The Iron Claw: Die tragische Geschichte der Von Erich Familie

In den vergangenen Jahren hat sich der einstige „High School Musical“-Darsteller Zac Efron recht eindrucksvoll weiter entwickelt. Nun erinnert der neue Kinofilm „The Iron Claw“ mit Zac Efron an die furchtbare Tragödie der legendären Wrestling-Familie von Erich.

In Sean Durkins Film geht es um Jack Barton Adkisson Sr., besser bekannt unter seinem Ringnamen Fritz von Erich. Das Oberhaupt der „von Erich“-Familie wurde einst von Stu Hart trainiert. Mit diesem Namen (inspiriert durch seine deutsche Herkunft) wollte er das Publikum als eine Art deutscher Nazi-Bösewicht anstacheln.

In diesem BioPic wirft Durkin einen Blick auf die 80er-Jahre, in denen das Wrestling-Business (NWA / WWE) begann zu boomen. Mittendrin der Patriarch Fritz von Erich, der seine Kinder zu Top-Sportlern / Catchern heranzog. Die Von-Erich-Brüder schreiben in den 80ern Sportgeschichte. Im Profi-Wrestling folgt ein Erfolg auf den nächsten, doch abseits der Scheinwerfer, die auf den Ring gerichtet sind, hat der Ruhm auch seine Schattenseiten.

Die reale Begebenheit zu „The Iron Claw“ beruht auf erschütternden realen Ereignissen in den USA der 1980er-Jahre. Im Zentrum steht die Wrestling-Dynastie der Familie Von Erich aus Texas, deren Name einst Ruhm, Glanz und Respekt ausstrahlte - und heute mit Verlust und Tragik verknüpft ist.

Wrestling-Legende „Fritz Von Erich“, eigentlich Jack Adkisson, war das Oberhaupt der Familie, selbst Wrestling-Legende und führte mit strenger Hand drei seiner Söhne in den Ring. Doch der Preis für den sportlichen Ruhm war hoch - und blutig. Hinter den Kulissen kämpften die Geschwister nicht nur gegen ihre Kontrahenten im Ring, sondern auch gegen psychische Dämonen, immensen Druck und hohe Erwartungen. Die Mischung aus unvorstellbarem Leistungsdruck, Schweigen über psychische Probleme und ein Männlichkeitsideal, das keinen Raum für Schwäche zuließ, führten schließlich zur Tragödie.

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Durkin nimmt sich kreative Freiheiten, indem er manchmal die Chronologie etwas verändert oder einzelne Personen aus der Geschichte fallen lässt, doch dies hilft bei der Fokussierung. Auf beeindruckende Art zeigt „The Iron Claw“ wie das Regime des Patriarchen funktioniert. Fritz von Erich ist kein Gewalttäter, kein Wutmensch, aber methodisch in der Erziehung der Söhne und des Managements der Familie.

So wird der zweitälteste Sohn Kevin, die neue Wrestling-Hoffnung der Familie. Angespornt durch das harte Regiment und Training auf der Ranch in Dallas / Texas, werden die drei ältesten, Kevin, Kerry und David in den Ring „geworfen“, um die Wrestling-Erfolge zu erkämpfen. Ihnen dicht auf den Fersen der vermeintliche Familienfluch. Doch och bevor dieses erneut zuschlagen kann, findet Kevin in Pam seine große Liebe. Sein Glück soll dennoch nicht lange währen.

Fritz beschließt Davids anstehenden Titelkampf zwischen Kevin und Kerry auszulosen. Kerry wird auserkoren, den Titel zu holen, was ihm auch gelingt. In derselben Nacht erleidet er jedoch einen Motorrad-Unfall und verliert seinen rechten Fuß. Derweil versucht sich der jüngste der Familie, Mike, unter dem Training von Kevin, am Wrestling. Kevin, zwischenzeitlich auch Vater eines Sohnes, gerät immer mehr in Panik. Was, wenn der Familienfluch auch auf seine kleine Familie übergeht? Somit zieht er sich von Frau und Sohn immer weiter zurück.

Kerry wiederum ist fest entschlossen in den Ring zurückzukehren. Was ihm mit einer Prothese auch gelingt. Als „Texas Tornado“ feiert er in der Konkurrenz Liga WWE (World Wrestling Entertainment ehemals WWF) einige Erfolge. Auch Mike kommt mit seiner Behinderung psychisch mit mehr zurecht und nimmt sich mit einer Überdosis das Leben. Kevin versucht zwar alles zusammenzuhalten, dennoch kann er den Selbstmord seines Bruders Kerry ebenfalls nicht aufhalten. Seinem Dad macht er schwere Vorwürfe, nachdem er Kerry mit einem Kopfschuss auf der heimischen Farm vorfindet. Einzig der Gedanke, dass dieser nur wieder mit seinen anderen Brüdern vereint ist, spendet ihm Trost.

Zwischen 1959 und 1993 starben fünf der sechs Söhne; teils durch Unfälle, meist jedoch durch Suizid. Kevin, der einzige Überlebende der Brüder, spricht heute offen über das, was viele in der Sportwelt als „Von-Erich-Fluch“ bezeichnen.

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David von Erich, gestorben mit 25 Jahren. Kerry von Erich, tot mit 33 . Mike von Erich, mit 23. Chris von Erich, gestorben 18 Tage vor seinem 22. Geburtstag.

Am 10. Februar 1984 wurde David Adkisson alias David von Erich leblos in einem Hotelzimmer in Japan aufgefunden. Der hieß eigentlich Jack Adkisson, spielte aber einst im Ring einen bösen Deutschen und behielt den Namen bei, als er zum Liebling wurde. Akute Darmentzündung, notierte die US-Botschaft in Japan als Todesursache. Eine Überdosis Drogen, berichteten Kollegen und Medien.

Als Texas Tornado feierte er Anfang der Neunziger auch bei WWE Erfolge, nachdem World Class seine Pforten geschlossen hatte. Er hielt kurz den Intercontinental Title der damaligen WWF - trotz eines amputierten Fußes, die Folge eines Motorradunfalls 1986. Kerry kämpfte mit einer Prothese weiter, auch viele Kollegen wussten nicht davon. Den Titel verlor er schnell wieder - an den später ebenfalls tragisch verstorbenen „Mr. Perfect“ Curt Hennig.

Nachdem er wegen Kokainbesitzes zum wiederholten Male verhaftet wurde und sich auf eine Gefängnisstrafe einstellen musste, erschoss er sich am 18. Februar 1993 auf der väterlichen Ranch.

Fritz von Erich starb vier Jahre nach Kerrys Tod an Lungenkrebs, ein gebrochener Mann, spät geschieden von der 2015 verstorbenen Ehefrau Doris, beladen nicht nur vom Tod seiner Söhne, sondern auch von Vorwürfen, sie mitverursacht zu haben.

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Nur Kevin, der Zweitälteste (geboren 1959), überlebte seine Eltern, scheint sich von schlechten Einflüssen stets ferngehalten zu haben. Nach seiner Karriere führte er ein skandalfreies Leben als Geschäftsmann und Familienvater von vier Kindern. 2009, als WWE die von Erichs in ihre Hall of Fame aufnahm, nahm Kevin die Ehrung stellvertretend auch für seinen Vater und seine Brüder entgegen.

Der investigative Journalist Irvin Muchnick beschuldigte Fritz, er hätte seine Söhne körperlich und seelisch ausgebeutet, sie förmlich in den Tod getrieben zu haben.

Für die Choreographie verantwortlich ist Chavo Guerrero jr., der die Signature Moves der Von-Erich-Brüder für den Film studierte: Kevins Vorliebe für Sprünge vom Ringpfosten, Kerrys Drehattacken und Davids eiserne Klaue, der das Kennzeichen seines Vaters zu einem Helden-Move umdeuten wollte.

Alle Darsteller trainierten sich viel Muskelmasse an und übten Wrestling, sodass sie die betreffenden Szenen selbst absolvieren konnten. Zac Efron ist in den meisten seiner Filme als gut durchtrainierter Kerl zu sehen, für „The Iron Claw“ verwandelte er sich mit hartem Trainingsprogramm in ein wahres Biest. Frisur und Make-Up lassen ihn älter erscheinen, von seinem sonstigen Sunnyboy-Charme ist wenig zu sehen. Stattdessen gibt er den Bruder, der einerseits die Familie zusammenhalten und als Anker für seine Brüder dienen will, andrerseits aber auch den väterlichen Anweisungen folgt und es als sein Recht ansieht als ältester Sohn im Ring die erste Chance auf den Titel zu haben. Nicht nur körperlich, sondern auch schauspielerisch eine herausragende Performance, die man Efron auf den ersten Blick vielleicht gar nicht zugetraut hätte.

Auch die Ausstattung leistet famose Arbeit, wenn die Wrestling-Arenen und TV-Shows jener Zeit glaubhaft und detailgetreu zum Leben erweckt werden, untermalt von einem tollen Soundtrack. Der von Regisseur Durkin und Kameramann Mátyás Erdély gewählte filmische Stil und Farben fangen die Zeit und Atmosphäre perfekt ein.

Durkin gelang es dennoch einen hervorragenden Mix aus Drama und BioPic zu erzeugen. „The Iron Claw“ ist ein ruhiges, einnehmendes Drama, auch für Menschen, die mit Wrestling nichts am Hut haben. Eine tragische Familiengeschichte auf Basis wahrer Tatsachen, mit viel Herz für seine Figuren.

Das Biopic versucht nicht nur, ein sportliches Vermächtnis zu zeigen, sondern auch, eine Familie zu porträtieren, die unter der Last ihrer eigenen Ansprüche zerbrach. Zac Efron verkörpert überzeugend Kevin Von Erich - muskulös, ernst und gezeichnet von der eigenen Familiengeschichte.

Der doppeldeutige Titel (Deutsch: Die Eisenklaue) bezieht sich auf den Finishing Move der von Erichs, einem Griff ins Gesicht, mit dem sie ihre Gegner zur Aufgabe zwangen.

„The Iron Claw“ ist in Deutschland bei Leonine auf DVD und Blu-Ray erschienen, ungekürzt ab 12 Jahren freigegeben.