Karat: Über sieben Brücken musst du gehn – Die Geschichte eines DDR-Hits

„Über sieben Brücken musst du gehn“ ist eines der bekanntesten und beliebtesten deutschsprachigen Lieder. Bis heute hat der Ostrock-Hit „Über sieben Brücken mußt du gehn” nichts von seiner Faszination eingebüßt: Noch immer löst er Beifallsstürme aus, wenn Karat oder Peter Maffay die Song auf der Bühne performen.

Entstehung des Songs

Die Geschichte des Hits „Über sieben Brücken musst du geh´n“ beginnt in den 60iger Jahren im Leipziger Südraum und ist ein Zeugnis der politischen Verhältnisse. Geschrieben wurde der Song ursprünglich für den gleichnamigen Fernsehfilm.„Geschrieben wurde der Song ursprünglich für den gleichnamigen Fernsehfilm", erinnerte sich Karat-Schlagzeuger Michael Schwandt im Gespräch mit SUPERillu 2005. Er und sein Kumpel Bernd Römer, Gitarrist bei Karat waren damals live dabei, als das Lied entstand. Der Text stammt aus einer polnischen Fabel: „Helmut Richter, der auch das Buch zum Film geschrieben hatte, übersetzte den Text 1975 ins Deutsche und brachte ihn in Liedform.

Die gesamte Musik zum Film, auch „Sieben Brücken”, stammt von Ed Swillms. I. ÜBER SIEBEN BRÜCKEN MUSST DU GEHN entstand 1977 im Zusammenhang mit der Musik zu einem Film des DDR-Fernsehens nach einer gleichnamigen Novelle des Leipziger Schriftstellers Helmut Richter aus dem Jahr 1975. Regisseur Hans Werner (*1950) war es gelungen, Ulrich “Ed“ Swillms (*1947) für die Filmmusik zu gewinnen, Keyboarder der 1975 in Ostberlin gegründeten DDR-Rockgruppe Karat, der sich als Komponist mehrerer Hits bereits einen Namen gemacht hatte.

Im Verlauf der Dreharbeiten schlug Dramaturg Peter Jakubeit (*1939) vor, den Film mit einem Titelsong zu versehen, der die erzählte deutsch-polnische Liebesgeschichte auf eine sinnbildhafte Ebene projizieren und zugleich als dramaturgischer Anker im Film fungieren sollte. Helmut Richter schrieb dafür einen Text, der die Titelzeile seiner Erzählung zum Kern einer ins Allgemeinmenschliche zielenden melancholischen Betrachtung über die Mühen des Lebens machte, und Ed Swillms komponierte dazu eine ebenso suggestive wie kongeniale Musik.

An einem Sonntagabend im April 1978 hatte das DDR-Fernsehen den Spielfilm „Über sieben Brücken musst du gehn” dann gesendet: Am Ende des Films, über dem Abspann, lief ein Lied: "Über sieben Brücken musst du gehn, / sieben dunkle Jahre überstehn, / siebenmal wirst du die Asche sein, / aber einmal auch der helle Schein..." Noch am Abend riefen beim Fernsehen der DDR in Berlin-Adlershof Zuschauer an und fragten, wie das Lied heißt und wo sie die Schallplatte kaufen könnten.

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Der Durchbruch in der DDR

Die Gruppe Karat übernahm den Song sofort in ihr Repertoire und erhielt damit 1978 beim Internationalen Schlagerfestival in Dresden den Grand Prix. „Wir waren damals eine Band auf dem Weg nach oben”, erinnert sich Schlagzeuger Schwandt, „und nahmen 1978 am Schlagerfestival in Dresden teil.” Das Internationale Schlagerfestival Dresden wurde 1971 erstmals ausgetragen. Anfangs traten ausschließlich Musiker aus der DDR und weiteren sozialistischen Ländern auf. Die Kategorien des Wettbewerbs hießen „Nationaler Titelwettbewerb“, „Internationaler Titelwettbewerb“ (ab 1982 zusammengefasst) und ab 1977 „Grand Prix“ als Hauptpreis.

Dass Karat sich für das Schlagerfestival einen Filmsong aussuchten, störte niemanden. Und das Unerwartete geschah: „Über sieben Brücken” landete auf Platz eins! Michael Schwadt: „Ein Riesenerfolg: Wir liefen im Radio, das Lied wurde ein Hit.” Und ein ganzes Land sang, tanzte und träumte mit. Im gleichen Jahr erschien die Aufnahme des DDR-Fernsehens auf Amiga, dem Popmusik-Label der staatlichen Plattenfirma VEB Deutsche Schallplatten, als A-Seite einer Single.

1979 erschien dann die LP „Über sieben Brücken musst du gehn” beim DDR-Plattenlabel „Amiga” und war umgehend vergriffen. Allein in der DDR wurden 750 000 Platten verkauft, in der BRD noch einmal über eine Million.

Die Coverversion von Peter Maffay

Die damaligen politischen Spannungen zwischen den beiden deutschen Staaten verhindern allerdings, dass Karat ein gesamtdeutscher Erfolg beschieden war. Zahlreiche Auftrittsanfragen an Karat aus dem Westen scheiterten an der Order des DDR-Kultusministeriums, keine DDR-Kunst in westlichen Medien zu präsentieren. So kam es, dass einem anderen Künstler mit „Über sieben Brücken musst du gehen“ der ganz große Erfolg gelang.

Eines Tages hörte Peter Maffay den Song im Autoradio - und war sofort begeistert. Schwandt: „Bei unserem Konzert 1980 in Wiesbaden besuchte er uns in unserer Garderobe. Er sagte, er würde den Song gern auf seine CD nehmen. Bereits ein Jahr nach der Karat-LP „Über sieben Brücken musst du gehen“ veröffentlichte der westdeutsche Rockmusiker Peter Maffay eine Coverversion des Songs. Seine Version unterscheidet sich in Arrangement und Instrumentalisierung vom Original, ohne es aber in der musikalischen Grundform oder der emotionalen Aussage abzuändern.

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Dass es Maffay war, der mit diesem Lied den Siegeszug durch den Westen antrat, war zum Teil Schuld der Politik: „Auch die West-Sendungen wollten, dass wir mit dem Titel auftreten”, erinnerte sich Bernd Römer. Doch das DDR-Kulturministerium ordnete an: Keine Präsenz unserer Künstler in Westmedien! Maffay ging ins Studio und spielte „Über sieben Brücken musst du gehn“ inkl eines neuen Saxophon-Solos neu ein.

Maffays Version wurde ein gigantischer Erfolg. Auch wenn der Band Karat der ganz große Erfolg versagt blieb, so äußerte sich die Band immer positiv zur Maffay-Version und freute sich über den Erfolg ihres Liedes, der zum Teil auch auf die Band abstrahlte. Nach der Wende spielten Karat und Maffay das Lied mehrmals zusammen, sowohl im Tonstudio als auch live - unter anderem zur 10-jährigen Jubiläumsfeier des Tags der Deutschen Einheit in Berlin am 3. Oktober 2000.

Bereits 1980 reiste Karat zu einem Konzert nach Wiesbaden. Peter Maffay machte sich ebenfalls auf den Weg in die hessische Landeshauptstadt. Einige Monate waren seit dem Tag vergangen, als er im Radio "Über sieben Brücken" gehört hatte. Maffay wollte die Musiker aus der DDR unbedingt treffen. "Wir haben uns in einem verräucherten Club kennengelernt. Und das war ja keine alltägliche Geschichte - eine ostdeutsche Band und ein westdeutscher Sänger", erinnert sich Maffay im MDR-Gespräch. "Aber das war eine schöne Begegnung, die anfangs etwas angespannt war, denn ich wusste nicht, wem ich da begegne, und die wussten nicht, wie ich ticke.

Peter Maffay nahm nach dem Treffen mit Karat schnell eine eigene Version des Karat-Songs auf, die er mit einem ebenso markanten wie einprägsamen Saxophon-Solo versah. Komponist "Ed" Swillms war begeistert. Noch 1980 veröffentlichte Maffay seine Version von "Über sieben Brücken" auf dem Album "Revanche", das sich mehr als zwei Millionen Mal verkaufte. Da das Kulturministerium der DDR Karat Anfang der 1980er-Jahre untersagt hatte, im bundesdeutschen Fernsehen aufzutreten, war nun fast ausschließlich die Interpretation Maffays präsent. Und der machte das Lied bei zahlreichen Konzerten auch im Ausland bekannt. Das alles führte schließlich dazu, dass viele im Westen meinen, "Über sieben Brücken" sei sein Lied.

Nach 1990 sangen Peter Maffay und Herbert Dreilich einige Male gemeinsam ihren berühmten Song. Zahlreiche andere Künstler habe das Lied ebenfalls gecovert, doch Maffays Version ist auch heute noch jene, die am meisten gespielt wird.

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Musikalische Analyse

III. ÜBER SIEBEN BRÜCKEN MUSST DU GEHN ist eine klassische Rockballade in Strophenliedform. Der zweistrophige Song ist durchweg aus zweitaktigen melodischen Phrasen aufgebaut, die sich nur wenig voneinander unterscheiden und in auf- und absteigender Bewegung nicht mehr als den Tonraum einer Quinte durchschreiten. Das macht den Song nicht nur sehr einprägsam, sondern erzeugt eine eigenartig kreisende melodische Bewegung. Die Melodie scheint immer wieder neu anzusetzen. Die sechzehntaktigen Strophen sind aus zwei Achttaktern aufgebaut, die ihrerseits aus zwei Viertaktern zusammengesetzt sind.

Die zweite Viertaktgruppe weicht harmonisch in die Moll-Parallele der Grundtonart aus, was den Zweitaktgruppen hier einen hinreichend kontrastierenden Charakter gibt, ohne dass der melodische Duktus um der Kontrastwirkung willen verändert werden musste. Legt man die Zweitaktgruppen zugrunde, dann ergibt das den folgenden Strophenaufbau: a a b b a a b b. Einen besonderen Charakter erhält der Song aber dadurch, dass die zweitaktigen melodischen Phrasen immer erst verzögert, auf dem zweiten Viertel des ersten Taktes beginnen.

Die immer wieder neu ansetzende kleinteilige Melodik scheint auf den achttaktigen Refrain, der den beiden Strophen jeweils nachgestellt ist, förmlich zuzulaufen ( nach der ersten Strophe durch die Textzeile “und dann such ich Trost in einem Lied“ effektvoll unterstützt). Mit seinem hymnischen Charakter ist der Refrain der Kulminationspunkt des Songs. Es sind nur kleine Veränderungen an den melodischen Zweitaktgruppen, die die Verschiebung ins Hymnische bewerkstelligen. So ist die Melodiestimme im Refrain nicht mehr solo, sondern im chorischen Unisono gesungen. Sie setzt hier nicht um ein Viertel verzögert, sondern jeweils ein Viertel vor Taktbeginn ein. Die melodischen Phrasen werden damit auftaktig.

Die Achtelfolge des melodischen Verlaufs ist durch zwischengeschobene Viertel unterbrochen, so dass Ruhepunkte in der Bewegung entstehen. Durch Überbindungen von Achteln sind Synkopen gesetzt, was den Melodieverlauf hier deutlich spannungsreicher als in den Strophen macht. Obwohl der Gesamteindruck ein ganz anderer ist, sind die Zweittaktgruppen, aus denen sich der Refrain zusammensetzt, dennoch nichts anderes als eine modifizierte Variante der Zweitaktgruppen aus der Strophe. Der Refrain hat den Aufbau a’ b‘ a‘ b‘. Nach der zweiten Strophe wird er wiederholt und dient so zugleich als Outro. Es ist dieser ebenso einfache wie kunstvolle Aufbau, dem die ungebrochene Popularität dieses Songs geschuldet ist. Zudem bilden Text und Musik hier nicht nur formal eine nachgerade perfekte Einheit.

Den diffusen Erinnerungsbildern mit ihrer ungerichteten Sehnsucht, die die Strophen heraufbeschwören und die mit der Zeile “manchmal scheint man immer nur im Kreis zu gehn“ den melodischen Duktus der Zweitaktphrasen geprägt haben, entspricht der zerfließende Klangcharakter, in denen nur die Singstimme Kontur besitzt.

Die politische Dimension

II. ÜBER SIEBEN BRÜCKEN MUSST DU GEHN wurde in der DDR zu einem Hit als die Fassade des “real existierenden Sozialismus“ unübersehbare Risse bekam, die ein Jahrzehnt später dann mit dem Fall der Berliner Mauer zum Ende des SED-Staates führten. War es Anfang der 1970er Jahre mit Erich Honecker als Nachfolger von Walter Ulbricht in den höchsten Ämtern von Partei und Staat zunächst zu einer Phase der Liberalisierung gekommen, die u.a. mit der Förderung der einst bekämpften Rockmusik in der DDR vor allem bei der Jugend ein Gefühl des Aufschwungs auslöste, so brach dieser Prozess mit der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann (*1936) im November 1976 jäh ab.

Mit einer damals schon nicht mehr für möglich gehaltenen Zuspitzung der Konflikte begann die DDR-Führung Andersdenkende systematisch auszugrenzen, was vor allem den Künstlern aller Genres und Sparten das Arbeiten zunehmend unmöglich machte. In der Konsequenz wurde auch die Rockmusik ab 1977 von einer Ausreisewelle getroffen, die das künstlerische Potenzial empfindlich dezimierte. Zugleich begann eine Generation junger Musiker, inspiriert nicht zuletzt durch die Verweigerungshaltung des britischen Punk Rock, die Kompromisse aufzukündigen, die ihre Vorgänger um einer möglichst unbehelligten Entwicklung ihrer Musik willen noch eingegangen waren. Immer häufiger wurden die stillschweigend vereinbarten Tabus nun sowohl in den Texten wie auch in der Musik verletzt. Das wiederum nahm die SED zum Anlass für ein noch konsequenteres Vorgehen, was den Druck weiter erhöhte.

Vor diesem Hintergrund gab es für Musiker und Bands eigentlich nur die Alternative, wenn sie sich nicht mit Auftrittsverboten aus dem Land treiben lassen wollten, entweder auf die zermürbenden Auseinandersetzungen einzugehen und entsprechende Kompromisse zu machen oder aber zu versuchen, den Repressalien durch eine schwer greifbare und damit auch schwer angreifbare Metaphorik in den Texten zu entgehen. Karat hat letzteren Weg gewählt und schon auf dem ersten Album mit Songs wie “König der Welt“ (1978), “Märchenzeit“ (1978), später dann mit “Albatros“ (1979), “Schwanenkönig“ (1980) oder eben auch mit “Über sieben Brücken musst Du gehn” Musterbeispiele für eine solche diffuse Metaphorik geschaffen. Die nicht selten kryptischen Texte bildeten die Stimmungslage aber so genau ab, dass diese Songs in der DDR durchweg zu Massenerfolgen wurden.

Chartplatzierungen und Verkaufszahlen

IV. ÜBER SIEBEN BRÜCKEN MUSST DU GEHN wurde in der DDR immens populär. Sowohl die 1978 erschienene Single wie auch das 1979 erschienene Album waren Verkaufserfolge, auch wenn das damals nicht viel hieß, da die Auflagen in der DDR im vorhinein limitiert waren und die festgesetzte Auflagehöhe nur sehr bedingt etwas mit der realen Nachfrage zu tun hatte. Mit der Single platzierte sich die Band auf Platz 2 der DDR-Jahreshitparade hinter ihrem Titel “König der Welt“. Das Album erschien noch im gleichen Jahr in der Bundesrepublik auf dem von dem Westberliner Rock-Promoter Peter Schimmelpfennig (*1944) eigens für den Import von DDR-Rockmusik gegründeten Label Pool unter dem Titel “Albatros“ mit leicht geänderter Songfolge. ÜBER SIEBEN BRÜCKEN MUSST DU GEHN wurde als Single-Auskopplung dem Album vorausgeschickt.

Durch das Radio wurde auch der westdeutsche Rocksänger Peter Maffay (*1949) auf den Song aufmerksam und produzierte 1980 eine Cover-Version mit einem eigenem, von einem ausgedehnten Saxophonsolo geprägten Arrangement. Seine Version trug erheblich dazu bei, dass ÜBER SIEBEN BRÜCKEN MUSST DU GEHN zu einem der populärsten deutschsprachigen Songs überhaupt werden konnte. Mit erfolgreichen Cover-Versionen sind später sowohl Xavier Naidoo (*1971) im Duett mit dem türkischstämmigen Schweizer Popsänger Erkan Aki (*1969) als auch der irische Pop-Sänger Chris De Burgh (*1948) hervorgetreten, der unter dem Titel “Seven Bridges“ eine englischsprachige Version des Songs veröffentlicht hat. Eine recht eigenwillige Version hat auch das von fünf jungen Opernsängern gegründete deutsche Klassik-/Pop-Crossover-Projekt Adoro eingespielt.

Weitere Coverversionen

  • Karat
  • Peter Maffay
  • Aki* & Naidoo*
  • Adoro
  • Helene Fischer
  • Chris de Burgh

ÜBER SIEBEN BRÜCKEN MUSST DU GEHN ist der Titelsong des zweiten Albums der DDR-Rockgruppe Karat, der in einer Cover-Version von Peter Maffey deutschlandweit bekannt geworden ist.

Die Düsseldorfer Brückenfamilie

Die Zahl Sieben ist die Verbindung zu Düsseldorf, denn die Stadt hat sieben Rheinbrücken. Allerdings, und das ist der Unterschied zum Song: Über eine Brücke konnte ich nicht gehen. Deshalb sind es auch nur sechs dunkle Jahre, die mir möglicherweise bevorstehen. Nein, dunkel werden die Jahre für alle Brückengänger sicherlich nicht. Denn Düsseldorf ist eine lebendige und lebensfrohe Stadt mit hoher Lebensqualität.

Die Geschichte der Düsseldorfer Brückenfamilie, 1945 lagen alle den Rhein überquerenden Brücken in Trümmern, beginnt in den 1950er Jahren. 1948 wird ein gewisser Friedrich Tamms Leiter des Düsseldorfer Stadtplanungsamtes für den Wiederaufbau der Stadt und 1954 dann Beigeordneter für Stadt- und Landesplanung, Bauaufsicht und Wohnungsbau. Zusammen mit den Bauingenieuren Erwin Beyer und Fritz Leonhardt entwickelte das Team das Konzept der Düsseldorfer Brückenfamilie. Man wollte „gleichlautenden Konstruktionen und einheitlichen Gestaltungsprinzipien“ folgen. Konkret geplant wurden daraufhin „seilverspannte Balkenbrücken mit relativ niedrigen Versteifungsträgern und schlanken, sich nach oben hin verjüngenden Pylonen“.

Durch entsprechende Farbgebung in Weiß und Anthrazitgrau sollten die neuen Brückenkonstruktionen den Eindruck des „Leichten und Schwebenden“ hervorrufen. Es ist Fritz Leonhardt, der 1956 die Technik für moderne Schrägseilbrücken entwickelt, wie sie für die Planung der Düsseldorfer Brückenfamilie verbindlich wird.

Die Josef-Kardinal-Frings-Brücke

Erstes Familienmitglied, allerdings noch nicht in der einheitlichen Schrägseilform, wird die Südbrücke, 1951 für den Verkehr freigegeben. Schon 1929 ist die Brücke, 780 Meter lang, das Bindeglied zwischen Düsseldorf und Neuss für den Straßen- und Straßenbahnverkehr. 2006 wird sie nach dem in Neuss geborenen ehemaligen Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Frings benannt. Die Brücke schaut “langweilig” aus - zumindest im Vergleich zu ihren Geschwistern.

Die Theodor-Heuss-Brücke

Das zweite Familienmitglied, erstmals in der innovativen Schrägseilform, ist die Nordbrücke, 1957 erbaut. Damit setzt das Planungsteam um Friedrich Tamms weltweit einen architektonischen Meilenstein. Bei einer Länge von 1271 Metern halten vier Pylone von 44 Metern Höhe und 260 Metern Spannweite die Seile. 1964 wird die Brücke in Theodor-Heuss-Brücke umbenannt. Sie verbindet das linksrheinische Niederkassel mit dem rechtsrheinischen Golzheim. Dank der Flughafenbrücke ist die Theodor-Heuss-Brücke heute substantiell weniger durch den überregionalen Verkehr belastet.

Die Rheinkniebrücke

Das dritte Familienmitglied wird 1969 die Rheinkniebrücke. Sie ist ohne Zweifel der Star der Familie. Elegant schwingt sie sich am „Rheinknie“ über den Rhein und prägt gemeinsam mit Landtag, Stadttor, Rheinturm und Medienhafen die wunderbare Skyline von Düsseldorf. Die beiden Pylonen sind 115 Meter hoch, passend zum Ambiente an der Rheinpromenade. Die Rheinkniebrücke, 1500 Meter lang, verbindet die Stadtteile Unterbilk und Oberkassel.