Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fand Karate seinen Weg nach Japan und wurde nach dem 2. Weltkrieg populär. Karate beihaltet grundsätzlich Schlag-, Stoss-, Tritt- und Blocktechniken sowie Fussfegetechniken. Ein hoher Wert wird der körperlichen Kondition beigemessen, die Beweglichkeit, Schnellkaft und Ausdauer beinhaltet. Die Abhärtung der Gliedmassen mit z. Bsp. Makiwara ist ebenfalls Bestandteil des Trainings.Modernes Karate-Training ist häufig sportlich orientiert. Das heißt, dass dem Wettkampf eine große Bedeutung zukommt. Diese Orientierung steht in Kritik, da dadurch einerseits die Vermittlung effektiver Selbstverteidigungstechniken, die durchaus zum Karate gehören, eingeschränkt und das Karate verwässert wird, sowie andererseits der sehr wichtige Teil der Lebensschule des Budo darin verloren geht.
Die Entwicklung des Karate
Karate in seiner heutigen Form entwickelte sich auf der pazifischen Kette der Ryūkyū-Inseln, insbesondere auf deren Hauptinsel Okinawa. Diese liegt ca. 500 Kilometer südlich der japanischen Hauptinsel Kyūshū zwischen Südchinesischem Meer und Pazifik. Bereits im 14. Jahrhundert unterhielt Okinawa, damals Zentrum des unabhängigen Inselkönigreichs Ryūkyū, rege Handelskontakte zu Japan, China und Korea.
Im Jahre 1416 gelang es schliesslich König Sho Shin die Inseln zu einigen. Zur Erhaltung des Friedens in der aufständischen Bevölkerung verbot er das Tragen jeglicher Waffen.
Durch das Waffenverbot erfreute sich die waffenlose Kampfkunst des Okinawa-Te erstmals wachsender Beliebtheit und viele ihrer Meister reisten nach China um sich dort durch das Training des chinesischen Chuanfa fortzubilden.
Shimazu, verschärfte das Waffenverbot dahingehend, dass sogar der Besitz jeglicher Waffen, selbst Zeremonienwaffen, unter schwere Strafe gestellt wurde. Dieses Waffenverbot wurde als Katanagari bezeichnet, was soviel wie "Jagd nach Schwertern" bedeutet. Schwerter, Dolche, Messer und jegliche Klingenwerkzeuge wurden systematisch eingesammelt. Dies ging sogar soweit, dass einem Dorf nur ein Küchenmesser zugestanden wurde, das mit einem Seil an den Dorfbrunnen (oder an einer anderen zentralen Stelle) befestigt und streng bewacht wurde. Das verschärfte Waffenverbot sollte Unruhen und bewaffnete Widerstände gegen die neuen Machthabern unterbinden.
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Jedoch hatten japanische Samurai das Recht der sogenannten "Schwertprobe", dem zu Folge sie die Schärfe ihrer Schwertklinge an Leichen, Verwundeten oder auch willkürlich an einem Bauern erproben konnten, was auch vorkam.
Die Annexion führte somit zu einer gesteigerten Notwendigkeit zur Selbstverteidigung, zumal damals auf dem feudalen Okinawa Polizeiwesen und Rechtsschutz fehlten, die den einzelnen vor solchen Eingriffen schützen könnten. Der Mangel an staatlichen Rechtsschutzinstutionen und die gesteigerte Wehrnotwendigkeit vor Willkürakten der neuen Machthaber begründeten also einen Intensivierungs- und Substilisierungsprozess des Te (= Kampfsystem) zum Karate (= Kampfkunst).
Währenddessen entwickelte sich in der bäuerlich geprägten Bevölkerung das Kobudō, das Werkzeuge und Alltagsgegenstände mit seinen speziellen Techniken zu Waffen verwandelte. Kobudō und seine aus Alltagsgegenständen und Werkzeugen hergestellten Waffen konnten schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht verboten werden, da sie für die Versorgung der Bevölkerung sowie der Besatzer schlicht notwendig waren.
Allerdings war es sehr schwer mit diesen Waffen einem ausgebildeten und gut bewaffneten Krieger im Kampf gegenüberzutreten.
Deshalb entwickelte sich in Okinawa-Te und Kobudō, die damals noch eng miteinander verknüpft gelehrt wurden, die Maxime möglichst nicht getroffen zu werden und gleichzeitig die wenigen Gelegenheiten, die sich boten zu nutzen, den Gegner mit einem einzigen Schlag zu töten.
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Ikken Hissatsu: Das Prinzip des tödlichen Schlages
Dieses für das Karate spezifische Prinzip heißt „Ikken Hissatsu“. Die Auslese von möglichst effizienten Kampftechniken und das Ikken-Hissatsu-Prinzip brachten dem Karate den ungerechtfertigten Ruf ein, ein aggressives Kampfsystem, ja sogar die „Härteste aller Kampfsportarten“ zu sein.
Einige erstaunlich hohe Fusstechniken scheinen einen speziellen Hintergrund zu haben. Wenn ein berittener Krieger in ein Dorf ritt, war es für einen fortgeschrittenen Karateka möglich, im richtigen Augenblick über eine Holzrampe zu laufen und den Ritter vom Pferd zu treten (Yoko Tobi Geri).
Die tödliche Wirkung dieser Kampfkunst führte dazu, dass die japanischen Besatzer erneut das Verbot ausdehnten, und das Lehren von Okinawa-Te ebenfalls unter drakonische Strafe stellten.
Man verliess sich auf die mündliche Überlieferung und die direkte Weitergabe.
Zu diesem Zweck bündelten die Meister die zu lehrenden Kampftechniken in didaktischen zusammenhängenden Einheiten zu festgelegten Abläufen oder Formen. Diese genau vorgegebenen Abläufe werden als Kata bezeichnet.
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Um dem Geheimhaltungszweck der Okinawa-Te Rechnung zu tragen, mussten diese Abläufe vor Nicht-Eingeweihten der Kampfschule (also vor potenziellen Ausspähern) chiffriert werden.
Dabei bediente man sich als Chiffrierungscode den traditionellen Stammestänzen (odori), die den systematischen Aufbau der Kata beeinflussten.
Die Effizienz der Chiffrierung der Techniken in Form einer Kata zeigt sich bei der Kata-Demonstration vor Laien: Für den Laien und in den ungeübten Augen des Karate-Anfängers muten die Bewegungen befremdlich oder nichtssagend an.
Die eigentliche Bedeutung der Kampfhandlungen erschliesst sich einem erst durch intensives Kata-Studium und der "Dechiffrierung" der Kata.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde Karate stets im Geheimen geübt und ausschliesslich von Meister zu Schüler weitergegeben.
Karate in der modernen Zeit
Der Kommissaar für Erziehung in der Präfektur Okinawa, Ogawa Shintaro, wurde 1890 während der Musterung junger Männer für den Wehrdienst auf die besonders gute körperliche Verfassung einer Gruppe junger Männer aufmerksam.
Diese gaben an, auf der Jinjo Koto Shogakko (Jinjo Koto Grundschule) im Karate unterrichtet zu werden. Nach Beginn des Jahres 1900 erfolgte von Okinawa aus eine Auswanderungswelle nach Hawaii.
Funakoshi Gichin, geboren 1868 in Shuri auf Okinawa und ursprünglich als Hauptschullehrer tätig, wird heute als Begründer des Shotokan-Karate angesehen.
Sein Stil basiert auf Matsumuras Shorin Ryu.
Shoto war Funakhosis Künstlername und bedeutet Pinienrauschen - seine erste eigene Trainingshalle (im Frühjahr 1935 in Tokyo eingeweiht) wurde aus diesem Grund Shotokan genannt.
Diese Bezeichnung wurde später für seinen Karate-Stil übernommen.
Die drei Säulen des Karate
- Schulung von Geist, Charakter und innerer Einstellung.
- Wichtig war ihm ausserdem auch der Selbstverteidigungsaspekt des Karate.
Professor Nakayama Masatoshi (1913-1987), Schüler von Gichin Funakoshi, studierte 1937-1946 unter anderem in China Kampfkünste.
Er gründete 1949 an der Takushoku-Dai Universität mit Nishiyama und Takagi die Japan Karate Association JKA (Nihon Karate Kyokai).
Nakayama entwickelte das Jiyu-Kumite welches später die Grundlage für den Wettkampf im Shotokan-Karate darstellte.
Die spezielle Form des Kumite ermöglichte eine realistischere Kampfsimulation und eine gute Grundlage für die strategische Analyse, die auch zur Verbesserung der Selbsteinschätzung führte.
Die Bedeutung von Kata im Karate
Die Kata, ist in ihrer reinsten Essenz die Seele des Karate. Ich erinnere mich, als ich in Okinawa lebte, sagte man mir immer: „Karatetraining besteht zu 60% aus Kata-Training, 25% aus Makiwara-Training und zu 15% aus Kumite-Training“.
Die Kata ist nicht nur eine Reihe von Bewegungen, die in einer Choreographie gelaufen wird; es ist vielmehr eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Eine Leinwand, auf der Geschichte, Philosophie und Ausübung der Kampfkunst festgehalten wird.
Wenn ein Karateka am Anfang seiner Karate-Reise mit der Kata beginnt, nimmt er sie als eine Reihe von Techniken wahr.
Jeder Schlag, Stoss, Block und die Körperhaltung werden mit fast mechanischem Ansatz ausgeführt.
Als würden wir ein Buch lesen, das in einer anderen Sprache geschrieben ist, die uns fremd ist.
Vor allem in der Wettkampfphase bleibt die Kata einfach eine Kata.
Wir präsentieren diese den Schiedsrichtern bei Prüfungen und Vorführungen.
Erst nach vielen Jahren des Wettkampfes und des Trainings erkennt man, Karate/Kata/Kumite ist keine Kunst der Aggression, sondern der Selbsterkenntnis und Kontrolle.
In dieser Zeit der Veränderung stellen wir fest, dass eine Kata keine feste, sondern eine lebendige Sache ist.
Eine weitere Herausforderung kommt hinzu, wenn wir versuchen, die Weite und Tiefe in einer einzigen Kata zu ergründen.
Bunkai (nicht 0815 Bunkai), sondern die Suche nach dem echten Kampf.
Spätestens hier erkennen wir, dass Kata nicht nur Technik lehrt, sondern Geduld, Demut und Akzeptanz.
Im Alter verwandelt sich die Kata in einen Spiegel des Lebens.
Was am Anfang physisch war, ist jetzt geistig und vielleicht auch etwas spirituell.
Letztendlich erinnert uns die Kata daran, dass es beim Karate nicht um Sieg oder Niederlage geht.
Karate als Lebensweg
Das heutige Karate (Sportkarate) bietet mir nicht mehr die Bühne für mein Wesen.
Indem ich das Wesen des Kampfes erkenne und durchdringe.
Das ist aus meiner Sicht Budo.
Das ist aus meiner Sicht der Sinn und Zweck des körperlichen und nicht körperlichen Karate.
In vielen Karateschulen wird ausschliesslich der sportliche Aspekt des Karate in den Vordergrund gestellt, weil es für die breite Öffentlichkeit attraktiver und lukrativer ist und viel einfacher zu unterrichten ist, ohne dass man tiefgründige Kenntnisse vom Karate haben muss.
