Wer hatte noch nie einen heftigen Streit? Vielleicht wurden Sie sogar irgendwann in Ihrem Leben bedroht oder angegriffen. Im Laufe des Lebens können wir mit Situationen konfrontiert werden, die unsere körperliche Unversehrtheit gefährden und für die wir wissen müssen, wie wir uns verteidigen können. Es gibt eine breite Auswahl an Kampfsportarten, zu den bekanntesten zählen Karate, Judo, Kickboxen, Boxen, MMA oder Krav Maga. Aber es gibt weitaus mehr Kampfsportarten, nicht nur aus dem asiatischen Raum.
Sie fragen sich sicher, welche Kampfsportart zu Ihnen passt? Gewalt ist keine Lösung, niemals! Leider kommt es aber im Alltag, in Beziehungen, auf Reisen und Co. zu Situationen, in denen Selbstverteidigung notwendig ist. Uns geht es nicht darum Angst zu verbreiten. Wir möchten Betroffenen Mut machen und dafür sorgen, dass Menschen in Notsituationen besser reagieren können.
Im Prinzip kann jede/r jeden Kampfsport ausüben, egal welches Alter oder körperlichen Voraussetzungen ihr habt. Euer Wille ist entscheidend. Allerdings sind manche Kampfsportarten härter als andere, erfordern mehr Beweglichkeiten etc. Daher eignen sich manche Kampfsportarten besser für manche Geschlechter bzw. Altersgruppen.
Faktoren bei der Wahl der richtigen Kampfsportart
Zunächst einmal müssen Sie wissen, dass Kampfsportarten teilweise andere Zielstellungen haben: Verteidigung (für das Militär oder Bevölkerung), sportliche Ertüchtigung oder Training des Geistes/Konzentration. Manche Kampfsportarten sind härter als andere: Kickboxen und MMA sind sehr hart, Tai Chi hingegen ist auf sanfte Abläufe ausgelegt. Grundsätzlich werden bei allen Kampfsportarten intuitive Bewegungsabläufe gelehrt und gesucht.
Überlegen Sie sich auch zunächst, was Ihr Ziel ist. Wie schwer ist welche Kampfsportart? Wie komplex ist die jeweilige Kampfsportart zu erlernen, weichen die Bewegungsabläufe stark vom Alltag ab? Hervorzuheben sind hierbei ggf. Krav Maga, Sambo und ggf. Kickboxen. Denn diese Kampfsportarten wurden teilweise vom Militär entwickelt, mit dem Ziel, dass die Techniken schnell zu vermitteln und zu erlernen sind. Es gibt auch Kampfstile, die jahrelange Übung erfordern.
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Wie effektiv sind die einzelnen Kampfsportarten? Kann die Kampfsportart im Ernstfall helfen, sich gegen einen oder mehrere Gegner zur Wehr zu setzen? Hier schneiden letztendlich alle Kampfsportarten gut ab. Denn ihr Hintergrund ist die Verteidigung. Davon ausgenommen sind nur sehr wenige, wo es eher um Fitness und Beweglichkeit geht (bspw. Tai Chi).
Die Anforderungen an die Beweglichkeit variieren innerhalb der Kampfsportarten mitunter erheblich. Das betrifft in erster Linie die Beweglichkeit für Würfe oder auch Fußtritte. In jeder Kampfsportart existieren beim Training für Fortgeschrittene Tritttechniken, die ein hohes Maß an Beweglichkeit erfordern. Jedoch kann das Anfängertraining auch mit geringer Beweglichkeit absolviert werden.
Wie viel Kondition braucht man für Kampfsport? Wer schon einmal einen Trainingskampf hatte, weiß, wie anstrengend das ist. Daher ist der Konditionspunkt ein wichtiger Faktor. Auch zur Selbstverteidigung ist es sehr sinnvoll, eine gewisse Fitness mitzubringen. Das Gute an allen klassischen Kampfsportarten ist die Erhöhung der Fitness.
Spezielle Überlegungen für Kinder, Frauen und Senioren
Für Kinder gibt es eigentlich keine auszuschließende Kampfsportart. Wichtig ist nur, dass sie in einem guten Kurs landen und der Trainer ein gutes Händchen für den Umgang mit Kindern hat. Die meisten Kampfkünste sind für Kinder eher spielerischer Natur.
Es gibt keine Einschränkungen bei Kampfsportarten für Frauen. Falls gewünscht, werden oft spezielle Frauenkurse angeboten, die ohne Männer stattfinden. Beliebt sind auch Kampfarten, die eine gewisse Härte mit sich bringen. Effektiv ist u.a. Krav Maga oder ein Selbstverteidigungskurs.
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Senioren sind zumeist in ihrer Beweglichkeit, Kraft und Schnelligkeit eingeschränkt. Daher gilt es hierbei einen geeigneten Kampfsport zu finden. Fokussiert auf Selbstverteidigung ist Krav Maga oder ein Selbstverteidigungskurs.
Top Kampfsportarten zur Selbstverteidigung
Unsere Auswahl der besten Kampfsportarten zur Selbstverteidigung basiert auf ihrer Effektivität, praktischen Anwendbarkeit und ihrer Fähigkeit, Sie in bedrohlichen Situationen zu schützen. Die nachfolgende Liste mit der Beschreibung ist alphabetisch geordnet.
Krav Maga
Als effektivste Kampfsportart zur Selbstverteidigung können wir Ihnen guten Gewissens das Krav Maga empfehlen. Der Begründer legte großen Wert darauf, dass es effektiv ist, schnell erlernt werden kann und dabei keine allzu hohen körperlichen Anforderungen benötigt. Sie erlernen hier gezielt jene Techniken, die Ihnen im Notfall helfen können.
Krav Maga ist ein modernes und hochpraktisches Selbstverteidigungssystem, das entwickelt wurde, um Menschen effektiv in realen Bedrohungssituationen zu schützen. Ursprünglich für das israelische Militär entwickelt, konzentriert sich Krav Maga auf schnelle und instinktive Reaktionen, um den Angreifer schnell zu neutralisieren und zu entkommen. Es basiert auf einfachen und natürlichen Bewegungen, die leicht erlernbar sind und unabhängig von Alter, Geschlecht oder körperlicher Stärke angewendet werden können.
Wing Tsun
Wing Tsun, auch bekannt als Wing Chun, ist eine chinesische Kampfkunst, die sich auf effektive Selbstverteidigungsprinzipien konzentriert. Es wurde entwickelt, um es einer Person mit körperlicher Unterlegenheit zu ermöglichen, sich erfolgreich gegen einen stärkeren Gegner zu verteidigen. Wing Tsun basiert auf der Idee der Effizienz, bei der unnötige Kraft und Bewegungen vermieden werden.
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Stattdessen nutzt es die Prinzipien der Körpermechanik und der Strategie, um den Gegner auszugleichen und zu kontrollieren. Es beinhaltet schnelle und gezielte Schläge. Intelligente Abwehrtechniken zielen darauf ab, den Angriff des Gegners zu neutralisieren und gleichzeitig die eigene Sicherheit zu gewährleisten. Das Training in Wing Tsun entwickelt auch die mentale Fokussierung, Entschlossenheit und Reaktionsfähigkeit.
Ju Jutsu
Ju Jutsu ist ein modernes Selbstverteidigungssystem aus Deutschland, welches auf verschiedenen japanischen Kampfkünsten basiert. Es setzt sich zusammen aus Karate, Judo, Aikido und Jiu-Jitsu. Neben dem Aspekt der Selbstverteidigung wird es auch Kampfkunst unterrichtet und bietet verschiedene Disziplinen für Wettkampfsport. Unterrichtet wird im klassischen Gi (Trainingsanzug mit Gürtel gebunden).
Ju-Jutsu konzentriert sich darauf, die Kraft des Angreifers geschickt zu nutzen, um ihn zu besiegen. Dies geschieht durch geschicktes Ausweichen oder Nachgeben. Zusätzlich werden Schocktechniken (Atemi) eingesetzt. Daher eignen sich die Techniken für effektive Selbstverteidigung. Der Fokus liegt auf der Nutzung der Kraft des Gegners, um ihn zu kontrollieren und zu überwältigen.
Jeet Kune Do
Jeet Kune Do ist eine Kampfkunst, die von Bruce Lee entwickelt wurde und sich auf die Selbstverteidigung konzentriert. Es zeichnet sich durch seine effektiven Techniken und seine praktische Anwendbarkeit in realen Kampfsituationen aus. Jeet Kune Do basiert auf dem Prinzip der Effizienz, bei dem unnötige Bewegungen und überflüssige Techniken vermieden werden, um mit minimaler Anstrengung maximale Wirkung zu erzielen. Es kombiniert verschiedene Elemente aus verschiedenen Kampfkunststilen, darunter Boxen, Wing Chun, Karate und Jiu-Jitsu, um ein vielseitiges Arsenal an Angriffs- und Verteidigungstechniken zu schaffen.
Systema
Systema ist ein russisches Kampfsystem, das sich auf effektive Selbstverteidigungstechniken konzentriert. Es basiert auf natürlichen Bewegungen, die es den Praktizierenden ermöglichen, sich an verschiedene Situationen anzupassen und sich effektiv zu verteidigen. Im Systema geht es nicht nur um die physische Bekämpfung eines Gegners, sondern auch um die Entwicklung einer starken mentalen Haltung und emotionalen Kontrolle.
Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ)
Während es verschiedene Techniken und Disziplinen gibt, erweist sich eine Methode als besonders effektiv und beliebt: Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ). BJJ basiert auf Technik und Hebelwirkung und erfordert keine rohe Kraft, was es ideal für Menschen jeden Alters und jeder Körpergröße macht. Der Fokus von BJJ auf Technik und Kontrolle macht es besonders vorteilhaft für Frauen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Kampfsportarten, die auf Schläge und Tritte setzen, lehrt BJJ, wie man mit Technik und Strategie einen Angreifer neutralisieren kann. Diese effektive Selbstverteidigung für Frauen zielt darauf ab, den Gegner unter Kontrolle zu bringen, anstatt ihn mit bloßer Kraft zu besiegen. BJJ ist praktisch und alltagstauglich, da es sich auf Bewegungen und Techniken konzentriert, die sich leicht in realen Szenarien anwenden lassen. Frauen lernen, wie sie aus Griffen entkommen und in Bodenkampfsituationen die Kontrolle übernehmen können - ein entscheidender Vorteil gegenüber Angreifern.
Weitere Kampfsportarten und Systeme
Neben den bereits genannten gibt es noch eine Vielzahl weiterer Kampfsportarten und Selbstverteidigungssysteme, die in bestimmten Situationen nützlich sein können:
- Alpha Combat System
- Atemi Combat System
- Bojuka
- Close Quarter Combat Systems (CQCS)
- Combat Hapkido
- Esdo (European Selfdefence Organization)
- Hashita
- Keysi Fighting Method (KFM)
- Komak
- Modern Arnis
- Pencak Silat
- Taiho Jutsu
- US Army’s Modern Army Combatives Program
Kampfsportarten im Vergleich
Um Ihnen eine bessere Übersicht zu geben, hier eine vergleichende Tabelle einiger der genannten Kampfsportarten:
| Kampfsportart | Fokus | Effektivität | Anwendbarkeit | Zielgruppe |
|---|---|---|---|---|
| Krav Maga | Realistische Selbstverteidigung | Sehr hoch | Hoch | Alle |
| Wing Tsun | Effizienz, Nahkampf | Hoch | Mittel | Alle |
| Ju Jutsu | Vielseitig, Nutzung der gegnerischen Kraft | Mittel | Mittel | Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Ältere |
| Brazilian Jiu-Jitsu | Bodenkampf, Hebeltechniken | Hoch | Mittel | Alle |
Wichtige Fragen rund um das Thema Kampfsport
Hier finden Sie Antworten auf häufige Fragen rund um das Thema Kampfsport.
Kann man einen Kampfsport zuhause erlernen?
Nein, eher nicht. Sicherlich können Sie Ihre Fitness verbessern und Grundtechniken zur Abwehr und zum Angriff üben. Fehler in der Stellung und Lücken in der Abwehr werden Sie allerdings nicht bemerken. Zudem fehlt Ihnen ein ganz wichtiger Baustein: Die Partnerübungen und Übungskämpfe. Im Verein oder mit erfahrenen Übungspartner lernen Sie die richtigen Grundlagen, machen schneller Fortschritte und schärfen Ihr Auge für Bewegungen. Kurzum, zu Beginn sollten Sie auf alle Fälle in einen Verein gehen, Bewegungsabläufe können und sollten aber zuhause vertieft werden.
Wann ist man bereit für einen Wettkampf?
Es dauert mindestens Jahre bis man im Vollkontakt kämpfen kann, und nicht völlig untergeht. Je nach Kampfstil müssen Kampftechniken, Hebel, Faustkampf, Fußtechniken, Bodenkampf oder der Kampf mit Waffen lange geübt und perfekt beherrscht werden, bevor man für einen Wettkampf bereit ist. Man muss zwar keinen schwarzen Gürtel haben, bis man an einem Wettkampf teilnehmen kann, allerdings sollte man schon fortgeschrittener sein.
Wie oft sollte man Kampfsport trainieren?
Das ist ganz von Ihrem Ziel abhängig: Wenn Sie an einem Wettkampf teilnehmen und sich mit den besten messen wollen, dann sollten Sie täglich trainieren oder mindestens 5-mal die Woche. Und das über mehrere Jahre. Wenn Sie sich fit halten und im Ernstfall verteidigen möchten, dann ist es ausreichend, wenn Sie zweimal die Woche trainieren. Und noch einen weiteren Sport (Joggen, Schwimmen, Fitnessstudio…) ausüben. Wenn Ihr Ziel ist, besser auf einen Ernstfall vorbereitet zu sein, dann sollten Sie ein paar Intensivkurse besuchen (bspw. Krav Maga).
Was kostet eine Mitgliedschaft in einem Kampfsport-Verein?
Die Mitgliedschaft im Verein für Kampfkunst variiert sehr nach Region und beläuft sich auf 30€ bis 100€ im Monat. Das hängt ganz davon ab, wie viele Mitglieder es gibt, wie teuer die Miete ist, welche Ausrüstung vorhanden ist. Ein reiner Selbstverteidigungskurs, der einen Nachmittag lang geht, kostet meist um die 100€.
Probetraining
Probieren geht über studieren - nehmen Sie an einem Probetraining teil: Es ist sehr empfehlenswert, ein paar Schnupperkurse zu besuchen und sich einen Einblick zu verschaffen. Denn das Umfeld, Ihre Trainingspartner und der Trainer machen sehr viel aus. Sie entscheiden maßgeblich über den Erfolg.
