Joshi Puroresu bedeutet Frauen-Wrestling, welches genauso lange zur japanischen Wrestling-Szene gehört wie das Wrestling der Männer. Joshi Puroresu besteht nicht aus plumpem Haareziehen oder anderen Lächerlichkeiten, sondern ist ebenso ernst zu nehmen wie die Kämpfe der männlichen Pendants. Wrestling - in diesem harten Geschäft geht es um Kraft, Schnelligkeit und absolute Brutalität.
Frühe Anfänge und traditionelle Wurzeln
In diesem Artikel wird das japanische traditionelle und folkloristische Frauen-Sumo als ein Beispiel dafür vorgestellt, dass Frauen in Kampfsportarten involviert waren. Japanisches Sumo war nicht ausschließlich den Männern vorbehalten. Es wurde gesagt, dass Frauen von Zeit zu Zeit am Sumo-Turnier teilgenommen haben.
Einige Beispiele dafür sind:
- Beschreibung im Nihonshoki - Erster Bericht über Frauen-Sumo.
- Frauen-Sumo als Show-Ausstellung - von der Mitte der Edo-Zeit bis in die 1950er Jahre gab es eine Frauen-Sumo-Show-Ausstellung.
- Frauen-Sumo als lokale Folklore-Veranstaltungen und eine darstellende Kunst, die einer bestimmten Lokalität eigen ist - im nordwestlichen Teil der Insel Kyushu (Nagasaki, Saga, Kumamoto) wurde Sumo als lokale Kulturveranstaltung aufgeführt. Es gibt zwei Arten von Sumo, die aufgeführt werden: Echtes Sumo-Turnier und Folklore-Tanz als Motiv ohne Sumo-Wrestling.
- Frauen-Sumo als Gebet für Regen - Frauen-Sumo wurde als Gebet für Regen in der Präfektur Akita aufgeführt. Darüber hinaus gibt es in der Präfektur Okayama und der Präfektur Saga Aufzeichnungen darüber, dass Frauen-Sumo zum Beten für Regen aufgeführt wurde.
- Gott-Sumo in Okinawa - zur Zeit des Festivals namens Shinugu und Unjami, einem Festival, bei dem für eine reiche Ernte (Fruchtbarkeit) gebetet wird, wurde in Okinawa ein Sumo-Turnier von Mann gegen Frau aufgeführt.
Der Aufstieg des Joshi Puroresu
Die ersten organisierten Frauenkämpfe gab es zwar schon 1948, aber sechs Jahre später, im November 1954, folgte der erste größere Boom, als das Sankei Shinbun Newspaper zusammen mit der Women's World Champion Mildred Burke drei Mal in Folge die Kuramae Kokugikan (alte Sumo Hall) ausverkaufte. Aufgrund der anwachsenden Beliebtheit wurden im selben Jahr gleich sechs Joshi Promotions ins Leben gerufen - darunter auch die von den legendären Matsunaga Brüdern gegründete All Japan Women's Pro-Wrestling Association.
Das öffentliche Interesse an Frauenkämpfen schwand allerdings schnell, sodass die 1955 geschaffene All Japan Women's Pro-Wrestling Alliance (ähnlich der alten NWA in den USA; eine Art Oberaufsicht des Frauen Wrestlings) schon 1957 aufgelöst wurde. 10 Jahre später wurde erneut eine "Oberaufsicht" erschaffen, diesmal unter dem Namen Japan Women's Pro-Wrestling Association, doch auch diese Organisation sollte nicht von langer Dauer sein, denn im April 1968 brach sie erneut auseinander. 1968 wurde die „All Japan Women‘s Pro Wrestling Corporation“ gegründet, die in Japan ein großer Erfolg wurde.
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Besonders in den 90er Jahren - parallel zum herausragenden Niveau der All Japan Main Events - hat die Joshi Szene einige der besten Kämpfe der Wrestling Geschichte hervorgebracht - allen voran die Damen von All Japan Women's. Dabei fing alles ganz anders an, denn Matchqualität war in den finanziell extrem erfolgreichen 70er Jahren nicht von Bedeutung. Zur damaligen Zeit bestimmten 15, 16, 17 oder 18-jährige Mädchen das Geschäft, die sich wenige Jahre unglaublicher Beliebtheit erfreuten, bevor sie von wiederum jüngeren Athletinnen ersetzt wurden. Für die Promoter kamen nur jungen Mädchen in Frage, da sich die oftmals jungen weiblichen (aber auch älteren männlichen) Fans mit den jugendlichen Wrestlerinnen identifizieren konnten.
Das legendäre "Beauty Pair" (Maki Ueda & Jackie Sato) waren die ersten weiblichen Wrestlerinnen, die nicht nur im Wrestlingring extrem beliebt waren, sondern zu richtigen "Popstars" aufstiegen, die tatsächlich außerordentlich erfolgreiche Musiksingles auf den Markt brachten.
Höhepunkte und Niedergang
Das vielleicht größte Jahr in der Historie des Joshi Puroresu stand 1993 an, als All Japan Women's innerhalb von 9 Tagen zwei Events anlässlich des 25-jährigen Bestehens präsentierte. Die beiden Events, "DREAMSLAM I" und "DREAMSLAM II", sollten sofort als zwei der besten Wrestling Cards aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Die erste Dreamslam Ausgabe am 02.04.1993 in der Yokohama Arena erhielt in vielen Magazinen die Bezeichnung "beste Wrestling Card aller Zeiten", während die zweite Ausgabe am 11.04.1993 im Osaka Prefectural Gymnasium vom "Wrestling Observer Match of the Year 1993" geheadlined wurde.
Auf einem ähnlichen Level ist die erste Tokyo Dome Show von AJW am 20.11.1994 (die erste und einzige Tokyo Dome Show einer Joshi Promotion) anzusiedeln, die sage und schreibe 23 Kämpfe umfasste. Anlässlich dieser Supershow schickten alle Joshi Promotions ihre Top Talente (darunter LLPW, FMW Women's Division und JWP) in den Tokyo Dome, um diese Show zur größten ihrer Art zu machen. Neben vielen sehr guten Kämpfen lag das Hauptaugenmerk auf dem V*TOP Woman Tournament (Five Star Tournament), welches die beste Joshi Kämpferin der Welt krönen sollte.
Den offiziellen Start für die dominierende Joshi Promotion des neuen Jahrtausends gab derweil Chigusa Nagayo im April 1995, die zusammen mit KAORU und Bomber Hikaru (Mitsuyo Mura) GAEA Japan ins Rollen brachte. Nachdem All Japan Women's in den 90er Jahren die mit Abstand erfolgreichste Joshi Promotion war, übernahm GAEA diese Rolle im neuen Jahrtausend, als die Main Event Szene AJW's auseinanderbrach.
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All Japan Women's war nach den vielen Abgänge kaum mehr mit der Glanzzeit Mitte der 90er zu vergleichen und musste letztlich im April 2005 als älteste aktive Pro-Wrestling Promotion in Japan den Betrieb einstellen. Ebenfalls Ende der 90er (1998) betrat Aja Kongs "Hyper Visual Fighting ARSION" die Bildfläche, eine Promotion, in der sich einige alte AJW Gesichter wieder fanden. Im Sommer 2003 schloss ARSION seine Pforten.
GAEA war eine der wenigen Promotions in der Geschichte des Pro-Wrestling, die trotz anständiger Zuschauerzahlen und funktionierenden Strukturen den Betrieb einstellte. GAEA war nach dem Zerfall von All Japan Women's die einzig verbliebene "große" Joshi Promotion. Jedoch hatte auch diese Promotion zu lange vom Glanz der alternden Stars gezerrt. Lediglich Meiko Satomura konnte als ernstzunehmender Star etabliert werden - sie gründete nur kurze Zeit nach dem Ende von GAEA eine eigene Promotion, mit dem Namen "SENDAI GIRLS Pro-Wrestling".
Die aktuelle Situation
Somit steht die Joshi Welt Mitte des Jahrzehnts ohne eine bereits etablierte große Promotion da. Zwar sind Jd' Star, JWP, OZ Academy, NEO und LLPW noch am Leben, allerdings kränkeln alle verbleibenden "großen" Promotions. Um an die Höhen der Vergangenheit anzuknüpfen, bedarf es neuer Talente und vor allem einem Zusammenschluss der noch aktiven Stars der 90er, denn die letzten Jahre haben gezeigt, dass es den Sport nicht weiterbringt, wenn sich die großen Namen von den großen Ligen trennen, um ihr eigenen Projekte voranzutreiben.
Die Serie „The Queen of Villains“ erzählt die Geschichte von Dump Matsumoto (Yuriyan Retriever), einer professionellen Wrestlerin, die mit ihrer kultartigen Popularität einen weiblichen Wrestling-Boom auslöste und in den 1980er Jahren Japan im Sturm eroberte. Die beiden Frauen müssen sich gemeinsam gegen Sexismus und ein missbräuchliches Management zur Wehr setzen. Selbstfindung und weibliche Selbstbestimmung spielen eine zentrale Rolle.
Bemerkenswerte Persönlichkeiten
Neben Dump Matsumoto gibt es noch weitere bemerkenswerte Persönlichkeiten:
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- Mildred Burke
- The Beauty Pair (Maki Ueda & Jackie Sato)
- Chigusa Nagayo
- Aja Kong
- Meiko Satomura
Ladybeard: Ein Exzentriker im Ring
Richard Magarey ist der Shootingstar der japanischen Profi-Wrestlingszene. Ladybeard, wie der Australier Magarey im Ring heißt, ist der wohl exzentrischste Athlet seiner Zunft in Japan. Ob man ihn Wrestler nennen soll oder Wrestlerin, kann und will er nicht beantworten. Wie er aber im Ring einem kleinen Mädchen gleich rumhüpft, wie er seine langen Haare trägt, zwei Schulmädchenzöpfe, sein Make-up und der Bikini, in dem er kämpft, rücken ihn eher ins Lager der Frauen. Pro Wrestling Union, eine japanische Profiwrestlingliga, lässt ihn gegen Frauen antreten.
Seit der Australier Magarey im vergangenen Jahr nach Japan gekommen ist, ist er schnell zu einer beliebten Figur in Japans Entertainmentbranche geworden. Außerhalb des Rings, auf einer Straße im Tokioter Stadtzentrum, streift sich Magarey mal nicht bemüht lasziv durch sein volles, braunes Haar. „Ich biete dem Publikum einen Charakter, der die Geschlechterrollen hinterfragt. Ladybeard, der haarige Bulle im Bikini, hält den Japanern schon durch seine Existenz den Spiegel vor.
Ladybeard will Frauen dazu inspirieren, auch eine klassisch männliche Rolle zu leben, die bei Ladybeard unübersehbar ist. Neben dem täglichen Training übt er mit seiner Managerin aber auch, wie er sich möglichst weiblich bewegt. Vor seinem letzten Sieg fiel Ladybeard mit breitem, fast hysterischem Grinsen den jungen Frauen in der ersten Reihe um den Hals. „Das kommt vom Training“, schnauft Magarey nach seinem Kampf.
