Sportstars im Visier von Kriminellen: Wenn Athleten zu Opfern werden

Leider sind Sportstars keine Ausnahme, wenn es um Kriminalität geht. Immer wieder werden Athleten und Athletinnen Opfer von Überfällen. Das kann für die Täter auch mal gewaltig nach hinten losgehen.

Fussballstars im Visier

Mesut Özil und Sead Kolasinac wurden am Donnerstag von Unbekannten angegriffen und mit einem Messer bedroht. Während Kolasinac die Angreifer heroisch in die Flucht treiben kann, fürchtet Özil offenbar um sein Leben. «Özil sah absolut verängstigt aus», berichtet ein Augenzeuge. Zum Glück haben sich die beiden bei der Attacke nicht verletzt und kommen mit dem Schrecken davon. «Ich denke, uns geht's gut», schreibt Kolasinac auf Instagram.

Zwischen 2011 und 2012 sind Fussballer der SSC Napoli und ihre Angehörigen wiederholt Opfer von Verbrechen geworden. Auch Valon Behrami wird von der Camorra nahestehenden Ultras ausgeraubt. Die Diebe bedrohen ihn mit einer Pistole und nehmen ihm seine kostspielige Uhr ab. Die erhält er wenige Tage später wieder zurück.

Ziemlich genau auf diese Weise wird im Herbst 2017 auch Brasiliens Ex-Nati-Goalie Jefferson überfallen. Als dieser bei einem Lichtsignal stoppt, bedrohen ihn die Täter mit einer Pistole und machen sich mit Jeffersons SUV aus dem Staub. Videoaufnahmen halten den Überfall fest.

Man braucht nicht Boxer zu sein, um Räuber in die Flucht zu schlagen. Das beweist der bosnisch-deutsche Fussballer Sead Kolasinac im Sommer 2019. Zusammen mit Arsenal-Teamkollege Mesut Özil ist er mit dem Auto mitten in London unterwegs, als ein maskierter Mann gegen die Tür tritt. Zusammen mit einem Komplizen und mit einem Messer bewaffnet hat er es wohl auf die teure Uhr von Kolasinac abgesehen. Doch der Verteidiger steigt aus und vertreibt die Angreifer, indem er auf sie zustürmt - während Özil vor Schreck mit dem Auto davonfährt.

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Wurde einmal herausgefunden, wo sie leben, sind Fussballspieler leichte Opfer für Einbrecher, schliesslich ist ein Teil ihres Arbeitsplans recht einfach einsehbar. Es kommt also hin und wieder vor, dass Villen von Fussballern leer geräumt werden, Paris ist diesbezüglich offenbar ein besonders heisses Pflaster. Bei Gianluigi Donnarumma aber ist die Situation in diesem Juli eine andere. Der PSG-Goalie ist zum Zeitpunkt des Einbruchs nämlich mit seiner Freundin zu Hause. Mehrere Personen verschaffen sich Zugang zum Haus, schlagen und fesseln die beiden. Erst viel später kann sich das Paar befreien und die Polizei rufen. Donnarumma und seine Freundin kommen mit dem Schrecken davon und die Einbrecher mit einer Beute im Gegenwert von einer halben Million Euro.

Tennisstars im Fadenkreuz

Im Dezember 2016 wird Petra Kvitova in ihrer eigenen Wohnung überfallen und mit einem Messer attackiert. Die zweifache Wimbledon-Siegerin wehrt sich, wird dabei aber schwer an der Hand verletzt. Der behandelnde Chirurg bezweifelt, dass Kvitova einst wieder auf höchstem Niveau Tennis spielen kann. Doch wenige Monate nach der Attacke kehrt sie zurück, kämpft sich in die Top 10 zurück und erreicht 2019 den Final an den Australian Open. Sportlich läuft es also wieder, doch der Vorfall hat sie geprägt. In einem Interview mit dem «Guardian» sagt sie kürzlich: «Ich vertraue Leuten nicht mehr. Vor allem Männern. Wahrscheinlich ist das der Grund, weshalb ich Single bin.» Manchmal habe sie riesige Angst, dass jemand hinter ihr her sei. Immerhin: Der Täter wurde ein Jahr nach der Attacke festgenommen und zu acht Jahren Haft verurteilt.

Monica Seles ist 19, ein Teenager, als sich ihr Leben von einer Sekunde auf die andere dramatisch verändert. Die damals beste Tennisspielerin der Welt wird auf dem Center Court am Hamburger Rothenbaum niedergestochen - von einem fanatischen Fan ihrer grossen Rivalin Steffi Graf. Während eines Seitenwechsels bei der Partie zwischen Seles und Magdalena Maleeva rammt Attentäter Günter Parche der auf der Bank sitzenden Seles ein Küchenmesser zwischen Wirbelsäule und Schulterblatt.

Erst mehr als zwei Jahre nach dem Attentat kehrt Seles zurück. So gut wie vorher spielt die jüngste French-Open-Siegerin der Geschichte nie wieder. Einen weiteren Grand-Slam-Sieg feiert Seles bei den Australian Open 1996, doch ihr Leben gerät aus den Fugen. Sie erzählt in ihrer Biografie von Angstzuständen, Depressionen und Essstörungen.

UFC-Kämpferin wehrt sich

Auf eine ziemlich dumme Idee kommt Anfang Jahr ein Räuber in Rio de Janeiro. Er will nämlich die UFC-Kämpferin Polyana Viana überfallen. Auf die genauen Details des Vorfalls wird hier verzichtet. Lieber lassen wir den vielsagenden Instagram-Post von UFC-Boss Dana White sprechen. Darin heisst es: «Auf der linken Seite ist eine unserer UFC-Kämpferinnen und rechts der Typ, der versucht hat, sie auszurauben. Eine ganz schlechte Idee.»

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Weitere tragische Fälle

Besonders tragisch ist die Geschichte von Andres Escobar, der im Juli 1994 auf einem Parkplatz in Medellin auf brutale Weise ermordet wird. Nur wenige Tage zuvor erzielt der damalige kolumbianische Nationalspieler im WM-Spiel gegen die USA ein Eigentor. Kolumbien verliert die Partie schliesslich 1:2 und verpasst den Achtelfinal-Einzug. Wütende Drogenbosse sollen den Mord an Escobar in Auftrag gegeben haben, weil sie bei Wetten auf den Einzug Kolumbiens ins Achtelfinale viel Geld verloren haben. Der Mord an den damals 27-Jährigen ist bis heute nicht ganz geklärt.

Im März 2018 wird der südafrikanische Triathlet Mhlengi Gwala in seiner Heimat auf dem Weg zum Training von drei Männern vom Velo gestürzt und mit vorgehaltener Pistole in ein Gebüsch gezerrt. Die Täter haben es aber nicht etwa auf die Wertsachen des damals 26-Jährigen abgesehen - sie wollen seine Beine absägen. Medienberichten zufolge scheitert dieses grässliche Unterfangen, weil die Täter eine stumpfe Säge verwenden und den Knochen nicht durchtrennen können. Schliesslich fliehen die Täter, bis heute fehlt jede Spur von ihnen. Der Profi-Sportler erleidet schwere Verletzungen, lässt sich dadurch aber nur kurzzeitig aus der Bahn werfen, ehe er sich neue Ziele setzt. Anstatt an den Olympischen Spielen will er sein Land nun an den Paralympics vertreten.

Conor McGregor und seine Eskapaden

Conor McGregor sorgte einmal mehr für Tumulte. Der UFC-Star wurde wegen eines Handy-Eklats in den USA festgenommen. Der UFC-Star soll heute Morgen gegen fünf Uhr das legendäre Fontainebleau Hotel in Miami Beach verlassen haben. Dabei wurde McGregor offenbar von einem Fan fotografiert. Der 30-Jährige zeigte sich darüber wenig erfreut.

Ohne Vorwarnung schlug McGregor dem Fotograf das Handy aus der Hand, zertrat es und nahm es gleich mit. Eine Überwachungskamera filmte den Übergriff und sorgte für eine deutliche Beweislage. Wenig später bestätigte die Polizei von Miami Beach die Gerüchte zu Festnahme.

Dem UFC-Star werden Raub und Sachbeschädigung vorgeworfen. Gegen eine Kaution von 12'500 Dollar befindet sich McGregor mittlerweile wieder auf freiem Fuss.

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Vor dem Zwischenfall in Miami sorgte der Kämpfer beim sportlichen Comeback im November 2018 für Schlagzeilen. Damals verliert er gegen den Russen Chabib Nurmagomedow und liefert sich anschliessend eine Massenschlägerei. Sowohl McGregor als auch Nurmagomedow sind darauf monatelang gesperrt worden.

Der Fall Ryan Lochte

Für Aufregung sorgt bei den Olympischen Spielen ein vermeintlicher Überfall auf vier amerikanische Schwimmer, darunter auch der sechsfache Olympiasieger Ryan Lochte. Die US-Schwimmer geben der Polizei an, auf dem Weg ins Olympische Dorf nach einer Party ausgeraubt worden zu sein. Laut Lochte sei ihm sogar eine Pistole an die Stirn gehalten worden.

Eine Geschichte, die sich später als Lüge herausstellt: In Tat und Wahrheit hatten die vier Schwimmer nämlich an einer Tankstelle randaliert, bis sie von Sicherheitskräften gestellt werden konnten. Lochte wird daraufhin für zehn Monate gesperrt, verliert lukrative Werbedeals und wird mit einer hohen Busse bestraft.

Carlos Sainz wird Opfer eines Überfalls

Als wäre der vergangene Sonntag für Carlos Sainz nicht schon hart genug gewesen. Da wehrte sich der Spanier in seinem Ferrari während des gesamten Grand Prix von Italien gegen die Attacken der Red Bull von Max Verstappen sowie Sergio Pérez und die Angriffe seines Teamkollegen Charles Leclerc - da wird er auch noch Opfer eines Überfalls. Drei Männer zwischen 18 und 20 Jahren verwickeln ihn in ein Gespräch, während dessen sie ihm die Uhr abnehmen können. Weit aber kommen sie nicht, einen stellt Sainz, die anderen zwei werden von Fussgängern festgehalten.

Diebstahl des WM Pokals

Legendär ist der Fall des verschwundenen WM-Pokals, auch, weil Diebe gleich zweimal zuschlagen. 1966 ist es zum ersten Mal so weit. Vor der WM in England findet in der Londoner Westminster Hall eine Briefmarkenausstellung statt, die Jules-Rimet-Trophäe wird dort präsentiert - und gestohlen.

Eine Woche nach dem Vorfall erschnüffelt ein Hund namens Pickles, ein Collie-Mischling, den Pokal bei einem Spaziergang, er liegt in Zeitung eingewickelt im Gebüsch. Pickles wird zum Star, und Besitzer David Corbett kassiert 70’000 Franken Finderlohn.

1983 wird dieselbe Trophäe aus einer Vitrine des brasilianischen Verbandssitzes entwendet und von den Dieben eingeschmolzen. Diese werden später gefasst. Aber der Pokal ist diesmal nicht mehr zu retten.