Kampfsportarten asiatischen Ursprungs: Eine Übersicht

Es gibt die unterschiedlichsten, asiatischen Kampfsportarten. Einige zielen auf schnelle praktische Anwendbarkeit, während andere erst nach Jahren der Perfektionierung einsetzbar sind, dann aber sehr effektiv. Einen Überblick finden Sie hier.

Die bekanntesten asiatischen Kampfsportarten

Die bekanntesten asiatischen Kampfsportarten sind ohne Zweifel Judo und Karate. Beide stammen aus Japan und zielen auf eine effektive Entwaffnung des Gegners ab. Für beide benötigen Sie viel Selbstbeherrschung. Insbesondere im Judo liegt der Fokus darauf, wenig bis keine Verletzungen zu erzeugen und sich dennoch effektiv zu verteidigen.

Judo heißt übersetzt: Der sanfte Weg. Es wurde im 19. Jahrhundert von Kanō Jigorō (1860-1938) begründet. Dieser schuf eine Symbiose aus verschiedenen alten Ju-Jitsu Stilen. Zwei philosophische Grundprinzipien liegen dem Judo im Wesentlichen zugrunde. Zum einen das gegenseitige Helfen und Verstehen zum beiderseitigen Fortschritt und Wohlergehen und zum anderen der bestmögliche Einsatz von Körper und Geist.

Karate ist deutlich älter als Judo. Erfunden wurde die Kampftechnik im Wesentlichen auf der japanischen Insel Okinawa im 16. Jahrhundert. Im Gegensatz zum Judo verfolgt das Karate einen deutlich massiveren Ansatz. Allerdings ist es ausschließlich als Selbstverteidigungstechnik gedacht.

Weitere asiatische Kampfsportarten

Körperliche wie geistige Fokussierung und Konzentration stehen bei vielen Kampfsportarten im Vordergrund. Kämpfende sollen nicht blindlings oder im Zorn auf einander losgehen. Die Bewegungsabläufe werden ähnlich wie Tänze einstudiert. Daher - und um ihrer Effektivität im Akutfall Willen - werden die Kampftechniken bis zur Perfektion studiert.

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Wenig Kraft, viel Technik

Bei vielen asiatischen Kampfsportarten spielt Körperkraft nur eine untergeordnete Rolle. Mit Hilfe von Hebelwirkungen, Schwung und dem Einsatz von Körpergewicht befähigen sie Frauen wie Männer dazu, auch körperlich überlegene Gegner besiegen zu können. Beispielhaft hierfür sind unter anderem:

  • Ju-Jutsu: Der Name bedeutet so viel wie "ausweichen" oder "nachgeben". Bei dieser Kampfsportart wird die Kraft des Gegeners anstelle der eigenen Kraft genutzt, indem sie umgelenkt wird. Beispielsweise kann so der Schwung eines Schlags den Schläger selbst zu Fall bringen. Jiu-Jitsu ist die älteste, japanische Kampfsportart. Ihr Ursprung liegt bei den Samurai. Heute ist sie Teil der polizeilichen Ausbildung.
  • Aikidō: Aikidō ist eine betont defensive moderne japanische Kampfkunst, die Anfang des 20. Jahrhunderts von Ueshiba Morihei als Synthese aus unterschiedlichen Budō-Disziplinen entwickelt wurde. Dies geschieht in der Regel durch Wurf- und Kontrolltechniken, die den Hauptteil der Aikidō-Techniken ausmachen. Auch Aikido legt keinen Wert auf Muskelmasse.

Selbstbeherrschung auf allen Ebenen

Asiatische Kampfsporten verfolgen immer eine Mentalität. Diese wird in der Regel gemeinsam mit den praktischen Techniken unterrichtet. Besonders spürbar wird das beim Wing Tsun. Der Name dieses chinesischen Kung-Fu-Stils bedeutet "Schöner Frühling".

Beim Wing Tsun werden nicht nur Verteidigungs-, sondern auch Kommunikationsstrategien gelehrt. Insofern setzt das die Technik, die im frühen 19. Jahrhundert entstand, noch vor dem Kampf an. Denn hier geht es nicht nur darum, Kämpfe im Zweifelsfall zu gewinnen.

Muay Thai und mehr

Doch nicht nur Japan und China sind Herkunftsländer großer Kampfsportarten. Aus Thailand beispielsweise wurde das Muay Thai Boran sowie das ebenfalls waffenlose Thai-Boxen bekannt. Es hat seinen Ursprung in der ebenfalls thailändischen, allerdings bewaffneten Kampfkunst des Krabi Krabong. Stilistisch auffällige Merkmale des Muay Thai sind Ellenbogen, Knietechniken und das Clinchen. Die für Muay Thai bekannteste Technik ist der Kick mit dem blanken Schienbein, meist auf den Oberschenkel oder Rippenbereich gezielt. Aufgrund des hohen Verletzungsrisikos durch Ellenbogen- und Knietechniken wird Muay Thai als eine der härtesten Kampfsportarten der Welt bezeichnet. Einige Stilarten erlauben Würfe.

Ähnlich dem Mixed Martial Arts (gemischte Kampfsportarten) entstand auf den Phillippinen Filipino Martial Arts. Eine gemischte Kampfkunst der unterschiedlichen regionalen Stile, wie Panantukan, Suntukan, Arnis, Eskrima und Kali. Arnis, Escrima, Kali stehen für eine hauptsächlich bewaffnete Kampfkunst aus vorrangig aus der philippinischen Gegend, welche sich mit unterschiedlichen Waffenarten, aber auch dem unbewaffneten Kampf beschäftigt. Die Kunst des Arnis gehörte zu einer Reihe von Künsten und Traditionen der südostasiatischen Kriegerkaste Maharlika. Als Kriegskunst beinhaltete sie mehrere Aspekte des Kampfes, wobei das Hauptaugenmerk auf bewaffneten Auseinandersetzungen lag. Der Unterschied zwischen der traditionellen und der modernen Kunst liegt darin, dass das klassische Arnis die ursprüngliche Kriegskunst ist, welche sich mit mittelalterlichem Kriegswerkzeug wie Schwert oder Speer beschäftigt, und das moderne Arnis sich eher auf den Gebrauch von Stöcken und kontemporären Alltagsgegenständen konzentriert. Das moderne Arnis wuchs erst zur Kunst heran, als die spanische Kolonialmacht 1764 ihre Ausübung verbot und die Bevölkerung entwaffnete.

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Auch die koreanischen Techniken des Hapkido und des Taekwondo arbeiten effektiv und stilübergreifend, etwa mit unterschiedlichen Schlag- und Trettechniken.

  • Hapkido: Hapkido ist eine koreanische Kampfkunst, die ihren Ursprung im japanischen Daitō-ryū Aiki-jūjutsu hat. Durch die Einflussnahme anderer Kampfstile entwickelte sich Hapkido zu einer eigenständigen Kampfkunst, die stilübergreifend durch einen umfassenden Lehrplan geprägt ist. Besonders charakteristisch sind die zahlreichen Hebeltechniken, welche zusammen mit Wurf-, Tritt- und Schlagtechniken den Schwerpunkt in allen Hapkido-Stilen bilden. Einige Stile lehren ergänzend die Handhabung unterschiedlicher Waffen. Die Bewegungen im Hapkido werden vornehmlich kreisförmig und fließend ausgeführt. Hapkido ist nach dem Tae Kwon Do die populärste koreanische Kampfkunst und wird weltweit trainiert. Das Wort „Hapkido“ setzt sich aus den Silben Hap „vereinigen“, Ki „Lebensenergie“ und Do „Weg, Lehre“ zusammen. Zusammen kann man Hapkido beispielsweise übersetzen mit „Weg der harmonischen Energie“. Die Entwicklung des Hapkido nahm in den 1910er Jahren ihren Anfang, als Korea unter japanische Herrschaft fiel. Es existieren verschiedene Hapkido-Stile, welche sich in ihrer Philosophie und Technik unterscheiden. In den meisten Stilen wird der kämpferische Aspekt der Selbstverteidigung als wichtig erachtet.
  • Tae-Kwon-Do: Tae-Kwon-Do ist ein koreanischer Kampfsport. Die drei Silben des Namens stehen für Fußtechnik (Tae), Handtechnik (Kwon) und Weg (Do). Es unterscheidet es sich in einigen wesentlichen Punkten von anderen asiatischen Kampfsportarten. So ist die Tae-kwon-do-Technik sehr auf Schnelligkeit und Dynamik ausgelegt, was nicht zuletzt durch den Wettkampf bedingt ist. Der Begriff Taekwondo tauchte erstmals 1955 auf und wurde von General Choi Hong-hi unter Einfluss des Shotokan Karate entwickelt. Taekwondo entwickelte sich während der Zeit, als Korea in das Japanische Kaiserreich eingegliedert war (1910-1945). Um mit einer Taekwondo-Technik die nötige Kraft und die damit verbundene durchschlagende Wirkung zu erzielen, bedient sich der Taekwondoin bestimmter physikalischer Gesetzmäßigkeiten. Durch kontinuierliches Training und bewusste Ausübung dieser Disziplinen soll der Taekwondoin, seinen Geist schulen.

Chinesische Kampfkünste (Wushu/Kung Fu)

„Die größte Leistung besteht darin, den Widerstand des Feindes ohne Kampf zu brechen.“ - Sunzi Während es im englischen Boxen, dem Muay Thai oder dem Savate-Boxsport darum geht einen Gegner herauszufordern und K.O. zu schlagen, verfolgen die meisten chinesischen Kampfsportarten eine ganz andere Philosophie. Im besten Falle, soll es gar nicht erst zum Kampf kommen. Es gibt zahlreiche Kampfsportarten mit chinesischem Ursprung und es ist schwierig, die verschiedenen chinesischen Kampfstile einzugrenzen. Es gibt so viele davon, dass diese Sportarten oft gemeinsam als "Chinesische Kampfkunst" bezeichnet werden. Im Westen benutzen wir dafür meist die Begriffe Kung Fu oder Gongfu. In der chinesischen Sprache wird Kampfkunst als Wushu bezeichnet - übersetzt bedeutet das: Kriegskunst.

Als Wǔshù werden alle Kampfkünste und Kampfsportarten bezeichnet, die aus China stammen. Für viele Stile wird der Begriff Kung Fu verwendet, der im Chinesischen eigentlich eine umfassendere Bedeutung trägt, aber mittlerweile in China der vorherrschende Überbegriff für chinesische Kampfkünste ist.

In China gibt es eine etliche Hundert Jahre alte Tradition der Kampfkünste. Als Ursprung der meisten Stile werden häufig die Kampfkunst der buddhistischen Mönche des Shaolin-Klosters oder die Kampfkünste der daoistischen Mönche aus den Wudang-Bergen betrachtet. Generell dienen oder dienten viele Stile nicht nur der Selbstverteidigung oder der Anwendbarkeit im Kampf, sondern auch der Meditation, der Fitness oder der Gesundheitspflege. Viele Kampfkunststile beinhalten sowohl waffenlose als auch bewaffnete Techniken, wobei die unterschiedlichsten Waffen gebräuchlich sind.

Anfangs erlernt ein Schüler vor allem die Grundlagen wie Stellungen und Bewegungsprinzipien des Kampfkunststils. Dann eine sogenannte Formwelche dazu dient, die Grundtechniken des Stils möglichst genau zu verinnerlichen.

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Weitere Kampfsportarten

Neben den bereits genannten Kampfsportarten gibt es noch weitere, die ebenfalls erwähnenswert sind:

  • Capoeira: Capoeira ist eine brasilianische Kampfkunst bzw. ein Kampftanz, dessen Ursprung auf den afrikanischen NíGolo („Zebratanz“) zurückgeführt wird. Capoeira wurde während der Kolonialzeit in Brasilien von aus Afrika eingeschifften Sklaven praktiziert und weiterentwickelt. Es wird heutzutage zwischen zwei Hauptrichtungen unterschieden: Dem „alten“ Capoeira Angola und dem „modernen“ Capoeira Regional. Inhaltlich ist Capoeira von drei Ebenen geprägt: dem Kampf, der Musik und der „Roda“ (portugiesisch „Kreis“) als gesellschaftlichem Rahmen, in dem der Kampf stattfindet. Die Kampftechniken selbst zeichnen sich durch extreme Flexibilität aus; es gibt viele Drehtritte, eingesprungene Tritte und Akrobatik. Traditionell wird zu den Kämpfen Musik gespielt. Belegt ist die Existenz der Capoeira seit dem 18. Jahrhundert. Die Literatur geht davon aus, dass sie in Brasilien aus einer Vermischung verschiedenster afrikanischer Tänze und Kulte entstand. Capoeira hat eine Kampftechnik, die sich von den meisten anderen Künsten deutlich unterscheidet. Das zentrale Element - die Seele der Capoeira - ist Malícia. Malícia kann als „Verschlagenheit, Bösartigkeit“ gedeutet werden, doch es ist im brasilianischen eine positiv belegte Eigenschaft und eher mit „Schläue“ oder „Kriegslist“ zu übersetzen.
  • Kobudō: Kobudō bezeichnet die Kampfkunst mit den auf Okinawa entwickelten Bauernwaffen, beispielsweise das Sai (eine Art Dreizack), das Nunchaku (kurzer Dreschflegel), der Bō (ein 182 cm langer Stab), die Kama (landwirtschaftlich genutzte Sichel), der Tonfa (Schlagstock) oder Tekkō (Schlagring). Weitere Waffen waren Timbei und Rōchin (Schild aus Schildkrötenpanzern und kurze Hellebarde), Wēku (Paddel) oder Suruchin (Seil mit Gewichten an den Enden). Die Entwicklung des Kobudō wird zum einen der „Arbeiterschaft“ Okinawas zugeschrieben, aber auch dem Adel und den Beamten. Dies wird besonders bei den Ursprüngen der Katas ersichtlich, denn diese wurden von Beamten oder Adeligen entwickelt. Die Kobudōstile Okinawas kann man in mehrere Hauptrichtungen unterteilen, welche sich weiter aufgesplittet haben.
  • Krav Maga: Krav Maga ist ein israelisches, modernes, eklektisches Selbstverteidigungssystem, das Schlag- und Tritttechniken präferiert, aber auch Grifftechniken, Hebel und Bodenkampf beinhaltet. Der Name Krav Maga bedeutet „Kontaktkampf“, wobei krav „Kampf“ und maga „Kontakt“ bedeutet. Die Ursprünge des Krav Maga gehen auf den 1910 in Budapest geborenen Imrich Lichtenfeld zurück. In den 1930er Jahren lehrte Lichtenfeld zum ersten Mal seine Kampfmethode, um die mit ihm lebenden Juden gegen antisemitische Übergriffe zu unterstützen. Heute wird Krav Maga weltweit unterrichtet. Dabei muss zwischen drei Zielgruppen unterschieden werden: Privatpersonen, Sicherheitsbereich bzw. Polizei und für das Militär. Krav Maga zeichnet sich durch einfache Techniken aus. Natürliche und instinktive Reaktionen werden im System berücksichtigt und sinnvoll eingebunden. Dadurch ist Krav Maga relativ schnell zu erlernen. Krav Maga ist seinem Selbstverständnis nach kein Sport, sondern ein reines Selbstverteidigungssystem. Es gibt keine Wettkämpfe.
  • Pencak Silat: Zentrum des Pencak Silat ist Indonesien, hier hat auch die PERSILAT, der Weltverband des Pencak Silat, ihren Sitz. Der Begriff Pencak Silat ist ein Komposition aus dem javanischen Begriff Pencak und dem von Sumatra stammenden Begriff Silat. Beide Begriffe können für sich genommen mit „Kampfkunst“ übersetzt werden. Archäologische Funde aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. zeugen davon, dass zu jener Zeit bereits auf der malaiischen Halbinsel und Sumatra formalisierte Kampfsysteme erlernt wurden. Pencak Silat wird, wie viele südostasiatische Kampfkünste, häufig von Musik begleitet. Hierbei hat jede Region ihre eigenen Stilrichtungen und Instrumente. Neben dem unbewaffneten Kampf hat im Pencak Silat das Üben mit Waffen einen hohen Stellenwert, weshalb fast jeder Stil sein eigenes Repertoire spezieller Waffen besitzt. m Pencak Silat gibt es Wettkämpfe, bei denen im Vollkontakt gekämpft wird. Dabei wird Schutzkleidung getragen. Ein Kampf geht über 3 Runden von jeweils 2 Minuten. Tritte und Schläge sind nur oberhalb der Gürtellinie erlaubt, Kopfangriffe verboten. Es werden auch Wurf- und Grifftechniken angewendet.
  • Sambo: Sambo ist eine russisch-sowjetische Kampfsportart. Sambo hat seine Wurzeln im japanischen Judo/Jiu-Jitsu sowie in den traditionellen Kampf- und Ringerkünsten Europas und des Gebietes der ehemaligen Sowjetunion. Entwicklungsziel war die Verschmelzung der effektivsten Techniken traditioneller Kampfkünste zu einem für die militärische Ausbildung geeigneten System. Der Begriff Sambo setzt sich aus den russischen Worten Samooborona bez oruschija zusammen („Selbstverteidigung ohne Waffen“). Sport Sambo ist ein Wettkampf mit ähnlichen Regeln wie im Judo oder olympischen Freistilringen. Erlaubt sind Würfe, Fixierung des Gegners am Boden und Hebel auf Arme und Beine. Würgegriffe sind im Gegensatz zum Judo verboten. Combat Sambo ähnelt weitestgehend modernen Mixed-Martial-Arts-Wettkämpfen. Die Wettkämpfer tragen Kopfschutz, Zahnschutz, Tiefschutz, Schienbeinschützer und leichte Handschuhe. Die Regeln lassen erheblich mehr Spielraum als jene des Sport Sambo.