Wrestling Geschichte in Deutschland

Die Geschichte des Pro Wrestlings oder, wie es hierzulande hieß, des Freistilringkampfs oder Catchens, hat auch in Deutschland eine lange Tradition. Im zweiten Teil stellen wir Euch besonders auch die Veranstalter vor, die die Fackel hoch hielten.

Die Anfänge des Wrestlings in Deutschland

Ringen ist eine der ältesten Sportarten der Welt und darf als Basis des „Pro-Wrestlings“ bezeichnet werden. Der Übergang zum professionellen Wrestling ist mitunter fließend und heutzutage mangels Quellen nicht mehr vollständig rekonstruierbar. Schon um das Jahr 1500 wurde „Das Landshuter Ringerbuch“ veröffentlicht. Autor war der Landshuter Kunsthandwerker Hans Wurm. Dieses älteste erhaltene Druckwerk der bayerischen Stadt spiegelt den Anfang der volkstümlichen Ringkunst wider. Neben dem Titelbild gibt es 22 Kampfpositionen von Ringerpaaren.

Im „einfachen Volk“ war der Ringkampf damals schon sehr populär und gab es bei Bauern und Handwerkern sogar den „Gerichtskampf“. Gemäß der kirchlichen Aussage würde der den Kampf gewinnen, der Gott an seiner Seite hätte. Doch auch beim Adel gab es während dieser Zeit „Ringermeister“, die ihre Kämpfe vortrugen. Allerdings sank die Popularität des Ringkampfes im Laufe der Jahre wieder.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts ging es mit dem Ringkampf wieder aufwärts. So wurden im 19. Jahrhundert in Deutschland in Wanderzirkussen oder auf öffentlichen Plätzen bereits wieder Ringkämpfe ausgetragen, von denen heute vermutet wird, dass sie bereits damals mehr fingierte Inszenierung als sportlicher Wettbewerb waren. Einerseits um ein höheres Publikumsinteresse zu erzeugen, andererseits um den Profit durch Wetteinsätze zu steigern. Gemogelt wurde halt immer gerne.

Die Wurzeln des Catchens in Deutschland gehen zurück auf das Jahr 1891! In diesem Jahr wurde der Deutsche Athletik-Sportverband gegründet, aus dem 1906 der Arbeiter- Athleten-Bund hervorging. Bereits damals wurden abgesprochene Showkämpfe in ganz Deutschland abgehalten: als Rummelplatz-Attraktion.

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Der erste Wrestlingboom in den 1930er Jahren

Einen ersten richtig großen Wrestlingboom gab es in Deutschland Ende der 1930er-Jahre. Catchen war in Zeiten des „Dritten Reichs“ allgegenwärtig. Der erste große Veranstalter in Deutschland war der ehemalige Ringer Gustl Kaiser. Im Jahr 1938 veranstaltete er in Magdeburg ein erstes längeres Turnier. Obwohl ihm böse Zungen eine Pleite vorhersagten, wurde das Turnier ein großer Erfolg, so dass Kaiser sein Territorium ausweitete. Er verpflichtete nicht nur deutsche Ringer, sondern auch ausländische Akteure.

Kaisers große Zeit endete mit dem zweiten Weltkrieg, nach dem Deutschland in Schutt und Asche lag und logischerweise ganz andere Sorgen hatte als Catchen. Wohlhabende Familien trieb die Hungersnot über das Land und zog sie zu den Bauern, die ihnen Lebensmittel zu für heute unfassbaren Konditionen „verkauften“. Schmuck, Gold und Pelzmäntel wurden gegen Butter, Speck und Eier eingetauscht.

Ein Mann namens Erich Kowalski war einer der ersten Veranstalter, die 1946 in Berlin wieder mit der Austragung von Berufsringkampf-Turnieren begannen. Auch für Gustl Kaiser gab es einen Neubeginn. Er begann eine Neuorganisation in Hamburg, die sich dann allerdings bundesweit auswirken sollte.

Neubeginn nach dem 2. Weltkrieg

Unter Kaiser sammelten sich Veranstalter und Ringer aus Vorkriegszeiten zur Gründung einer neuen Vereinigung zum Zwecke der Organisation und Ausrichtung von Berufsringkampf-Turnieren. Der “Internationale-Berufsringkämpfer-Verband (IBV)” entstand 1947 in Hamburg. Kaiser und seine Mitinitiatoren (Georg Thumser, Otto Draber, Bruno Mosig) bestanden eindringlich auf dieser Nachfolge und auf einem eigenen Regelwerk, das sich von der Konkurrenz abgrenzen sollte.

Wrestling in der DDR

In der DDR gab es ja ein Verbot von Karate und wohl auch anderen Kampfsportarten. Man versuchte das Talent auf Boxen, Ringen und Judo zu konzentrieren, was eine neben dem Amateurringen existierende Berufsringkampfszene nicht begünstigte.

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Zu dem Verbot von 1950 finde ich nur Hinweise auf ein Verbot von Catch-Turnieren, also die Freistil-Variante des Berufsringkampfs. Für die in Osteuropa lange vorherrschende griechisch-römische Variante finde ich kein Verbot, aber auch keine Turniere mehr.

Hans Schmidt: Ein kanadischer Wrestler als deutscher Bösewicht

Acht Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs schockierte Hans Schmidt mit seinem brutalen Verhalten die Öffentlichkeit. Zuschauer forderten Präsident Eisenhower auf, Schmidt auszuweisen. Der Skandal blieb auch der Bundesregierung nicht verborgen.

Für deutschstämmige US-Bürger waren die Vorfälle so unangenehm, dass sie um ihren Ruf in der neuen Heimat fürchteten. Schmidt war angeblich 1925 in München geboren und hatte als Gymnasiast Unterricht im Boxen, Hochsprung und Ringen erhalten.

Denn geboren wurde der Kämpfer zwar tatsächlich 1925, allerdings in Joliette in der kanadischen Provinz Québec - als Guy Larose. Und zunächst war er unter diesem Namen als Sportler recht erfolgreich. Seine seltsame Verwandlung hatte mit dem Fach zu tun, in dem er arbeitete: "Professional Wrestling". Ausländische "Mattenstrolche" waren ein Klassiker in diesen Schaukämpfen, bei denen der Sieger bereits vorher feststand: eine Inszenierung von Gut gegen Böse, Schurken gegen Helden mit frei erflunkerten Biografien.

Anfangs war der junge Kanadier Guy Larose der Gute in diesem Spiel, ein Held, ein "Babyface". Bis sein Haupthaar lichter, sein Schädel schon im Alter von 26 Jahren kahl wurde. Wrestling-Shows waren in den USA das Fernsehereignis. Und da fiel der Kanadier 1951 einem Bostoner Promoter ins Auge.

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Fortan mimte er als Hans Schmidt das personifizierte Böse - und zwar überaus überzeugend. Mehr als einmal fand Larose alias Schmidt sein Auto nach der Show mit platten Reifen oder komplett demoliert. Die Polizei musste ihn eskortieren, weil der wütende Mob mit Hutnadeln auf ihn einstach, Zigaretten an ihm ausdrückte oder Feuerzeuge vor seinem Gesicht entzündete.

Keiner rührte derart an die offenen Wunden des Zweiten Weltkriegs, befeuerte nationale Vorurteile und das längst nicht ausgeräumte Misstrauen gegenüber den Deutschen.

Doch genau in diesem Jahr machte vor allem ein Hans Schmidt Schlagzeilen - in Deutschland wie auch in den USA: Als letzter von den Amerikanern zum Tode verurteilter Kriegsverbrecher stieg der frühere SS-Hauptsturmführer Hans Hermann Theodor Schmidt am 7. Juni 1951 in Landsberg am Lech zum Galgen hinauf.

Auf andere Weise zog auch der Wrestler Hans Schmidt große Menschenmassen an - wegen seines gespielten schändlichen Charakters. Dabei marschierte er nicht im Stechschritt, trug keine Hakenkreuzarmbinde. Seine Wirkung als vermeintlicher Nazi war subtiler.

Die WWF Europa-Tour 1992

April 1992. Das erste Mal in der Geschichte kam die World Wrestling Federation nach Deutschland, die Hallen: restlos ausverkauft, 13.000 Zuschauer waren zum Beispiel für das Spektakel in Dortmund angekündigt.

Am 14. April 1992 war es soweit. Eine WWF-Großveranstaltung auf deutschem Boden, live übertragen bei Tele 5. Moderiert wurde das Ganze von Carsten Schaefer und Uli Fesseler. Eine Liveübertragung der WWF war für damalige Verhältnisse was überaus besonderes, so war das nächste Großevent, was in Deutschland live übertragen wurde, „No Way Out“ aus dem Jahre 2000.

Ergebnisse des Abends in München

  1. Match WWF Intercontinental Championship Singles Match Bret Hart gewann gegen Dino Bravo via Pin nach einem Elbow Drop. Matchzeit: 14:16
  2. Match Singles Match Jim Duggan gewann gegen Col. Mustafa via Pin nach dem Three Point Stance. Matchzeit: 08:09
  3. Match Singles Match Repo Man gewann gegen Sgt. Slaughter via Pin nach einem Haken. Matchzeit: 14:10
  4. Match Six Man Tag Team Match The British Bulldog & The Legion of Doom (Animal & Hawk) gewannen gegen The Mounte & The Nasty Boys (Brian Knobbs & Jerry Sags w/Jimmy Hart) via Pin von Bulldog an Knobbs nach dem Running Powerslam. Matchzeit: 12.24
  5. Match Singles Match Papa Shango gewann gegen El Matador via Pin nach einem Einroller. Matchzeit: 09:49
  6. Match WWF World Heavyweight Championship Singles Match Randy Savage gewann gegen Shawn Michaels (w/ Sensational Sherri) via Pin nach dem Flying Elbow Drop. Matchzeit: 14:28
  7. Match 15 Man Battle Royal The British Bulldog gewann gegen Animal, Bret Hart, Brian Knobbs, Col. Mustafa, Dino Bravo, El Matador, Hawk, Jerry Sags, Jim Duggan, Papa Shango, Repo Man, Sgt. Slaughter, Shawn Michaels und The Mountie via Stipulation. Matchzeit: 17:07

Kritik am Verlauf der Tour

Die Wrestler klagten im Laufe der Tour oftmals über den Exklusivvertrag mit „British Airways“, der ihnen zwar das Reisen in der ersten Klasse ermöglichte, allerdings auch dafür sorgten, dass man mit keiner anderen Airline flog. Auch der Einlass war teilweise schlecht geregelt, so berichtet es zumindest Wolfgang Stach (power-wrestling), der damals schon live mit dabei war.

Die Folgen der Tour

Insgesamt wurde die Tour sowohl von Seiten der WWF als auch der Presse als großer Erfolg gesehen und legte somit den Grundstein für weitere Touren bis heute. Die Professionalität der Wrestler und die Selbstverständlichkeit, Medienvertreter wie selbstverständlich unter sich zu haben (so begleitete Stach die Wrestler vier Tage lang), wurde teils mit Erstaunen bemerkt.

Im gleichen Jahr wurde noch ein Videospiel auf den Weg gebracht, „WWF European Rampage Tour“, in dessen Grundversion man ein Tag Team aus zweien der vier zur Auswahl stehenden Wrestler Hulk Hogan, Bret Hart, Ultimate Warrior und „Macho Man“ Randy Savage bilden musste.

wXw: Eine deutsche Wrestling-Institution

Ursprünglich von der damals noch existierenden US-Kultliga ECW inspiriert und spezialisiert auf oft blutige Hardcore-Matches, hat wXw im Lauf der Jahre viele Wandlungen durchgemacht und wurde zu einer weltweit geachteten Adresse in der Szene.

Im Jahr 2005 ließ wXw international aufhorchen, indem die Liga die Japan-Legenden Mitsuhara Misawa und Kenta Kobashi - zwei der besten Wrestler aller Zeiten - für je ein Match nach Essen lockte.

Im Jahr darauf etablierte wXw das 16 Carat Gold Tournament, das mittlerweile größte Wrestling-Turnier in ganz Europa. Der Sieg dort ist auch für US- und Japan-Stars ein begehrter Ritterschlag, vier Wrestler die ihn bekommen haben, sind mittlerweile unter WWE-Vertrag: Chris Hero (Kassius Ohno), El Generico (Sami Zayn), Tommy End (Aleister Black) und der frisch (wenn auch noch nicht offiziell) angeworbene Österreicher Big Van Walter alias WALTER.

Für Black und Walter war wXw eine entscheidende Karriere-Rampe, ebenso für die deutschen WWE-Wrestler Alexander Wolfe (Axeman) und Barthel (Axel Dieter Jr.). Auch der Schweizer Cesaro, amtierender SmackDown-Tag-Team-Champion bei WWE, machte bei wXw auf sich aufmerksam - er war einer der Kämpfer bei der Debütshow an Heiligabend 2000. Auch beim Wrestling-Training von Tim Wiese half wXw.

"Uns ist es wichtig, die Bedingungen dafür zu schaffen, dass 'made in Germany' auch in der Wrestlingwelt wieder als wirklicher Qualitätsstandard gilt", sagt Tassilo Jung, der bei wXw für die Talentpflege zuständig ist.

Mittlerweile verbindet wXw und WWE also eine offizielle Partnerschaft - die das Gastspiel von Barthel bei der Jubiläumsshow möglich machte. Barthel besiegte im Hauptkampf von wXw 18th Anniversary zusammen mit WALTER und Timothy Thatcher die ebenfalls unter WWE-Vertrag stehenden Briten Pete Dunne, Tyler Bate und Trent Seven.

Für den 35 Jahre alten Jung ist das Lob von WWE eine "wunderbare Bestätigung" und ein Ansporn für die kommenden Vorhaben: "Unser Ziel ist es, für eine gewisse Qualität auf dem europäischen Wrestlingmarkt zu sorgen. Wir bilden Wrestler in unserer wXw Wrestling Academy von der Pike an aus und bilden Wrestler aus anderen Wrestlingschulen weiter bis sie gut genug sind, um unsere Fans wirklich zu begeistern."

Fans hat wXw übrigens weltweit, der Digitalisierung sei Dank. Durch das Internet, die sozialen Medien und die eigene Streaming-Plattform wXw NOW hat die Liga auch die Aufmerksamkeit von Wrestling-Fans in den USA und anderswo geweckt.

Axel Tischer: Ein deutscher WWE-Pionier stärkt die Szene

Axel Tischer, der frühere Alexander Wolfe, hat bei WWE Geschichte geschrieben. Nun stärkt er mit einer neuen Unternehmung die deutsche Szene.

Im Sommer 2017 schrieb er WWE-Geschichte - ab jetzt formt er in Dresden die potenziellen Kampfstars von morgen.

Axel Tischer, der erste Deutsche, der beim Showfight-Marktführer je einen Titel gewann, eröffnet am Montag in seiner sächsischen Heimat eine Wrestling-Schule und will damit die blühende deutsche Szene weiter stärken.

Tischer war zwischen 2015 und 2021 bei WWE unter Vertrag und dort als Alexander Wolfe bekannt. Als Teil der Gruppierung SAnitY war ihm der historische Gewinn der Tag-Team-Titel des NXT-Kaders vergönnt.

Der 36 Jahre alte Tischer ist seit 2021 kein Teil von WWE mehr, im Zuge größerer Sparmaßnahmen während der Corona-Pandemie ließ WWE 2021 seinen Vertrag auslaufen, Familienvater Tischer verlagerte seinen Lebensmittelpunkt danach wieder nach Deutschland.

Tischer wird zum Head Coach des neu eröffneten Trainingszentrums „Sport Center Dresden“, das er zusammen mit seinen Geschäftspartnern Franz Engel - ebenfalls Wrestler und Trainer - und Mario Neumann aufzieht.

Generell ist Wrestling in Ostdeutschland populärer als im Bundesdurchschnitt, die neue Profischule stellt die regionale Szene nun auf eine neue Basis: Tischer gibt dort das Handwerk weiter, das er in den USA unter der Anleitung von renommierten Coaches und legendären Stars verfeinert hat, allen voran der WWE-Ikone „Heartbreak Kid“ Shawn Michaels.

Ludwig Kaiser: Deutscher Wrestler im Main Event von WWE RAW

Ludwig Kaiser ist der erste deutsche Wrestler, der jemals einem Einzelkampf in einem Main Event bei der WWE-Show „RAW“ bestritten hat.… und das gegen niemand anderes als Randy Orton!

In weniger als zwei Wochen tritt Kaisers „Boss“ Gunther in Berlin bei „Bash in Berlin“ gegen Randy Orton an. Es geht um den World Title, den Gunther erst vor drei Wochen beim „SummerSlam“ erringen konnte.

Leider zog unser deutscher WWE-Star gegen die lebende Legende Randy Orton den kürzeren. Doch Kaiser gehört die Zukunft, vor allem WWE-Boss Triple H hält große Stücke auf den Norddeutschen.

Noch ist nicht klar, ob Kaiser auch bei „Bash in Berlin“ ein Match bestreiten wird. Der erste deutsche Premium Live Event findet am 31. August in der Berliner Uber Arena statt.

Bestätigte Matches für „Bash in Berlin“

  • World Titel Match: Gunther vs. Randy Orton
  • WWE Titel Match: Cody Rhodes vs. Kevin Owens
  • Liv Morgan & Dominik Mysterio vs. Rhea Ripley & Damian Priest
  • Strap Match: CM Punk vs.

Wrestling: Eine Mischung aus Sport und Theater

Wrestling unterscheidet sich in einem zentralen Punkt grundsätzlich von konventionellem Sport: Während zu Beginn eines 100-m-Laufs oder eines Fußballspiels vollkommen offen ist, wer gewinnen wird, steht der Sieger beim Wrestling vorher fest. Trotzdem handelt es sich bei den Wrestling-Akteuren wie bei jeder konventionellen professionell betriebenen Sportart um Athleten, die viele Jahre trainiert haben, um das tun zu können, mit dem sie ihren Lebensunterhalt verdienen.

Wrestling kann in allen drei genannten Bereichen vorsorgen: Selbst wenn Favoriten siegen, sorgen Autoren dafür, dass der Weg zum Sieg mit vielen überraschenden Wendungen gespickt ist. Die Akteure sind immer auffällig und reizen zu emotionaler Anteilnahme, egal, ob zu Sympathie oder Antipathie. Und kein Wrestling-Match steht für sich allein - formal ist es in eine Dramaturgie aus Regelveranstaltungen und besonderen Events, inhaltlich in komplexe Storylines eingebunden.

Alle Matches sind Teil einer großen Erzählung, die von den Kämpfern und zusätzlichem Personal auf der Bühne des Kampfrings und um ihn herum inszeniert wird. Bei dieser großen Erzählung geht es um den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, in neuerer Zeit auch verstärkt darum, zu erkennen, was gut und was böse ist. Erzählt werden Geschichten über Freundschaft und Feindschaft, Loyalität und Verrat, Moral und Gerechtigkeit, angesiedelt zwischen Commedia dell’Arte und Soap-Opera.

Es ist ein intensives, athletisches Körpertheater, das da aufgeführt wird - und ebenso sehr auf die Mitarbeit seines Publikums angewiesen wie das Kaspertheater für Kinder. Welche Storylines für Athleten geschrieben werden und ob sie sich überhaupt beim Wrestling halten können, hängt entscheidend davon ab, wie viel Emotion sie mit ihren Auftritten erzeugen können - egal, ob in Form von Begeisterung oder Buhrufen.

Wer sich auch nur peripher für Wrestling interessiert, weiß heute beispielsweise, dass Kämpfer in Faces und Heels eingeteilt werden. Ein Face, kurz für „Babyface“, ist ein „Guter“, nett, der sich immer an die Regeln hält. Ein Heel dagegen ist „böse“, kämpft unfair und setzt auch verbotene Hilfsmittel ein. Ebenfalls nicht nur echten Fans ist bekannt, dass außer Wrestlern auch zusätzliches Personal wie als „Manager“ auftretende Akteure oder andere Begleiter als Face oder Heel auftreten können.

Obwohl sich allgemein herumgesprochen hat, dass Wrestling-Matches generell gescriptet sind, kennt nicht jede(r) die Details - etwa, dass die Autoren Booker genannt werden, diese alle Storylines und Charaktere festlegen, auch den Ausgang von Matches und gelegentlich besondere Kampfaktionen. In diesem Rahmen können Wrestler durchaus improvisieren, die Stars natürlich mehr als die Anfänger.

Kayfabe meint nicht nur, dass Wrestler und alle anderen sichtbaren Akteure trotz Rollenfestlegung und Storylines so tun, als sei das Geschehen im Ring „echt“, dieses So-tun-als-ob bezieht sich auf alle medialen Gestaltungsmittel (wie z.B. Interviews in Wrestlingshows oder anderem Fernsehen) und schließt sogar im Prinzip das Publikum ein.

Aufstieg des Wrestlings zu einer Medienattraktion fand in den 1980er-Jahren statt, zentraler Akteur war dabei der Wrestling-Manager Vince McMahon, der 1983 die World Wrestling Federation (WWF) von seinem Vater kaufte. Er modernisierte das Geschäft nicht nur durch die Einbeziehung aktueller Popprominenz und zeitgemäßer Inszenierungsformen, er erkannte auch das Potenzial des damals neuen Kabelfernsehens und der neuen Angebotsform Pay-per-View.