Kickboxen Schwarzer Gürtel: Voraussetzungen und Wissenswertes

Im Kickboxen, wie in vielen anderen Kampfsportarten, wird ein Gürtel getragen, der den Ausbildungsstand des Sportlers kennzeichnet. Das Graduierungssystem über die Gürtel wurde, wie auch viele der Techniken, aus dem Karate übernommen.

Durch die Übernahme aus dem Karate werden im Kickboxen Dan und Kyu Grade vom Schüler erlangt, wobei nicht alle Verbände die Gürtelfarben eingeführt haben.

Die einzelnen Dachverbände haben hier teils unterschiedliche Anforderungen, weshalb wir im Detail hier die Gürtelprüfungen der WAKO (als größte Organisation) vorstellen werden.

Zwischen den einzelnen Graden sind Wartezeiten vorgeschrieben, die der Vorbereitung zur entsprechenden Kickboxen Prüfung dienen.

Für den nächsthöheren Gürtel gibt es meist Mindest-Wartefristen.

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Die Gürtelprüfungen für die unterschiedlichen Gürtelfarben sind vom Aufbau her sehr ähnlich und gliedern sich folgendermaßen:

  • allgemeine Grundausbildung (z.B. in Bezug auf Koordination, Dehnung, Ausdauer)
  • kickboxspezifische Ausbildung
  • soziale Verantwortung (Disziplin, Teamfähigkeit)
  • Theorie
  • Selbstverteidigung und Gewaltprävention

Die Gürtelprüfungen der Erwachsenen sind ebenfalls vom Aufbau her gleich und gliedern sich in folgende Prüfungsblöcke:

  • Kampfstellung und Fortbewegen sowie Schattenkickboxen
  • Grundtechniken (Hand- und Fußtechniken)
  • Kombinationen der Grundtechniken
  • Abwehrkombinationen
  • Modellsparring
  • Freies Sparring
  • Selbstverteidigung
  • Theorie

Die Gürtelprüfungen von weiß-gelb bis einschließlich grün werden von unserem Trainerteam Wolfgang Kramer und Manuel Weick abgenommen.

Die Gürtelprüfungen von grün-blau und blau müssen von einem Regionalprüfer abgenommen werden (in unserem Fall erfolgt die Prüfung meist in Darmstadt).

Die Gürtelgrade im Detail

Weißer Gürtel

Als Anfänger habt Ihr einen sogenannten „weißen“ Gürtel, wobei hier einfach überhaupt keiner getragen wird. Es gibt auch keine Prüfung.

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Gelber Gürtel

Der Prüfling zum 5. Kyu muss hier eine sichere Fortbewegung in der Kampfstellung vorzeigen, verschiedene Geraden sowie Vorwärtsfußtritte an den Pratzen ausführen, vorwärts sowie rückwärts abrollen können, Euch gegen Eure Grundtechniken verteidigen und Würgeangriffe abwehren.

Außerdem müsst Ihr den Begriff der Notwehr sinngemäß definieren können.

Oranger Gürtel

Nach einer Vorbereitungszeit von ebenfalls 6 Monaten könnt Ihr die Kickboxen Prüfung zum 4. Kyu absolvieren.

Hier kommt das Schattenkickboxen als Prüfungsteil hinzu und Ihr müsst nun mit den Fäusten auch Haken schlagen können, sowie den Halbkreistritt beherrschen.

In der Selbstverteidigung müsst Ihr einen Sturz anfangen, Euch gegen einen Schwitzkasten sowie Unterarmwürgen verteidigen und Euch aus Handgelenkgriffen befreien.

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Der Theorieteil erfordert Euer Wissen über den Semikontaktkampf.

Grüner Gürtel

Ebenfalls 6 Monate nach dem 4. Kyu könnt Ihr die Prüfung zum 3. Kyu ablegen.

Hier erwarten Euch zusätzlich die Aufwärtshaken mit den Fäusten sowie die Seitwärtstritte mit den Beinen.

In der Selbstverteidigung sollt Ihr das seitliche Fallen beherrschen und Euch gegen Umklammerungen wehren.

Erstmals müsst Ihr auch ein kurzes Sparring gegen alle bekannten Angriffe vorzeigen.

In der Theorie wird Euer Wissen des Leicht- und Vollkontaktkampfes abgefragt.

Blauer Gürtel

Nach 6 Monaten als Grüngurt könnt Ihr den Ausbildungsstand des 2. Kyu erlangen.

Dafür müsst Ihr die Handtechniken der Vorstufen festigen und den Axttritt sowie den Tritt mit dem Außenrist erlernen.

Das Sparring gehört hier ebenso zur Prüfung, wie die Selbstverteidigung gegen Stockangriffe und mehrere Gegner.

Die Theorie besteht aus dem Wissen um die Geschichte des Kickboxen und die Formen Regelkunde.

Brauner Gürtel

Als 1. Kyu habt Ihr 1 Jahr Vorbereitungszeit und müsst zusätzlich noch den Fußfeger und den Hakentritt erlernen.

Die Vorführung aller gelernten Techniken im Sparring, alle Fallübungen und die Verteidigung gegen Messerangriffe und mehrere Gegner machen dieses Programm zum schwierigsten Kyu-Programm.

Die Theorie besteht aus einer Zusammenfassung aller vorangegangenen Stufen und einem Lehrbeispiel.

Schwarzer Gürtel (1. Dan)

Wer die Prüfung zum 1. Dan erfolgreich abgelegt hat, darf sich im Kickboxen Meister nennen.

Dafür müsst Ihr allerdings die Schlag- und Tritttechniken aller Schülergrad beherrschen und im Sparring offensiv und defensiv sicher anwenden können.

Weiterhin werden Euch nun Sprungtritte abverlangt und die Verteidigung gegen Angriffe, bei denen Ihr Euch am Boden befindet.

Außerdem benötigt Ihr einen Lehrgang in Erste-Hilfe drei weitere Lehrgänge, wovon einer ein Kampfrichterlehrgang sein muss.

Schwarzer Gürtel (2. Dan)

Die Kickboxen Prüfung zum 2. Dan benötigt 2 Jahre Vorbereitungszeit und einen speziellen Vorbereitungslehrgang, sowie die C-Lizenz als Kampfrichter.

Das Prüfungsprogramm wird ab hier völlig selbstständig vorgeführt.

Schwarzer Gürtel (3. Dan)

Für den 3. Dan benötigt Ihr 3 Jahre Vorbereitung, einen C-Trainerschein und müsst einen Einsatz als Kampfrichter auf Landes- oder Bundesebene vorweisen können.

Schwarzer Gürtel (ab 4. Dan)

Die Verleihung erfolgt auf Antrag vom Bundesverband durch den Weltverband.

Weitere Informationen zum Kickboxen Gürtel

Der Gürtel hat für den Kickboxer nicht den Zweck wie für den Judoka oder Karateka, die Jacke zusammenzuhalten, sondern dient dem Erkennen des Ausbildungsstandes.

Die Japaner behaupten auch manchmal, dass der Gürtel mit dem Schüler zusammen „Erfahrung sammelt“.

Der Gürtel wird auf eine spezielle Art gebunden, die Euch zwar anfangs aufwendig erscheint, aber hervorragend zusammenhält.

Es gibt keine speziellen Kickboxen Gürtel, sondern hier kommen die gleichen Gürtel zum Einsatz, wie Ihr sie im Handel oft unter dem Begriff „Budogürtel“ findet.

Es gibt einen Punkt einige Finger unterhalb des Bauchnabels, dem in der asiatischen Kultur die Entstehung der Lebenskraft (chi) nachgesagt wird.

Ein an diesem Punkt gebundener Gürtel soll helfen, die Körperkraft besser fokussieren zu können.

Verschiedenste Sportler nutzen diesen Gedanken zu ihrem Vorteil und setzen einen Gürtel genau dort an.

Ein wirklicher Effekt ist nur schwer nachzuweisen, aber der Glaube hält sich hartnäckig.

Kann der Gürtel individuell gestaltet werden?

Da es sich hier um normale Budogürtel handelt, gelten selbstverständlich die selben Regeln in der Individualisierung.

Das heißt, dass Ihr Euren persönlichen Gürtel mit Eurem aufgesticktem Namen oder Vereinslogo im heimischen Training problemlos tragen könnt, für die Verwendung in Wettkämpfen allerdings können andere Regeln gelten.

Hier hat wieder jeder Verband andere detaillierte Vorschriften.

Es gibt einmal die Möglichkeit, den Gürtel bereits mit Aufschrift zu bestellen, wobei je nach Länge des Aufdrucks zusätzliche Kosten anfallen.

Manche Hersteller bieten sogar an, Bilder aufzubringen.

Überzeugte Selbermacher und handwerklich Versierte können den Gürtel natürlich auch selbst besticken.

Die Herausforderung ist bei der Materialstärke in jedem Fall gegeben.