Immer wieder wird die Frage gestellt: Können Menschen mit Behinderungen Kampfsport betreiben oder eine traditionelle Kampfkunst erlernen? Unserer Meinung nach: Ja! Jeder sollte das Recht haben, Karate trainieren zu dürfen. Inklusion ist das Schlüsselwort.
Karate ohne Grenzen e.V. setzt damit ein Zeichen. Ganz einfach: Unser Karate ist etwas Besonderes! Gemeinsam stärken wir beim Karate unseren Körper und Geist und fördern dabei unsere Körperbeherrschung. Diese Frage haben wir uns ebenfalls gestellt, als wir begannen haben mit diesem Personenkreis zu trainieren. Wobei sich unsere Fragestellung eher auf das „wie funktioniert es“, statt auf „funktioniert es überhaupt“ bezogen hat.
Auch Menschen mit Behinderungen können im Kampfsport beziehungsweise in der Kampfkunst erfolgreich sein. Kampfsportexperte Holger Liedtke weiß: Menschen mit Behinderung können Kampfsport betreiben und eine traditionelle Kampfkunst erlernen.
Was verbirgt sich hinter Karate für Menschen mit Behinderung?
- Einen Ausgleich schaffen zur Bewegungsarmut
- Der Gesundheitsvorsorge dienen (im o. g. Sinne: physisch, psychisch, sozial)
- Spiel und Spaß vermitteln
- Soziale Kompetenz (z. B. Fairness, Empathie, Teamfähigkeit, Führungsqualitäten) fördern
- Kommunikation zwischen Menschen mit und ohne Behinderung stärken
- Gesellschaftlich benachteiligte Gruppen gezielt fördern und integrieren
- Leistungsfähigkeit und Leistungsvergleich (Wettkämpfe) fördern
- Den internationalen Austausch fördern
Im Karate-Sport für Menschen mit Behinderung hat sich in der letzten Zeit eine Entwicklung vollzogen, die positive Auswirkungen auf die Steigerung der Leistungsfähigkeit für behinderte Menschen und auf ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft hat.
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Sportler und Trainer haben erkannt, dass sich auch bei Menschen mit leichteren Behinderungen die Erkenntnisse der Trainingswissenschaften auf den Leistungssport übertragen lassen, wenn sie an deren Bedürfnisse und Möglichkeiten angepasst worden sind. Daraus erwuchs eine intensive Zusammenarbeit mit Trainern.
Die von der WKF erstellten karatespezifischen Startklassensysteme sollten in der Folge eine grundlegende Umstrukturierung des Behindertensports vom Breiten- hin zum Leistungssport erfahren. Die Anerkennung dieser Systeme sollte heute die Grundlage der Leistungssport-entwicklung im nationalen und internationalen Karate für Menschen mit Behinderung sein.
Para-Karate: Die offizielle Bezeichnung
Para-Karate ist die offizielle Bezeichnung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) für das Karate für Menschen mit Behinderung. Der DKV definiert unter dem Begriff Para-Karate das Karate derzeit so, wie es die Behinderten-Sportverbände (Gehörlosen-Sportverband, Virtus und IPC) tun.
Das Para-Karate beinhaltet aber nicht nur den Wettkampfsport, sondern auch die Vermittlung traditioneller Werte des Karate - nicht zuletzt die Schaffung von Selbstverteidigungs-Möglichkeiten für Menschen mit Handicap.
Federführend zuständig für das Para-Karate im internationalen Wettkampfsport ist die WKF. Im Bereich der Zielstellungen gibt es keine Unterschiede zwischen dem traditionellen Karate und dem Para-Karate: Jeder Schüler und jede Schülerin beziehungsweise jeder Athlet und jede Athletin versucht im Rahmen der Möglichkeiten, sich weiter zu entwickeln.
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Anpassung der Techniken
In der Regel werden Techniken, die nicht möglich sind, durch andere Techniken ersetzt. Immer mehr Sportler*innen sehen darin nicht eine Aufweichung ihres Stils, sondern eher eine Bereicherung. Nicht Stil oder Technik stehen im Mittelpunkt, sondern der Mensch mit seinen Fähigkeiten.
Wo ist nun der Unterschied zwischen Kampfsport, Kampfkunst und Selbstverteidigung?
- Kampfkunst: Wichtig ist das Erlernen der Kunst, weder Wettkampf noch Selbstverteidigung sind relevant. Die Kampfkunst steht für sich selbst.
- Selbstverteidigung: Hier geht es um das Erlernen von praktischen Techniken zu Verteidigung von Leib und Leben im Falle eines Übergriffes.
Kampfkunst beziehungsweise Kampfsport führt zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper. Seelisches und körperliches Wohlbefinden sind das Ergebnis. Darüber hinaus kommt auch der Selbstverteidigungsgedanke zum Tragen.
Wettkampfsportliches Engagement
Aber auch wettkampfsportlich kann man sich engagieren. Diverse Verbände bieten inzwischen Wettkämpfe für Menschen mit Behinderung an.
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Im Wettkampf präsentieren die Athleten des Para-Karate eine Kata, die im Zweifel an die Anforderungen des Handicap angepasst ist. Ein Rollstuhlfahrer muss sich dann zum Beispiel etwas einfallen lassen, um Fußtritte und ähnliche Techniken zu kompensieren. festgelegte Bewegungsabfolge, die hinsichtlich der korrekten Ausführung, Körperspannung und Ausstrahlung von Kampfrichtern mit Punkten bewertet wird.
Für die Athleten ohne Behinderung gibt es neben Kata auch noch den Zweikampf, Kumite. Das wird im Para-Karate derzeit noch nicht umgesetzt. Auch die Unterteilungen in Klassen läuft anders als bei den Karatekas ohne Behinderung. für die Athleten mit Handicap mehrere Klassen je nach Behinderung.
So gibt es international die Klassen Rollstuhlfahrer, Menschen mit Lernbehinderung und Sehbehinderte. Die Wettkämpfe für das Para-Karate, bspw. behinderten Athleten statt.
Karate-Training für Menschen mit Behinderung
Tarek Amin, Karate-Trainer in Konstanz, bietet seit einem Jahr Karate für Menschen mit Behinderung an. "Ich habe mich gefragt, warum sollen solche Menschen nicht auch Kampfsport machen", erzählt der 46-Jährige. Der Kurs dauert etwa sechs Monate, und wer möchte, kann auch im anschließenden Kurs weitermachen.
Sonst übt die Gruppe einmal wöchentlich Selbstverteidigungstechniken in der Sporthalle des Sankt Franziskus-Wohnheims für Menschen mit Behinderung. "Das war immer sehr kompliziert, also trainieren wir jetzt hier", erklärt er. umständlich gewesen. Die Hauptsache ist es Spaß zu haben und das Selbstbewusstsein zu stärken. Klaus zum Beispiel sitzt im Rollstuhl, doch das ist hier kein Hindernis. und einfache Verteidigungsstrategien. und geben Kraft.
Doch für die Teilnehmer haben die Übungen auch andere Vorteile. "Falls mal was ist, kann man sich auch verteidigen", sagt Heike, die im letzten halben Jahr dabei war. Tarek Amin hat ähnlich viel Freude an dem Projekt. sagt er.
Nach der Sommerpause will er weiterhin Karate für die Bewohner des Caritas-Wohnheims anbieten. Einige der jetzigen Teilnehmer wollen dann auf jeden Fall wieder mitmachen.
