Die Bedeutung von "Eiszeit" und "Über sieben Brücken" im Werk von Karat

Zweifelsohne sind die PUHDYS, CITY und KARAT Rocklegenden. Den PUHDYS gelangen als erste deutsche Rockband Hits in der Muttersprache, CITY bereicherten als erste den Rock mit Einflüssen osteuropäischer Folklore und KARAT sprengten als erste die starren Rockgenregrenzen mit elegischen Balladen.

„Rocklegenden“ ist ein durchweg zeitgemäßes, modern produziertes Album, das den Bogen von ihren Deutschrockklassikern über persönliche Lieblingslieder bis hin zu neuem Songmaterial spannt.

Die Geschichte von "Über sieben Brücken musst du gehn"

Millionenfach verkauft, in 30 Sprachen übersetzt und von mehr als 100 Interpreten gesungen, ist „Über sieben Brücken musst du gehn“ ein wahrer Welthit, der immer wieder unter die Haut geht. Die Geschichte dieses Liedes begann in der 2. Hälfte der 60iger Jahre. Seine Entstehung ist eher zufällig, aber auch ein Zeugnis der politischen Verhältnisse.

1967 erhält der junge Schriftsteller Helmut Richter vom Bezirksvorstand Leipzig des FDGB den Auftrag, die Errichtung des Braunkohlenkraftwerkes Thierbach literarisch zu begleiten. Es entstehen mehrere Reportagen, die unter dem Titel „Schnee auf dem Schornstein“ 1969 erscheinen.

Anfang der 1970iger Jahre verändern sich die politischen Kräfteverhältnisse in der DDR erneut. Erich Honecker wurde der erste Mann an der Spitze von Partei und Staat. Anfänglich herrschte durchaus eine Art Aufbruchsstimmung.

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Im Vordergrund der Besuche stand nicht der offizielle Freundschaftsgedanke, sondern der Erwerb von in der DDR nicht angeboten oder verbotenen Waren. Aus propagandistischen Gründen erhielt deshalb das DDR-Fernsehen 1977 den Auftrag, möglichst schnell einen Film zum Thema internationale Freundschaft, insbesondere mit dem polnischen Volk zu machen.

Der Fernsehfunk kaufte die Rechte und beauftragte Richter, das Szenarium für den Film zu schreiben. Es entstand das Drehbuch für eine deutsch-polnische Liebesgeschichte mit den Hauptfiguren Gitta Rebus, einer Chemielaborantin, und dem polnischen Bauarbeiter Jerzy Roman.

Die Regie für den Film führte der erst 28jährige Hans Werner. Der „Ersatz-Regisseur“ schlug kurzerhand dafür den damaligen Keyboarder und Komponisten der noch jungen Rockband Karat Ulrich „Ed“ Swillms vor. Der tat sich zunächst sehr schwer mit diesem Auftrag und soll ca. 14 Tage lang auf das Drehbuch gestarrt haben, bis ihm etwas Zündendes einfiel. Schließlich handelte er einen Preis von 4.000 Westmark aus.

Die Textzeile „Über sieben Brücken musst du geh´n“ sollte den Film emotional aufwerten. Auch dieser Herausforderung stellte sich Helmut Richter, denn er hatte bis dahin noch nie einen Liedtext geschrieben. Gesungen vom damaligen Frontmann der Gruppe Karat, Herbert Dreilich, wurde der Titel unter widrigen technischen Bedingungen zwischen Weihnachten und Silvester 1977 in einem Studio mit angeschlossenem Übertragungswagen in Berlin-Grünau aufgenommen.

Die Erstsendung des Filmes lief am 30. April 1978 im 1. Programm des Fernsehens der DDR. Unmittelbar nach seiner Ausstrahlung liefen in den Adlershofer Fernsehstudios die Telefonleitungen heiß. Die Anrufer, darunter auch 28 aus Westberlin und der BRD, wollten wissen, wann und wo es die Schallplatte mit dem Titelsong zu kaufen gibt.

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Einige Entscheider waren der Meinung, Text und Musik sei zu sentimental und es gäbe Titel, die die Ziele des Sozialismus besser wiederspiegeln. Doch es gab auch prominente Befürworter, wie die damals schon einflussreiche und spätere Firstlady der DDR- Unterhaltungskunst Gisela Steineckert.

Noch im gleichen Jahr siegte die Gruppe Karat mit dem Lied beim Internationalen Schlagerfestival in Dresden. 1979 erschien von Karat das Album „Über sieben Brücken“, welches wenig später unter dem Namen „Albatros“ in der BRD herauskam. Insgesamt verkaufte sich die Karat-Produktion in den folgenden Jahren in Ost und West fast eine Millionen Mal.

Peter Maffays Interpretation

Als Peter Maffay den Song zum erstmal im Rundfunkhörte, war er sofort davon begeistert und bemühte sich um Kontakt zu den Karat-Leuten. Im Jahr 1980 besuchte er schließlich die Gruppe bei einem Konzert im hessischen Wiesbaden.

Er bat die Band um Erlaubnis, den Titel nachspielen zu dürfen. Karat willigte ein und Maffay arrangierte das Lied neu. Markant ist dafür u.a. das eingebaute Saxophon-Solo. Der Song erlangte in dieser Version einen noch größeren Bekanntheitsgrad.

Da es Karat in den ersten Jahren der 1980er Jahre von Seiten des Kulturministeriums der DDR verboten war, im West-Fernsehen aufzutreten, wurde der Titel verstärkt mit dem Namen Peter Maffay verbunden. Viele „Westler“ glauben bis heute, der Titel stamme ursprünglich von Maffay. Erst ab 1990 wurde der Song auch von Maffay und Karat gemeinsam aufgeführt.

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Nach dem Tod von Herbert Dreilich 2004 gab es mit dessen Sohn Claudius 2008 zur „Goldenen Henne“ einen viel umjubelten gemeinsamen Auftritt. Peter Maffay sagte nach diesem Erlebnis: „So wird ein Lied zum Gebet“.

Der Text von Helmut Richter

Über sieben Brücken musst du gehn,sieben dunkle Jahre überstehn,siebenmal wirst du die Asche sein,aber einmal auch der helle Schein.

"Eiszeit": Eine Warnung vor der Selbstzerstörung

Das Lied Eiszeit von Karat thematisiert auf eindringliche Weise die drohenden Katastrophen, die durch menschliches Versagen ausgelöst werden. Die ersten Zeilen beschreiben eine gefährliche Natur, in der Berge Lava spucken und Aschenregen auf die Menschheit fällt.

Der Aufstieg von Atlantis, einer mythischen Stadt, die im Meer versunken ist, symbolisiert den Verlust von Zivilisation durch Selbstzerstörung. Die immer wiederkehrende Zeile Eiszeit fungiert als Warnsignal, das die Vorstellung einer Welt vermittelt, die kurz vor dem Zusammenbruch steht.

Mit der Beschreibung der Kontinente, die aufeinander zurasen und einem letzten Blitz vor der Explosion, schafft Karat eine bedrohliche Atmosphäre der Unausweichlichkeit. In dieser düsteren Vision wird der Mensch als machtlos und verletzlich dargestellt, während der letzte Mensch um den Tod bittet.

Die zentrale Frage des Songs bleibt, ob es Hoffnung gibt, oder ob wir bereits zu spät sind. Daher endet das Lied mit der Frage nach dem Ausblick auf die Zukunft und ob wir möglicherweise im Stande sind, diese Utopie zu verhindern oder ob wir dem Roten Telefon, das für Notfallkommunikation steht, nicht die nötige Beachtung schenken werden.

KARAT revanchieren sich mit ihrer leichtfüßigen Umsetzung von „Eiszeit“ bei Peter Maffay, der mit seiner Version von „Über sieben Brücken“ seinen bisher größten Hit feiern konnte.

Das Lied Eiszeit hat von der textlichen Aussage angesichts der Dinge, die man aus Nordkorea, aus den Vereinigten Staaten, dem Iran und weiß der Kuckuck woher hört, nichts von seiner Aktualität verloren. Wir sitzen hier ja auch noch auf dem ganzen Atomschrott herum.