Karat sind eine der Institutionen des Deutschrock. In der ehemaligen DDR sind sie neben Bands wie City oder den Puhdys die Speerspitze der real existierenden Rockmusik.
In den alten Bundesländern sind sie nicht zuletzt dank Peter Maffays Coverversion ihres größten Hits "Über Sieben Brücken" ein Begriff.
Die Anfänge: Von Panta Rhei zu Karat
Hervor gegangen ist Karat aus der Formation Panta Rhei (altgriechisch für "alles fließt"), die Band wird 1971 in Berlin von Herbert Dreilich (Gitarre, Gesang), Henning Protzmann (Bass) und Ulrich "Ed" Swillms (Cello) gegründet.
Neben Songschreiber Dreilich gehören Panta Rhei noch Texter Jens Gerlach und die Sängerin Veronika Fischer an.
Nach und nach gesellen sich mehr Musiker hinzu, so dass Panta Rhei teilweise bis zu zehn Mitglieder zählen.
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1974 ist jedoch Schluss mit fließen.
Veronika und Schlagzeuger Frank Hille ziehen davon und auch Protzmann, Dreilich und Swillms wandern ab, um eine eigene Band an den Start zu bringen.
So kommt es, dass aus den Überbleibseln von Panta Rhei Karat entsteht.
Zu Beginn der Karat-Ära steht noch Hans-Joachim Neumann am Mikrofon.
Zusammen mit Konrad Burkert und Ulrich Pexa steht das erste Line Up, mit dem musikalisch neues Terrain erschlossen wird.
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1976 gehen Burkert und Pexa, Michael Schwandt und Bernd Römer kommen als neue Mitglieder hinzu.
Dass man den Ruf des Heimatlandes zu den Waffen in der DDR nicht einfach übergehen kann, erfährt Neumann, der daraufhin sein Engagement ad acta legen muss.
Nachdem dann Dreilich dessen Part übernimmt, steht die Besetzung, die das erste Album, schlicht "Karat" betitelt, einspielt.
Da qualitativ gut gemachte Mucke in beiden Teilen Deutschlands nicht gerade an der Tagesordnung ist, hebt sich der Karat-Sound wohltuend von der restlichen Grütze, die damals produziert wird, ab.
Die Erfolgsjahre: "Über Sieben Brücken" und der Durchbruch im Westen
Der Zweitling "Über Sieben Brücken" ist ein Meilenstein der Karat-Geschichte.
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Das Songwriting präsentiert sich ausgereifter, und mit dem Titeltrack, der in der bekannten Coverversion die Charts in Westdeutschland stürmt, können sie auch in der Bundesrepublik für vermehrtes Aufsehen sorgen.
"Über sieben Brücken" ist wohl der bekannteste deutsch-deutsche Hit.
Ursprünglich stammt er von der ostdeutschen Band Karat.
Da die beiden ersten Alben in Westdeutschland nicht erhältlich sind, veröffentlicht Teldec den dritten Output "Albatros" in einer etwas abgeänderten Version.
Somit ist der Grundstein für den Erfolg im westlichen Teil Deutschlands gelegt.
Mit dem nachfolgenden "Der Blaue Planet" steigen Karat sensationell auf dem siebten Platz in den (west)deutschen LP-Charts ein.
Nimmt man beide Teile des damals gespaltenen Landes zusammen, verkauft sich "Der Blaue Planet" insgesamt über eine Millionen mal.
Die 1980er-Jahre werden das Jahrzehnt für die Band.
Gleich zu Beginn tüftelt die Gruppe an einem neuen Album.
1982 kommt mit "Der Blaue Planet" der größte Erfolg der Bandgeschichte in die Läden.
Über 1,4 Millionen Mal verkauft sich das Album in der DDR und der Bundesrepublik.
Die Single "Jede Stunde" schießt in die Top Ten der westdeutschen Charts.
Als wichtiger Kultur-Exportschlager darf die Band auch im Westen auftreten, unter anderem in der ZDF-Hitparade oder "Wetten, dass ...?".
Sie wird damit auch die einzige DDR-Band in der Geschichte der Unterhaltungsshow sein, die dort einen Auftritt hat.
Diesen Knaller können Karat mit "Die Sieben Wunder Der Welt" nicht wiederholen, was angesichts dieser Dimensionen aber wenig verwunderlich ist.
Das erste Live-Album „Auf dem Weg zu euch“ erschien 1985 zum zehnjährigen Jubiläum.
Zum zehnjährigen Bestehen erscheint das erste Live-Album "Auf Dem Weg Zu Euch", und diesen Titel kann man durchaus wörtlich nehmen, denn live zu spielen, ist für die Band um Dreilich ein essentieller Bestandteil der Philosophie.
Nach der Tour, auf der die Live-Scheibe aufgenommen wird, verlässt Bassist und Gründungsmitglied Protzmann die Band, für ihn kommt Christian Liebig.
Umbruch und Neuanfang nach dem Mauerfall
1987 verlässt Swillms, der Komponist von "Über Sieben Brücken", die Band.
In den Jahren vor dem Mauerfall verharren Karat in einer künstlerischen Lethargie, die sich durch die Umwälzungen des Novembers 1989 noch verstärkt.
In der Euphorie des Freiseins schielen viele Leute neugierig in den Westen, statt ihren alten Helden treu zu sein.
Das bekommen auch die Mannen um Herbert Dreilich zu spüren.
Hinzu kommt, dass sich Ed Swilms mittlerweile verabschiedet hat und auch die lyrische Stütze Norbert Kaiser von dannen zieht.
Das zweite Album, das als Titel lediglich den Bandnamen benutzt, erscheint 1991 und kann nicht an die Glanzleistungen der Vergangenheit anknüpfen.
Die ersten Veröffentlichungen nach der Wende fanden nicht mehr den großen Anklang beim Publikum.
In die kreative Spur zurück finden sie erst wieder mit "Die Geschenkte Stunde", dies setzt sich bei dem 97er Album "Balance" fort, das sehr ruhig daher kommt.
Für das nötige Ambiente sorgt das Babelsberger Filmorchester.
Schicksalsschläge und das Vermächtnis von Herbert Dreilich
Zu der Zeit hat Sänger Dreilich bereits mit schweren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.
Nachdem er 1997 in Magdeburg einen Schlaganfall erleidet, ist er zeitweise gelähmt.
Mit eisernem Willen arbeitet er auf eine vollständige Genesung hin, und so können Karat im Millenniums-Jahr 2000 ihr 25-jähriges Jubiläum feiern.
Das daran anschließende Live-Album, das zeitgleich mit dem dazugehörigen Video erscheint, zeigt eine Band, die noch lange nicht ausgebrannt ist.
2003 erscheint "Licht & Schatten", aber für Karat folgt wieder eine Zeit mit weniger Licht als Schatten.
Im Frühjahr 2004 diagnostizieren die Ärzte Leberkrebs bei Herbert Dreilich, woraufhin Karat alle noch geplanten Auftritte absagen.
Im Dezember erliegt Dreilich seinen Leiden, bei der Beisetzung in Berlin erweisen ihm zahlreiche langjährige Anhänger, aber auch viele Prominente die Ehre.
Kaum einer zweifelt zu diesem Zeitpunkt daran, dass die Band sich nun auflösen werde.
Doch zumindest zu einem Abschiedskonzert im April 2005 kommen die Berliner noch einmal zusammen.
