und auch mein großer Bruder Georg ist mittlerweile sehr stolz auf das „Nesthäkchen“.
Lesen Sie auch: AGB und Bedingungen der Auktion
Vom Point Fighting zum Vollkontakt
Nach dem Abi 2016 auf dem Högy Nürtingen - meine Lieblingsfächer waren Sport und - Mathematik (!) -, konzentrierte ich mich noch mehr aufs Training und betrieb lange Zeit Point Fighting.
Point Fighting ist eine Kampfdisziplin, bei der zwei Kämpfer gegeneinander antreten mit dem primären Ziel, definierte Punkte durch kontrollierte, erlaubte Techniken mit Schnelligkeit, Agilität und Fokus zu erzielen. Es ist eine technische Disziplin mit gleicher Wertschätzung für Hand- und Fußtechniken, die streng kontrolliert werden. Nach jedem erfolgreichen Treffer am Körper des Gegners wird der Kampf kurz unterbrochen, und die Kämpfer begeben sich wieder in die Ausgangsstellung zurück.
Nach dem Point Fighting wechselte ich zum Leichtkontakt-, dann zum Vollkontakt-Kickboxen.
Training und Akademie
Stehen keine Wettkämpfe an, trainiere ich sechs bis sieben Mal pro Woche, Ausdauer und Kraft, auf dem Laufband, außerdem natürlich Pratzentraining mit meinem Trainer Massimo De Lorenzo, der jeweils zweimal Welt- und Europameister war und heute Leiter der Kampfsportakademie Esslingen ist.
Die Original-Kampfsportakademie ist in Nürtingen und wurde von Erdekin Arslan gegründet, der mich anfangs auch trainiert hat. Derzeit hat sie zirka 300 Mitglieder, von drei bis 60 oder mehr Jahren! Außerdem gibt es einige Ableger in der Region -, wie Esslingen, Stuttgart-Vaihingen, Kirchheim und Wendlingen - aber auch in Trier oder Hamburg.
Lesen Sie auch: Biographie: Charly Glaser
Es puscht mich immer wieder, dazuzugehören, denn ich arbeite in der Akademie auch als Trainerin, jeden Tag und quer durch mit allen Altersstufen. Ich bin auch Personal Trainerin, zum Beispiel des Nürtinger Oberbürgermeisters Fridrich oder von Leo Kotaidis, dem griechischen Wirt der „Neckarau“, dem Sportheim der TG Nürtingen. Er war ganz schwer an Corona erkrankt, und ich helfe ihm jetzt dabei, wieder ganz fit zu werden. Außerdem studiere ich aktuell bei der Akademie - nicht nur im sportlichen Bereich, sondern auch in der Verwaltung - und an der Dualen Hochschule für Präventions- und Gesundheitsmanagement (DHFG), das Studium dauert insgesamt dreieinhalb Jahre und ich werde im Dezember 2022 fertig sein.
Kickboxen als Sportart
Kickboxen (auch Kickboxing) ist eine Kampfsportart, bei der das Schlagen mit Füßen und Händen wie bei den Kampfsportarten (Karate oder Taekwondo) mit konventionellem Boxen verbunden wird. In den einzelnen Schulen und Sportverbänden ist unterschiedlich geregelt, ob der Gegner gehalten werden darf oder welche Trefferflächen beim Gegenüber erlaubt sind. Allen Verbänden gemeinsam ist das Verbot von Tiefschlägen, das Schlagen auf den Rücken und auf Gegner, die am Boden liegen, sowie das Werfen des Konkurrenten.
Als Wettkampfdisziplin geht es auf das Jahr 1974 zurück, die acht Internationalen Fachverbände sind die World Kickboxing and Karate Union (WKU), der auch ich angehöre, die World Association of Kickboxing Organisations (WAKO), die World Karate and Kickboxing Commission (WKC), die World Kickboxing Federation (WKF), die International Sport Karate Association (ISKA), die World All Fight Symstem Organization (AFSO), die World Tradition Karate Association (WTKA) und die Kampfsportorganisation Glory, ein internationaler Kickbox-Veranstalter.
Vor wenigen Jahren dachte man bei Kampfsport noch an muskulöse, leicht zwielichtige Männer, die sich abends in dunklen Hinterhöfen oder alten Lagerhallen treffen, um sich dann gegenseitig die Seele aus dem Leib zu prügeln. Heute ist dieses Image zum Glück aufpoliert, Kampfsport ist viel populärer und dadurch wurden viele Klischees bereinigt. Zum einen zeigt unser hoher Frauenanteil, dass dieser Sport keineswegs vom Geschlecht abhängig ist. Zum anderen sind schon die Kleinsten fleißig am Üben und auch nach oben gibt es keine Altersgrenze. Jeder bestimmt für sich selbst wie weit er geht und wann er aufhört.
Beim Kampfsport wird der ganze Körper beansprucht, man baut Kondition auf und wird beweglicher. Er erfordert Disziplin, Konzentration, taktische Intelligenz und einen starken Willen! Wer sich regelmäßig auspowert, wird im Alltag gelassener und entspannter. Das Wissen, Kampfsport zu beherrschen, verleiht außerdem mehr Selbstsicherheit und führt so zu einer komplett neuen, positiven Ausstrahlung.
Weitere Kämpfe und Herausforderungen
Meinen Europameistertitel muss ich bei der nächsten Nürtinger Fightnight am 9. Oktober 2021, wieder im K3N, verteidigen, meine Gegnerin steht noch nicht fest. Der Abend wird von der Kampfsportakademie veranstaltet, sie versucht dabei natürlich, einige ihrer Mitglieder groß herauszubringen und verschiedene Titelkämpfe zu organisieren.
In meiner bisherigen Karriere habe ich bereits mehrere Kämpfe um Titel bestritten, 2017 in Athen und 2018 in Bregenz kämpfte ich um die Amateur-Weltmeisterschaft, damals war ich aber noch nicht so gut! 2019 endete ein EM-Kampf in München (bis 57 kg) mit einem Unentschieden, so dass Titel und Gürtel bei der amtierenden Europameisterin blieben.
Die frischgebackene Kickboxweltmeisterin, die sich im September in Nürtingen den WM-Gürtel der World Kickboxing and Karate Union (WKU) gesichert hatte, steigt am Samstag in Frankfurt in den Ring. Im Rahmen der Mix Fight Gala kämpft die Linsenhofenerin von der Kampfsportakademie Esslingen in der Kategorie K1 bis 58 Kilogramm über dreimal drei Minuten gegen die Heidelbergerin Gabriella Rozor.
Wenn ich vor einem Kampf „Gewichtmachen“, also mein Körpergewicht senken muss, um in eine niedrigere Gewichtsklasse zu kommen, ist das nicht immer angenehm. Ich muss meine Ernährung umstellen, abends keine oder nur wenig Kohlehydrate zu mir nehmen und vor allem auf Süßigkeiten verzichten! Das ist das Härteste überhaupt!!!
Privatleben und Hobbys
Wenn ich mich einmal nicht sportlich betätige, treffe ich mich sehr gerne mit Freunden oder spiele Playstation. Seit einiger Zeit kamen noch zwei weitere „Hobbies“ hinzu: Mit meinem Freund Markus habe ich das Reihenhäusle meines verstorbenen Opas in Linsenhofen umgebaut und wir sind dort eingezogen. Jetzt kommen also noch Arbeiten in Haushalt und Gärtle dazu!
Studium und Beruf
Die Leidenschaft zum Kampfsport teilt sie mittlerweile auch beruflich: Die 25-Jährige arbeitet als dual Studierende in der Kampfsport Akademie Nürtingen.
Nach dem Abitur verschlug es die Nürtingerin für ein halbes Jahr Work & Travel nach Neuseeland. „Dort bin ich auf eigene Faust gereist und konnte mein Englisch verbessern.“ Zurück in Deutschland entschied sie sich dazu, ein Studium zu beginnen. „Ich wollte studieren und dabei auch Geld verdienen, also habe ich mich nach dualen Studiengängen umgeschaut.“ Daraufhin startete Charlotte Glaser das Studium BWL-Handel in Stuttgart. „Im vierten Semester habe ich dann aber gemerkt, dass das nicht das Richtige für mich ist und entschied mich dazu, mich nach etwas Anderem umzuschauen.“
2019 entschied sich Charlotte Glaser schließlich für den Bachelor of Arts Fitnessökonomie und absolviert ihre betriebliche Ausbildung in der Kampfsport Akademie. „Das passt super! So kann ich vor oder nach der Arbeit selbst trainieren und während der Arbeit die Studieninhalte direkt in der Praxis umsetzen. Ich finde die Mischung aus Training, Ernährung, Gesundheit und BWL perfekt! Am meisten interessiert mich natürlich die Trainingslehre.“
Vormittags steht dann erst einmal Büroarbeit an. „Dazu gehört unter anderem Verwaltung, Mitgliederverträge und Marketing. Nachmittags trainiere ich dann zuerst die Kinder. Wir haben verschiedene Kurse für 3- bis 5-Jährige, 6- bis 8-Jährige und Jugendliche. Und für Erwachsene gibt es abends Kurse.“ Neben klassischem Kickboxen steht auch Sparring auf dem Plan. „Manchmal trainieren auch Fußball- oder Handballmannschaften bei uns.“ Charlotte hat zudem ein Kleingewerbe angemeldet und bietet Personal Training an.
Wenn sie für das Studium lernt, greift sie gerne auf die digitalen Veranstaltungen der DHfPG zurück. „Ich finde das megacool! So kann ich alles von zuhause aus machen. Der direkte Kontakt zu den Dozentinnen und Dozenten fehlt zwar, aber man kann ja während des Livestreams jederzeit Fragen im Chat stellen oder im Anschluss anrufen und bekommt so immer eine Antwort auf alle Fragen.“
Charly BMG: Eine Hommage an die Familie
Der Name Charly BMG hat eine besondere Bedeutung und setzt sich aus den vielfältigen Einflüssen ihrer Familie zusammen. Charly, recht selbsterklärend, ist eine Abkürzung ihres Vornamens „Charlotte“. BMG ist eine Hommage an ihre Familie und setzt sich einerseits aus den Vornamen ihrer Großmütter „Brigitte“ und „Mathilde“ und andererseits aus dem Familiennamen „Glaser“ zusammen. Die besondere Beziehung zu ihren Großmüttern begleitet Charly nämlich schon ihr Leben lang, sowohl beim Kampfsport als auch außerhalb des Rings.
Mathilde, die Mutter Ihres Vaters, verstarb bereits als Charly 14 Jahre alt war - ihre Prägung auf sie hält dennoch bis heute an. Ihre Oma Brigitte wohnt direkt neben ihren Eltern und war seit Charlys Geburt ihre direkte Nachbarin. Und obwohl sie keinen sportlichen Einfluss auf Charly hatte, schätzt sie ihre Liebe und Fürsorge jeden Tag aufs Neue.
Die Geschichte ihrer Großeltern, die aus Tschechien nach Deutschland flohen und sich alles aus dem nichts aufbauten, hat Charly maßgeblich geprägt und war die Schmiede für Charlys heutigen Ehrgeiz und ihr außerordentliches Durchhaltevermögen.
Das Team hinter dem Erfolg
Ein Trainer, ein Manager, ein Cutman, ihre Familie und viele begeisterte Supporter stärken Charly den Rücken. Als eingespieltes Team arbeiten sie Hand in Hand und verfolgen dabei nur ein Ziel: Charly zu unterstützen und sie immer weiter voranzutreiben - bis an die Spitze des Kickboxens. Besonders ihr Trainer Massimo ist der Pfeiler und Wegweiser in ihrem Alltag.
Sponsoring durch brarbe.de
Am 26.5.2024 war ein besonderer Tag für brarbe.de, denn die Profikämpferin Charlotte Glaser hat ihren Sponsoringvertrag mit uns unterzeichnet!
Mit unserem #Sportsponsoring von Charlotte "Charly" Glaser möchten wir eine starke Kämpferin honorieren und andererseits die Aufmerksamkeit, die dadurch entsteht, nutzen, um auf wichtige Themen wie z.B. das #Arbeitssicherheitsgesetz #ASIG aufmerksam zu machen.
