Tatjana Obermeier hat sich sowohl im Kickboxen als auch im Boxen einen Namen gemacht. Ihre beeindruckende Karriere ist geprägt von zahlreichen Erfolgen, aber auch von Herausforderungen und Neuanfängen.
Frühe Karriere im Kickboxen
Die Erdingerin begann im Alter von 18 Jahren mit dem Kickboxen und hatte bereits neun Monate später ihren ersten Kampf. Schnell entwickelte sie sich zu einer Spitzenathletin und Weltranglistenersten in der Gewichtsklasse bis 52 Kilogramm.
Knapp 80 Kickboxkämpfe hat Obermeier für den Kickboxverein (KBV) Erding bereits absolviert, ist mehrfache Bayerische und Deutsche Meisterin, außerdem Vizeweltmeisterin.
Bei der Weltmeisterschaft in Rimini holte sie die Bronzemedaille. Im Vollkontaktstil kämpfend, der härtesten der drei Stilarten im Kickboxen, zeichnete sie sich durch ihre Hartnäckigkeit und Cleverness aus.
Nach den internationalen Worldcups standen mit Gabriel Pempel, Tatjana Obermeier und Kian Golpira mehrere Eigengewächse unter den ersten drei der Europarangliste in ihren Gewichtsklassen.
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Wechsel zum Boxen
Vergangenes Jahr fasste sie den Entschluss, parallel dazu auch ins Boxen einzusteigen und schloss sich dem TSV 1860 München an. „Mein Erdinger Trainer Peter Lutzny meinte, ich solle es machen, weil ich da was lernen könnte“, berichtet sie. „Und es ist wirklich eine gute Ergänzung. Ich habe mich echt verbessert.“
Die Situation im Kickboxen veränderte sich für sie entscheidend, als es einen Wechsel im Präsidium gab und ein neuer Sportdirektor und Bundestrainer installiert wurde, der mehr auf K1 setzte. Daraufhin trat Obermeier aus dem Bundeskader aus.
Beim TSV 1860 München fand sie neuen Spaß und Erfolg. 2024 wurde sie Bayerische Meisterin, 2023 sowie 2024 Deutsche Vizemeisterin und belegte zudem beim Tammer Tournament in Finnland Platz drei.
Im Februar 2024 stand die 31-Jährige plötzlich im Nationalkader. Seit August 2024 hat sie Nationalkader-Status.
„Es war letztlich eine Bauchentscheidung, eine Entscheidung für einen neuen Weg nach zehn Jahren Kickboxen und die Chance, noch einmal etwas Neues zu machen.“
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Sie lobt ausdrücklich das Umfeld bei den Löwen, Chef dort ist die Münchner Box-Legende Ali Cukur.
Internationale Erfolge im Boxen
Erst drei Kämpfe hatte sie für die Löwen seitdem bestritten, als sie nun ins bayerische Team für den „Golden Girls Cup“ in Schweden berufen wurde, das größte Frauen-Boxturnier der Welt, mit über 400 Teilnehmerinnen.
„Da waren Kämpferinnen aus Nationalkadern dabei bis hin zu Anfängerinnen“, sagt Obermeier. „Es war ein schönes Turnier - und zum ersten Mal habe ich internationale Luft im Boxen geschnuppert.“
Von der Anzahl der Boxkämpfe hätte Obermeier eigentlich in einer der unteren Klasse antreten sollen. „Aber weil ich schon so viele Kickboxkämpfe absolviert habe, wurde ich in die Klasse A eingeteilt“, erzählt die 29-Jährige, die in der Gewichtsklasse bis 52 Kilo antrat.
Im Viertelfinale wartete die Spanierin Alejandra Nombela Sánchez, die keine Chance hatte. 5:0 lautete das Urteil der Punktrichter. Deutlich spannender verlief das Halbfinale gegen die Engländerin Megan Bainbridge. Hier setzte sich Obermeier knapp mit 3:2 Richterstimmen durch. Und auch der Finalkampf war eng. Gegnerin war mit Jay Dujon erneut eine Engländerin. Am Ende lautete das Urteil 4:1 für die Erdingerin, die überglücklich über den Sieg war.
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Zukunftspläne und Ziele
Dass sie jetzt komplett aufs Boxen umsattelt, schließt die 29-Jährige aus - zumindest vorerst. „Erstmal mache ich jetzt Boxen und Kickboxen parallel, so komme ich an mehr Kämpfe und kann davon nur profitieren“, betont sie.
Ihr großer Traum ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles. Die Qualifikationsturniere beginnen Anfang 2027, die letzten Ausscheidungskämpfe werden im Juni 2028 über die Bühne gehen, die Olympischen Spiele in Los Angeles starten Mitte Juli.
Der Fahrplan ist eigentlich klar, allerdings muss Obermeier noch eine ganz wichtige Entscheidung treffen, nämlich, auf welche Gewichtsklasse sie sich konzentriert.
Obermeier traut sich durchaus zu, mit der Weltspitze mitzuhalten. Bei ihrem ersten Einsatz in der Nationalmannschaft im Sommer 2024 habe ich gegen die Chinesin Yuan Chang geboxt, die vier Wochen später Gold bei Olympia in Paris geholt hat“, erzählt sie und fügt stolz an: „Ich habe zwar verloren, aber gut geboxt.
Tatjana Obermeier als Person
Obermeier ist ein offener, kumpeliger Typ, ehrgeizig und zielstrebig. Neben dem Sport studiert sie an der TU München TUM-BWL. Sie ist sich bewusst, dass der Kampfsport auf ihrem Niveau kein Hobby ist, sondern konzentrierte Arbeit an Schlagtechnik und Einstellung erfordert.
Über Tatjana Obermeier sagt der Gründer des Kickboxzentrums: "Sie ist keine, die einfach draufhaut." Hartnäckig und clever sei die Tatjana. Beim Kickboxen müsse man auch sich selbst gegenüber hart sein. Obermeier habe das erkannt.
Unterstützung für den guten Zweck
Tatjana Obermeier engagiert sich auch für den guten Zweck. So unterstützte sie die Geislinger Box-Nacht, eine Benefizveranstaltung zur Unterstützung von Maxi Wägner, einem ehemaligen Fußballspieler, der seit einem schweren Sturz im Rollstuhl sitzt.
Simon Zachenhuber, zweifacher Europameister, und Tatjana Obermeier, mehrfache Bayerische und Deutsche Meisterin sowie Vizeweltmeisterin im Kickboxen werden persönlich vor Ort sein. Die beiden Ausnahmeathleten unterstützen die Veranstaltung nicht nur mit ihrer Anwesenheit, sondern auch mit einer ganz besonderen Geste: Simon Zachenhuber spendet ein Paar seiner getragenen Boxhandschuhe, die im Rahmen der Veranstaltung versteigert werden. Der Erlös dieser Auktion fließt ebenfalls direkt an Maxi Wägner.
