Es dürfte kein Geheimnis sein, dass Peter Maffay nicht der Erste war, der "Über sieben Brücken musst Du gehen" gesungen hat. Eigentlich sollte es gar kein Karat-Song werden - und wurde doch zum größten Erfolg der Band. Bis heute hat der Ostrock-Hit „Über sieben Brücken mußt du gehn” nichts von seiner Faszination eingebüßt: Noch immer löst er Beifallsstürme aus, wenn Karat oder Peter Maffay die Songs auf der Bühne performen.
Entstehung und Hintergrund des Liedes
„Geschrieben wurde der Song ursprünglich für den gleichnamigen Fernsehfilm", erinnerte sich Karat-Schlagzeuger Michael Schwandt im Gespräch mit SUPERillu 2005. Er und sein Kumpel Bernd Römer, Gitarrist bei Karat, waren damals live dabei, als das Lied entstand. Der Text stammt von Helmut Richter, der zuvor bereits eine Erzählung namens "Über sieben Brücken musst Du gehen" geschrieben hat. Helmut Richter, der auch das Buch zum Film geschrieben hatte, übersetzte den Text 1975 ins Deutsche und brachte ihn in Liedform. Die gesamte Musik zum Film, auch „Sieben Brücken”, stammt von Ed Swillms.
Die deutsch-polnische Liebesgeschichte wurde für das DDR-Fernsehen adaptiert und in dem Film war der Karat-Song erstmals zu hören. Am Ende des Films, über dem Abspann, lief ein Lied: "Über sieben Brücken musst du gehn, / sieben dunkle Jahre überstehn, / siebenmal wirst du die Asche sein, / aber einmal auch der helle Schein..." Noch am Abend riefen beim Fernsehen der DDR in Berlin-Adlershof Zuschauer an und fragten, wie das Lied heißt und wo sie die Schallplatte kaufen könnten.
Der Film "Über sieben Brücken musst du gehn"
Erzählt wird davon, wie eine Brigade aus Polen in einem grenznahen DDR-Dorf Zaspenhain (gedreht wurde in Pößneck) beim Bau von neuen Kühltürme für ein Kraftwerk helfen soll. Es ist die großartig und charismatisch von Viola Schweizer verkörperte Gitta, die engagiert für Völkerverständigung sorgt. Das Zustandekommen dieser von den ostdeutschen Bürgern mit Widerwillen beäugten Beziehung wird mit einer sympathischen Leichtigkeit erzählt. Dass der Erfolg des Songs den gleichnamigen TV-Film überstrahlte, liegt sicher auch daran, dass die DDR-Führung weitere Ausstrahlungen verboten hatte.
Grund dafür war, dass eine Geschichte mit sympathischen polnischen Charakteren angesichts der Streiks der Gewerkschaft Solidarność nicht mehr ins ostdeutsche System passte. Doch mittlerweile wurde Hans Werners Film aus dem Giftschrank geholt und lag u. a. als DVD der Zeitschrift SUPERIllu („Die Nummer 1 des Osten“) bei.
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Der Durchbruch und die politische Dimension
Noch 1978 gewann Karat beim Internationalen Schlagerfestival in Dresden mit "Über sieben Brücken" den "Grand Prix". Michael Schwadt: „Ein Riesenerfolg: Wir liefen im Radio, das Lied wurde ein Hit.” Und ein ganzes Land sang, tanzte und träumte mit. 1979 erschien dann die LP „Über sieben Brücken musst du gehn” beim DDR-Plattenlabel „Amiga” und war umgehend vergriffen.
Dass Karat sich für das Schlagerfestival einen Filmsong aussuchten, störte niemanden. Und das Unerwartete geschah: „Über sieben Brücken” landete auf Platz eins!
Das Verbot und Peter Maffays Coverversion
Eines Tages hörte Peter Maffay den Song im Autoradio - und war sofort begeistert. Schwandt: „Bei unserem Konzert 1980 in Wiesbaden besuchte er uns in unserer Garderobe. Er sagte, er würde den Song gern auf seine CD nehmen.
Dass es Maffay war, der mit diesem Lied den Siegeszug durch den Westen antrat, war zum Teil Schuld der Politik: „Auch die West-Sendungen wollten, dass wir mit dem Titel auftreten”, erinnerte sich Bernd Römer. Doch das DDR-Kulturministerium ordnete an: Keine Präsenz unserer Künstler in Westmedien! Karat hatten zu dieser Zeit viele Angebote mit dem Song im West-Fernsehen aufzutreten, mussten all diese Angebote aber ablehnen. Die offizielle Begründung: DDR-Kulturschaffende dürfen nicht in Westmedien erscheinen. Allein in der DDR wurden 750 000 Platten verkauft, in der BRD noch einmal über eine Million.
Der westdeutsche Musiker Peter Maffay hatte die Jungs von Karat bereits vorher bei einem ihrer wenigen Auftritte im Westen kennengelernt. Er fragt die Musiker damals, ob er auch ihr Lied singen dürfe. Karat geben die Erlaubnis. Damals sei sein Wunsch, etwas zu verändern und zu bewegen, immer mehr gewachsen, erklärt Peter Maffay. Er habe mit seiner Musik an dem Vorhang arbeiten wollen, um ihn mehr und mehr zu durchlöchern. Bernd Römer ist heute froh, dass Maffay das Lied damals gecovert hat. Sonst sei es schließlich nicht so präsent in den Medien gewesen, sagt er.
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Noch 1980 veröffentlichte Maffay seine Version von "Über sieben Brücken" auf dem Album "Revanche", das sich mehr als zwei Millionen Mal verkaufte. Da das Kulturministerium der DDR Karat Anfang der 1980er-Jahre untersagt hatte, im bundesdeutschen Fernsehen aufzutreten, war nun fast ausschließlich die Interpretation Maffays präsent. Und der machte das Lied bei zahlreichen Konzerten auch im Ausland bekannt. Das alles führte schließlich dazu, dass viele im Westen meinen, "Über sieben Brücken" sei sein Lied.
Die Bedeutung des Textes
In dem Lied „Über sieben Brücken musst du gehn“ von Karat, erschienen im Jahr 1978, geht es um die schlechten und guten Zeiten im Leben und dass man im Leben viel Geduld haben soll. Das Gedicht „Über sieben Brücken musst du gehen“ von Karat aus dem Jahre 1978 thematisiert die Überbrückung schlechter Phasen im Leben eines jenen Menschen. „Das erste Treffen mit Peter Maffay war 1980. Wir haben in Wiesbaden gespielt und er hat uns beim Konzert besucht und gefragt ob er „die sieben Brücken“ singen darf. Gesagt, getan. Maffay ging ins Studio und spielte „Über sieben Brücken musst du gehn“ inkl eines neuen Saxophon-Solos neu ein.
Insgesamt handelt das Gedicht von einem Lebensweg, indem das lyrische Ich immer wieder Problemen und Schwierigkeiten gegenübersteht. Die „sieben Brücken“ repräsentieren dabei die Hürden und Herausforderungen die es zu überwinden gilt. Das Gedicht wirkt etwas bedrückend aber auch hoffnungsvoll. Es regt dazu an sich auf den Weg zu machen, obwohl man weiß, dass er nicht einfach wird.
Analyse der Strophen
Die erste Strophe beschreibt das lyrische Ich, welches „ohne Blick“ (V. 1) , in Gedanken versunken, durch seine Straßen läuft, wehmütig in die Vergangenheit blickt, sich „sein Schaukelpferd“ (V. 2) zurück wünscht und sich nach seiner unbeschwerten Kindheit sehnt. Dies wirkt traurig und beklemmt. Es weiß nicht wohin mit sich, ist „ohne Rast und Ruh“ (V. 3), zieht sich zurück „schließt alle Türen nach sich zu“ (V. 4) und ist sehr bei sich. Das lyrische Ich überfordern seine Gedanken und es „weiß nicht mehr was er weiß“ (V. 6). Die Strophe regt zum Nachdenken an und wirkt melancholisch.
Im Refrain schöpft es Hoffnung und versteht, dass es nach vorne blicken und Hürden, also die „Sieben Brücken“(V. 9), überwinden muss. Das lyrische Ich begreift, dass nach „Sieben dunklen Jahren“ (V. 10) und sieben mal „die Asche“ (V. 11) sein, also nach den schlechten Zeiten, gute Folgen und man „einmal auch der helle Schein“ (V.12) sein wird. Der Refrain wirkt hoffnungsvoll und vielversprechend auf den Leser.
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In der zweiten Strophe fängt das lyrische Ich an zu reflektieren und berichtet über die „Uhr des Lebens“ (V. 13), welche still steht. Dies ist der Wendepunkt in seinem Leben, an welchem er nicht weiterkommt und „nur im Kreis“ (V.14) geht. Das lyrische Ich ist nachdenklich und begreift, dass sich etwas ändern muss. Es sitzt „still auf einer Bank“ (V. 16) und dabei herrscht eine ruhige aber auch bedrückende Stimmung. Es wird vom greifen „nach der ganzen Welt“ (V. 17), was sehr machtvoll wirkt, sowie vom Fall des „Glückssterns“ (V. 18) berichtet und somit von dem Traum der besseren Zukunft und dem Gedanken, das man alles schaffen kann, wenn man es will. Dadurch das es „hasst“ was es „liebt“ (V. 20), versteht es, dass man für das was man liebt kämpfen muss und blickt dadurch hoffnungsvoll in die Zukunft.
Symbolik und Stilmittel
Die zentrale Metapher des Gedichts sind die "sieben Brücken". Diese Brücken stehen metaphorisch für die Hindernisse und Herausforderungen im Leben. Die "Brücken", die "Türen" und der "Glücksstern" sind starke Symbole im Gedicht. Die Brücken repräsentieren Hindernisse, die Türen symbolisieren die Aussicht auf etwas Neues oder Besseres, und der Glücksstern steht für Glück, Hoffnung und Erfolg. Diese Symbole verleihen dem Gedicht Tiefe und eine metaphorische Ebene.
Das Gedicht enthält einige Kontraste, wie zum Beispiel "dunkel" und "hell". Diese Kontraste dienen dazu, die Schwierigkeiten und die Momente der Klarheit oder Erkenntnis im Leben hervorzuheben. Die Sätze sind kurz, was dazu beiträgt, dass die Botschaft deutlich hervortritt. Zum Beispiel die wiederholte Verwendung des Wortes "Manchmal", am Anfang mehrerer Verse, erzeugt eine Anapher. Diese Wiederholung betont die verschiedenen Facetten des Lebens. Der Vers "Manchmal ist mir kalt und manchmal heiß" enthält einen Vergleich zwischen den Gefühlen von Kälte und Hitze. Es weist darauf hin, dass der Verfasser sich in einem Zustand der Unsicherheit oder Verwirrung befindet. Dies kann Spannung und Aufmerksamkeit erzeugen.
In Vers 18 wird der Glücksstern personifiziert, indem ihm eine menschliche Eigenschaft zugeschrieben wird. Das der Glücksstern "fällt", erzeugt eine Vorstellung, als ob der Glücksstern selbst Entscheidungen trifft oder Einfluss auf das Leben hat. Diese Personifikation verstärkt die emotionale Bedeutung dieser Zeile im Gedicht.
Die Struktur des Gedichts
Das Gedicht "Über sieben Brücken musst du gehen" besteht aus fünf Strophen und 28 Versen. Die erste und dritte Strophe besteht aus 8 Versen. Die zweite, vierte und fünfte wiederum aus 4 Versen. Das Metrum des Gedichts ist trochäisch. Ein Vers besteht aus einer betonten Silbe, gefolgt von einer unbetonten. Dies verleiht dem Gedicht einen fließenden Rhythmus. Das Reimschema des Gedichts ist abccdd. Das Reimschema trägt zur melodischen Struktur des Gedichts bei. Die Struktur des Gedichts unterstützt die bildhafte Sprache. Die klare Struktur ermöglicht es den Bildern, die man sich vorstellet, dem Leser einen starken Eindruck zu hinterlassen.
Die Kernaussage
Die Kernaussage des Gedichts "Über sieben Brücken musst du gehen" drückt aus, dass das Leben voller Herausforderungen und Veränderungen ist sowie traurige Aspekte beinhaltet. Wenn man sieben schwere Jahre übersteht, über sieben Brücken gegangen ist, die Hindernisse überwältigt hat, so folgt der helle Schein.
