Capoeira Kreuzberg Klette Berlin: Die Festnahme einer RAF-Terroristin

Nach 30 Jahren im Untergrund ist in dieser Woche Daniela Klette gefasst worden. Sie soll an mehreren Straftaten beteiligt gewesen sein, die der dritten Generation der Roten Armee Fraktion (RAF) zugeordnet werden.

Die Spur nach Kreuzberg

Der Journalist Khesrau Behroz und sein Team von Undone waren Ende des vergangenen Jahres unwissentlich auf der richtigen Spur zu Daniela Klette. Sie fanden Bilder von ihr auf der Webseite eines Berliner Capoeira-Vereins.

Khesrau Behroz war mit seinem Team der untergetauchten Daniela Klette dicht auf der Spur. Sie stießen auf Bilder eines Kreuzberger Vereins, auf denen die RAF-Terroristin zu sehen war.

Relativ schnell konnte er sagen, es gibt da einige Fotos auf der Webseite eines Capoeira-Vereins. Das könnte sie sein. Dieser Spur sind wir dann nachgegangen.

Jahrelang habe sie mit Claudia Capoeira praktiziert, in einem kleinen Kreuzberger Verein. Ihre Mitstreiterin habe Kurse für Kinder gegeben, man sei sogar zu Auftritten nach Frankreich oder Brasilien geflogen.

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Für ihren Capoeiraverein trat sie auch nach außen hin öffentlich auf. Im Sommer 2018 veranstaltete sie im Namen des Vereins ein Infotreffen für Interessierte in einem Neuköllner Kulturzentrum mit.

Das Doppelleben der Daniela Klette

Nachbarn schildern „Claudia“ als freundliche, grauhaarige Frau Mitte 60 mit einem langen Zopf. Sie soll Schülern privaten Nachhilfeunterricht in Mathematik gegeben und ihm zu Weihnachten Kekse geschenkt haben, erzählt einer. Eine Jugendliche berichtet, sie hätten sich immer freundlich gegrüßt, nur der große Hund der Nachbarin habe ihr Angst eingejagt. Mehr Kontakt habe es nicht gegeben.

Wie sicher sich Klette offenbar fühlte, zeigen ihre Aktivitäten im örtlichen Capoeira-Verein. Deren Chef und „Mestre“ will sich nicht äußern. Aber Mitstreiterin Corinna Melcher berichtet, dass „Claudia“ schon dabei gewesen sei, als sich die Gruppe vor gut zehn Jahren zusammenfand. Was „Claudia“ sonst noch so mache, da habe sie nie so genau nachgefragt. Ihr Geld bekomme sie vom Jobcenter, soll sie erzählt haben. „Das ist ja noch nichts Besonderes.“ Am Ende, vor rund vier Jahren, habe „Claudia“ dann aber den Verein verlassen. Es habe zwischenmenschlich nicht mehr gepasst, sagt Melcher.

Die Rolle des Podcasts "Legion"

Im Dezember 2023 erschien bei der ARD der zweiteilige Podcast „Legion“ der Podcast-Firma Undone. In zwei Teilen spürt das Team dem Gerücht hinterher, Daniela Klette lebe unbemerkt in einer deutschen Großstadt. Die Ma­che­r*in­nen kommen Klette tatsächlich auf die Spur - mit Hilfe von Bilderkennungssoftware im Internet. Sie stoßen auf die Bilder Klettes bei dem Berliner Capoeira-Verein.

Die Journalistinnen und Journalisten hatten darin Daniela Klette auf Fotos eines Capoeira-Vereins in Berlin entdeckt. Daraufhin habe sich der Ermittler gedacht, "es könnte böse ausgehen, wenn hier nicht jeder Stein richtig umdreht wird", erinnerte er sich. Und verfolgte die Spur erneut.

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Der Podcast „Legion“ der Sender NDR und RBB fand bereits im Dezember 2023 bei der Suche nach Daniela Klette eine Frau in Tanzgruppen in Berlin.

Trotzdem will Behroz es nicht direkt als Schwäche der Behörden deuten, dass er mit seinem Team Daniela Klette nach nur wenigen Wochen Recherche so dicht auf der Spur war, wie die Ermittler zuvor in vielen Jahren nicht. "Dass wir dem so schnell so nahekommen konnten, ist schon erschreckend."

Die Festnahme in Kreuzberg

Dann erfolgte Klettes Festnahme mitten in der Hauptstadt, ausgerechnet in Kreuzberg, dem traditionell linksalternativen Stadtteil.

Am Montag wurde die 65-Jährige in einer Wohnung in Berlin-Kreuzberg festgenommen.

Am 26. Februar 2024 ist er es, der an der Wohnung der mutmaßlichen Ex-RAF-Terroristin klingelt.

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Anders an dem Montag im Februar vor einem Jahr: Die Hinweise führten den niedersächsischen Polizeibeamten und einen Kollegen nach Kreuzberg in die Sebastianstraße. Dort sollte eine Claudia wohnen, wie sich Daniela Klette im Untergrund nannte.

Gemeinsam mit den Berliner Kolleginnen und Kollegen habe er Klette dann auf eine nahegelegene Dienststelle gebracht. Dort sollte ihre Identität mittels Fingerabdruck festgestellt werden.

Reaktionen und Konsequenzen

Klettes Festnahme wurde von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) bejubelt. Auch Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) sprach von einem „Meisterstück“.

Tatsächlich droht Klette, die nun in der JVA Vechta sitzen soll, eine mehrjährige Haft. Da bei den Raubüberfällen auch Schüsse fielen, laufen die Ermittlungen hier auch wegen versuchten Mordes.

Weiter auf der Flucht sind Garweg und Staub.