Ostrock Klassik: Die Geschichte der Band Karat

Karat, gegründet 1975 in Berlin, gehört zu den erfolgreichsten Bands der DDR und ist bekannt für ihre deutschsprachige Rockmusik. Ihr bekanntestes Lied ist "Über sieben Brücken musst du gehn".

Die Anfänge und der Durchbruch

Als das Jazzkonzept seiner Gruppe Panta Rhei Mitte der 1970er Jahre an Popularität verlor, entschloss sich der Bassist Henning Protzmann, eine neue Band zu gründen. Das Ziel war die Produktion publikumswirksamerer, aber trotzdem anspruchsvoller Musik. Protzmann traf auf den Gitarristen Ulrich Pexa, der den Namen "Karat" vorschlug. Gemeinsam mit Hans-Joachim "Neumi" Neumann, Konrad Burkert und Christian Steyer begannen die ersten Proben im Herbst 1974.

Nachdem Steyer ausstieg, kam Ulrich "Ed" Swillms, der frühere Pianist von Panta Rhei, in die Gruppe. Mit Ed Swillms kam auch Herbert Dreilich, womit die Gründungsbesetzung von Karat geboren war. Die ersten vier Aufnahmen beim Rundfunk entstanden vom 24. bis 28. Januar 1975. Am 22. Februar 1975 gab Karat ihr erstes Konzert in Heidenau.

Bis Ende 1975 produzierte Karat insgesamt 13 Rundfunkaufnahmen, die die Gruppe schnell bekannt machten. Im Juni 1976 ersetzten Bernd Römer und Michael Schwandt Ulrich Pexa und Konrad Burkert. 1977 trat Hans-Joachim "Neumi" Neumann seinen Militärdienst an, wodurch Herbert Dreilich zum alleinigen Sänger wurde. Seine Stimme wurde schließlich zum Markenzeichen von Karat.

Mit den lyrischen Titeln "Märchenzeit" und "Abendstimmung" stellten sich die ersten größeren Erfolge ein. Auch der Gewinn einer Goldmedaille bei der Leistungsschau Anfang 1977 und die Auszeichnung mit dem Kunstpreis der FDJ dokumentieren den Aufstieg der Gruppe zu einer der führenden Rockformationen der DDR.

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Im Juni 1977 durften sie in der "Neuen Welt" in der Hasenheide im Rahmen eines SEW-Pressefests auftreten. Durch den Gewinn des Grand Prix beim Internationalen Schlagerfestival 1978 mit den Titeln "König der Welt" und "Über sieben Brücken musst du gehn" gelang Karat der endgültige Durchbruch.

Bereits 1979 wurde das zweite Album "Über sieben Brücken" bei Amiga herausgebracht. Im September 1979 durfte Karat erstmals kommerziell in West-Berlin auftreten. Nach wenigen Wochen wurde das zweite Album der Band unter dem Namen "Albatros" in der Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht. Für "Albatros" erhielt Karat 1984 eine Goldene Schallplatte.

Erfolge in Ost und West

Nach einer ausgedehnten Tourneesaison mit zahlreichen Gastspielen im Ausland erschien im Frühjahr 1980 das Album "Schwanenkönig", dessen Texte hauptsächlich vom Journalisten Norbert Kaiser stammten. "Schwanenkönig" wurde in beiden Teilen Deutschlands gleichzeitig veröffentlicht und setzte die Erfolgsgeschichte von Karat fort. Zur gleichen Zeit interpretierte Peter Maffay den Titel "Über sieben Brücken musst Du geh’n", der zu einem großen Erfolg für ihn wurde.

1981 übernahm Karat Thomas Natschinski als zweiten Keyboarder. Im September 1981 stellte Karat im Rahmen eines Live-Auftritts zum Weltfriedenstag auf dem August-Bebel-Platz in Ost-Berlin erstmals das Lied "Der blaue Planet" vor. Die wenig später erschienene Single wurde zum Verkaufsrenner. 1982 gelang der Gruppe mit dem Album "Der blaue Planet" der vermutlich größte Erfolg ihrer Geschichte. Im Frühjahr 1983 erhielt die Band in der Bundesrepublik Deutschland eine Goldene Schallplatte für "Der blaue Planet".

Noch im selben Jahr produzierte Karat ihre nächste LP "Die sieben Wunder der Welt", die Anfang 1984 veröffentlicht wurde. Im März 1984 wurde Thomas Natschinski durch Thomas Kurzhals ersetzt. Am 7. Oktober 1984 wurde Karat und dem Texter Norbert Kaiser der Nationalpreis für Kunst und Kultur verliehen.

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1985 feierte Karat mit einer ausgedehnten Tour und der Veröffentlichung des Live-Albums "Auf dem Weg zu euch" das zehnjährige Bandjubiläum. Kaum ein Jahr später verließ Manager und Bassist Henning Protzmann die Band. Als Bassist stieg nun Christian Liebig ein. 1986 wurde Karat außerdem mit der Goldenen Europa ausgezeichnet.

Die Wendezeit und die Jahre danach

1989 begann Karat mit der Produktion des Albums "... im nächsten Frieden". Als die Gruppe am 9. November an dem Duett "Über sieben Brücken mußt Du geh’n" von Herbert Dreilich und Peter Maffay arbeitete, öffnete sich in unmittelbarer Nähe des Tonstudios die Berliner Mauer. Das Album selbst wurde jedoch wenig beachtet und verkaufte sich schlechter als seine Vorgängeralben.

Dieses Konzert sollte einer der wenigen großen Auftritte der Band in der Wendezeit bleiben. 1991 folgte "Karat", die nächste Veröffentlichung der Formation, die ebenso wie das Vorgängeralbum kaum Resonanz im Publikum fand. Die Bandmitglieder befanden die Abmischung des Tonträgers im Nachhinein als „zu glatt“ und „schlagerhaft“. 1992 trennte sich Thomas Kurzhals von Karat, um ein eigenes Tonstudio aufzubauen. An seine Stelle trat Martin Becker.

1995 veröffentlichte Karat ihr zehntes Album "Die geschenkte Stunde" bei K&P Music. Im Mai 1996 trat Karat in der populären WDR-Sendung Rockpalast in der Berliner Waldbühne auf. Am 9. Oktober 1997 erlitt Herbert Dreilich bei einem Konzert in Magdeburg einen Schlaganfall. Doch schon 1998 kehrte er auf die Konzertbühne zurück.

Zum 25-jährigen Jubiläum im Jahr 2000 brachte die Band ihre Jubiläums-CD "Ich liebe jede Stunde" heraus. Außerdem veranstaltete man neben den Bandauftritten der Jubiläumstour fünf besondere Konzerte unter dem Motto "Karat meets Classic" unter Begleitung des Filmorchesters Babelsberg. Am 15. September 2002 trat Karat neben vielen anderen Bands und Künstlern bei dem von den Puhdys initiierten Benefizkonzert für die Opfer der Flutkatastrophe des August 2002 auf dem Dresdner Theaterplatz auf.

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Der Tod von Herbert Dreilich und die Ära Claudius Dreilich

Am 23. August 2003 fand das letzte Konzert von Karat mit Herbert Dreilich statt. Herbert Dreilich starb am 12. Dezember 2004 im Alter von 62 Jahren an Krebs. Am 10. Januar 2005 wurde offiziell bestätigt, dass Herbert Dreilichs Sohn Claudius die Nachfolge als Sänger übernimmt.

Knapp ein Jahr nach dem Tod Herbert Dreilichs versuchte dessen Witwe, die Verwendung des Namens „Karat“ rechtlich einschränken zu lassen. Bis zu einer endgültigen gerichtlichen Klärung der möglichen Ansprüche auf die Marke konnte die Band daher den Namen „Karat“ nicht verwenden. Ab dem 1. Januar 2006 musste die Band einen vorläufigen provisorischen Ersatznamen nutzen.

Im April 2006 veröffentlichte man eine Maxi-Single ("Der letzte Countdown") und begann die erste Tour unter dem vorläufigen Bandnamen "K…!". Im Sommer 2007 ging Karat mit dem Filmorchester Babelsberg sowie den Puhdys, Silly, Dirk Michaelis, Ute Freudenberg, Werther Lohse (Lift) und Veronika Fischer auf die Tour "Ostrock in Klassik". Für die DVD erhielten Karat sowie die anderen Künstler jeweils einen DVD Gold Award. Karat wirkte auch 2008 und 2009 bei dem Projekt und der zweiten erschienenen CD mit.

Im Jahr 2010 beging Karat sein 35-jähriges Bandjubiläum. Zeitgleich wurde das neue Album "Weitergeh’n" herausgebracht, nachdem schon wenige Wochen zuvor ein biografisches Buch erschienen war. In der Konzertsaison 2012 spielten Karat erstmals in ihrer Bandgeschichte ein Unplugged-Programm.

Das 50-jährige Jubiläum

Die Berliner Kultband KARAT feierte 2025 ihr 50jähriges Jubiläum. 50 Jahre - das sind zwei Generationen und fast ein Leben.KARAT sind einen anderen, ihren eigenen Weg gegangen: Dem der permanenten Suche, der ständigen Bewegung und Selbstbefragung. Es hat in diesem fünf Jahrzehnte währenden Prozess einige Brüche gegeben.

Dabei wurden die größten Erfolge der Band gefeiert, er hat ihnen quasi ein Gesicht gegeben. Seit zwei Jahrzehnten steht sein Sohn an seiner Stelle. Er brachte die Skeptiker längst zum Schweigen und hat den Beweis angetreten, dass er seinem Vater nicht nur äußerlich ähnlich sieht, sondern auch dessen kreative Energie geerbt hat. Doch keineswegs ist Claudius Dreilich eine Kopie, sowohl mit seinem Gesang, als auch mit seinem Charisma und seiner dennoch nahbaren Extrovertiertheit avanciert er zu einer Künstlerpersönlichkeit.

50 Jahre KARAT sind zuallererst die etlichen, großen Hits - inzwischen allesamt gestandene Klassiker. Aber sie passen wunderbar ins Hier und Jetzt, weil sie im eigentlichen Sinne zeitlos sind: Hier wird nicht die Asche des Feuers angebetet, sondern dessen Glut weitergetragen. 50 Jahre KARAT sind fünf Dekaden deutsch-deutsche Musikgeschichte.

Die zweite Dekade beginnt mit der Verleihung der Goldenen Europa (1986) und endet im längst wiedervereinten Deutschland mit dem bereits zehnten KARAT-Album „Die geschenkte Stunde“ (1995) - drei Jahre zuvor holen Gitarrist Bernd Römer und seine Kollegen den neuen Keyboarder Martin Becker in die Band. Das dritte Jahrzehnt vereint Highlights wie einen Auftritt beim „Rockpalast“ und eine Tournee mit dem Filmorchester Babelsberg, aber es endet tragisch: Herbert Dreilich erliegt 2004 seinem Krebsleiden.

Eine neue Ära beginnt mit der vierten Dekade, denn mit Claudius Dreilich als neuem Sänger erleben KARAT den Glücksfall, dass die Band den schweren Abschied zur Chance für die Zukunft umgedeutet hat. Und sie bleiben erfolgreich: Neben vielen eigenen Tourneen sind sie Teil der „Ostrock Klassik“-Konzerte, holen sich für eine Weihnachtstour ein A cappella-Frauenquintett dazu, kollaborieren mit den Kieler Philharmonikern und freuen sich über die Interpretationen ihrer Songs von (u.a.) Helene Fischer, Chris de Burgh und Max Raabe.

Auch in der bisher letzten Dekade befinden sich KARAT auf der Überholspur, so wird mit Universal Music ein neuer Vertriebspartner für die neuen Alben gefunden und selbst eine Pandemie kann diese Band nicht stoppen: KARAT melden sich mit Auto- und Hotelzimmer- sowie ca. 40 Konzerten mit eingeschränkter Zuschauerzahl aus der Covid19-Versenkung zurück. Die fünfte Dekade steht ebenso für einen weiteren Besetzungswechsel: Daniel Bätge sowie Heiko Jung sind die Neuzugänge an Bass beziehungsweise Schlagzeug.

Mit einer umfangreichen Tournee, die mindestens so viel Konzerte wie die Band an Jahren hat, mit einem neuen Album, einer TV-Doku, einem neuen Buch und einer großen Jubiläums-Kreuzfahrt mit der AIDAdiva nach Norwegen im nächsten Mai werden KARAT fünf Jahrzehnte Revue passieren lassen und damit auch an die verstorbenen Musiker Herbert Dreilich, Thomas Kurzhals sowie Ed Swillms erinnern. Sie werden aber auch mit jedem Ton deutlich machen, dass mit ihnen nach wie vor zu rechnen ist und sie weiterhin nicht zur Oldiekapelle mutieren.

Ostrock in Klassik

Bereits zum vierten Mal ist beim "Ostrock Klassik" Erinnerungsschwelgen und Mitsingen angesagt."Fast jeder kennt jeden Titel", bringt Peter Meyer das einfache Konzept der Zusammenkunft auf den Punkt. "Durch die Konzentriertheit der meisten großen Osthits an einem Abend herrscht von Anfang bis Ende Euphorie."

Deswegen stehen auch andere Bands, die DDR-Rockgeschichte geschrieben haben, mit auf der Bühne der Wuhlheide: Silly ("Bataillon d’Amour"), City ("Am Fenster") und Karat ("Über sieben Brücken musst du geh’n"). "Es ist die beste Besetzung, die wir je hatten", sagt Managerin Ina Nowakowski.

Für alle anderen zeichnet der MDR das Konzert auf, gesendet wird es am 2. Oktober, eine DVD soll danach in den Handel kommen - es ist bereits die zweite. Außerdem sind bereits zwei "Ostrock Klassik"-CDs erschienen.

In klassischen Bearbeitungen wurden 17 der populärsten Songs neu vereint. Mit der Interpretation des Renft- Songs "Wer die Rose ehrt" als Entree der CD (und des Live-Projektes) gelingt allen beteiligten Künstlern eine bewegende Hommage an eine herausragende Band des Ost- Rock. Ein Lohn war der Einstieg von "Ost-Rock in Klassik" auf Platz 39 der Deutschen Charts im Juli 2007, eine ausverkaufte Berliner Wuhlheide eine Live-DVD plus Bonus-DVD, für die den mitwirkenden Künstlern im Februar 2010 in einer großen Gala im Berliner Kino International die Goldenen Schallplatte verliehen wurde. Das Projekt steht mittlerweile im 5. Tourneejahr, hat - trotz verständlicher Nachwuchssorgen- mit Ostrock Klassik ein weiteres Kind bekommen.

City, die Puhdys, Renft und Rockhaus auf einer Bühne dabei. Zum Wuhlheide-Konzert 2010- welches später auf CD und DVD erschien-wurden zusätzlich Silly, Pankow und electra verpflichet.

Das neue Album "Hohe Himmel"

Nun, 50 Jahre später, sind KARAT immer noch da. Sie blicken zurück auf etwa 5.000 Konzerte, fünfzehn Studio- und fünf Livealben sowie unzählige Kopplungen. Fünf Dekaden voller Lieder, von denen die meisten geblieben sind. Jetzt zum großen Jubiläum hätten es sich Gitarrist Bernd Römer, Sänger Claudius Dreilich, Keyboarder Martin Becker, Bassgitarrist Daniel Bätge und Schlagzeuger Heiko Jung in der Komfortzone gemütlich machen und auf die großen Hits mit einer weiteren Best Of verweisen können. Viele hätten das vermutlich auch gut gefunden, aber es wäre nicht KARAT gewesen. Denn die Band blickt nicht nur zurück, sondern vor allem nach vorn. Auch wenn nach dem großen Jubiläumsjahr die musikalische Reise weitergeht, KARAT werden auch in Zukunft nicht zur Oldieband mutieren.

So veröffentlichen sie genau an dem Februartag, als das erste Konzert stattfand, ein neues Album. "Hohe Himmel" heißt es und vereint ausschließlich neue Lieder. Dennoch haben KARAT damit alte Bandtraditionen im Blick: die Tracks wurden im Studio live eingespielt, das Ergebnis gibt es nicht nur digital, sondern auf wunderbarem Vinyl.

"Hohe Himmel" ist eine Bestandsaufnahme, mit der die Band vor dem Hintergrund erneuter instrumentaler Rotationen einmal mehr unter Beweis stellt, dass die Konstante in diesem Künstlerkollektiv die stetige Veränderung ist und genau dieser Ansatz den Garanten für immer neue Offenheit und Frische darstellt.

Da ist zunächst Claudius Dreilich, der sich etliche Stücke selbst auf die Seelenzustände und Stimmbänder geschrieben hat. Hier geht es meist um die Verletzlichkeiten im Rahmen persönlicher Beziehungen. Da gibt es keine Angst vor tiefen Gefühlen ("Vor ein paar Jahren"), da dürfen auch mal die Streicher schwelgen ("All das schenk ich dir"). Der langjährige Keyboarder Martin Becker bedient eine andere Seite der Erwartungen. Seine Texte scheuen sich ebenso wenig vor Gefühlen ("Trau dich"), aber hier wird gelegentlich auch mal ein gehöriges Stück Coolness ausgepackt, etwa bei "Was soll der Geiz?" oder "Ausgeträumt". Gerade an diesen Stellen ist immer wieder Platz für die KARAT-typischen Kabinettstückchen. Die tollen Gitarrenfiguren von Bernd Römer, die kleinen rhythmischen Frickeleien, Beckers melodiös-einprägsame Synth-Schleifen, die die entscheidenden Sahnehäubchen setzen. Während Daniel Bätge und Heiko Jung an Bass und Drums für ein erdiges, groovendes Fundament sorgen.

Ausgemachte Kenner der Szene wissen, dass Martin Becker und der in der DDR bis zu seinem Weggang kulthaft verehrte Gitarrist und Songschreiber Hansi Biebl in den 1990ern etliche Songs zusammengeschrieben haben. Die beiden kennen sich bestens und wissen, was sie aneinander haben. Hier hört man das zum ersten Mal auf einer KARAT-LP. Und noch einmal interessanter wird es, wenn eine dritte bekannte Persönlichkeit mit großer Rock-Vergangenheit ins Spiel kommt: Werner Karma hat auf diesem Album drei Texte beigesteuert. Wunderbar lakonische Lyrikfetzen wie "Schlafendes Herz / In meiner Brust / Müdegehetzt / Verbrannt und verletzt" oder schillernde Alliterationen á la "Hohe Himmel öffnen die Herzen" schafft nur er.

Doch dann setzen KARAT mit den letzten drei Songs musikalisch und poetisch wunderbare Schlusssteine von besonderer Qualität. Sie scheuen sich nicht davor, noch einmal das große Ganze in den Blick zu nehmen, thematisieren Verzweiflung und Hoffen innerhalb eines Weltganzen, das ins Nichts zu taumeln scheint. Im letzten Stück "Der Mensch" (Komposition und Text: Claudius Dreilich) schließt sich auf wunderbar magische Weise ein Kreis: Hatte sein Vater 1982 eines der eindringlichsten Stücke ihres Meisteralbums "Der blaue Planet" mit der unvergesslichen Schlüsselzeile "Uns hilft kein Gott, unsere Welt zu erhalten" gesungen, so singt sein Sohn heute: "Diese Welt braucht keinen neuen Gott zum Beten. / Denn diese Erde, sie ist krank." Das alles in einem komplexen musikalischen Ansatz, eingeleitet von einem getragenen Piano vor unheimlich bedrohlicher Gewitterstimmung und sich allmählich steigernd zu einer wuchtigen Rockballade mit deutlicher Botschaft: Der blaue Planet ist gefährdet wie nie.

Diskografie (Auswahl)

Jahr Titel
1978 Karat
1979 Über sieben Brücken
1980 Schwanenkönig
1982 Der blaue Planet
1984 Die sieben Wunder der Welt
1987 Fünfte Jahreszeit
1990 ...im nächsten Frieden
1995 Die geschenkte Stunde
2010 Weitergeh'n
2025 Hohe Himmel