Capoeira Prenzlauer Berg: Was ist das?

Capoeira ist mehr als nur eine Kampfkunst; es ist eine brasilianische Tanz- und Kampfkunst mit einer reichen politischen Geschichte. Wer sich mit Capoeira in Berlin beschäftigt, kommt an dem ehemaligen Hertha-Spieler Alex Alves kaum vorbei.

Seine Capoeira-Tor-Geste war legendär und hat die brasilianische Kampfkunst ins Berliner Olympiastadion gebracht. Ursprünglich von versklavten Afrikanern in Brasilien entwickelt, diente Capoeira als Mittel zur Selbstverteidigung und als Ausdruck von Freiheit.

Was ist Capoeira?

Dabei geht und ging es nicht darum, den anderen zu besiegen. Capoeira ist eher ein Spiel, bei dem mit musikalischer Begleitung Bewegungselemente kombiniert werden. Akrobatische Sprünge, rhythmische Tritte und tänzerische Bewegungen bilden die Grundlage.

„Beim Capoeira wird im Kreis mit Kreativität, Geschicklichkeit und Spielwitz improvisiert“, sagt Nik Schneider, Trainer und Geschäftsführer der Capoeira Akademie Berlin. „Es geht um Angriff und Verteidigung, nicht um das direkte, geradlinige Besiegen nach Punkten oder um einen Knockout, sondern viel mehr um einen spielerischen Austausch zu Rhythmen der Capoeira-Musik“, sagt Schneider.

Susy erklärt, wie sich Capoeira im 16. Jahrhundert während der Zeit der Sklaverei in Südamerika entwickelte. „Sklaven wurde erlaubt Musik zu hören und zu tanzen, aber sie durften nicht lernen, wie man kämpft - weil sie sich befreien könnten.

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Capoeira wird in Gruppen oder in Paaren „gespielt“. „Der Zweck von Capoeira ist nicht, gegeneinander zu kämpfen, sondern den Gegenüber abzulenken“, erklärt Susy. „Capoeira wurde entwickelt, um sich zu verteidigen, nicht um zu kämpfen. Den Gegner durch kreative Bewegung abzulenken, ist wirklich toll anzusehen. „Du versuchst wirklich deinen Feind abzulenken“, sagt Susy.

Die Art des Tanzes, die am meisten bekannt ist, ist Capoeira Regional. Susy und Rosalvo widmen sich jedoch der Erhaltung der alten brasilianischen Form des Capoeira Angola. „Als wir unsere Schule eröffneten, gab es nur sehr wenige Meister, die bewusst den Tanze erhalten wollten. Es gab eine Zeit, in der die Leute dachten, die Art und Weise, wie Rosalvo Capoeira Angola spielte, sei verrückt. Aber jetzt kennt jeder diesen Stil.

Capoeira in Berlin

Für Schneider ist Capoeira schon lange ein Teil des Berliner Stadtlebens. Es gibt eine Vielzahl von Gruppen und Trainingsmöglichkeiten. Egal, ob man Anfänger ist oder schon jahrelang trainiert, eine passende Schule zu finden, ist kein Problem. So treffen sich die Mitglieder des Capoeira Senzala regelmäßig in Prenzlauer Berg.

Der Verein Capoeira Angola Berlin bietet in den Räumen der Academia Jangada Kurse in Capoeira Angola an und in der Capoeira Akademie in Friedrichshain-Kreuzberg kann man immer dienstags einen Basiskurs belegen. Dort trainieren die Minis, wie Schneider sie nennt, schon im Alter von zweieinhalb Jahren. „Unsere ältesten Mitglieder sind über 60 Jahre“, sagt Schneider.

Seiner Ansicht nach kann Capoeira je nach Fitnessstand auch unterschiedlich erlernt werden. „Unsere jungen Leute trainieren mehr Akrobatik und andere konzentrieren sich mehr auf entspannte, runde Bewegungen oder auf die Musik, die sehr wichtig ist.“

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Academia Jangada ist Europas erste Capoeira Angola Academy und hat maßgeblich dazu beigetragen Capoeira in Europa und Rosalvos Heimat Brasilien zu beeinflussen. „Er hat mit jungen Jahren bereits mit Capoeira angefangen“, erklärt Susy. „Wie fast alle Brasilianer wuchs er sehr arm auf und Capoeria war sein Ding.

Die Roda und Batizado

Das passt zum Herzstück von Capoeira: der Roda. Zwei Capoeiristas treten in den Kreis, um ihre Fähigkeiten im „Jogo“ (Spiel) zu messen. Es gibt keine klassischen Turniere.

Stattdessen finden „Batizados“ (Taufe) und „Troca de Cordas“ (Gürtelwechsel) statt, bei denen Schüler offiziell in die Capoeira-Gemeinschaft aufgenommen werden oder eine neue Gürtelfarbe erhalten. Ein Capoeira Batizado ist ein besonderes Ereignis in der Capoeira-Kultur, bei dem neue Schüler*innen offiziell in die Capoeira-Gemeinschaft aufgenommen werden.

Der Begriff “batizado” stammt aus dem Portugiesischen und bedeutet “Taufe” oder “Einweihung”. Es ist eine Art Initiationsritual, das üblicherweise von Capoeira-Meister*innen oder Lehrer*innen durchgeführt wird.

Bei der Zeremonie werden die Schüler*innen mit ihrem Namen oder Spitznamen (Apelido) aufgerufen. Sie erhalten ihre erste Kordel und treten in einem Spiel der Capoeira gegen fortgeschrittene Spieler*innen oder Lehrer*innen an. Die Lehrer*innen und die geladene Begleitung übernehmen in Zukunft die Patenschaft für die werdenden Capoeirista.

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Ebenso können die Schüler*innen, die schon “getauft” wurden bei der Troca de Cordas (Kordelwechsel) eine neue farbige Kordel erhalten. Sie treten dabei gegen Spieler*innen mit der gleichen Kordel (Graduierung) an. Die Farbe der Kordel zeigt die verschiedenen Stufen an auf denen sich die Praktizierenden in theoretischen Grundlagen und in der Praxis befinden (Graduierungssystem).

Das Batizado ist ein Fest voller Freude und Glücksgefühle. Die neuen und fortgeschrittenen Capoeiristas demonstrieren ihr Können und ihren Fortschritt dabei vor Publikum.

Was man zum Capoeira braucht

Wer mit Capoeira beginnen will, braucht nicht viel. Meist wird in bequemer Sportkleidung trainiert. Fortgeschrittene tragen oft die traditionelle weiße Capoeira-Hose (genannt Abadá) und ein T-Shirt der jeweiligen Gruppe.

Alles andere, also Flexibilität, Kraft und Ausdauer, ist Teil des Trainings und entwickelt sich. Ebenso der Umgang mit den Instrumenten, denn das Spiel von Berimbau, Atabaque und Pandeiro gehört ebenfalls zum Training dazu. Capoeira ist eben nicht nur Bewegung. Wer den Sport praktiziert, erzählt damit Geschichten und vereint Sport, Kunst und Kultur.

Capoeira kommt aus Brasilien und ist eine Mischung aus Tanz und Kampf­kunst. Das Bewegungs­repertoire be­in­haltet eine reiche Viel­falt ver­schiede­ner Ein­flüsse: Techniken die an asiati­sche Kampf­künste erinnern, Be­wegungs­elemente aus afrikani­schen Tänzen und atem­be­rauben­de Akrobatik. Die Capoeiristas bilden einen Kreis, die so­ge­nannte „Roda“, in der immer zwei Kontra­henten gegen­einander antreten und rhyth­misch ein spieleri­sches Duell austragen. Gleich­zeitig Gegner und Partner, kämpfen sie zur Begleit­musik, die von den Teil­neh­mern des Kreises gespielt wird.

Capoeira Angola e.V.

Der Capoeira Angola e.V. wurde 1993 von Mestre Rosalvo und Susy Österreicher gegründet, um das erste internationale Capoeira Angola Treffen in Europa zu organisieren.

Das soziokulturelles Zentrum Kilombo Kleinow ( www.kilombo-kleinow.de) in der Uckermark, nahe Prenzlau, entstand aus der jahrelangen (Projekt-) Arbeit des Capoeira Angola e. V. mit sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen in Berlin. Seit 2016 organisieren wir hier auf dem Land Ferienfreizeiten mit Tanz- und Capoeira- Workshops.

Das an einem malerischen Ort gelegene Gutshaus mit Beherbergungsmöglichkeit bis zu 40 Schüler + mehreren Betreuern bietet auf 560 qm und dem 3,5 ha großen Außengelände das ideale Umfeld um Kindern und Jugendlichen Neues zu vermitteln und schlummerndes Potenzial zu wecken.

Ein nachhaltiger Umgang mit der Natur sowie die Begegnung zwischen Mensch & Tier in Verbindung mit Kunst & Kultur stehen bei uns im Fokus. Neben natürlichen Bewohnern wie Hase, Igel und Entenpaar, gibt es mehrere Pferde, Hochlandrinder, Schafe, Esel, Schwein, Hund & Katze. Seit 2021 können auch Klassenfahrten, thematische Projektwochen oder Ähnliches bei uns gebucht werden.

Einzelne Programme wie beispielsweise Reiten oder Capoeiraunterricht können als Modul maßgeschneidert hinzugefügt werden. Das Haupthaus wurde behindertengerecht modernisiert und auf Nachhaltigkeit wurde Wert gelegt. So wurden beispielsweise in vielen Räumen die Lehmdecken und Holzbalken wieder freigelegt und erneuert. Im ganzen Haus wurde hochwertiger Linoleumboden verlegt, der für seine Langlebigkeit und ressourcenschonenden Eigenschaften bekannt ist.

Du willst Capoeira lernen, deine Koordination, Ausdauer und Kraft trainieren und dabei viel Spaß mit tollen Menschen haben? Kaum eine Sportart ist so vielfältig wie die Capoeira. Es gibt Trainings für Kinder ab 3 Jahren, Jugendliche und Erwachsene.

Capoeira ist eine Kampfkunst aus Brasilien und die perfekte Mischung aus Musik, Rhythmus, Tanz, Kampf und Gemeinschaft. Immer freuen wir uns über neue Mitglieder ab 3 Jahren. Im spezifischen Kinder-, Jugendlichen- oder Erwachsenentraining für Anfänger und Fortgeschrittene!

Wer Interesse hat kommt einfach zu einem unverbindlichen Probetraining vorbei! Unter anderem als Kooperationspartner von Schule OHNE Rassismus - Schule MIT Courage (SOR-SMC) arbeiten wir seit einigen Jahren auch mit Kindern und Jugendlichen im Rahmen von Anti-Rassismus- bzw. Anti-Diskriminierungs-Projekten mit unserem dafür entwickelten Trainingskonzept.

Es gibt auch die Möglichkeit, uns für eine Show oder Präsentation zu engagieren. Viel Spaß mit unserer Seite!