Der Höhepunkt der Neuen Deutschen Welle: Eine Analyse

Wann genau war der exakte "Höhepunkt" der NDW? An welchem Tag bzw. in welche Woche genau fällt eigentlich der exakte "Höhepunkt" der Neuen Deutschen Welle?

Rein theoretisch ließe sich sehr leicht ermitteln, wann die NDW ihren - wenn auch nicht kreativen, so doch wenigstens kommerziellen - "Höhepunkt" genau erreicht hatte: Man müßte dazu nur einmal gründlich die deutschen Charts der Jahre 1981-83 analysieren und das Datum der größten Präsenz von NDW-Titeln in den Charts durch Addition der von NDW-Titeln erreichten Ränge errechnen (niedrigste damit ermittelte Punktzahl = Woche des größten kommerziellen Erfolgs der NDW).

Ich nehme an, der exakte Zeitpunkt für den "Höhepunkt der Neuen Deutschen Welle" dürfte wohl irgendwann im Juli/August des Jahres 1982 durchschritten worden sein; vorher baute sich die NDW noch stetig auf, 1982 aber wurden NDW-Titel allesamt zu den Sommerhits des Jahres. 1983 begann die NDW bekanntlich langsam wieder zu verebben.

Hier eine unscharfe Erinnerung an die Entwicklung der NDW:

  • Mitte 1980 - Mitte 1981: Erste einzelne NDW-Acts in TV oder Radio (Ideal, Hans-a-Plast)
  • Herbst 1981: Vereinzelte NDW-Chartserfolge (Rheingold), vermehrt "untergrundige" NDW im Radio
  • Anfang 1982: Es wird zur Welle
  • Mitte 1982: Höhepunkt
  • Ende 1982 bis 1983: Overkill (Nena-Markus-Film als Symptom), der zu Überdruss und Distanzierung führt (Ideal löst sich auf)
  • 1984: Letzte Nachgeplänkel (irgendwelche Nena-Alben?, auch das Grönemeier-Zeux aus der Zeit (pfui) klingt ehrlich gesagt wavig). Aber in der Zeit wollten sich Gruppen, die eigentlich noch wie NDW klangen, auf keinen Fall mehr dazu bekennen)

Wenn man sich also - aus welchen Gründen auch immer - die Frage stellt, wann genau denn eigentlich der "Höhepunkt" dessen, was "allgemein" bis heute als NDW bezeichnet wird, stattfand, dann wird man diese Frage nur mehr oder weniger nach Gefühl beantworten können.

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Was das betrifft, freut es mich aber sehr, daß ich mit anorak übereinstimme, wenn wir beide den "eigentlichen Höhepunkt" dieser "allgemein so genannten NDW" auf den Sommer 1982 ansetzen würden.

Mein Ansatz wäre ziemlich offen, und würde die ganze Spannbreite abdecken: NDW ist Musik, die alle folgenden Kriterien erfüllt:

  • zwischen 1979 und 1985 entstanden
  • stammt aus einem der deutschsprachigen Länder
  • musikalisch Punk, New Wave, New Romantics oder Electro-Pop

Das erschlägt alles, von Einstürzende Neubauten bis "Knutschleck".

Es gibt einige Grenzbereiche: Spider Murphy Gang z.B. "lief" damals als NDW. Aber eigentlich war das eine Rock'n'Roll-Revival-Gruppe, die schon Jahre davor auf Teddyboys gemacht hatte, und dann plötzlich das Etikett NDW aufgepappt kriegte und riesige Plattenzahlen verkaufte.

Auch "Altmeister" wie Kraftwerk. Und übrigens auch die Rock- und Popmusik aus der DDR, wo es viele Bands gab, die an sich alle Kriterien der NDW erfüllten, die aber wegen der damaligen fast totalen Unterbindung jeder Reisefreiheit für Bürger der DDR so gut wie überhaupt keinen Kontakt zu Künstlern aus dem Westen hatten und hier fast völlig unbekannt blieben.

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Der Anti-Kriegs-Song "Der blaue Planet" von Karat (1982), der mir heute noch Stürme von Gänsehaut über den Rücken jagt wenn ich ihn wieder mal höre, er z.B. gehörte eigentlich voll und ganz zu etwas, was musikalisch so neu und inhaltlich so voller Energie war, daß ich ihn voll und ganz zur Neuen Deutschen Welle zählen würde.

Für mich war der Anfang im Juni1981! Denn da habe ich Trio in meiner Heimatstadt gesehen.Niemand kannte die drei Typen mit ihren Skurielen Texten,aber der Saal war voll am Kochen! Das Ende war für mich das Jahr 1984!

Es gab ja die legendäre Amiga-Compilation "Linie 1", die sich im Untertitel verschämt "Neue Tanzmusik" nannte, aber es war NDW .

Hier eine Methode zur Analyse der Charts:

  1. Alle Wochencharts 1979 - 1985 von HTML ins Excel-Format umwandeln
  2. In allen so gewonnenen Exel-Tabellen jeweils eine Spalte "Datum" zufügen (denn das steht ja als Überschrift über der Seite, ist aber nicht Teil der Tabelle, und würde sonst verloren gehen)
  3. Danach alle Einzeltabellen zu einer einzigen großen Tabelle zusammenfügen
  4. In der noch eine Spalte "Ist NDW" zufügen (ja/nein-Feld); das meinte ich mit dem Flag
  5. Per Hand jede einzelne Titelerwähnung überprüfen und "NDW ja" klicken, wo es stimmt
  6. Die Häufung der NDW-Flags nach Zeit darstellen, z.B. mit einer der hübschen Excel-Grafikfunktionen. Da erhält man dann eine steigende/fallende Kurve auf die Zeit abgetragen, und an irgendeiner Stelle hat sie ihr Maximum.

Wenn man nur die Ränge von NDW-Titeln dieser Zeit addiert (Rang 1 + Rang 2 = 3 Zähl-Ränge), um deren größten Erfolg zu ermitteln, dann bedeuten ja kleinste Zahlen den größten Erfolg, und Fälle von gar keinen Rängen, die als Nullen zu werten wären (kann mir jemand folgen?) würden leicht zu dem falschen Eindruck einer "ganz besonders erfolgreichen Woche" führen. Was natürlich Quatsch wäre.

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Besser wäre also ein Punktesystem, und zwar im umgekehrt proportionalen Sinn wie die Zählung der einzelnen Ränge der NDW-Titel dieser Zeit; also Rang 20 = 1 Punkt, Rang 19 = 2 Punkte, Rang 18 = 3 Punkte usw., bis hinauf zu Rang 1 = 20 Punkte. Gäbe es in einer Woche zwei Platzierungen von NDW-Titeln auf Rang 20 (1 Punkt) und 18 (3 Punkte), so ergäbe das zusammen 4 Punkte. Gäbe es in der nächsten Woche wieder zwei Platzierungen, und zwar auf Rang 17 (= 4 Punkte) und Rang 7 (=14 Punkte), so wären dies zusammen 18 Punkte, und wir wären dem absoluten Höhepunkt (oder auch Scheitelpunkt) der Neuen Deutschen Welle also wieder ein Stück näher gekommen. Gell?

Wenn ich wissen will, wann der absolute Höhepunkt der Neuen Deutschen Welle erreicht wurde, dann gibt es bekanntlich erstens das Problem, welche Songs dazu zu zählen sind. Weitestgehend herrscht wohl darüber Einigkeit, aber es gibt bekanntlich einige Streitfragen, die nur jeder für sich selbst beantworten kann.

Zweitens: die Ermittlung dieser Frage hängt aber auch davon ab, welche Quelle man benutzt, und wie umfangreich die Erhebung ist.

Bekanntlich gibt es verschiedene Charts in Deutschland - jeder Rundfunksender führt seine eigenen Charts. Die von Markus Tolksdorf veröffentlichten sind anscheinend (?) die offiziellen Verkaufscharts deutscher Platten- und CD-Händler - also die sozusagen "offiziellen Charts überhaupt". Aber Tolksdorf veröffentlicht aus ihnen nur die Top Twenty, nicht aber die gesamten Charts, die insgesamt aus 75 (oder 100?) Rängen bestehen.

Je nach dem, wie viele Ränge man zählt, wird man wohl zu verschiedenen Ergebnissen kommen. (Vielleicht aber auch nicht... jedenfalls dürfte der auf jeden denkbarem anderen Weg ermittelte Zeitpunkt sich kaum allzu weit von dem von mir ermittelten Zeitpunkt entfernt befinden...)

Andererseits: wieso eigentlich nur die deutschen Charts? Um die NDW als Gesamt-Phänomen statistisch zu analysieren, müßte man natürlich streng genommen auch die österreichischen und schweizer Charts (und die Charts der DDR, falls es überhaupt solche gab - weiß ich nicht) mit dazu rechnen. (Es fragt sich bloß, wie...)

Jedoch ist Westdeutschland damals bekanntlich der mit Abstand größte Markt aller vier in Frage kommenden Staaten gewesen.

Nirgendwo aber durchtränkt die Angstlust an der Endzeit derartig endemisch die mediale Produktion wie in Deutschland.

Die in den Achtzigern auf ihre ganz spezielle Weise aufblühende deutsche Popmusik kannte natürlich auch keine Parteien mehr, sondern nur noch Opfer.

Der Untergang verlor so nach und nach seine kollektive Dimension, er wurde privatisiert - und als 1989 dann tatsächlich eine Welt unterging, nämlich die mit dem Kollaps des sozialistischen Lagers gleich mitentsorgte sozialintegrative Nachkriegsordnung, traute man sich nicht mehr, die Angst zu spüren, auf die man vor wenigen Jahren noch so stolz gewesen war.

Heutzutage »geht zwar ständig ­alles Mögliche unter - Menschen, Projekte, komplette Staatswesen -, aber der kollektive Untergang ist nicht in Sicht … Da hatte die Atombombe einen wesentlich demokratischeren Anspruch«, hielt Frank Apunkt Schneider 2015 mit einigem Recht fest: »Die Welten, die heute ständig untergehen, sind individuelle Welten: die Welten der Einzelnen.«

Und der mögliche Einwand, dass doch die gesellschaftliche Sensibilität für die Klimaentwicklung gestiegen sei, ein scheinbar allgemeines Anliegen also, geht vollkommen daneben, solange niemand sich auch nur ein bisschen für das Raumklima derer interessiert, die ihre stets teurer werdenden Strom- und Heizrechnungen nicht mehr bezahlen können.

Auch der Anti-Kriegs-Song "Der blaue Planet" von Karat (1982) gehörte eigentlich voll und ganz zu etwas, was musikalisch so neu und inhaltlich so voller Energie war, daß ich ihn voll und ganz zur Neuen Deutschen Welle zählen würde.

Karat und "Der blaue Planet"

Der Anti-Kriegs-Song "Der blaue Planet" von Karat (1982) gehörte eigentlich voll und ganz zu etwas, was musikalisch so neu und inhaltlich so voller Energie war, dass er voll und ganz zur Neuen Deutschen Welle gezählt werden könnte.

Karat selbst war eine DDR-Band, die musikalisch und inhaltlich etwas Neues schuf. Ihr Lied "Der blaue Planet" (1982) ist ein Beispiel dafür. Es war ein Antikriegssong und hatte eine Energie, die zur Neuen Deutschen Welle passte.

Die Band Karat, gegründet in der DDR, schaffte mit ihrer Musik etwas Neues. Der Song "Der blaue Planet" aus dem Jahr 1982 ist ein Antikriegslied voller Energie und passt zur Neuen Deutschen Welle.

Interessanterweise spielten auch der DDR-Rock und Pop eine Rolle, auch wenn sie im Westen weniger bekannt waren. Bands aus der DDR hatten oft keinen Kontakt zu westlichen Künstlern, da die Reisefreiheit stark eingeschränkt war.

NDW-Kriterien

NDW ist Musik, die alle folgenden Kriterien erfüllt:

  • zwischen 1979 und 1985 entstanden
  • stammt aus einem der deutschsprachigen Länder
  • musikalisch Punk, New Wave, New Romantics oder Electro-Pop

Die Puhdys

Die PUHDYS waren die erfolgreichste Rockgruppe der DDR. Hand, zum Vorbild mehrerer Musikergenerationen. Melodien sowie der, bis auf einen Wechsel, konstanten Besetzung. Am 19. Nov. 1969 gaben die PUHDYS - Dieter Birr (g, voc; geb. am 18. März 1944; n. a. A. 1945), Dieter Hertrampf (g, voc; geb. am 29. Nov. 1944; n. a. A. Peter Meyer (keyb; geb. am 5. Jan. (b; geb. am 6. Okt. 1937) - ihr erstes Konzert in Freiberg. auf der Bühne.

Weitere DDR-Musik

Der DDR-Rock und Pop spielten auch eine Rolle, auch wenn sie im Westen weniger bekannt waren. Bands aus der DDR hatten oft keinen Kontakt zu westlichen Künstlern, da die Reisefreiheit stark eingeschränkt war.