Von asiatischen Kampfsportarten geht eine große Faszination aus. Sie versprechen häufig nicht nur eine kämpferische Überlegenheit gegenüber (nicht selten körperlich stärkeren) Gegnern, sondern fast immer auch philosophische Ansätze, die zur Entspannung, Meditation und sogar zur geistigen Erleuchtung dienen.
Heutzutage wird asiatischer Kampfsport im Übrigen auch in sportliche und rein kämpferische Elemente getrennt. Zunächst waren im Westen nur Karate und Judo bekannt. Mittlerweile steigt das Interesse an weiteren asiastischen Kampfsportarten wie Jiu Jitsu, Aikido oder Kendo.
Vor allem die Karate- und Kung Fu-Filmwelle der 1970er hat zur Verbreitung von asiatischem Kampfsport im Westen beigetragen. Später kamen dann eher unbekannte Stile wie Aikido oder Kendo hinzu, die aber mittlerweile gleichrangig zu den anderen Kampfsportarten stehen.
Japanische Kampfkünste (Budo)
Japanische Kampfkünste werden unter dem Oberbegriff Budo zusammengefasst. Im Gegensatz zu reinen Kriegskünsten ist der Budo Kampf auch stets durch eine innere Do-Lehre geprägt.
Jeder kennt Karate und Judo - aber wussten Sie, dass Japan in seiner Geschichte über 60 Kampfkünste entwickelt hat? Ob mit oder ohne Waffe: Der japanische Kampfsport ist vielfältig und faszinierend.
Lesen Sie auch: Ratgeber zur Wahl der passenden Kampfsportart
Im Westen sind vor allem Shaolin und Wing Chun bzw. Wing Tsun sehr bekannt. Auch in anderen asiatischen Ländern haben sich Derivate der verschiedenen Kampfkünste entwickelt. So spricht man beim koreanischen Tae Kwon Do oft von einer „akrobatischen Variante des Karate“.
Bekannte Kampfsportarten und ihre Merkmale
Hier ist eine Liste einiger bekannter asiatischer Kampfsportarten und ihrer Merkmale:
- Karate: Einer der bekanntesten Kampfsportarten. Karate (“leere Hand”) etwa wurde entwickelt, als es Nicht-Samurai in Japan verboten war, Waffen zu tragen - im 17. Jahrhundert. Diese Kampfkunst, wie wir sie heute kennen, stammt von der japanischen Insel Okinawa und kam erst 1922 auf das Festland Japans. Seither ist es aber zur bekanntesten japanischen Kampfportart geworden. Obwohl Karate relativ jung ist, gehört es zu den gefährlichsten und effektivsten Kampftechniken der Welt.
- Judo: Judo ist eine „harmlosere“ Form des Jujutsu, die auf direkten Angriff verzichtet und stattdessen ausschließlich mit Würfen und Griffen arbeitet. Judo heißt übersetzt: Der sanfte Weg. Es wurde im 19.
- Aikido: Gleichzeitig wurden die Techniken des Griffs aus dem Jujutsu dazu genutzt, Aikido zu entwickeln. Dort wird geübt, wie man einen Gegner zu Boden wirft und auch selbst geschickt und unversehrt zu Boden rollt. Aikido wurde Anfang des 20. Jahrhunderts auf Basis unterschiedlicher Budo Disziplinen entwicklet.
- Kendo: Kendo ist die weltweit bekannte Kunst des Schwertkampfes. Obwohl die Schwerter, die im Training benutzt werden, bloß aus Holz oder Bambus sind, müssen die Kämpfenden trotzdem eine Rüstung namens Bogu tragen, die vor allem Gesicht und Oberkörper schützt. “Der Weg des Schwertes” lehrt die Beherrschung verschiedener Klingen, vom Dolch bis zum Langschwert. Der Unterschied zum Fechten im Westen besteht darin, dass Kendo die Selbstverteidigung durch Angriff lehrt, und Parieren darin so gut wie gar nicht vorkommt.
- Kung Fu: In China, wo auch der eigentliche Ursprung für das japanische Karate liegt, gilt Kung Fu nur als Oberbegriff vieler verschiedener Stile. Beide Elemente vereinen viele Kung Fu-Stile.
- Tai Chi: Heute gelten Stile wie Tai Chi (das als „Schattenboxen“ gegen imaginäre Gegner im Prinzip oft mehr als Gymnastik denn als Kampfkunst betrachtet wird) als ebenso populär wie das reine Wettkampf-Judo der 70er Jahre.
- Jiu-Jitsu: Jiu-Jitsu ist die älteste, japanische Kampfsportart. Ihr Ursprung liegt bei den Samurai. Heute ist sie Teil der polizeilichen Ausbildung.
Weitere Aspekte asiatischer Kampfkünste
Viele asiatische Kampfsporten verfolgen immer eine Mentalität. Diese wird in der Regel gemeinsam mit den praktischen Techniken unterrichtet.
Oft kommt der japanische Kampfsport ohne Waffe aus: Der Kämpfende soll mit aufmerksamer Abschätzung, schneller Reaktion und gezielter Nutzung seiner Energie dem Gegner zuvorkommen. Deshalb ist auch Empathie in der Kampfkunst so wichtig, denn wer den nächsten Angriff voraussehen kann, hat einen entscheidenden Vorteil im Kampf.
Eine weitere geistige Fähigkeit, die im Kampf eine große Rolle spielt, ist Mu - die Leere. Das bedeutet, seinen Geist von jeglichen Gedanken zu befreien, die ablenken könnten, und achtsam dem Verlauf der Geschehnisse zu folgen.
Lesen Sie auch: Stockkampfkunst in Japan
Zu diesem gehört daher nicht nur der Kampf an sich, sondern auch die intensive Vorbereitung darauf: Verbeugen, Begrüßen und lange Dehn- und Aufwärmübungen sollen den Körper und Geist auf das Training einstimmen.
Auch andere Länder haben sich Techniken japanischer Kampfkünste abgeschaut. Brasilianisches Jiu Jitsu etwa ist eine Abwandlung des japanischen Originals, die sich auf den erbarmungslosen Bodenkampf konzentriert.
Lesen Sie auch: Welche Kampfsportart ist die stärkste?
