Karate Kata Anleitung

Erfahrung und Wissen in Bewegung… Kampftaktik, -motorik und -technik wurden in China wie in Japan gerne in Form von festgelegten Abläufen verdichtet.

Die Japaner nennen diese Formen Kata. Erfahrung und Wissen durch festgelegte Bewegungsmuster oder ritualisierte Tänze weiter zu geben, ist eine Methode, die so alt ist, wie die Menschheit selbst.

Diese Methode ist auch heute noch weitaus tiefer in die Gesellschaft integriert, als vielen bewusst ist. In der Geschichte der Menschheit hat sie sich als wirksam erwiesen und ist daher in vielerlei Facetten in allen Kulturen vorhanden.

Auch die okinawanischen Meister haben diese Methode gewählt, um das Wissen an diejenigen weiter geben zu können, denen sie vertrauten. Bücher oder umfangreiche Konzepte nieder zu schreiben, war nicht notwendig und hätte auch nicht dem Lernkonzept eines derartigen körperlich-mentalen Anspruches entsprochen.

Eine Kampfkunst kann nicht anhand von Skizzen oder Schriften erlernt werden. Die Kata zusammen mit der Anleitung der erfahrenen Lehrer sowie weitere Übungsmethoden waren und sind ein ausgezeichnetes Mittel, die Idee und das Gefühl der Kampfkunst zu vermitteln.

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Jagen und Kämpfen als Vorraussetzung für das Überleben, waren ein wesentlicher Teil einer jeden Kultur. Menschen machten Erfahrungen in tatsächlichen Kämpfen gegen andere Menschen oder gegen Tiere.

Der Ausgang eines solchen Kampfes zeigte, welche Methoden wirkungsvoll waren und welche nicht. Es liegt nahe, dass man die unerfahreneren Mitgliedern des Stammes, die erprobten Methoden als »Trockenübung« üben ließ.

So konnten sie sich auf reale Situationen vorbereiten. Kindern ist die Fähigkeit angeboren, durch Nachahmung zu lernen. Diese Fähigkeit bedeutet Schutz und Training für ein eigenständiges Leben.

Oftmals flossen die Kampfmethoden eines Volkes auch in dessen Volkstänze ein. Hier macht Okinawa keine Ausnahme. Die Kampfkunst spiegelt sich recht deutlich in verschiedenen, teils sehr energiegeladenen einheimischen Volkstänzen wieder.

Das Nachahmen ist ein wesentlicher Prozess, um im (Über-)Leben(-skampf) bestehen zu können. Es ist natürlich nicht die reale Situation selbst.

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Eine Kata ist entsprechend nicht der Kampf selbst. Es steht daher nicht mal unbedingt ein muskelbetont kraftvolles Ausführen im Vordergrund, es ist ja kein physischer Gegner präsent.

Eine Kata lebt von dem, was im Hintergrund antrainiert wird, ihrer inneren Dynamik, der Kontrolle des eigenen Körpers, dem Schutz der eigenen Schwachstellen in der Bewegung (Seichusen), dem schmalen Bewegen entlang der Linien des Schrittdiagramms (Enbusen), dem Vermeiden jeder überflüssigen Bewegung, stets für die nächste Bewegung vorbereitet sein.

Das Medium Kata

Wir stellen die Kata entsprechend der Methodik des alten Karate in den Mittelpunkt des Trainings. Kata enthalten vielfältigste Strategien und Techniken.

In der nötigen Tiefe gelehrt, hat man mit der Kata den notwendigen Stoff, um ein gesamtes Trainingprogramm zu gestalten. Dazu gehören abgesprochenes und freieres Partnertraining, vereinfachte Übungen zum Verständnis komplexer Katabewegungen sowie Pratzentraining.

Unser Anspruch ist, Kata, Kihon und Kumite nicht zu trennen. Für weitere Fortschritte reicht es irgendwann nicht mehr aus, nur einmal die Woche im Dojo zu trainieren.

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Das Training sollte auch in den Alltag integriert werden. Das muss keine ganze Stunde pro Tag sein. 15 Minuten Täglich reichen bereits.

Man könnte sich ein Ritual einrichten und die nächste Prüfungskata oder die eigene Lieblingskata morgens und abends ausführen, am besten vor einem Spiegel. Wir nehmen uns beim Training regelmäßig bestimmte Kata vor und trainieren Kihon und Kumite sowie das Bunkai entsprechend der vielfältigen Möglichkeiten, die sich ergeben.

Kata auf traditionelle Weise verstanden, lehren, Technik und Energiegewinnung in den Bewegungen und im Inneren des Körpers zu verbergen. Das Prinzip des Verbergens führte allerdings dazu, daß große Teile der in den Kata verborgenen Möglichkeiten heute gar nicht mehr bekannt sind.

Die Aufmerksamkeit wurde fast zwangsweise verlagert, auf die äußere Bewertung von Kraftausdruck, Haltung, Endpositionen und Winkelmaßen. Einher mit diesem Kapitel gehen die „Prinzipien des Karate“.

Enbusen - die Linie der Kata

Den Bo kann man sich aufgrund seiner Gestalt einfach als Linie vorstellen. Als Linie hilft er uns auch im Karate ein Gefühl für die „Linie“ der Kata zu entwickeln.

Der Bo wird dicht am oder gar unterhalb des (Ober-)Körper, sozusagen „innen“ am effektivsten (auch durch die Kata) geführt. Ohne weitläufige Armbewegungen, mit minimalen Ellbogenbewegungen.

Er wird nahe der Mittellinie der Kata geführt, auf der man sich entlang ihres Enbusens (Ablaufliniendiagram) bewegt. Anfängern ist eine solche Art der Bewegung zunächst unmöglich machzuahmen.

Viel zu weit fallen Ausholbewegungen noch aus, viel zu grob ist die Schritttechnik und das gesamte Handling zur Krafterzeugung. Der Bo ist jedoch ein guter Lehrer, denn er zeigt dann als zur Linie der Kata versetzte Linie an, dass wir uns nicht optimal bewegen.

Dies kann auf das Karate übertragen werden. Die alten Meister legten daher größten Wert auf das Gefühl für die Mittellinie beim Ausführen der Kata (Seichusen/ Vitalpunktführung entlang des Enbusen/ Schrittdiagram).

Enbusen und Seichusen kann man 1. erkennen lernen, 2. das Gefühl dafür entwickeln, 3. es bei jeder Technik/ Bewegung…, 4. am Partner und …5. am Gegner umsetzen können.

Bunkai werden aus den Katabewegungen isolierte Anwendungen für bestimmte Situationen genannt. Die Prinzipien des Enbusen und Seichusen gelten jedoch immer, sie bedeuten Selbsschutz der eigenen Hauptvitalpunktlinie in jeder Bewegung.

Dieser in Vergessenheit geratene Aspekt ist noch wesentlicher als ein Training auf Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit, welches für den sportlichen Wettkampf die wesentlichen Aspekte darstellt. Auf Kraft und Schnelligkeit zu trainieren und sportliche Deckung und Distanz einzunehmen, führt nämlich zum Wettkampf - zum sportlichen Vergleich.

Der Schnellere oder Stärkere gewinnt. Altes Karate benutzt dagegen Tricks und innere Dynamik, um in nicht wettkampfkonformen Situationen bestehen zu können. Darauf bereiten die alten Kata vor.

Modernere Kata sind verändert, vereinfacht oder begradigt worden und/ oder unterlagen wettkampfbedingtem Tuning. Beispielsweise springt man in der moderneren Variante der Heian Godan, während man sich in der alten Version aus dem Stand fallend dreht, um einen gegriffenen Gegner zu Boden zu werfen.

Jede Kata hat ein ihr eigenes Schrittdiagram. Es gibt Serien von Kata, die einem ähnlichen Schrittdiagramm folgen. Beispiele sind die 3 Kihon Kata oder die 5 Pinan Kata (Heian Kata).

Das Schrittdiagram wird im Shorin-Ryu als Linie dargestellt, auf der man sich bewegt. Die Linie der Kata gilt auch als Ideal für den Körper.

Schmal stehen, Vitalpunkte abdrehen und hinter der Waffe (dem Arm) verbergen (rechts). Links: Ein Bewegen und Stehen auf 2 Linien entblösst die Vitalpunktlinie.

Diese Linie wird Enbusen genannt und hat eine zentrale Bedeutung für das Katatraining. Dieser Linie passt man Körper und Technik an, man versucht zur Linie zu werden und damit nur ein schmales Ziel zu bieten.

Schafft man es, sich schmal entlang der Linie zu bewegen, kann man den eigenen Körper leichter vor direkten Angriffen schützen. In den Kata gehen wir oftmals offensiv vor, somit ist nicht nur eine schmale und schützende Endhaltung wichtig, sondern auch in unserer Bewegung wollen wir vor Treffern zu vitalen Stellen geschützt sein.

In der Kata gilt es die Fähigkeit zu entwickeln, schnell und direkt Wendungen oder Verlagerungen des Körpergewichts gleichzeitig mit verschiedensten Armtechniken ausführen zu können. 270 Grad Wendungen der Kata können als verschiedenste Würfe eingesetzt werden.

Die meisten während einer Wendung ausgeführten Techniken können als Angriffe gegen Schwachstellen des Gegners ausgeführt werden, nie jedoch sollten sie reine Blocks sein. Eine Ausnahme wäre es, würde der Unterricht Kindern zur Körperertüchtigung dienen (siehe im nächsten Absatz und bei „Väter des modernen Karate“).

Reine Blocks nehmen dem Gegner die Angriffsinitiative nicht ab. Nach diesem Kriterium können sie beurteilt werden. Braucht es nach dem Block noch einen neu startenden Konter (Gyaku-Zuki), dann könnte auch der Gegner auf diesen Taktschlag eine weitere Technik ausführen.

Beim Verteidigen des eigenen Lebens will man gegen einen unberechenbaren und unbekannten Angreifer keinen Schlagabtausch, oder Block/Konterversuch. Man will den Gegner in einem Zuge und ohne Unterbrechung durchqueren.

Kata ist dem freien Kumite sehr ähnlich in dem Punkte, dass man nicht davon ausgehen kann, der gegnerische Angriff würde nach 1-2 Techniken stoppen und auf unseren sauber gesetzten Konter warten.

Links: Die Technik geht am Angriff und am Gegner vorbei. Ein Bein geht den gesamten Weg der 90 Grad Wendung. Rechts wird das Enbusen der Kata/ der Gegner nicht „verloren“.

Moderne Kata verlieren den Gegner. Die Angreifer sind während des Laufens einer Kata lediglich imaginär anwesend. Dennoch darf man den gedachten Gegner nicht vergessen, man darf ihn in der Kata nicht „verlieren“.

Richtungsänderungen oder Wendungen müssen dem Angriff entsprechen. Moderne Kata wenden oftmals in einer veränderten Art und Weise, so daß die Technik am Richtung Körpermitte oder zum Kopf angreifenden, imaginären Gegner vorbeiläuft.

Die Technik wird dann dort hin platziert, wo kein gegnerischer Angriff landet. Eine 2. Enbusenlinie entsteht, welche nicht dem Gedanken der Bedeutung des imaginären Gegners entspricht. Dies kann vermieden werden, wenn beide Beine sich die Bewegungsarbeit für die neue Ausrichtung teilen.

Gleichzeitig halbiert sich der zu gehende Weg, den bei der modernen Methode ein Bein gehen müsste. Während der gesamten Kata mit all ihren winkligen Blickwendungen sollte der Kiefer stets leicht eingezogen sein und der Kopf nicht in Schräglage geraten.

Ein Fehler, den man häufig sieht. Würde man am abstehenden Kinn getroffen, dann wird das Gehirn und die Wirbelsäule viel stärkeren negativen Effekten ausgeliefert. Kata trainieren mehr Selbstschutz als als nur durch Gliedmaßen zu erreichen wäre.

Das Gefühl, als würde man mit dem Kinn und nicht mit den Augen gucken, sollte sich einstellen. Gregory in Okinawa Kata beinhalten die Techniken des Karate (und Kobudo), trainieren jedoch auch die zugrunde liegende Dynamik und Bewegungsmotorik dieser Kampfkunst.

Das Wissen um diese traditionelle Motorik ist im Rahmen der mit der Massenverbreitung einher gehenden Systematisierung und Begradigung der Kata vereinfacht weiter gegeben worden. So mancher fortgeschrittene Karateka ist auf Mutmaßungen angewiesen, wenn es um die Hintergründe der Technikvielfalt und Motorik der Kata geht.

Viele Meister haben notgedrungen eigene Interpretationen entwickelt. Viele verschiedene Stile entstanden. Techniken, Stände und Prinzipien wurden verändert.

Wir haben es uns zum Ziel gemacht, zur originären Motorik zurück zu finden und die Bedeutung rund um den Kataaufbau und ihrer Techniken zu erforschen, uns anzueignen und weiter zu geben. Denn das alte Karate war bereits eine hochentwickelte Kampfkunst.

Durch den Massenunterricht und die Anpassung an ein Sportkarate gingen grundlegende Prinzipien verloren, einschließlich des „Gegners“ in den Kata.

Keine Lehrbücher im herkömmlichen Sinn…

Dieses tief in die Bewegungsmotorik des Menschen eingreifende und dessen Motorik grundlegend verändernde Wissen, hätte man nicht in Manuskripte oder Bücher verpacken können. Es sind sehr wenige Schriften von China nach Okinawa gelangt (Bubishi und zwei Schriften zur inneren und äußeren Veränderung des Körpers auf Dharuma zurückgehend).