Karate: Herkunft und Entwicklung einer Kampfkunst

Karate, eine Kampfkunst mit einer reichen und faszinierenden Geschichte, hat seinen Ursprung in der Ryukyu-Inselkette, die heute als Teil von Japan bekannt ist. Es ist eine umfassende Disziplin, die sowohl den Körper als auch den Geist trainiert und den Praktizierenden hilft, ein tieferes Verständnis von sich selbst und ihrer Umwelt zu erlangen.

Ursprünge und frühe Entwicklung

Karate entstand in einer Zeit, als die Ryukyu-Inseln unter einer strengen Waffenverbotsverordnung standen. Die Einheimischen entwickelten daraufhin eine Form des unbewaffneten Kampfes, der als „Te“ bekannt war, was „Hand“ bedeutet. Mit chinesischen Einflüssen, insbesondere aus dem Kung Fu, entwickelte sich diese Kunst weiter zu dem, was wir heute als Karate kennen.

Das, was wir heute als Karate kennen, entstand auf Okinawa, einer kleinen Insel mit zentraler Position zwischen Japan, China und Taiwan im Ostchinesischen Meer. Einheimische Zweikampfformen, bestimmte Formen von Tänzen und der Einfluß chinesischer Kampfkunstexperten ließen im Laufe der Jahrhunderte eine Vielzahl von Übungsformen, die Kata genannt werden, entstehen.

Es ist erwiesen, dass in der langen Zeit der Besatzung von Okinawa nicht nur das Tragen von Waffen, sondern auch das Ausüben von Kampfkünsten verboten war. So “tarnten” die Anhänger der Kampfkunst ihre Übungen auch in Tanzformen. Auch aus anderen Kulturen sind solche “Kampftänze” bekannt, so z.B. Capoeira, der brasilianischen Kampftanz oder dessen Ursprung, den afrikanischen NíGolo (Zebratanz). Die okinawische Kampfkunst wurde damals To-De (übersetzt: China-Hand) genannt.

Die Rolle von Okinawa

Okinawa ist der Geburtsort des eigentlichen Karate, dass früher Tode oder Tode jitsu genannt wurde. Über Okinawa drangen die Selbstverteidigungskünste nach Japan und wurden dort perfektioniert. Die berühmtesten Meister des Karate, wie Funakoshi, Miyagi und Mabuni stammten aus Okinawa. Sie verbreiteten ihre Art des Karate in Japan.

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Die Selbstverteidigung der Okinawaner wurde zu dieser Zeit Tode genannt. Nach einem Verbot Tode (Karate) auszuüben, entwickelte sich die Kampfkunst im Geheimen und wurde weiter perfektioniert.

Einflüsse aus China

Um 1400 siedelten chinesische Familien nach Okinawa um. Sie werden die »36 Familien« genannt. Diesen Chinesen sollten ihre Kultur und damit einhergehend auch chinesische Kampfkunst mit nach Okinawa bringen. Regelmäßig fanden in Kumemura wissenschaftlich und künstlerisch angelegte Übungen und Vorführungen statt.

Wahrscheinlich über diese Chinesen gelangte ein bedeutendes Buch über die chinesische Kampfkunst und die Medizin (das Bubishi) nach Okinawa und auch in die Hände der dortigen Meister.

Die Entwicklung in Japan

Gegen Anfang dieses Jahrhunderts, als die alten Kampfkünste in Japan eine Renaissance erlebten und zum nationalen Kulturgut und Erbe erhoben wurden, erwachte nach einem Besuch des japanischen Thronfolgers Hirohito im Jahr 1921 auf Okinawa, das Interesse am “exotischen”. Bestandteil seines Besuchsprogramms war eine Karatevorführung, die von Gichin Funakoshi organisiert wurde.

1922 reiste Gichin Funakoshi nach Japan, um in Tokio Karate vorzustellen. Anlaß war eine Vorführung der alten japanischen Kampfkünste, zu der auch die Präfektur Okinawa eingeladen war. Karate fand nun erstmals vor einem breiteren Publikum Beachtung. Obwohl Funakoshi es nicht beabsichtigt hatte, blieb er, bedingt durch das rege Interesse, in Tokio um Karate zu unterrichten.

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Zu jener Zeit herrschten in Japan starke nationalistische Tendenzen vor. Daher wurden oftmals Begriffe getilgt, die auf eine chinesische Herkunft schließen ließen. So geschah dies auch im Fall des Begriffs “Karate”.

Die Schreibung “chinesische Hand” war bis zu jenem Zeitpunkt allgemein anerkannt. Nun wurden, die Schriftzeichen ausgetauscht und somit die Deutung von “chinesisch” auf “Leere” geändert, ohne jedoch die Aussprache zu manipulieren. Dies stieß jedoch unter Traditionalisten auf herbe Kritik. Etliche Karate-Stile verwenden daher heute noch die alte Schreibweise.“kara” steht für “Leere”, “te” steht für “Hand”. Die heute gängige Deutung für “leer” lautet auch “unbewaffnet”.

Dazu kommt noch, dass die Sprache, die auf Okinawa gesprochen wird, stark vom Japanischen abweicht und so die Begrifflichkeit “japanisiert” und vor allem standardisiert werden mußte.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden verschiedene Anstrengungen unternommen, Karate wieder aufzubauen. Der Nachfolger Gichin Funakoshis, sein Sohn Yoshitaka (Gigo) Funakoshi, starb 1946 an Tuberkulose. Sein Nachfolger wurde Shigeru Egami. Allerdings hatten diese Pioniere des Shotokan wenig Einfluß auf die Nachkriegsentwicklung des Karate und Funakoshi wurde zum Markenzeichen und Aushängeschild der JKA (Japan Karate Association) die 1948 von Masatoshi Nakayama gegründet wurde und bei der Funakoshi Chefausbilder war.

Shotokan: Ein bedeutender Stil

Shotokan, die Stilrichtung welche wir betreiben und begründet von Gichin Funakoshi, ist eine der ältesten und einflussreichsten Karate-Stilrichtungen. Funakoshi gilt als der Vater des modernen Karate und brachte die Kunst in den 1920er Jahren nach Japan. Shotokan zeichnet sich durch tiefe, lange Stände, schnelle und kraftvolle Bewegungen sowie eine starke Betonung von Kata (Formen) und Kihon (Grundtechniken) aus.

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Shotokan war der Name der ersten in Tokyo im Frühjahr 1936 errichteten Übungsstätte (Dojo) für Karate, über deren Tür SHÔTÔ-KAN stand. Wobei “Sho-to” auf Gichin Funakoshi verweist, der mit diesem Pseudonym chinesische Gedichte signierte, die er während seiner Jugend schrieb. “Kan” steht für Haus oder Halle. Einfach interpretiert könnte man sagen: Halle des Sho-to.

Die Japan Karate Association (JKA)

Die Japan Karate Association wurde im Jahr 1948 gegründet. Der Verdienst der Gründer, allen voran Masatoshi Nakayama und Hidetaka Nishiyama, ist die weltweite Verbreitung des Karate. Durch sie wurde der Wettkampf ins Karate eingeführt. Karate war von einer alten Art der Selbstverteidigung zu einem zeitgemäßen Sport geworden.

Karate in Deutschland

Wenn man von Karate in Deutschland spricht, muß man Jürgen Seydel meinen. Seit 1939 übte Jürgen Seydel Judo und kam dadurch 1957 erstmals mit Karate in Verbindung, als er zwei seiner Schüler zu einem Karatelehrgang in Südfrankreich schickte.

Es sollte noch vier Jahre dauern, bis 1961 der DKB (Deutscher Karate Bund) gegründet wurde. Bis zum Jahr 1968 führte er technisch und administrativ den DKB an, bis 1968 Hirokazu Kanazawa als erster hauptamtlicher Bundestrainer von der JKA nach Deutschland entsandt wurde.

1970 tritt Hideo Ochi die Nachfolge Kanazawas an und prägt seither maßgeblich das Bild des Karate in Deutschland.

Philosophie des Karate

Karate ist nicht nur eine physische Übung, sondern auch eine tiefgreifende mentale Praxis. Es lehrt, den Geist zu fokussieren und Präsenz im Moment zu kultivieren. Karatekas lernen, ihre Emotionen zu kontrollieren und unter Druck ruhig und besonnen zu bleiben.

Auch heute noch spiegelt sich im Karate-Do die fernöstliche Philosophie wider. Übersetzt bedeutet "Karate-Do" so viel wie "der Weg der leeren Hand". Im wörtlichen Sinne heißt das: Der Karateka (Karatekämpfer) ist waffenlos, seine Hand ist leer. Das "Kara" (leer) ist aber auch ein ethischer Anspruch.

Danach soll der Karateka sein Inneres von negativen Gedanken und Gefühlen befreien, um bei allem, was ihm begegnet, angemessen handeln zu können. Im Training und im Wettkampf wird dieser hohe ethische Anspruch konkret: Nicht Sieg oder Niederlage sind das eigentliche Ziel, sondern die Entwicklung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit durch Selbstbeherrschung und äußerste Konzentration. Die Achtung vor dem Gegner steht an oberster Stelle.

Die philosophischen Wurzeln von Karate sind tief in den Traditionen des Zen-Buddhismus und des Daoismus verwurzelt. Zen betont Achtsamkeit, Präsenz und die Kultivierung eines leeren Geistes, was sich in der Praxis des Karate widerspiegelt. Daoismus, mit seinem Fokus auf Harmonie und Balance, beeinflusst die Art und Weise, wie Karatekas mit Energie umgehen und die natürlichen Rhythmen des Lebens respektieren.

Vorteile von Karate

Karate bietet eine Vielzahl von Vorteilen für die körperliche und geistige Gesundheit. Körperlich verbessert es Flexibilität, Kraft, Koordination und Ausdauer. Das regelmäßige Training fördert die kardiovaskuläre Gesundheit und hilft bei der Gewichtskontrolle. Geistig schärft Karate die Konzentration, verbessert die Selbstkontrolle und fördert das Selbstbewusstsein.

Aufgrund seiner vielseitigen Anforderungen an Körper und Geist ist Karate ideal als Ausgleich zu den Anforderungen des Alltags: Der Karateka trainiert Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit. Das macht fit! Mit Entspannungstechniken, Atemübungen und Meditation steigert er seine Konzentrationsfähigkeit und schult die eigene Körperwahrnehmung.

Karate als Selbstverteidigung

Viele Karateka üben ihren Sport aus, um sich im Notfall selbst verteidigen zu können. Und tatsächlich ist Karate eine wirksame und praktikable Verteidigungsart. Kraft und körperliche Statur spielen in der Karate-Selbstverteidigung nur eine untergeordnete Rolle. Wichtiger sind Schnelligkeit, Geschicklichkeit und Gelassenheit. Nur wer bei einem Angriff nicht in Panik gerät, kann sich sinnvoll verteidigen.

Deshalb vermitteln spezielle Lehrgänge neben technischen Fertigkeiten auch die psychologischen Komponenten der Selbstbehauptung und Selbstverteidigung. Diese Aspekte machen Karate-Selbstverteidigung insbesondere für Frauen und Mädchen interessant.

Karate: Ein Sport für alle

Ob Ausgleichssport, allgemeine Fitness oder Selbstverteidigung: Karate eröffnet allen Altersgruppen und Interessenlagen ein breites sportliches Betätigungsfeld. Karate ist nicht nur interessant für Jung und Alt. Durch die Vielseitigkeit fördert Karate Gesundheit und Wohlbefinden. Auch deshalb haben sich viele junge und ältere Menschen für diesen Sport entschieden.

Unabhängig von Alter, Geschlecht oder körperlichen Fähigkeiten gibt es im Karate oft einen Weg, der jedem Einzelnen entspricht.

In den meisten Vereinen gibt es Anfängerkurse, die den Einstieg leicht machen: Stufe um Stufe wachsen Geschicklichkeit und Leistungsvermögen. Die farbigen Gürtel der Budo-Sportarten sind dabei Hilfe und Ansporn.

Wettkampf und Tradition

Im Karate werden grundsätzlich zwei Wettkampf-Disziplinen unterschieden: Beim "Kumite" (Freikampf) stehen sich zwei Karateka auf einer Kampffläche gegenüber und versuchen, Stoß-, Schlag- und Tritt-Techniken anzubringen. Die Kriterien sind so gehalten, dass Verletzungen der Kampf-Partner ausgeschlossen sind: Wer sich nicht daranhält, wird disqualifiziert!

Die Disziplin "Kata" ist eine Abfolge genau festgelegter Angriffs- und Abwehr-Techniken gegen mehrere imaginäre Gegner, die sich aus verschiedenen Richtungen nähern. Man unterscheidet rund 50 verschiedene Katas, deren Ästhetik im Einklang von Kampfgeist, Dynamik und Rhythmik liegt.

Zusammenfassung

Karate ist eine Kampfkunst und ein faszinierender sowie moderner Kampfsport aus Japan. Karate ist dynamisch und diszipliniert, kontrolliert und voller Energie. Karate ist sanft und kraftvoll zugleich, elegant und attraktiv. Karate ist viel mehr als nur ein Sport ... Karate ist lebensbegleitend!