Karate Tiger 4: Best of the Best – Eine Analyse des Kampfsportklassikers

„Karate Tiger IV - Best of the Best“ ist ein typischer Endachtziger-Dosenbier-Martial-Arts-Film und eine weitere Mogelpackung im willkürlichen, deutschen Karate Tiger-Universum, die sich zum eigenen Billig-Franchise entwickelte.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Weltmeisterschaft im Taekwondo (von wegen Karate Tiger) steht vor der Tür, die Amis casten ein wackeres Quintett zusammen. Alles ist dabei: Der verwitwete Vater mit der kaputten Schulter, der US-Asiate mit dem toten Bruder, der etwas lappige Typ mit der Brille, der schmucke Schlafzimmerblick-Italiener und last but not least der rassistische Proll-Cowboy.

Handlung und Hintergrund

Das US-Karate-Team soll in einem Länderkampf gegen die wesentlich stärkere Mannschaft von Südkorea antreten. Die Topfighter Tommy und Alex werden ausgeschlossen, als sie das Trainings-Camp ohne Erlaubnis verlassen. Doch Coach Couzo gewährt ihnen eine Gnadenfrist.

Im Wettkampf liegen die Amerikaner schnell zurück. Alex kämpft trotz ausgerenkter Schulter weiter und wahrt die Chancen. Tommy schließlich hat seinen Gegner, der einst seinen Bruder im Ring getötet hat, schon am Boden und könnte mit dem siegbringenden Schlag tödliche Rache üben, nimmt aber die Niederlage in Kauf und verschont den Erzfeind.

Amerikanische Karateasse werden knallhart für den Kampf auf Leben und Tod gegen die koreanischen Spitzensportler bei der Weltmeisterschaft in Seoul geschliffen. „Ja, schlag ihn zu wie'n Klodeckel, Tommy!"

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Die Charaktere

  • Alex Grady (Eric Roberts): Der verwitwete Vater mit kaputter Schulter.
  • Tommy Lee (Phillip Rhee): Der US-Asiate mit dem toten Bruder.
  • Travis Brickley (Chris Penn): Der rassistische Proll-Cowboy.
  • Coach Couzo (James Earl Jones): Der unerbittliche Trainer.

Die Konfrontation der Teams

Traditionell hauen sich alle drei Jahre die Nationalteams der USA und Südkoreas im Rahmen eines Taekwondo-Turniers mächtig auf die Glocke. D.h. das auf die Glocke hauen übernehmen primär die Koreaner, was auch daran liegen mag, dass die Yankees durchweg ihre Karate-Mannschaft dorthin schicken und das, bei aller Freundschaft, ungefähr so sinnvoll ist wie eine Bundesliga-Fußballmannschaft den Superbowl bestreiten zu lassen.

Dieweil die Koreaner ihre fünf ausgesuchten Kämpen, allesamt Weltmeister und Serien-Turniersieger, durch die Hölle des härtesten erdenklichen Trainings schicken, backen die Amis kleinere Brötchen.

Natürlich ist das Script (hey, es ist ein US-Film aus den 80ern!) einseitig wie die Hölle (die Südkoreaner sind emotionslose, nur auf Sieg gedrillte Kampf- und Tötungsmaschinen) und so realistisch wie ein Chuck-Norris-Film (spielt es doch in einem Universum, in dem bei offiziellen Karate- oder Teakwondo-Turnieren die Leichen gestapelt werden und man sich allgemein, auch wenn man sich nicht gleich umbringt, mindestens zu blutigen Fleischklumpen schlägt, die man nach dem Kampf auch nur noch auf den Komposthaufen werfen kann), aber es drückt emotional durchaus die richtigen Knöpfe - erprobte Formel halt.

Die Trainingsmethoden

Wie gesagt, die Story reißt keine Bäume aus, aber sie hält den Film mehr als ordentlich zusammen. Bis auf eine Ausnahme: Was soll die zwischenzeitliche Szene um Alex‘ Sohn? Das waren insgesamt nur fünf Minuten, die im Prinzip komplett für die Tonne sind.

Dramatik hatte man für einen Film dieser Machart alleine mit der Bruder-Geschichte schon mehr als genug, dazu ist Alex als Witwer, alleinerziehender Vater und mit seiner kaputten Schulter (er hat aufgrund einer früheren Verletzung ein künstliches Gelenk) schon gebeutelt genug.

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Neben dem Training des amerikanischen Teams wird auch immer wieder die koreanische Mannschaft beim Training gezeigt, welches, wie bereits erwähnt, deutlich rustikaler und auch ein gutes Stück härter dargestellt wird. Dabei werden die Gegner als nahezu unschlagbare Kampfmaschinen aufgebaut, die keinerlei Skrupel haben, ihr Gegenüber auf der Matte zu töten. Dieses Bild wird erst in den letzten Minuten gebrochen und die Koreaner werden zu Menschen.

Schauspielerische Leistungen und Besetzung

Die Schauspieler liefern allesamt eine ordentliche Leistung ab. Besonders ins Auge fallen hier natürlich die etwas bekannteren Namen des Casts, namentlich James Earl Jones, Eric Roberts und Chris Penn. Aber auch der Rest der Darsteller liefert eine Leistung ab, die man in Anbetracht des im Genre vorliegenden Maßstabs durchaus als überdurchschnittlich bezeichnen kann.

Doch sind wir ehrlich, keiner wird sich diesen Film ansehen, weil er überhöhten Wert auf gepflegte Schauspielleistungen legt. Auch die Geschichte hat im Prinzip nur den einen Zweck: Die Szenen zwischen den Kämpfen und dem Training auszufüllen.

Einige bemerkenswerte Darsteller:

  • Eric Roberts: Seine Hairmetal-taugliche Fönfrisur muss man, ebenso wie seinen Karate-Kid-Kranich-Stance, schon mal gesehen haben.
  • James Earl Jones: Der Mann mit der vielleicht markantesten Stimme Hollywoods.
  • Chris Penn: Bekanntlich nicht nur guter Schauspieler, sondern auch aktiver Kampfsportler.
  • Louise Fletcher: Oscar-ausgezeichnet für „Einer flog über das Kuckucksnest“.

Kampfszenen und Action

Und genau letztgenannte wissen wirklich zu überzeugen. Die Kämpfe sind wirklich schön anzusehen, gut choreographiert und es gibt ordentlich auf die Zwölf. Auch das Training ist ungemein straff inszeniert und lässt den geneigten Action-Fan gerne auch mal ein wenig vor dem Fernseher mit hampeln.

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Selbst die ruhigen Momente des Trainings machen durchaus was her und sei es nur, weil man über das offensichtliche Desinteresse von Chris Penns Figur an Meditation und Co.

Kampfkunstästheten können den Streifen getrost auslassen, denn hier geht’s nicht um feinsinniges Hand- und Fußkantenballett, sondern darum, seinem Gegner möglichst brutal in die Fresse zu hauen; ein-zwei Moves, dann Wirkungstreffer, so legt Stuntkoordinator Simon Rhee die Fights an.

Mag auch eine Methode sein, um zu tarnen, dass nicht alle Darsteller wirklich ausgebildete Kampfsportler sind (obwohl Chris Penn einen Karate-Schwarzgurt sein Eigen nannte und Eric Roberts zumindest zeitweise Taekwondo und Jujitsu praktizierte), aber im Filmsinne des brutalen, auf schiere Verletzung des Gegners ausgerichteten Kampfsports des hiesigen Universums ist das durchaus treffend umgesetzt: es werden keine Schönheitspreise vergeben, sondern man will den Gegner kampfunfähig machen, und wenn man ihn schon nicht totschlägt, soll er wenigstens aussehen wie ein Kotelett.

Fazit

„Best of the Best“ ist kein besonders guter Martial-Arts-Film, aber das will er auch nicht unbedingt sein. Das Ziel dieses Films ist nicht die asiatische Kampfkunst-Leichtigkeit; er will DIE klassische amerikanische underdog-Story erzählen und bedient sich daher der Formel, die viel näher in der Tradition von „Rocky“ als der von „Meister aller Klassen“ steht, sowohl dramaturgisch als auch ästhetisch.

Akzeptiert man das, bekommt man einen alle wichtigen Klischees erfolgreich abarbeitenden Sportfilm, der einen, wenn der Nachspann zu laufen beginnt, mit einem Gefühl tiefer Befriedigung verabschiedet. Vielleicht blendet der namhafte Cast etwas - schließlich muss der nicht wirklich etwas *leisten* -, aber wer ein Herz für den amerikanischen pathoserfüllten 80er-Jahre-Sportfilm hat, wird „Best of the Best“ mögen.