Die World Wrestling Entertainment (WWE), einst als World Wrestling Federation (WWF) bekannt, hat eine außergewöhnliche Geschichte. Von einer regionalen Wrestling-Organisation wuchs sie zu einem globalen Mediengiganten heran, der Milliarden von Menschen begeistert.
Die Anfänge: Capitol Wrestling Corporation
Die Geschichte der WWE beginnt 1953 mit der Gründung der Capitol Wrestling Corporation (CWC) durch Jess McMahon und Toots Mondt. In den frühen 1950er-Jahren war das Wrestling-Geschäft stark regional geprägt. Promotions arbeiteten innerhalb bestimmter Territorien, um Konkurrenz zu vermeiden. Jess McMahon und später sein Sohn Vincent J. McMahon etablierten die CWC an der Ostküste der Vereinigten Staaten.
Die Gründung der WWWF
1963 trennte sich die CWC von der NWA und gründete die World Wide Wrestling Federation (WWWF). Der Bruch erfolgte, nachdem der damalige Champion der NWA, Lou Thesz, von den Verantwortlichen als nicht charismatisch genug angesehen wurde. In den folgenden Jahren wurde die WWWF unter Vincent J. McMahon zu einer festen Größe im Nordosten der USA. Wrestler wie Bruno Sammartino, der den World Heavyweight Title über sieben Jahre hielt, wurden zu Ikonen dieser Ära.
Die Übernahme durch Vincent K. McMahon
1979 übernahm Vincent K. McMahon, der Sohn von Vincent J. McMahon, das Unternehmen und benannte es in World Wrestling Federation (WWF) um. Vincent K. McMahon setzte auf eine aggressive Expansionsstrategie. Er kaufte Sendezeiten in nationalen Fernsehsendern und begann, die besten Talente anderer Promotions abzuwerben.
Hulkamania und die goldene Ära
Ein zentraler Moment in der Geschichte der WWF war die Verpflichtung von Hulk Hogan im Jahr 1983. Hogan, der zuvor in der American Wrestling Association (AWA) bekannt geworden war, wurde schnell zum Aushängeschild der WWF. Hulk Hogan, Bret „The Hitman“ Hart, The Undertaker, The Rock waren die Kindheits- und Jugendhelden von Millionen - und auch heute bewegt das bunte Sport- und Show-Universum von WWE, AEW und Co.
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1985 brachte die WWF die erste WrestleMania auf die Bildschirme. Dieses Event kombinierte Wrestling mit Popkultur und lockte prominente Gäste wie Mr. T, Cyndi Lauper und Muhammad Ali an. Die 1980er-Jahre waren eine goldene Ära für die WWF. Der Hulkster hat mit Start der Wrestlemania-Ära die Massen begeistert. Die Hallen waren bis zum letzten Platz gefüllt und die Stimmung auf dem Höhepunkt. Und das meist nicht, weil die Zuschauer Wrestling, sondern viel mehr Hulk Hogan sehen wollten - „Hulkamania runs wild“. Seine Popularität machte WWE vom nationalen zum globalen Player. Jeder kennt Hulk Hogan. Und im Gegensatz zu The Rock entspringt Hogans Bekanntheit einzig und allein aus seiner Zeit als aktiver Wrestler.
Die Attitude Era und der Monday Night War
In den 1990er-Jahren geriet die WWF unter Druck durch die Konkurrenz der World Championship Wrestling (WCW). Die WWF antwortete mit der Einführung der Attitude Era, einer Periode, die von kontroversen Storylines, raueren Charakteren und einer stärkeren Fokussierung auf erwachsenes Publikum geprägt war. Bis heute gilt sie als die glorreichste und erfolgreichste Ära der WWE-Geschichte. Und nun stellt euch mal eine Attitude Era ohne „Stone Cold“ Steve Austin vor - undenkbar.
Die WWF wurde erwachsener, anstößiger, obszöner. Mit Steve Austin als Speerspitze der kein Blatt vor den Mund nahm, sich in Bier duschte und jeden aber auch jeden seinen legendären Stunner verpasste. Die Fans liebten diese Neuausrichtung und dankten Vince McMahon mit einem rasanten Anstieg der Einschaltquoten. Insbesondere Stone Cold wurde zum gefeierten Star. Wohl kein anderer Wrestler wird jemals wieder so over sein wie die texanische Klapperschlange.
Die Rivalität zwischen WWF und WCW, bekannt als der Monday Night War, erreichte ihren Höhepunkt in den späten 1990er-Jahren. Letztendlich gewann die WWF den Krieg, als die WCW im Jahr 2001 von Vince McMahon aufgekauft wurde.
Von WWF zu WWE
2002 änderte die World Wrestling Federation ihren Namen in World Wrestling Entertainment (WWE), nachdem ein Rechtsstreit mit dem World Wildlife Fund beigelegt worden war. Diese Namensänderung markierte eine strategische Neuausrichtung.
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Die WWE im digitalen Zeitalter
Mit dem Aufkommen des Internets und der sozialen Medien adaptierte sich die WWE an die neuen Gegebenheiten. 2014 startete das WWE Network, ein Streaming-Dienst, der Fans Zugang zu Live-Events, klassischem Wrestling-Material und exklusiven Shows bot.
Die WWE heute
Heute ist die WWE ein globales Imperium. Die Einführung neuer Marken wie NXT und die verstärkte Förderung von Frauenwrestling haben das Produkt diversifiziert. Die WWE hat es geschafft, sich über Jahrzehnte hinweg neu zu erfinden und ihre Relevanz zu bewahren.
Ikonische WWE Superstars
Nichts in der Wrestling-Welt ist so wichtig wie Stars. Sie sorgen dafür, dass die Hallen bis auf den letzten Platz ausverkauft werden, dass die Zuschauer vor den Fernsehbildschirmen einschalten und T-Shirts, Poster und sonstiges Merchandise an den Mann gebracht werden. Insbesondere die WWE, als unangefochtener Primus, lebte schon immer von diesen „larger-than-life“-Charakteren. Die Topstars der WWE sicherten der Firma von Vince McMahon den heutigen fast milliardenschweren Jahresumsatz und Möglichkeiten zum Expandieren. Ohne einige dieser Stars würde die WWE wie wir sie heute kennen vermutlich gar nicht existieren.
Randy Savage
Mit seinem natürlichen Charisma und seiner einzigartigen Art und Weise Promos zu halten, war der Weg für den „Macho Man“ an die Spitze der WWF der 1980er geebnet. Als Teil der Mega Powers an der Seite von Hulk Hogan, stand Savage auf einer Ebene mit der klaren Nummer eins. Wie jedes Tag Team bestehend aus zwei Singles-Wrestlern, trennten sich auch bei den Mega Powers einst die Wege und machten Macho Man letztlich zum Wrestlemania-Main-Eventer. Viel bedeutender als die Rivalität mit Hogan war aber vielleicht die Paarung mit seiner Real-life Ehefrau Miss Elizabeth. Die Liebesgeschichte der beiden vor den Kameras sorgte mit einer Reunion bei Wrestlemania VII für Freudentränen im Publikum. Wrestling war schon immer eher etwas für die männliche Zielgruppe. Mit der Geschichte um Savage und Elizabeth schaffte man es aber auch eine große weibliche Zielgruppe anzusprechen und somit den Markt zu erweiterten.
Bret "The Hitman" Hart
Bret „the Hitman“ Hart - der beste Techniker aller Zeiten. Auf ihn war immer verlass. Egal wann und wo, Bret Hart hat seine Leistung immer konstant abgerufen und ließ seine Gegner bei Sieg und Niederlage immer gut aussehen. Hart war eines der ersten echten Workhorses der WWE. Zudem konnte man mit dem Kanadier den ohnehin schon starken kanadischen Markt noch weiter manifestieren. Seine Landsleute lieben ihn bis heute. Fast schon tragisch, dass der größte Skandal der Wrestling-Geschichte, der Montreal Screwjob, zu seinen Ungunsten stattfand und in den meisten Gesprächen über diese großartige Karriere als erstes in den Sinn kommt.
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Brock Lesnar
Wie wichtig Stars für die WWE sind, erkennt man ganz besonders in der aktuelle Ära. Zurzeit scheint die Dichte an Stars sehr dünn und die TV-Quoten und Ticketverkäufe erleben einen stetigen Rückgang. Einer der noch verbliebenen Draws ist Brock Lesnar. Seine Auftritte, egal ob gut oder schlecht, sind immer das Hauptgesprächsthema. Auf YouTube erzielen Lesnar-Segmente in der Regel ein Vielfaches an Klicks als jede andere Szene der Show. Ein Grund dafür ist mit Sicherheit die Glaubwürdigkeit, die ein Lesnar mitbringt. Der 42-jährige bringt neben einem beeindruckenden Körperbau und Kraftaktionen auch mehrere Erfolge aus dem echten Kampfsport mit. 2008 gewann er die UFC Heavyweight Championship in seinem erst vierten Kampf und hielt den Titel fast zwei Jahre lang. Der Monster-Push in seinem ersten WWE-Run zwischen 2002 und 2004, der frühe Gewinn der WWE Championship und natürlich das Beenden der Streak trugen weiter zum Mythos Lesnar bei.
Shawn Michaels
In was war Shawn Michaels nicht großartig? Im Ring einer der besten. Am Mikrofon authentisch. Und in den Storylines emotional und mitreißend. The Heart Break Kid gilt generell als der kompletteste Wrestler jeher. Alles was er anrührte wurde große TV-Unterhaltung. Bei jeder Show war er der „Showstealer“. Nicht umsonst verpasste man Michaels den Beinamen Mr. Wrestlemania. Das Herabseilen von der Hallendecke, der langersehnte Titelgewinn gegen Bret Hart, das letzte Match von Ric Flair, die Kämpfe gegen Kurt Angle, John Cena oder Undertaker. HBK lieferte immer ab und hatte mit aller Regelmäßigkeit das Match des Abends, riss die Zuschauer in seinen Bann und generierte das so ominöse Big-Time-Feeling. Shawn Michaels ist aus der Historie der WWE nicht wegzudenken und ist vollkommen zu Recht einer der ganz wenigen Performer, die bereits zweimal in die Hall of Fame (2011 und 2019 als Teil von DX) aufgenommen wurden. Mit seinem Engagement bei NXT und im Performance Center hilft er zudem den nächsten Mr.
Triple H
Irgendwann wird die WWE ohne Vince McMahon weiterbestehen müssen. Ob der Chairman freiwillig das Feld räumen wird oder ob er bis zum buchstäblich letzten Atemzug die Company weiterführt, bleibt abzuwarten. So gut wie fest steht nur, dass Triple H dann die Leitung des Konzerns übernehmen wird. Ein nicht allzu geringer Teil der Fans sehnt diesen Tag sogar schon regelrecht herbei. Schließlich ist NXT unter Triple Hs Leitung zu einer der besten Wrestling-Shows gereift, die das Herz insbesondere von Hardcore-Wrestling-Fans höher schlagen lässt. Aber nicht nur Paul Levesque als zukünftiger Boss ist für die WWE wichtig, sondern auch Triple H als Wrestler. Mit 14 World Championships und als Anführer der D-Generation X, Evolution und der Authority war der King of Kings immer in den oberen Card-Regionen wieder zu finden. Die Rolle des Leaders liegt dem Cerebral Assassin. Angst und Bange muss also niemanden werden, wenn der Tag X tatsächlich eintritt.
The Undertaker
Das wohl berühmteste Gimmick der Wrestling-Geschichte. Kein anderer Superstar mit der Reichweite des Takers besaß einen so dermaßen realitätsfernen Charakter. Aber gerade dieses außergewöhnlich Einzigartige machte den Deadman so legendär. In seinen Geschichten gab es keine Grenzen. Übernatürliche Fähigkeiten wie das plötzliche Auftauchen im Ring nach dem markanten Gongschlag, das Herbeischwören von Feuer und Blitzen und die Auferstehung vom Tod. Durch diese Attribute lassen sich seit knapp drei Jahrzehnten unvergleichliche Stories erzählen, die häufig in neuartigen und innovativen Matches wie dem Hell in a Cell-, Casket-, Buried Alive oder dem erst kürzlich kreierten Boneyard-Match mündeten. Innovation ist das Stichwort mit dem sich die Karriere des Takers am besten beschreiben lässt. Egal ob als Bestatter, Sektenanführer oder American Badass. Taker war immer eines der Highlights der Show und brachte meist auch ganz ohne Involvierung eines Titels Brisanz in seine Fehden.
The Rock
Der wohl bekannteste Wrestler der Welt! Wobei man natürlich sagen muss, dass seine globale Bekanntheit eher auf seinen Werdegang als Schauspieler zurückzuführen ist. Dennoch weiß so gut wie jeder, dass Dwayne Johnson seine TV-Laufbahn in der WWF startete. In der Attitude Era war er einer der Topstars der McMahon-Promotion und Fehden gegen Steve Austin und Hulk Hogan gingen in die Geschichtsbücher ein. Zudem gilt The Rock als der beste aller Zeiten am Mikrofon. Mit seinen unzähligen Catchphrases und seiner unheimlichen charismatischen Spontanität, versteht er es bis heute besser als jeder andere das Publikum anzuheizen. Mit The Rock gewannen In-Ring-Promos immer mehr an Bedeutung. Mittlerweile sind sie aus keiner Wrestling-Show mehr wegzudenken.
John Cena
Hätte man dieses Ranking mit Cena auf Platz drei vor fünf bis zehn Jahren veröffentlicht, dann wäre die Kommentarsektion mit Widerspruch nur so überfüllt gewesen. Overpushed und overrated war der Anführer der Cenation damals. Und das schon über Jahre hinweg. Jetzt wo der 16-malige World Champion aber nur noch selten im Ring zu sehen ist wird einem die Bedeutung John Cenas erst so richtig bewusst. Bei jedem Auftritt von Cena war und ist die Halle am Toben. Manchmal positiv, manchmal extrem negativ, meistens aber gemischt. Die Zuschauer stachelten sich mit Zuneigung oder Ablehnung gegenseitig an und sorgten so für eine elektrisierende Atmosphäre. Besonders bei der jüngeren Generation kommt er bis heute sehr gut an und war jahrelang alleinige Spitze bei Merchandise-Verkäufen. Nicht zu unterschätzen ist dabei allem voran seine Arbeit außerhalb des Rings. „Hustle, Loyalty & Respect“ ist nicht nur ein müder Spruch, sondern auch die Charaktereinstellung des echten John Cenas. Mit über 600 Einsätzen bei der Make-A-Wish Foundation hält er einen weltweiten Rekord und bereitet schwerkranken Kindern regelmäßig eine große Freude. Hinzu kommt der Anstieg an Zuschauerzahlen sowohl vor den Bildschirmen als auch in der Halle, wenn John Cena angekündigt wird. Ob man ihn mag oder nicht, Cena generiert Aufmerksamkeit und Emotionen und setzt sich uneigennützig für andere ein.
Die Netflix-Doku "Mr. McMahon"
WWE-Hammer um CM Punk? Eine neue Netflix-Doku leuchtet den Aufstieg und Fall des über verstörende Vorwürfe gestolperten WWE-Gründers Vince McMahon aus. McMahon bezeichnet sie als „irreführend“ - dabei sind es seine eigenen Worte, die entlarvend sind. Vince McMahon, der wegen schweren Vorwürfen der Vergewaltigung und des Sexhandels in Ungnade gefallene Wrestling-Mogul, ist enttäuscht.
In dieser Woche hat der Streaming-Riese Netflix eine große Doku über seine Lebensgeschichte veröffentlicht - und es ist nicht das herausgekommen, was der Gründer und langjährige Patriarch von WWE sich erhofft hat. „Die Produzenten hatten die Chance, eine objektive Geschichte über mein Leben zu erzählen und das unglaubliche Geschäft, das ich aufgebaut habe - angefüllt mit Spannung, Drama, Spaß und einem gewissen Maß an Kontroversen und Lektionen fürs Leben“, klagte der 79-Jährige bei X über die Serie „Mr. McMahon“. Stattdessen sei sie eine „bewusst irreführende“ Vermischung von Realität und Fiktion, eine böswillige Vermengung seiner realen Persönlichkeit mit der Kunstfigur Mr. McMahon, die er vor der WWE-Kamera gespielt hatte.
Es war eine überraschende Wortmeldung des zuletzt eher aus der Öffentlichkeit abgetauchten Multi-Milliardärs - der das Aufsehen um das aufwändige Filmprojekt eher noch vergrößert hat. „Mr. McMahon“ ist in dieser Woche das Gesprächsthema Nummer 1 in der Wrestling-Szene - denn die oft bizarren Einblicke, die es in den Charakter und das Machtsystem des gestürzten Showkampf-Imperators gibt, sind ebenso umfassend wie vielsagend.
Die Doku zeichnet McMahons Vita und die Geschichte seines Lebenswerks WWE nach, das McMahon von einer regionalen Showkampfliga zu einem globalen Imperium aufbaute: Die ersten vier Episoden porträtieren den ersten Boom der damaligen WWF mit dem damaligen Superstar Hulk Hogan, die Krise der Neunziger und die Attitude Era, das zweite große Hoch der Promotion mit den Aushängeschildern „Stone Cold“ Steve Austin und Dwayne „The Rock“ Johnson - und den gewonnenen Konkurrenzkampf mit dem 2001 untergegangenen Rivalen WCW.
McMahon unterhielt Schweigegeld-System. Eine investigative Enthüllungsserie des Wall Street Journal legte offen, dass McMahon jahrelang ein Schweigegeld-System unterhielt, mit dem er Vorwürfe sexueller Belästigung und Gewalt unter Verschluss hielt - unter anderem kam eine 7,5-Millionen-Dollar-Zahlung an eine anonyme Ex-Wrestlerin ans Licht, die ihm vorwirft, ihn im Jahr 2005 zu Oralsex gezwungen zu haben.
McMahon verkündete unter dem Druck der Ereignisse seinen Rücktritt und angeblichen „Ruhestand“, putschte sich Anfang 2023 aber mit Hilfe seiner Macht als Anteilseigner zurück ins Unternehmen und handelte die große Fusion mit dem UFC-Mutterkonzern Endeavor aus, wurde im neuen Konglomerat TKO der zweite Mann hinter Firmenboss Ari Emmanuel.
Die Anwälte von Janel Grant sehen das Charakterportät als Bestätigung des Eindrucks, dass McMahon sein Wrestling-Reich als Machtinstrument gegen Frauen eingesetzt hätte. „Die Serie verdeutlicht, dass es keinen Unterschied zwischen McMahons TV-Charakter und seinem wahren Selbst gibt“, kommentierten die Anwälte von Janel Grant die Doku: Die „gewalttätigen Ausbrüche, sexuelle Perversion und die Manipulation“, die McMahon in seiner Rolle auslebe, seien „genau das, was Janel Grant jahrelang hinter verschlossenen Türen erlebt hat“.
Ludwig Kaiser schreibt Geschichte
Ludwig Kaiser (34) ist seit heute der erste deutsche Wrestler, der jemals einem Einzelkampf in einem Main Event bei der WWE-Show „RAW“ bestritten hat.… und das gegen niemand anderes als Randy Orton! Eine riesige Ehre für den gebürtigen Pinneberger.
In weniger als zwei Wochen tritt Kaisers „Boss“ Gunther in Berlin bei „Bash in Berlin“ gegen Randy Orton an. Es geht um den World Title, den Gunther erst vor drei Wochen beim „SummerSlam“ erringen konnte. Kaiser wollte bei „RAW“ aber nicht nur zusehen, sondern mischte sich sofort in das Rededuell der beiden zukünftigen Kontrahenten ein. Eine wilde Prügelei folgte - mit der Konsequenz, dass Randy Orton und Ludwig Kaiser im Main Event ein Match bestreiten müssen.
Leider zog unser deutscher WWE-Star gegen die lebende Legende Randy Orton den kürzeren. Doch Kaiser gehört die Zukunft, vor allem WWE-Boss Triple H hält große Stücke auf den Norddeutschen.
Die Legende Yokozuna
Wrestling-Koloss Yokozuna war ein legendärer Rivale von Hulk Hogan, Undertaker und Co. Vor seinem frühen Tod war sein Körper völlig außer Kontrolle geraten.
Um wahr zu sein, ist die Geschichte eigentlich viel zu verrückt. Aber nach allem, was man weiß ist sie es - und sie erzählt viel darüber, wie gut diese WWE-Legende in Erinnerung geblieben ist.
Mehr als zwanzig Jahre nach ihrem Karriere-Höhepunkt Mitte der Neunziger, als die Wrestling-Liga 2017 eine ihrer ersten Shows in Saudi-Arabien veranstaltete, soll das Königreich mit einer bemerkenswerten Forderung auf WWE zugekommen sein.
Um dem Wunsch dennoch irgendwie annähernd gerecht zu werden, engagierte WWE für einen kurzen Auftritt den echten Sumoringer Hiroki Sumi - der danach nie wieder im Wrestling-Ring gesehen wurde.
WWE-Fans der Neunziger - auch der 1985 geborene Saudi-Kronprinz gehörte offenbar dazu - ist Yokozuna in bester Erinnerung als Erzbösewicht, der mit seiner gigantischen Körpermasse alle Publikumslieblinge der damaligen Zeit zur Verzweiflung trieb.
Hulk Hogan, der "Macho Man" Randy Savage, Bret "The Hitman" Hart, Lex Luger, der Undertaker: Für sie alle war "The Mighty" ein effektiver Gegenspieler.
Tatsächlich war Rodney Agatupu Anoaʻi, wie Yokozuna eigentlich hieß, weder Japaner noch Sumoringer. Er war am 2. Oktober 1966 in San Francisco geboren worden und entstammte dem berühmten samoanischen Wrestling-Clan, der heute von Roman Reigns, Solo Sikoa und Jimmy und Jey Uso vertreten wird - und der über eine Blutsbrüderschaft auch mit Superstar Dwayne „The Rock“ Johnson verbunden ist.
1992 erkannte WWF-Boss Vince McMahon in dem damals 25 Jahre alten Anoa'i das Potenzial zum Top-Bösewicht: Er vereinte eine imponierende Erscheinung mit solidem Ringhandwerk, zu seinen besten Zeiten auch gepaart mit erstaunlicher Beweglichkeit.
Bei WrestleMania IX am 4. April 1993 im Caesar‘s Palace von Las Vegas rückte er dann erstmals in den Mittelpunkt: Yokozuna entthronte Hauptkampf Bret „The Hitman“ Hart unfair mit einem Salzwurf Fujis, der dann in seinem Übermut auch noch den frisch aus einer Kunstpause zurückgekehrten Hulk Hogan zu einem spontanen Match herausforderte. Der Megastar überrollte Yokozuna dann innerhalb weniger Sekunden.
Titelregentschaft und Fehden
Es war der Beginn einer 280-tägigen Titelregentschaft, die effektiv als Schreckensregime inszeniert wurde - noch mehr, als Yokozuna neben Fuji noch das rhetorisch gewandtere Sprachrohr Jim Cornette an die Seite bekam. Im Zentrum standen Fehden gegen den Taker und Lex Luger, den WWE mit einem neuen Image als Überpatriot "Made in the USA" zum neuen Hogan aufzubauen versuchte.
Weil das Programm nicht ganz den erhofften Erfolg hatte, ging am Ende bei WrestleMania X der Titel aber nicht an Luger, sondern doch wieder zurück an Hart.
Das Ende von Yokozuna
Nach dem Titelverlust war Yokozunas große Zeit bei WWE vorbei, wenngleich die Liga noch eine Weile weiter nach Wegen suchte, seine Präsenz gewinnbringend einzusetzen: Er setzte seine Rivalität mit dem Undertaker fort, war Tag Team Champion an der Seite des später tragisch verunglückten Owen Hart, trat in diversen Gigantenduellen anderen Kolossen gegenüber: Earthquake (der 2006 an Krebs verstorbene John Tenta, einst ein echter Sumoringer), Mabel (der spätere Viscera / Big Daddy V, ebenfalls früh verschieden) und Vader.
1996 entließ WWE Yokozuna, nachdem das Gewicht des Riesen real außer Kontrolle geraten war. Wie viel er am Ende wirklich wog, ist unklar, aber am Schluss seines Engagements war er so fettleibig, dass er auf über 300 Kilogramm geschätzt wurde.
Als er am 23. Oktober 2000 für einen britischen Promoter auf Tour war, wurde Yokozuna leblos in einem Hotelzimmer in Liverpool gefunden, mit nur 34 Jahren. Als Todesursache wurde zunächst ein Herzinfarkt angegeben, später stellte sich stattdessen heraus, dass er ein Lungenödem erlitten hatte, eine tödliche Ansammlung von Flüssigkeit in den Atmungsorganen. In der Nacht vor seinem Ableben soll er viel getrunken haben.
WWE Comic-Bände
Ich stelle heute zwei Comic-Bände vor, die mich wirklich angesprochen haben. Das einzige Problem war, dass ich die Bände auf deutsch gelesen habe und die typischen Sprüche der WWE-Superstars funktionieren eben meistens nicht in der deutschen Sprache. Niemand möchte riechen, was der Fels kocht. Wrestling-Fans kennen die Übersetzung und damit einen der bekanntesten Catchphrases im Sports-Entertainment. Mein erstes WWE-Live-Event habe ich als Grundschüler in den 90er-Jahren besucht. Ich bin also seit mehr als 25 Jahren ein Wrestling-Fan.
In diesem ersten Band aus dem Februar 2020 werden Kurzgeschichten über einzelne WWE Superstars erzählt. Es geht um echte Biografien, historische Aufeinandertreffen im Ring und fiktionale Geschichten mit den Superstars als Hauptfiguren. Eine Geschichte behandelt das Ladder Match bei Wrestlemania X im Jahr 1994 zwischen Shawn Michaels und Razor Ramon um die WWF Undisputed Intercontinental Championship. Es war übrigens nicht das erste Ladder Match in der Geschichte, denn dies fand eigentlich in der Sendung „WWF Wrestling Challenge“ zwischen Shawn Michaels und Bret Hart stand.
Ich finde es sehr gelungen, dass der Titel des Bandes wunderbar in seiner Mischung aus alten und neuen Geschichten zur Geltung kommt. Manche Geschichten sind nur eine Seite lang, aber bieten eine facettenreiche Interpretation eines WWE-Charakters. Comic-Fans und Wrestling-Fans haben eine gemeinsame Schnittmenge, dass beweisen verschiedene Superstars immer wieder.
Hier finden wir sogar auf dem Cover den Spruch „Eine original WWE-Grapic Novel“ und natürlich darf die spektakuläre Karriere und Reise des Undertakers nicht fehlen. Die Geschichte beginnt mit dem Feuer in seinem Elternhaus und dem damit verbundenen Verschwinden seines Bruders Kane. Das Ende zeigt den Hut und die Handschuhe des Undertakers nach seinem Match bei Wrestlemania 33 gegen Roman Reigns im Jahr 2017.
Diese Art von Comic fand ich noch besser als den Sammelband „WWE: Then, Now, Forever“. Jedoch bezweifel ich, dass die WWE all zu viele Charaktere mit so einer Geschichte im Repertoire hat, um uns mit vielen Graphic Novels auf diesem Niveau zu begeistern. Ich kann mir ähnliche Geschichten mit Ric Flair, Bret Hart, Randy Orton, Batista und Triple H vorstellen. Batista kam im hohen Alter erst zum Wrestling und ging dann nach Hollywood. Von 1990 bis 2017 wurden viele Storylines mit dem Undertaker erzählt. Er kämpfte gegen einen falschen Undertaker, gegen seinen verschollenen Bruder, opferte Stephanie McMahon, schloss sich Vince McMahon an, wurde zum Wrestlemania-Mythos und bekam mit Mankind einen ebenbürtigen dunklen Gegner.
Neben den beiden vorgestellten Bänden gibt es im englischen Original noch einige Comics mehr auf Amazon zu finden. Es wurden immer mehr, da die englischen Originalausgaben bei Amazon Deutschland nur schwer über indirekte Suchen zu finden sind.
