„Ja, schlag ihn zu wie'n Klodeckel, Tommy!" - Typisch Endachtziger-Dosenbier-Martial-Arts-Film und eine weitere Mogelpackung im willkürlichen, deutschen Karate Tiger-Universum, die sich zum eigenen Billig-Franchise entwickelte.
Ausgestattet mit handelsüblicher Story, heroischem Soundtrack, merkwürdig sinnlosen Dialogen (- „Das ist ein altes Foto. Walter ist jetzt schon 5." -„Er wird aber bald 6." - „Woher weißt du das?" - „Ich bin Lehrer, ich arbeite mit Kindern.") und Fight-for-Glory-Attitüde.
Sogar recht prominent besetzt mit Eric Roberts (Express in die Hölle), James Earl Jones (Krieg der Sterne), Oscargewinnerin Louise Fletcher (nein, nicht für dieses Meisterwerk, sondern einst für Einer flog über das Kuckucksnest) und...dazu gleich.
Handlung
Geschichte ist schnell erzählt: Weltmeisterschaft im Taekwondo (von wegen Karate Tiger) steht vor der Tür, die Amis casten ein wackeres Quintett zusammen. Alles ist dabei: Der verwitwete Vater mit der kaputten Schulter, der US-Asiate mit dem toten Bruder (wer errät wie, wobei und durch wen er gestorben ist, gewinnt ein Eis, aber nicht fallen lassen, wenn es das Brüderchen mit Schmackes auf die Matte zimmert), der etwas lappige Typ mit der Brille (einer muss ja das schwächste Glied in der Kette sein und auch so aussehen), der schmucke Schlafzimmerblick-Italiener („Sonny Grasso. Meine Freunde nennen mich Sonny." Ach was) und last but not least der rassistische Proll-Cowboy.
Wer spielt den (jetzt kommt's)? Chris Penn (Reservoir Dogs)! Der dicke Bruder von Sean? Ja, genau der. Damals schon leicht speckig und nicht gerade in Topform, aber als einen der besten Kampfsportler der USA kann man den schon verkaufen.
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Darf im Gegensatz zu seinen Kollegen zwar nie sein T-Shirt ausziehen und hat die Motorik einen tapsigen Tanzbären, aber wen interessiert das schon.
Gegner sind diesmal nicht die bösen Ruskis, der kalte Krieg war ja quasi vorbei, ausnahmsweise geht‘s gegen die guten Koreaner aus dem Süden, die aber trotzdem richtig böse verkauft werden.
Die schreien und grunzen nur, laufen durch tiefsten Schnee und werden durch Schläge mit dem Bambusknüppel so richtig schön motiviert. Die Amis sind nicht so diszipliniert.
Da gerät eine Kneipenschlägerei zum coolen Happening, die beiden Alphatiere wollen zwischenzeitlich das Handtuch werfen (-„Mein Sohn wird vielleicht ein Bein verlieren!" - „Wir haben alle unsere Prioritäten."), machen sie dann aber natürlich doch nicht.
Um Eric Roberts bei einer peinlich-albernen Winselszene zu zitieren: „Das ist das Einzige, was ich will. Das Einzige, was ich kann!"
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Keine Bange, natürlich ziehen sie alle in den Krieg...äh, Wettkampf gegen die Schlitz...äh, Koreaner. Wer jetzt meint, das wäre rassistisch, ist nur der Stil des Films.
Beispiel gefällig? Travis (Chris Penn): -„Mach so weiter Reisfresser und ich schlag dir deine Fresse zu einem Froschmaul!" - Reporter: -"Das war wohl das, was Travis gebraucht hat, um sich zu motivieren." Na ja, wenn's hilft.
Bei der Weltmeisterschaft (an der scheinbar nur zwei Teams teilnehmen, nach dem ersten Kampf werden schon die Medaillen verteilt und im Sinne des Sportsgeistes gibt es so dick auf die Fresse, dass der Schwächste halt auch mit dem Tod rechnen muss, ist ja kein Wettstricken) kommt es dann zum Bruder-Killer-Duell, aber alles halb so wild.
Hintergründe und Analyse
Die Story ist so einfach wie banal: Fünf Amerikaner werden in einem Ausscheidungsturnier ausgewählt und trainiert, um in einem Einladungsturnier in Korea gegen die dortige Karate-Nationalmannschaft anzutreten. Ja, so einfach kann man gute 90 Minuten Film füllen. Und dazu macht die ganze Chose auch noch wirklich Laune. Originell ist dabei natürlich was ganz anderes.
Hierbei fallen zwei Dinge doch ziemlich ins Auge: Da wäre zum einen die unglaubliche Nähe zu „Kickboxer“ von dem ganz schamlos die Bruder-Motivation und die Bar-Klopperei geklaut wird (gut, hier sitzt der Trainer grinsend an der Theke und es kloppen eben fünf Mann gegen den Rest). Komisch nur, das beide im gleichen Jahr raus kamen…
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Die Keilerei in der Bar hat in meinen Augen eine absolute Highlight-Szene: Alex telefoniert mit seiner Mutter, ein Typ kracht neben ihm gegen die Wand, er: „Tschüss Mama!“, geht raus und pumpt den ersten um, der nicht in seinem Team ist. Männlich!
Das zweite Auffällige ist die Parallele zu „Rocky 4“ bezüglich des Trainings, auf der einen Seite Hightech, auf der anderen Seite back-to-the-roots, nur das diesmal die Rollen vertauscht sind und die „guten“ Amerikaner das moderne Trainingsprogramm haben.
Wie gesagt, die Story reißt keine Bäume aus, aber sie hält den Film mehr als ordentlich zusammen. Bis auf eine Ausnahme: Was soll die zwischenzeitliche Szene um Alex‘ Sohn? Das waren insgesamt nur fünf Minuten, die im Prinzip komplett für die Tonne sind.
Dramatik hatte man für einen Film dieser Machart alleine mit der Bruder-Geschichte schon mehr als genug, dazu ist Alex als Witwer, alleinerziehender Vater und mit seiner kaputten Schulter (er hat aufgrund einer früheren Verletzung ein künstliches Gelenk) schon gebeutelt genug.
Die Schauspieler liefern allesamt eine ordentliche Leistung ab. Besonders ins Auge fallen hier natürlich die etwas bekannteren Namen des Casts, namentlich James Earl Jones, Eric Roberts und Chris Penn.
Aber auch der Rest der Darsteller liefert eine Leistung ab, die man in Anbetracht des im Genre vorliegenden Maßstabs durchaus als überdurchschnittlich bezeichnen kann.
Doch sind wir ehrlich, keiner wird sich diesen Film ansehen, weil er überhöhten Wert auf gepflegte Schauspielleistungen legt. Auch die Geschichte hat im Prinzip nur den einen Zweck: Die Szenen zwischen den Kämpfen und dem Training auszufüllen.
Und genau letztgenannte wissen wirklich zu überzeugen. Die Kämpfe sind wirklich schön anzusehen, gut choreographiert und es gibt ordentlich auf die Zwölf.
Auch das Training ist ungemein straff inszeniert und lässt den geneigten Action-Fan gerne auch mal ein wenig vor dem Fernseher mit hampeln. Selbst die ruhigen Momente des Trainings machen durchaus was her und sei es nur, weil man über das offensichtliche Desinteresse von Chris Penns Figur an Meditation und Co.
Neben dem Training des amerikanischen Teams wird auch immer wieder die koreanische Mannschaft beim Training gezeigt, welches, wie bereits erwähnt, deutlich rustikaler und auch ein gutes Stück härter dargestellt wird.
Dabei werden die Gegner als nahezu unschlagbare Kampfmaschinen aufgebaut, die keinerlei Skrupel haben, ihr Gegenüber auf der Matte zu töten. Dieses Bild wird erst in den letzten Minuten gebrochen und die Koreaner werden zu Menschen.
Damit bleibt am Ende ein Film, der unweigerlich ein Kind seiner Zeit ist, was Frisuren, Kleidung, Musik und auch deren Abspielgeräte (im Film) angeht, der aber dem geneigten Action-Fan vergnügliche 90 Minuten bereitet.
Die jährliche Karateweltmeisterschaft steht ins Haus und das Nationalteam aus den USA tritt gegen die amtierenden Weltmeister aus Korea an. In beiden Ländern trainieren die besten ihres Faches dafür, in das jeweilige Nationalteam aufgenommen zu werden.
Darunter auf amerikanischer Seite auch Alex Grady (Eric Roberts), der nach einer Verletzung eine künstliche Schulter bekam und sich aus dem Kampfsport zurückzog.
Auch wenn er bei Aufnahme in das Team seinen Sohn für drei Monate nicht sehen kann, versucht Alex sich in den Ausscheidungskämpfen und wird prompt in das Team von Coach Couzo (James Earl Jones) aufgenommen.
Unter den vier anderen Kämpfern des Nationalteams befinden sich unter anderem der freundliche Tommy Lee (Phillip Rhee) und der großmäulige Travis Brickley (Chris Penn).
Alex und seine vier Mitstreiter begeben sich ins Training, welches sich als sehr hart erweist - ebenso wie Coach Couzo, der seine Kämpfer unerbittlich fordert.
„Karate Tiger IV - Best of the Best“ ist ein geradliniger Kampfsportfilm, der seine Story schnörkellos erzählt. Dabei weicht er nicht von den gegebenen Erzählmustern ab und bringt keine Innovationen ins Genre, aber dafür erzählt er seine Geschichte ohne große Längen.
Die Spannungskurve ist bestenfalls solide und auch die Plots zwischen den Kämpfen lassen einen eher kalt. Dennoch gibt es genug Kampfszenen, damit Kampfsportfans über den dünnen Plot hinwegsehen können.
Lediglich die Besetzung nimmt etwas an Reiz, denn anhand der Popularität der Schauspieler lässt sich ihr Abschneiden im Finale messen. Die Kampfszenen sind in großer Zahl vorhanden und recht gut gemacht.
Zwar bieten die Fights keine Referenzklasse, aber die geschickt choreographierten und spektakulären Fights sind von der Regie her sicher inszeniert und können den Actionfan überaus gut unterhalten.
Die Schauspieler reißen allesamt keine Bäume aus, liegen aber darstellerisch dennoch weit über den meisten anderen Filmen des Genres, was nicht zuletzt an den bekannten Gesichtern liegt.
Vor allem die talentierten Schauspieler James Earl Jones und Chris Penn können punkten, aber auch B-Veteran Eric Roberts überzeugt. Ebenfalls gut ist Phillip Rhee, der spätere Star der hiermit begonnenen „Best of the Best“-Reihe.
Man hat hier alle Archetypen des Machismo vertreten. All sein aufgesetzt, prolentenhaftes Gehabe scheint auch beim ihm, wie bei Couzo nur Schutzschild zu sein, um die Leute lieber im ersten Moment abzuschrecken, als sie an sich heranlassen zu müßen.
Jener Charakter, der von Phillip Rhee´s realem älteren Bruder Simon, gespielt wird, ist das manifestierte Kriegerverhalten. Ein zur Perfektion trainierter, unerbittlicher Gegner, dessen einziges Ziel die Ehre seines Landes ist, welche er nur im Sieg des Turniers zu finden scheint.
Fazit
Karate Tiger 4 (Best of the Best 1(Originaltitel und Bginn einer ganz anderen Serie!) übertrumpft definitiv in manchen Punkten jeden Teil der Reihe. Zunächst wäre da erstmal die Besetzung ( James Earl Jones, Eric Roberts) von dem z.b. der 5. Teil nur träumen kann. Dann die Dialoge: Niemals wirken sie billig, primitiv oder einfach nur trashig. - Im Gegenteil, die Charaktere wirken durch sie ziemlich sympatisch und der Film selber gewinnt dadurch höheren Unterhaltungswert.
Die Trainingsszenen (ich denke mal das machen 70% vom Film aus) machen mit der guten Mukke richtig Fun und langweilen nicht eine Sekunde. - Mmh, hört sich zwar alles toll an, aber was macht den Film denn nun zur Granate? - Das Tunier am Ende!( ach ja, hab ja ganz die Story vergessen: Die Amis treten gegen die Koreaner in einem Kampfsporttunier an. Ein mItglied der amerikanischen Manschaft ist stinkig auf ein Mitglied der koreanischen Mannschaft,da dieser seinen Bruder gekillt hat und das Drama wird groß,das wars) Es ist einfach unglaublich, was dieser Film gegen Ende für eine Gänsehaut verursacht.
Auch im Laufe des Films wird schon ein wenig mit den Emotionen des Zuschauers gespielt (und das mit Erflog) bis man dann am Ende die Gefühlsbombe erhält. Außerdem gibt es keinen Film dieser Art, der so seltsam und bewegend endet wie dieser (was da geschieht sage ich extra nicht.Schauts euch einfach an).
Vielleicht glauben einige, dass ich mit meiner Meinung ein wenig übertreibe, aber viele die mit diesen Filmen aufgewachsen sind und im Inneren erkennen können, was die Kampfkunst wirklich bedeutet und diese mit großer Liebe umarmen, wissen genau, dass Karate Tiger 4 mehr ist, als durchnittliche Mangelware im Videothekenschrank.
Unterhaltsamer Kampfsportfilm für Fans des Genres. Die deutsche Videofassung von Ascot oder VCL ist uncut, die Free-TV Versionen leicht geschnitten, aber guckbar.
Ich persönlich habe die schwedische Box der „Best of the Best“-Reihe, ganz ordentliche Quali für ein B-Movie und uncut, leider ohne Kapiteleinteilung des Films, aber insgesamt zu empfehlen.
