Der Deutsche Karate Verband e. V. (DKV) mit Sitz in Gladbeck ist der offizielle Fachverband für Karate in Deutschland.
Er wird als einziger Fachverband vom Bundesministerium des Innern gefördert und ist als Mitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes vom IOC anerkannt.
Die Geschichte des Deutschen Karate Verbandes ist eng mit der Entwicklung der früheren Karateverbände Deutschlands verknüpft, die sich in den sechziger Jahren und später gebildet hatten.
Im Jahre 1957 führte Jürgen Seydel (geb. 12.09.1917) die Kampfkunst Karate in Deutschland ein.
Der Judoka Seydel wurde durch einen Lehrgang mit den Karate-Großmeistern Mirakami und Mochizuki in Südfrankreich dazu inspiriert, am 01.04.1957 das erste Karate Dojo Deutschlands, den „Budokan Bad Homburg", zu gründen.
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Bereits zwei Jahre später legte er die Prüfung zum ersten Dan ab und blieb bis zum Jahre 1965 der einzige Danträger Deutschlands.
Als im Jahre 1965 die Sektion Karate im Deutschen Judobund gegründet wurde, bestimmten zwei große Karateverbände die frühe Geschichte des Karate in Deutschland.
So existierte eine Reihe mehr oder minder mitgliederstarker Verbände wie z.B. der Deutsch-Japanische Karateverband (DJKV), der Goju-Kai Deutschland (GKD), der Wado-Kai Deutschland (WKD) und andere kleinere Gruppierungen, die zumeist stilrichtungsbezogenes Karate praktizierten.
Insbesondere der Deutsche Karate-Bund (DKB, 1961), die Sektion Karate im Deutschen Judobund (SeKa DJB, 1965) und die Deutsche Karate Union (DKU, 1976) beeinflußten maßgeblich die Entwicklung des Deutschen Karate Verbandes.
Dieser erste und älteste Verband für japanischen Kampfsport in Deutschland war bestrebt, alle Budosportarten unter seinem Dach zusammenzuschließen.
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Ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofes vom 02.12.1974 verpflichtete den Deutschen Sportbund jedoch dazu, als Monopolverband vergleichbaren Bewerbern gleichrangige Mitgliedschaft zu gewähren.
Da jedoch nur ein Verband Mitglied im DSB sein konnte, bestand die Notwendigkeit, die einzelnen Teilverbände in einem Dachverband zu organisieren.
In diesem „Verband der Verbände" sollten die bisherigen Teilverbände zwar eingegliedert sein, jedoch ohne damit ihre Autonomie zu verlieren.
Gründung des Deutschen Karate Verbandes e.V.
Die erste Möglichkeit zur Verwirklichung des Ziels, gemeinsame Veranstaltungen aller Verbände durchzuführen, war die 13. Meisterschaft des Deutschen Karate-Bundes am 29.05.1976 in Hamburg.
Kurze Zeit später gründeten die drei Verbände den Deutschen Karate Verband, der am 17.06.1976, dem Tag der deutschen Einheit, in das Vereinsregister eingetragen wurde.
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Auch nachdem die Konstituierung des DKV erfolgt war, blieb die SeKa DJB vorerst rechtmäßige Vertreterin des Karate im DSB und offizielle deutsche Repräsentantin für Karate auf internationaler Ebene.
Damit dem Deutschen Karate Verband auf nationaler und internationaler Ebene zukünftig die Kompetenz zur Vertretung des Karate formell zugesprochen werden konnte, einigten sich die Delegierten der Teilverbände auf ihrer Sitzung am 03.11.1976 in Frankfurt darauf, den DKV in dieser Hinsicht zu unterstützen.
Die Vereinigung aller deutschen Karateverbände im DKV verlieh dem nationalen Sportbetrieb enormen Aufschwung und intensivierte die internationalen Kontakte.
So war es möglich, einen gemeinsamen Bundestrainer über den DSB zu finanzieren.
Horst Handel, früheres Mitglied der deutschen Nationalmannschaft, übernahm das Amt des ersten Bundestrainers des Deutschen Karate Verbandes.
Zahlreiche sportliche Veranstaltungen, die vormals von den Einzelverbänden ausgerichtet wurden, übernahm nun der DKV.
Mit der Anstellung von Hideo Ochi als Bundestrainer gelang es dem Deutschen Karate Verband, einen der weltbesten Karatekas zu verpflichten.
Im Rahmen seiner Breitensportarbeit betreute der DKV ab 1980 die Bundesbestenlehrgänge.
Bei diesen beliebten Veranstaltungen bestand für die Kaderathleten Teilnahmepflicht, Karatekas ab dem 1. Dan durften ebenfalls an diesen gehobenen Breitensportlehrgängen teilnehmen.
Die deutsche Wiedervereinigung 1990 leistete der Entwicklung des Karate in Deutschland enormen Vorschub.
So konnte schon bald die magische Grenze von 100.000 Mitgliedern überschritten werden.
Mit rund 120.000 Mitgliedern und 2000 Vereinen zählt der Deutsche Karate Verband zur Mitte der neunziger Jahre zu den mitgliederstarken und zuwachsstärksten Fachverbänden im Deutschen Sportbund.
Die Rahmenprüfungsordnung gewährt den Gruppierungen weitgehende Autonomie.
Die Ausbildungsordnung wurde den Richtlinen des Deutschen Sportbundes angepaßt und garantierte damit eine einheitliche Ausbildung der Übungsleiter und Trainer auf Bundes- wie Landesebene.
Ehrenamtliche Fachkompetenz und kontinuierliche Zuarbeit durch hauptamtlich angestellte Mitarbeiter gehen eine für das professionelle Verbandsmanagement wichtige Verbindung ein und gewährleisten eine professionelle und zügige Administration des Sportverkehrs.
Frühe Entwicklung des Karate in Deutschland
Karatepionier Jürgen Seydel gründet aus Mitgliedern der von ihm geleiteten Judoabteilung die erste Karate-Lerngruppe in Bad Homburg v.d.H..
Zur Festigung der erlernten Techniken trifft sich die kleine Gruppe zu einem einwöchigen Lehrgang auf der Freusburg bei Siegen.
Jürgen Seydel gelingt es, Murakami Sensei für einen zehntägigen Lehrgang in Bad Homburg-Dornholzhausen zu gewinnen.
Um den Lehrgang finanzieren zu können, versendet Seydel Einladungen an sämtliche Judoclubs in Deutschland.
Für viele von ihnen verläuft der Lehrgang jedoch unbefriedigend, da ihre Karate-Grundkenntnisse nicht ausreichen, den Vorgaben des japanischen Meisters zu folgen.
Nach einem weiteren Sommerlehrgang unter Leitung von Tetsuji Murakami und Jürgen Seydel in Bad Homburg beschließen die Teilnehmer, einen eigenen Fachverband für Karate zu gründen.
Seydel, bis 1965 einziger Danträger in Deutschland, wird Leiter der technischen Kommission und ist damit verantwortlich für das Ausbildungs- und Prüfungswesen im Deutschen Karate-Bund e.V. (DKB).
Im Anschluß an einem mehrtägigen Karatelehrgang am Sportinstitut der Universität Göttingen wird die Erste Deutsche Karatemeisterschaft ausgetragen.
Vier japanische Top-Instruktoren besuchen auf ihrer Europa-Tournee den zweiten großen Wochenlehrgang des Deutschen Karatebundes e.V. in Bad Godesberg und übernehmen das Training: Taiji Kase, 6. Dan und JKA-Chefausbilder, Hirokazu Kanazawa, 5. Dan, Keino Enoeda, 5. Dan und Chefinstruktor von Großbritannien sowie Hiroshi Shirai, 5. Dan und Cheftrainer in Italien, unterrichten die deutschen Ausbilder und prüfen vier Teilnehmer zum 1. Dan.
Die Demonstrationen der japanischen Meister im Rahmen der anschließenden Zweiten Deutschen Karatemeisterschaft in der ausverkauften Bad Godesberger Stadthalle verschaffen dem Karate eine außerordentlich große Werbewirksamkeit.
Der seit 1956 im Deutschen Sportbund als Mitgliedsorganisation vertretene Deutsche Judobund (DJB) ist bemüht, die asiatischen Kampfsportarten in Deutschland in seinen Zuständigkeitsbereich einzugliedern.
Im Zuge dieser Bestrebungen bildet sich am 11. Dezember 1965 die Sektion Karate im DJB.
Obwohl dem Deutschen Karatebund e.V. in diesem Jahr die Gemeinnützigkeit zuerkannt wird, bleibt ihm die Aufnahme in den Deutschen Sportbund vorerst verwehrt.
Eine Vielzahl kommerzieller Karateschulen und kleiner Verbände bestimmt das Bild des Karate in Deutschland.
Realitätsverzerrende Darstellungen in der Öffentlichkeit schädigen das Image des Karate, das den Beigeschmack des Schläger- und Rowdytums erhält.
Erste Karate-Einzel- und Mannschaftsmeisterschaft der Sektion Karate DJB in Schweinfurth.
Der japanische Spitzentrainer Yutaka Toyama (5. Dan) wird der erste Bundestrainer für Karate im Deutschen Judobund.
Im Anschluß daran beschließt der Vorstand, mit Hirokazu Kanazawa einen der erfolgreichsten japanischen Wettkämpfer als weiteren Bundestrainer einzustellen.
Kanazawa und Koichi Sugimura bilden ein hochkarätiges, kompetentes Trainergespann.
Zu den 5. Deutschen Meisterschaften des Deutschen Karatebundes in München reist Masatoshi Nakayama, Chefausbilder der JKA, mit mehreren Spitzen-Karateka an.
Der Deutsche Karate-Bund weist mittlerweile 2.500 Mitglieder auf.
