Karate Dojo Lehre: Eine umfassende Einführung

Der Begriff Shōtōkan bezeichnet eine bestimmte Stilrichtung im Karate, die von Gichin Funakoshi gelehrt wurde. Funakoshi Sensei (Meister, Lehrer) hatte zu Lebenszeiten zwei Positionen: Eine als oberster Trainingsleiter des Shotokan-Dojos in Tokyo und die andere als Direktor der Shotokai-Schule (Richtung). Funakoshi war der festen Überzeugung, dass es nicht mehrere Arten von Karate gibt. Er wurde geehrt darüber, dass seine Schüler ihm zu Ehren dem neu errichteten Dojo den Namen Shotokan gaben. Der Shōtōkan ist die am weitesten verbreitete Stilrichtung im Karate-Dō.

Die Anfänge in Japan

Gichin Funakoshi (*1868, Naha; † 1957, Tokio), gilt als „Begründer des Modernen Karate“. 1922 reiste Funakoshi als Leiter einer Delegation aus Okinawa nach Tokio und stellte dort Karate erstmals der japanischen Öffentlichkeit vor. Das Dojo (Shotokan, Hombu-Dojo) wurde 1936 in Tokyo fertiggestellt. 1935 wurde die Organisation „Shotokai“ gegründet, um Spenden für den Bau des Dojo von Meister Gichin Funakoshi zu sammeln.

1956 transformierte sich diese Organisation in ein Zentrum zur Bewahrung des Karate-Do, welches jeglicher kommerzieller Ausrichtung absagte. Die Initianten dieser Bewegung waren die Meister Funakoshi, Egami, Hironishi und Noguchi. Die Organisation hiess Nihon Karate-Do Shotokai. Der Präsident dieser Organisation war bis zu seinem Tode im Jahre 1957 Meister Funakoshi (Referenz: Karate-Do Kyohan Biographie von Funakoshi). Nach dem Tode von Meister Funakoshi im Jahre 1957 übernahm Shigeru Egami die Funktionen des Hauptleiters im Shotokan (Shotokai Hombu Dojo in Japan) und des „Höchsten Meisters“ im Nihon Shotokai-Karate. Er präsidierte diese Organisation bis zu seinem Tode im Jahre 1981. Sein Nachfolger war G. Hironishi, welcher bis vor einigen Jahre der letzte Repräsentant der „alten Garde“ des Nihon Shotokai-Karate blieb.

Shotokai weltweit

Die Geschichte des Shotokai ausserhalb Japans gewährt sich als etwas komplizierter. Dabei sollten zwei wichtige Komponenten in Betracht gezogen werden:- Vor den 50-er Jahren, also vor der Spaltung von Shotokai/Shotokan, war Shotokan der gebräuchliche Name für die Bezeichnung des Karatestils, welcher Meister Funakoshi gegründet und entwickelt hatte. Shotokai bezeichnete ausschliesslich die von ihm mitgegründete Organisation.

Zu diesem Zwecke sind 1955 Oshima und Harada Sensei ins Ausland gereist. Oshima reiste nach Kalifornien, USA, und Harada seinerseits nach Sao Paulo, Brasilien. Seit diesen Jahren hat sich das Shotokan in diesen beiden Ländern etabliert: Shotokan of America (SKA) et Shotokan-Do Brazil.

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Oshima Sensei fuhr mit der Weiterentwicklung seiner Organisation fort. Heute umfasst sie die USA und einige andere Länder wie Kanada, Frankreich, Spanien, Belgien und die Schweiz. Harada Sensei blieb seinerseits bis er 1962 in Brasilien, bevor er nach Europa aufbrach. Zuerst brachte er das Shotokai nach Frankreich und anschliessend nach England (in der Zwischenzeit hatte sich die Spaltung zwischen Shotokai und Shotokan ergeben). Bis 1969 reiste er zwischen Brasilien und England hin und her, als er sich schliesslich dauerhaft in England niederliess.

1957 reiste Tetsuji Murakami Sensei auf Anfrage eines französischen Karatekas (Henri Plee - heute 10. DAN im FKKA) nach Europa. Sensei Murakami lernte in Japan u.a. bei Sensei Yamaguchi (nicht der berühmte Goju-Ryu Meister), einem Schüler des Aikido-Begründers O-Sensei Ueshiba. Zuerst unterrichtete er Shotokan-Karate, zu Beginn der 70er-Jahre schloss sich Murakami aber Sensei Egami an, und wurde schliesslich zum offiziellen Repräsentanten des Nihon Karate-Do Shotokai in Europa.

Im Jahre 1958 eröffnete Kawanabe Sensei, ein Assistent des Meisters Egami, ein Dojo in Atsugi, Japan und gründete damit das Kawanabe Shotokai. Sensei Marshall M. Dow lernte in Atsugi im Jahre 1960 unter der Leitung des Senseis Kawanabe und kehrte später in die USA zurück, wo er das Shotokai in Tucson, Arizona, etablierte. 1985 schuf er das Shotokai Kumayama Dojo.

Bevor Harada Brasilien definitiv verliess, hatte er eine gewisse Anzahl an Schülern. Seine mitunter besten Schüler waren Okada und Ito Sensei. Beide unterrichten weiterhin das Karate-Do im pursten traditionellen Sinne des Shotokai. Sensei Humberto Heyden lernte bei Sensei Ito.

Sensei Heyden kehrte in sein Vaterland, Chile, zurück, wo er mit der Erlaubnis des Sensei Kawanabe und des Sensei Dow unter dem Namen von Shotokai das Karate Budo Shotokai unterrichtet. Des Weiteren existiert ebenfalls unter seiner Leitung eine kleine Gruppe von Schülern in Brasilien.

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Karate Do Shotokai Europa (KDSE)

1987 starb Murakami Sensei in Paris und hinterliess eine grosse Anzahl starker Dojos in Europa. In Frankreich trennten sich in der Folge verschiedene Splittergruppen vom Shotokai France ab, darunter die sog. IKDS unter Shotokai Murakami.

Shotokai Karate Schweiz (SKS)

Das Netzwerk Shotokai Karate Schweiz wurde 2012 gegründet und diente unter anderem der Stärkung unserer schweizerischen Dojos. Im 2016 entstand der offizielle Verein SKS, in welchem sich die oben erwähnten Dojos definitiv zusammenschlossen. Die Dynamik, welche so entstand, ist in jedem einzelnen Training spürbar. 2020 konnte dank dieser Zusammenarbeit auch der langjährige Wunsch nach einem eigenen Dojo in Bern realisiert werden.

Shotokan - unser Stil

Der Shotokan Stil wurde von Meister Gichin Funakoshi (1868-1958) gegründet. Es ist der meistverbreitete Karate-Stil weltweit. Hervorgegangen ist dieser Stil aus Shuri-te und Tomari-te. Das Wort Shotokan ist aus drei Schriftzeichen zusammengesetzt. Das Schriftzeichen sho ist aus dem Wort matsu (Pinienbaum) entnommen. To ist das Schriftzeichen für Wellen. Pinienwellen bedeutet "das Geräusch, welches Pinienbäume verursachen, wenn der Wind durch ihre Nadeln bläst".

Manchmal wird es auch im Sinne von "Wellen, die die Pinienbäume zu verursachen scheinen, wenn sie sich im Winde biegen" interpretiert. Der Gründer, Gichin Funakoshi, signierte seine kalligrafischen Arbeiten mit Shoto. Daher stammt auch der erste Teil der Bezeichnung dieser Stilrichtung. Das Wort kan bedeutet Gebäude. Zusammen bezieht sich der Name Shoto-Kan auf das Dojo (Schule, Gebäude), in dem Funakoshi die Künste des Karate lehrte. Im Gegensatz zu den drei anderen Hauptstilrichtungen wird im Shotokan Karate üblicherweise auf die angehängte Silbe Ryu (Stilrichtung) verzichtet.

Was wird im Karate gelehrt?

Es umfasst die grundlegenden Techniken, die das Fundament des Karate bilden. Kata bedeutet „Form“ oder auch „Schablone“. Sie ist ein stilisierter und choreographierter Kampf gegen einen oder mehrere imaginäre Gegner, bei der Verteidigung, Angriffe und Gegenangriffe in einem festgelegten Muster im Raum folgen. Katas dienen als Verschlüsselung der verschiedenen Stilrichtungen. Jeder Meister lehrte seinem Schüler die Katas, in denen er den Schlüssel zu seiner Stilrichtung versteckt hielt. Kumite bezeichnet das Üben bzw. den Kampf mit einem (selten mehreren) Gegnern.

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Zu den Katas, stellt das Kumite einen Freikampf dar, da die Ausführung der Techniken nicht einer vorgeschrieben Form entsprechen. Übung, sich in ernsten Situationen angemessen verteidigen zu können. leicht/locker, um die Bewegung zu verinnerlichen.

Die Kata im Detail

In den Anfängen auf Okinawa wurde das Karate-Do nur mit Hilfe dieser Kata trainiert. Jede Kata für sich betrachtet stellte einen eigenen Kampfstil dar, den die Meister in der früheren Zeit in dieser verschlüsselt versteckt hielten und nur ausgewählten Personen offenbarten. Die Kata helfen aber nicht nur die Techniken zu erlernen, sondern sie schulen auch die innere Haltung des Trainierenden. Atmung, Ruhe, Gelassenheit, Sicherheit, Entschlusskraft, Kampfgeist und Rhythmus sind einige Punkte aus den inhaltlichen Aspekten, die eine Kata lebendig machen und die andersherum der Übende von der Kata erlernen soll.

In der perfekten Ausführung einer Kata "sieht" der Übende die imaginären Gegner und reagiert somit auf deren "Angriffe". Er behält Zanshin während des ganzen "Kampfes" bei und seine Spannung (körperlich und geistig) löst sich erst, wenn kein "Angriff" mehr erfolgt, d.h. Um aber eine Kata als Form der Selbstverteidigung zu verstehen, ist es wichtig diese in viele Einzelkombinationen zu zerlegen und zu trainieren. Hierbei werden die imaginären Gegner in der Kata durch einen realen Partner ersetzt. Das Trainieren dieser Kataanwendungen wird Bunkai genannt.

In den Anfängen der Kampfkünste stellte jede Kata einen eigenen Kampfstil dar. Die Meister der damaligen Zeit hielten so ihr Wissen in einer verschlüsselten Form fest, da anfangs das Trainieren einer Kampfkunst verboten war. Heute wird im Shotokan Karate-Do eine Vielzahl von Kata trainiert, doch das war nicht immer so. Die Meister der früheren Zeit kannten höchstens vier oder fünf Kata, die aber vielfach intensiver trainierten wurden als in der heutigen Zeit. Das sich die Anzahl vergrösserte, verdanken wir Meister Gichin Funakoshi, der bei den verschiedensten Meistern trainierte und die Kata auswählte, die er für lehrreich und nutzbringend hielt. Er fand insgesamt 15 Kata die seiner Meinung das Karate-Do repräsentierten.

Liste einiger Kata

Im Fudokan werden die von Prof. Dr. Ilja Jorga gelehrten Kata trainiert:

  1. Taikyoku Shodan
  2. Heian Shodan
  3. Heian Nidan
  4. Heian Sandan
  5. Heian Yondan
  6. Heian Godan
  7. Bassai Dai
  8. Empi
  9. Jion
  10. Hangetsu
  11. Jitte
  12. Gankaku
  13. Bassai Sho
  14. Kanku Dai
  15. Kanku Sho
  16. Ji'in
  17. Sochin
  18. Meikyo
  19. Chinte
  20. Nijūshiho
  21. Wankan
  22. Gojūshiho Sho
  23. Gojūshiho Dai
  24. Unsu

Dojokûn - die Regeln

Die Karate-Dojokûn wurde von dem okinawischen Meister SAKUGAWA SHUNGO gegründet und in alle Stilrichtungen des Karate übernommen. Die Essenz der ursprünglichen Dojokûn ist auch heute in allen Stilen erhalten geblieben. Sie besteht aus fünf Leitsätzen, die die gesamte geistige Entwicklung eines Übenden auf seinem Weg bestimmen:

  • Hitotsu, Jinkaku Kansei ni Tsutomuru Koto. - Erstens: Suche die Vervollkommnung Deines Charakters.
  • Hitotsu, Makoto no Michi o Mamoru Koto. - Erstens: Sei ehrlich.
  • Hitotsu, Doryoku no Seishin o Yashinau Koto. - Erstens: Versuche Dich ständig zu verbessern.
  • Hitotsu, Reigi o Omonzuru Koto. - Erstens: Sei höflich.
  • Hitotsu, Kekki no Yu o Imashimuru Koto. - Erstens: Unterlasse jegliche Gewalt.

Dieser Leitsatz ist einer der bekanntesten in der Budo-Literatur. Er erinnert daran, dass man in jeder Situation einen beherrschten Geist bewahren muss und das Schwert nicht wegen jeder Provokation oder Kleinigkeit ziehen darf. ruhigen und kontrollierten Geistes erinnert, durch den sich in den Kampfkünsten der gereifte Meister vom Anfänger unterscheidet.

Benehmen im Dojo

Im Dojo gelten bestimmte Verhaltensregeln, die den Respekt und die Disziplin fördern:

  1. Höflichkeit: Karate ist ein Sport, bei dem "Höflichkeit" die Basis bildet!
  2. Sauberkeit & Sicherheit: Wir trainieren barfuss.
  3. Pünktlichkeit: Solltest Du einmal zu spät kommen, ist das kein Drama.
  4. Respekt: Respekt ist einer der wichtigsten Grundsätze im Karate.
  5. Aufmerksamkeit: Karate ist eine sportliche Tätigkeit, bei der es bei Unaufmerksamkeit ganz schnell zu Verletzungen kommen kann!
  6. Gründlichkeit: Betreibe das Training getreu dem Motto: "Tue das, was Du tust!".

Oss! ... Oss?

Der Begriff Oss besteht in der japanischen Schreibweise aus zwei Schriftzeichen. Das erste ist "Osu", das die Aussprache des ganzen Wortes beeinflußt. Dieses bedeutet wörtlich stossen oder drücken. Das zweite Zeichen "Shinobu" hat die Bedeutung von ertragen, erdulden, erleiden.

Im Karate-Do sollte und wird Oss für fast alles benutzt. Übliche Bedeutungen sind: Danke, Bitte, Ich habe verstanden und es steht auch als ein Grusswort zu anderen Karateka. Wird es mit einer Verbeugung ausgesprochen, drückt es Respekt, Vertrauen und Sympathie dem Gegenüber aus oder zeigt dem Sensei, dass das von ihm Gesagte verstanden wurde.

Das Wort “Oss” wird nur zwischen Menschen gebraucht, d.h. es wird beim Shomen-ni-Rei nicht benutzt, sondern nur beim Sensei-ni-Rei oder dem Otagai-ni-Rei.

Die Gurte

Die Gradierung beginnt vom 8. Kyu (Weissgurt), dann vom 3. bis 1. Kyu (Braungurt) und schließlich vom 1. bis 5. Den.

Um diese Kampfkunst zu beginnen, ist keine spezielle Ausrüstung erforderlich. Ein Sportanzug reicht und das Training erfolgt barfuß. Sobald der Praktizierende beschließt, regelmäßig zu trainieren, wird das Tragen eines Kimonos notwendig.

Farben der Gurte

Gurt Farbe
Anfangsgurt Weissgurt
Fortgeschrittener Braungurt
Meister Schwarzgurt

Geschichte, Herkunft

Woher stammt Karate ursprünglich? Die japanische Insel Okinawa gilt als die Wiege des Karate. Der Kampfsport Karate ist während vielen Jahrhunderten unter chinesischem Einfluss auf Okinawa entstanden. Im 14. Jahrhundert geriet die Insel unter die Vorherrschaft Japans. Der Besitz jeglicher Waffen wurde verboten. Die aufständische Bevölkerung wollte sich jedoch vor Übergriffen der kaiserlichen Armee schützen. So entstanden zahlreiche Kampfsportarten, unter anderem auch Karate.

Der Mann, dessen Verdienst es ist, Okinawa-te zum heutigen weltbekannten Karate entwickelt zu haben, ist Gichin Funakoshi (1868 - 1957), ein Bewohner Okinawas. Er lernte unter den Meistern Itosu und Asato. Funakoshi kam im Altern von 55 Jahren nach Japan, um Karate vorzustellen. Er blieb dann auf vielfältigen Wunsch in Japan. Der Name des von Funakoshi geschaffenen Karatestils ist Shotokan. „Shoto“ bedeutet soviel wie „das Rauschen der Kiefernwipfel“ und „kan“ heisst Tempel.

Einer von Funakoshis Karate-Erben ist Hirokazu Kanazawa Soke (10. Dan). Er gründete 1974 den Verband Shotokan Karatedo International Federation (S.K.I.F.) und war bis vor wenigen Jahren Cheftrainer des Verbands. Hirokazu Kanazawa ist heute bereits eine lebende Legende mit weltweiter Anerkennung. Anlässlich der SKIF-Weltmeisterschaften 2012 in Sydney (AUS) übergab Hirokatsu Kanazawa Soke die Leitung des Weltverbandes seinem Sohn Nobuaki Kanazawa Kancho. Anlässlich seiner regelmässigen Lehrgänge in der Schweiz können unsere Mitglieder Begegnungen mit dem Grossmeister und Kancho erleben.

Traditionelles Karate

Wir legen grossen Wert darauf, traditionelles Karate (Stilrichtung: Shotokan, nach Gichin Funakoshi und Kanazawa Soke) zu unterrichten. Sportkarate als Gegensatz ist bedeutend athletischer, schneller und betont den kämpferischen Aspekt der Kampfkunst Karate. Für traditionelles Karate gibt es keine Alterslimite, ob Du nun 5, 60 oder schon 70 Jahre alt bist - Du kannst jederzeit damit beginnen. Karate betreibst Du NUR FÜR DICH! Du selber bestimmst Dein Vorwärtskommen, Deine Fortschritte und Dein Ziel.