Herbert Dreilich: Der Sänger von Karat

Herbert Dreilich, der Sänger der ostdeutschen Kult-Rockband Karat, ist tot. Er erlag im Alter von 62 Jahren in Berlin einem Krebsleiden.

Dreilich starb in der Nacht zum Sonntag in seinem Haus in der Nähe von Berlin. Seine Managerin bestätigte am Montag einen Bericht der Zeitschrift "Super Illu".

Noch im März, als ihn die Ärzte nach einer Routineuntersuchung mit der erschreckenden Diagnose Leberkrebs konfrontierten, war Dreilich voller Zuversicht. "Ich habe bis jetzt jede Krankheit überstanden", sagte er.

Zwar wurden sämtliche Tour-Termine dieses Jahres abgesagt. Aber 2005 wollte der Sänger, dessen markante Stimme ein Markenzeichen

«Mich zwingt keiner auf die Knie» - Herbert Dreilich verliert den Kampf gegen den Krebs.

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Karat war 1975 aus der damals bekannten Formation «Panta Rhei» (Alles fließt) hervorgegangen. Die Mannen um Dreilich gehörten zu den erfolgreichsten Rockbands der DDR, die als eine der wenigen bereits vor dem Mauerfall Triumphe im Westen Deutschlands feierten.

Insgesamt verkaufte Karat mehr als 8,5 Millionen Tonträger. 1978 brachte die Band das erste Album "Karat" heraus. Mit "Albatros" folgte ein Jahr später das zweite, das mit einem der größten Hits "Über sieben Brücken" auch im Westen auf den Markt kam.

Wesentlich bekannter wurde das Lied dort jedoch in der Cover-Version von Peter Maffay. Im Wendejahr 1989 erschien die Platte "...im nächsten Frieden" als Ost-West-Koproduktion. Als Gast war Maffay an Bord, der den gemeinsamen Hit erstmals mit Dreilich sang.

1997 erlitt Dreilich kurz nach Erscheinen des Albums "Balance" zum Entsetzen seiner Fans einen Schlaganfall. Er überwand jedoch sein gesundheitliches Tief und stand ein Jahr später wieder auf der Bühne. Im Jahr 2000 wurde die Band bei einem Konzert zum 25-jährigen Bestehen auf der Parkbühne in der Berliner Wuhlheide von 17 000 Anhängern enthusiastisch gefeiert.

Karat erhielt in der DDR zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Kunst- und den Nationalpreis. Aber auch im Westen fand die Gruppe Anerkennung. Für das vierte Album "Der blaue Planet" (1982) bekam sie erstmals eine Goldene Schallplatte. Gold gab es 1984 rückwirkend auch für "Albatros". 2003 gab es für Karat dann noch den Media-Control-Preis für "Der blaue Planet" als meist verkauftes Album einer DDR-Band.

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Die Anfänge von Karat

Karat war 1974 aus der damals bekannten Soul-Rockband Panta Rhei hervorgegangen. Nach ihrem ersten Konzert in Heidenau gewann die Gruppe schnell an Bekanntheit und produzierte ein gutes Dutzend Aufnahmen.

Karat bestand ursprünglich aus Sänger Hans-Joachim "Neumi" Neumann, den Gitarristen Herbert Dreilich und Ulrich Pexa, dem Bassisten Henning Protzmann, Konrad Burkert am Schlagzeug und dem Keyboarder Ulrich "Ed" Swillms.

Pexa und Burkert verließen die Band im Sommer 1976. Es folgten Auszeichnungen und Preise, ein Vertrag beim DDR-Label Amiga und auch Auftritte in West-Berlin. 1979 veröffentlichte die Hamburger Plattenfirma "Teldec" das zweite Album der Band auch außerhalb der DDR und begründete so den Erfolg von Karat in der Bundesrepublik.

Songs wie "Albatros", "Der blaue Planet" oder "Jede Stunde" erfreuten sich in Ost und West großer Beliebtheit.

Claudius Dreilich übernimmt das Erbe

Musikalisch ambitioniert wie sein Vater war Claudius Dreilich ursprünglich nicht. Das änderte sich erst, als Herbert Dreilich im Sommer 2003 schwer an Krebs erkrankte. Als Herbert Dreilich wegen seiner Krankheit das Bett nicht mehr verlassen konnte, ermutigte er seinen skeptischen Sohn, der keine Banderfahrung besaß, den Part von ihm zu übernehmen. Er wollte, dass die Band auch ohne ihn weitermacht.

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„Das war eine schwere Entscheidung, auch wenn mein Vater meinte, ich sei eine Rampensau und könne das“, erzählt Claudius Dreilich beim Interview in seinem Berliner Büro. Sein Wagnis sollte sich lohnen. Seit 2005 singt er nun schon bei Karat, die am Wochenende in Berlin eine große Tournee anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens starten. Zugleich präsentieren sie ihr neues Album „Hohe Himmel“.

Claudius Dreilich: Karat sei heute "eine gesamtdeutsche Band".

Am 10. Juni 2022 verstarb der Schlagzeuger Klaus Scharfschwerdt im Alter von 68 Jahren. Er war langjähriges Mitglied der Ost-Kultband Puhdys. In der MDR-Doku „Klaus Scharfschwerdt - Abschied ist ein leises Wort“, die seit 30.12.2022 auf dem YouTube-Channel „Film & Showkanal“ zu sehen ist, würdigen der Sänger der Ostrock-Band Karat, Claudius Dreilich, und der Gitarrist von Karat, Bernd Römer, die Lebensleistung von Scharfschwerdt.

Kontroversen und Herausforderungen

Herbert Dreilichs Tod war nicht der einzige Tiefschlag für die Band nach der Wiedervereinigung: Mitte der Nullerjahre entbrannte ein Markenrechtsstreit um den Bandnamen. Fast zwei Jahre zog sich die juristische Auseinandersetzung hin. "Das war wirklich eine schwere Zeit", erinnert sich Claudius Dreilich. Mit dem Namen sei zumindest zeitweise auch ein Stück Identität verloren gegangen, schildert sein Bandkollege Bernd Römer.

Heute sind die schweren Zeiten vorbei: "Es hat sich immer nur in eine Richtung entwickelt und das ist die, die wir wollen: Nämlich nach vorne", sagt Claudius Dreilich, der seit mittlerweile 20 Jahren Teil von Karat ist.

Trotzdem blicken Dreilich und Römer nicht ohne Sorge in die Zukunft. Karat sei keine parteipolitische Band, aber politisch sei man immer, sagt Dreilich dem MDR. "Was hier passiert, in unserem Land, macht uns fassungslos." Die politischen Entwicklungen auf der Welt, aber auch in Deutschland gehen nicht spurlos an den Rockern vorbei, gibt Bernd Römer zu: "Wir sollten uns immer daran erinnern, dass wir Menschen sind.

Das musikalische Erbe und die Zukunft

"Hohe Himmel" heißt das neue Album von Karat. Die Band wolle an den Sound der 1980er-Jahre anknüpfen und hat daher alle Aufnahmen mit analoger Technik durchgeführt, findet MDR-Reporter Tobias Kluge. Die Band sei mit ihrer aktuellen Platte stellenweise "stehen geblieben".

Claudius Dreilich und Bernd Römer brachten ihre Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod zum Ausdruck. „Das ist eine schöne Vorstellung, die ich in mir habe. Da sitzt natürlich auch mein Vater, ganz klar. Aber eben auch noch so viele mehr."

Die Kriterien der lebendigen Welt zählen da oben nicht mehr.

Diskografie (Auswahl)

Jahr Titel
1978 Karat
1979 Albatros
1982 Der blaue Planet
1989 ...im nächsten Frieden