Olympia Taekwondo Regeln: Ein umfassender Leitfaden

Taekwondo, oder Tae-Kwon-Do beziehungsweise Taekwon-Do, ist eine koreanische Kampfkunst, hierzulande ausgeübt als Kampfsport. Die drei Silben beschreiben die Fußtechnik (tae), die Handtechnik (kwon) und den Weg (do) im Sinne von Methode oder Zielstreben. Das Wort Taekwondo kann also mit „Der Weg des Fuß- und Faustkampfes“ oder „Der Weg mit Fuß und Faust“ übersetzt werden.

Taekwondo ist weltweit bekannt und wird in über 200 Ländern praktiziert. Es ist eine olympische Disziplin seit 2000 und hat daher eine hohe Medienpräsenz. Taekwondo hat eine breite Palette an Wettbewerben, von denen die Olympischen Spiele und die Weltmeisterschaften die bekanntesten sind.

Die Entwicklung von Taekwondo

Taekwondo entwickelte sich nach 1945 aus dem japanischen Karate, gleich nach Ende der japanischen Herrschaft in Korea. Techniken und Formenlauf ähneln daher der Karatetechnik. Der Name Taekwondo wurde erstmals 1955 verwendet. Später entwickelten sich Taekwondo-Unterstile: ITF traditionell, ITF reformiert und WT. Sie unterscheiden sich in Formausübung (Hyeong, Tul und Pumsae) und im sportlichen Kampf.

Zweikampf im Taekwondo

Der Zweikampf ist der Kampf gegen einen realen Gegner auf einer Wettkampffläche und folgt den Regeln der World Taekwondo (WT). Beim Zweikampf ist das Ziel möglichst viele Treffer innerhalb der vorgegebenen Wettkampfzeit (3x2 Minuten) auf der Weste oder dem Kopfschutz des Gegners zu landen. Erlaubt sind Tritte zur Weste und zum Kopf. Die Faust darf nur auf die Weste eingesetzt werden.

Der einzige Weg im Taekwondo an den Olympischen Spielen teilzunehmen, führt über den Zweikampf. Im Jahr 1994 wurde Taekwondo in das offizielle olympische Programm aufgenommen. Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney war das offizielle olympische Debüt. Seit dem erlebt unsere Sportart internationales Ansehen.

Anders als bei Welt- und Europameisterschaften gibt es bei den Olympischen Spielen 4 Gewichtsklassen, anstatt der üblichen 8. Gekämpft wird seit den Olympischen Spielen in Rio 2016 erstmals mit einem voll elektronischen Wertungssystem, wo Westen- und Kopftreffer elektronisch ausgelöst werden. Fausttreffer werden weiterhin manuell von Kampfrichtern gedrückt. Das Wertungssystem ändert sich gelegentlich, um die Attraktivität der Sportart zu steigern.

Lesen Sie auch: Olympia Judo: Die Teilnehmerinnen in der -52kg Klasse

Olympische Jugendspiele

Neben den Olympischen Spielen finden zusätzlich alle 4 Jahre Olympische Jugendspiele statt. Insgesamt konnte die DTU bei allen Olympischen Spielen (Senioren und Jugend) 6 Medaillen erkämpfen.

Schutzausrüstung im Wettkampf

Um sich beim Wettkampf vor Verletzungen zu schützen tragen die Kämpfer Arm- und Schienbeinschöner. Damit die Kraft der Tritte ein wenig abgeschwächt wird, gehört eine Kampfweste und ein Kopfschutz zur Ausrüstung. Für die Faußstöße zur Weste, die allerdgins manuell von den Kampfrichtern gedrückt werden, tragen die Sportler Handschuhe.

Bei nationalen und Internationalen Wettkämpfen sind die Westensysteme elektronisch, d.h. Treffer werden über ein elektronisches System ausgelöst. Zum Auslösen der Treffer trägt der Wettkämpfer Fußschoner. Sobald der Kontakt zwischen Fußschoner und Kopfschutz/ bzw. Weste mit der für die Gewichtsklasse erforderlichen Härte entsteht, löst das System einen Punkt aus.

Die Kampfbekleidung der Wettkämpfer besteht aus einem weißen Taekwondo-Dobok (Anzug) sowie der Schutzbekleidung. Senioren, Junioren und Jugend müssen zusätzlich mit Handschützern ausgerüstet sein.

Die Wettkämpfer dürfen keine andere als die oben genannte Bekleidung oder zusätzliche Sachen bei Wettkämpfen tragen (Brillen, Uhren, Schmuck usw. sind verboten).

Lesen Sie auch: Judo Brüder Frey

Ausrüstung im Detail

  • Dobok: Der Kampfanzug besteht aus Jacke (Sang-I), Hose (Hang-I) und Gürtel (Ty).
  • Schutzausrüstung (WT Wettkampf): Weicher Helm, Schutzweste, Zahnschutz, Tiefschutz, Handschützer, Unterarm- und Schienbeinschoner sowie Spannschutz (je nach Altersklasse).

Das Jacken-Oberteil soll das Gesäß bedecken, die Ärmel den halben Unterarm bis höchstens zu den Handgelenken. Schwarzer Rand und schwarzes Revers sind nur für Danträger zulässig. Bei Wettkämpfen ist das Oberteil meist geschlossen und über den Kopf zu ziehen.

Die Hose ist weit, reicht bis zur halben Wade und so gearbeitet, dass ein seitlicher Spagat möglich ist.

Das Punktesystem im Taekwondo

In Wettkämpfen ist das Ziel, den Gegner mit kontrollierten Tritten und Schlägen zu treffen. Punkte werden für Treffer in bestimmten Körperbereichen vergeben. Kopftreffer bringen in der Regel mehr Punkte ein als Körpertreffer.

Punkte gibt es für korrekte und harte Treffer. Sieger ist der Kämpfer mit den meisten Punkten nach 3 Runden zu 2 Minuten (Kampfzeit variiert) oder wer ein KO erzielt.

  • Torsotreffer: Ein Punkt
  • Kopftreffer: Zwei Punkte

Für einen Torsotreffer wird ein Punkt, für einen Kopftreffer zwei gewertet, außerdem gibt es einen Zusatzpunkt wenn der Gegner angezählt wird.

Lesen Sie auch: Elena Quirici in Tokio

Punkte werden für Techniken zum Kopf oder zur Brust vergeben. Einen Punkt erhaltet Ihr für Techniken gegen die Brust, 3 Punkte für Drehtritte gegen die Brust oder einen geraden Tritt zum Kopf und 4 Punkte für einen Drehtritt zum Kopf.

Allgemeine Wettkampfregeln

Der Wettkampf wird auf einer 10 x 10 Meter großen Fläche ausgetragen. Erlaubte Angriffsflächen sind mit dem Fuß der Bereich, der von der Kampfweste bedeckt ist und der Kopf (ausgenommen der Hinterkopf). Mit der Faust darf lediglich zur Weste angegriffen werden.

Generell sind Schläge zum Kopf und Körper erlaubt, jedoch sind bestimmte Techniken wie Ellbogenstöße oder Tritte in den Genitalbereich verboten. Auch das Halten des Gegners ist meist nicht erlaubt.

Für unerwünschte Handlungen (Klammern, unsportliches Verhalten, absichtlicher nicht erlaubter Angriff etc.) gibt es Verwarnungen oder sogar ganze Minuspunkte.

Der Kampfrichter kann Verwarnungen für leichte Regelverstöße und Strafpunkte aussprechen. Zwei Verwarnungen ergeben ebenfalls einen Strafpunkt. Der Strafpunkt wird für den Gegner als Punkt gewertet.

Unterbrechungen des Kampfes kann nur der Kampfrichter veranlassen.Die oberste Regel gilt dem Befolgen der Befehle des Kampfrichters.

Die zweite Angriffsfläche bildet das Gesicht einschließlich der Vorderseite des Halses. Dieser Teil darf nur mit dem Fuß angegriffen werden.

Die Bedeutung der Verbände

Es gibt zwei Hauptorganisationen im Taekwondo: die World Taekwondo (WT) und die International Taekwon-Do Federation (ITF). WT ist die weltweit anerkannte Organisation und ist auch bei den Olympischen Spielen vertreten.

Deutsche Taekwondo Union (DTU)

Die Deutsche Taekwondo Union wurde im Jahr 1981 gegründet und zählt aktuell ca. 60.000 eingetragene Mitglieder. Der Verband ist der einzig anerkannte Fachverband für olympisches Taekwondo. Seit den Olympischen Spielen 2000 in Sydney, zählt die Sportart offiziell zum Olympischen Programm, nachdem sie 1998 in Seoul als Demonstrationssportart überzeugte. Bisher konnte die DTU bei den Olympischen Spielen zwei Medaillen gewinnen. Silber durch Faissal Ebnoutalib und Bronze durch Helena Fromm.

Weitere Informationen

Leistungssportstrategie der DTU

Im Zuge der Neugestaltung der Bundesranglistenturniere wurde eine neue, langfristige und qualitativ hochwertige Turnierserie in der DTU eingeführt. Ziel dieser Turnierserie ist es, den Nachwuchs in Deutschland zu fördern und eine adäquate Nachwuchsmannschaft in den jeweiligen Alters- und Gewichtsklassen aufzubauen.

  • Kernidee: Körperliche und mentale Gesundheit der Athlet*innen.
  • Ziel: Nachhaltiger Leistungsaufbau, weniger Verletzungen, geringerer mentaler Druck.

Was ist neu an der Strategie?

  • Reduzierung der Turnierteilnahmen auf 4-5 pro Jahr
  • Individuelle Trainingspläne basierend auf Leistungsdiagnostik
  • Enge Zusammenarbeit mit Heimtrainer*innen
  • Gezielte Phasen zur Regeneration und mentalen Erholung
  • Verstärkter Fokus auf Nachwuchsentwicklung

Wie bleibt die DTU international konkurrenzfähig?

  • Durch strategisch geplante Turniereinsätze
  • Individuelle Trainingsgestaltung in Kooperation mit Heimtrainer*innen
  • Frühzeitige Talentsichtung und Förderung
  • Konzentration auf Schlüsselturniere (z. B. WM)

Bekannte Persönlichkeiten

Yanna Schneider ist die einzige Zweikampfweltmeisterin. Sie konnte 2012 als erste Deutsche Sportlerin im Zweikampf das Finale einer Weltmeisterschaft gewinnen. Bei der Jugend-Weltmeisterschaft in Ägypten erfüllte sich Yanna einen Traum. Ein historischer Moment auch für die DTU.

Aziz Acharki war als Sportler und als Trainer Weltmeister. 1995 erlebt Aziz Acharki den größten Erfolg seiner Sportlerkarriere mit dem Gewinn des WM-Titels.

Tabellarische Übersicht

Körperteil Punkte
Torso 1 Punkt
Drehtritte gegen die Brust 3 Punkte
Kopf 2 Punkte
Gerader Tritt zum Kopf 3 Punkte
Drehtritt zum Kopf 4 Punkte