Herbert Dreilich: Ein Lebenslauf des Sängers von Karat

Am 5. Dezember wäre Herbert Dreilich 80 Jahre alt geworden. Über ihn wurde auf unserer Seite schon viel geschrieben und er ist hier noch immer gegenwärtig.

Herbert Dreilich (* 5. Dezember 1942 in Mauterndorf; † 12. Dezember 2004 in Berlin) war ein deutscher Rockmusiker.

Frühe Jahre und musikalische Anfänge

Herbert Dreilich wurde am 5. Dezember 1942 im österreichischen Mauterndorf bei Salzburg geboren.

Bis zum 9. Lebensjahr wohnte ich bei meinen Eltern in Österreich. Dann war ich längere Zeit bei einer Tante in England.

Im Jahre 1950 folgten zuerst eine Übersiedlung in die BRD und dann jahrelange Aufenthalte bei Verwandten in England.

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Im Jahre 1959 begann Herbert eine Lehre zum Gebrauchswerber (heute sagt man Fachmann für Schaufenstergestaltung), die er 1962 auch abschloss. Anschließend arbeitete er auch eine Zeit lang in diesem Beruf.

Das Spielen auf der Gitarre hatte der junge Herbert autodidaktisch erlernt, als Sänger war er ein Naturtalent.

Eigentlich wollte er als Musiker mehr im klassischen Bereich und weniger beim Rock sein Glück finden.

Er hatte eine Laufbahn als Harfenist ins Auge gefasst, das Spielen auf der Harfe erlernt und damit auch ein Studium angestrebt. Da dieses Instrument in der Klassik eher für Frauen vorgesehen war, verwarf er seinen Plan wieder.

Ein Jahr nach dem Umzug in die Leopoldina-Stadt Halle fand Dreilich als Gitarrist und Sänger seinen Einstieg in die lokale Musikszene.

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Er schloss sich im Jahre 1960 den dort bereits aktiven JAZZ YOUNGSTERS an und spielte Gitarre. Mit ihm zusammen waren dort u.a. Reinhard Lakomy am Piano und Ecke Bethmann am Schlagzeug aktiv.

Einige Zeit später spielte er parallel dazu auch noch in der Leipziger Band BELL BOYS, zusammen mit den Gebrüdern Barthel, Ecke Bethmann und Sieghart Schubert.

Im Jahre 1965 schloss sich Herbert als Gitarrist und Sänger der Gruppe BLAU GOLD DELITZSCH an.

Einige Monate später gründeten die drei Freunde zusammen mit Gregor Stenzel die Gruppe HALNICS, in der Herbert bis ins Jahr 1967 spielte. Dort machte der junge Musiker dann auch erstmals Bekanntschaft mit staatlichen Restriktionen.

Von der Stadträtin für Kultur, so erinnert sich sein Musikerkollege Rudi Lecke heute noch, hatte Herbert ein Spielverbot ausgesprochen bekommen.

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Im Jahr 1967 zog es den jungen Herbert u.a. auch deswegen nach Berlin, wo er seine Profilaufbahn als Musiker startete.

Seine erste Station dort waren die MUSIC-STROMERS, eine ehemalige Skiffle-Band, die inzwischen im Bereich Beat-Musik aktiv war.

Wie auch in der Zeit in seiner Heimatstadt Halle/S. musste er 1968 die Erfahrung machen, dass seiner Band von Seiten der Behörden ein Auftrittsverbot ausgesprochen wurde.

Nach dem Aus der MUSIC-STROMERS schloss sich Dreilich noch im gleichen Jahr dem HENRY KOTOWSKI QUINTETT und - als Ersatz für den zur Volksarmee eingezogenen Quaster Hertrampf - den PUHDYS an.

Ihn zog es im Jahre 1969 zu den ALEXANDERS, wo er auf ehemalige Kollegen wie Reinhard Lakomy und Udo Reichel, aber auch auf Kollegen traf, mit denen er später große Erfolge feiern sollte, nämlich Henning Protzmann und Ed Swillms.

Mit den ALEXANDERS gab es auch erste Studioproduktionen. Beim Rundfunk der DDR produzierte die Gruppe die Lieder "Honigmond", "Hoffnung" und "Nachts", die häufig im Rundfunk gespielt wurden.

Im Jahre 1970 verließ Herbert zusammen mit Johannes Lemke, Ulrich "Ed" Swillms, Henning Protzmann und Joachim Schmauch die ALEXANDERS und gründete mit diesen und einigen anderen Kollegen, z.B. Frank Hille und Veronika Fischer, die Gruppe PANTA RHEI.

Zwischen 1971 und 1974 gehörte Herbert dieser All-Star-Truppe an, in der die Creme de la Creme der ostdeutschen Musikszene gemeinsam musizierte.

Ein Album (1973), drei Singles und eine Vielzahl von Rundfunk- und Live-Produktionen, die Jahre später erst auf Platte und CD erschienen sind, sind Dokumente des kreativen Schmelztiegels aus dieser Zeit.

Nachdem sich die Gruppe PANTA RHEI ab 1974 Stück für Stück auflöste, hing Herbert ein wenig in der Luft.

Dafür produzierte er beim Rundfunk der DDR eine Reihe von Kinderliedern. Die dabei entstandenen Titel "Thomas, unser Neuer in der Klasse" (hier stand Herberts jüngerer Bruder Thomas Pate), "Die Lehrerin", "Lied über die Wochentage" und "Marie, die Verkehrspolizistin", die allesamt aus Herberts Feder stammen, wurden damals aber nicht auf Platte veröffentlicht.

Bei Henning Protzmanns neuer Band KARAT war indes der Pianist Christian Steyer nach nur wenigen Wochen wieder ausgestiegen.

Henning suchte deshalb einen Ersatz und hatte Ed Swillms ganz oben auf seiner Wunschliste stehen.

Als Henning Ed fragte, ob dieser sich seiner Band anschließen wolle, machte er zur Bedingung, dass auch Herbert als Sänger mitkommen müsse.

Ab 1975 gehörte Herbert Dreilich somit der Gruppe KARAT an.

Erfolge mit Karat

Mit ihr feierte Herbert Dreilich die größten Erfolge seiner musikalischen Laufbahn.

Ab 1978 und dem Ausstieg von Neumi war Dreilich schließlich auch der alleinige Sänger, der fortan bei KARAT - mit einer einzigen Ausnahme, nämlich "Der Spieler" - alle Lieder sang.

KARAT und Herbert wurden auf beiden Seiten der Mauer mit Auszeichnungen überhäuft und die Band war die bekannteste DDR-Gruppe im Westen, gekrönt von einer Goldenen Schallplatte für das 1982er Album "Der blaue Planet" und einer "Goldenen Europa".

Zu den erfolgreichsten Funk- und Plattenproduktionen von PANTA RHEI gehören "Hier wie nebenan", "Nachts", "Tuyet" und "Über mich". Ihr Komponist heißt Herbert Dreilich.

Er ist einer der Gründer von PANTA RHEI und hat mit seinen Titeln dazu beigetragen, dass die Gruppe zu den führenden in unserer Republik gezählt wird.

Als Angela Davis widerrechtlich verurteilt werden sollte, schrieben Sie spontan den Titel "Free Angela". Klar in der politischen Aussage, ungewohnt in der Wahl der musikalischen Mittel, löste er große Resonanz bei jungen Hörern aus.

Als das heldenhafte Volk von Vietnam um seine Freiheit kämpfte und unter den barabrischen amerikanischen Bombenangriffen zu leiden hatte, komponierten Sie das mahnende "Tuyet" und das zur Solidarität auffordernde "Hier wie nebenan". Beide Werke wurden Spitzenreiter in der Gunst junger Menschen.

Als sie in der Veranstaltung "Rhythmus '72" erklangen, verlangte man stürmisch Zugaben.

Als Angela Davis widerrechtlich verurteilt werden sollte, schrieben Sie spontan den Titel "Free Angela". Klar in der politischen Aussage, ungewohnt in der Wahl der musikalischen Mittel, löste er große Resonanz bei jungen Hörern aus.

Als das heldenhafte Volk von Vietnam um seine Freiheit kämpfte und unter den barabrischen amerikanischen Bombenangriffen zu leiden hatte, komponierten Sie das mahnende "Tuyet" und das zur Solidarität auffordernde "Hier wie nebenan". Beide Werke wurden Spitzenreiter in der Gunst junger Menschen.

Als sie in der Veranstaltung "Rhythmus '72" erklangen, verlangte man stürmisch Zugaben.

Die erfolgreichste Band der DDR wurde vielfach ausgezeichnet und schrieb mit Titeln wie "Über sieben Brücken musst du gehen", "Der blaue Planet" oder "Albatros" Musikgeschichte.

Hier eine Übersicht über Karats Alben:

JahrAlbumtitel
1978Karat
1979Über sieben Brücken
1979Albatros
1980Schwanenkönig
1982Der Blaue Planet
1984Die sieben Wunder der Welt
198510 Jahre Karat - Auf dem Weg zu Euch
1987Fünfte Jahreszeit
1990…im nächsten Frieden
1991Karat (1991)
1992vierzehn Karat - Die größten Hits
1995Die geschenkte Stunde
1997Balance
1998sechszehn Karat - Ihre größten Hits
2000Ich liebe jede Stunde
200125 Jahre - Das Konzert
2003Licht und Schatten
200530 Jahre Karat
2010Weitergeh´n
2013Symphony
2014Rock-Legende (Puhdys, City, Karat)
2015Rock-Legende-Live (Puhdys, City, Karat)
201540 Jahre-Live von der Waldbühne Berlin
2015Seelenschiffe
2017Rock-Legende- Vol.2 (Puhdys, City, Karat)
2018Labyrinth

Auszeichnungen

Karat gewann 1978 ihren ersten Preis. Im gleichen Jahr gewannen sie den „Kunstpreis der FDJ“, „Grand Prix beim internationalen Schlagerfestival“ und den „Preis der Presse“.

Neben vielen weiteren Preisen gewann Karat vier Mal die „Goldene Schallplatte“ und drei Mal den „nl-Interpretenpreis“.

Im Jahr 1983 wurde er mit den anderen Mitgliedern von Karat mit dem Nationalpreis der DDR III. Klasse für Kunst und Literatur ausgezeichnet.

Gesundheitliche Probleme und Tod

Die letzten Jahre waren für Herbert Dreilich zudem von gesundheitlichen Problemen geprägt.

Während eines Konzerts in Magdeburg erlitt der Sänger im Jahre 1997 einen Schlaganfall.

Obwohl er bereits kurze Zeit später sein Comeback mit einem Auftritt bei Peter Maffays "Begegnungen"-Tour feiern konnte, schleppte er die Folgen des Schlaganfalls in den letzten Jahren seines Lebens mit sich herum.

Für das Jahr 2003 stand eine große Tournee an, die "Ostival-Tour" hieß und auf der neben KARAT auch noch andere ehemalige DDR-Bands "im Westen" mehrere Konzerte spielen sollten.

Wenige Wochen vor dem Tour-Start begab sich Herbert aufgrund von gesundheitlichen Problemen in ärztliche Behandlung.