Auf den Schwingen des Glücks: Eine Reise zum inneren Frieden

Glück, ein Wort, welches zu den ersten Begriffen gehört, die man in einer Fremdsprache lernt. Ein Wort, welches bereits Kinder in ihrem alltäglichen Wortschatz brauchen, um ihre Gefühle auszudrücken und vor allem welches die Menschheit positiv beeinflusst. Laut der Begriffserklärung des Dudens wissen wir noch nicht genau, was Glück ist.

Kinder hingegen haben ganz andere Sorgen. Laut ihnen sind es eher die materiellen Dinge, die sie glücklich machen. So meinte ein Erstklass Kind aus Zürich: „Ich bin glücklich, wenn… also wenn meine Oma mir das Rennauto kauft, das ich mir gewünscht habe und… ach ja, und mein Papa mit mir ins Kino kommt und ich dann so viel Popcorn essen darf, wie ich will. Ja genau. Das macht mich glücklich.

Der Arzt und Philosoph Albert Schweizer (1875-1965) meinte hingegen sehr enthusiastisch: „Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.” Dieser etwas mathematisch angehauchte Gedanke gefällt uns sehr gut.

Schnell ist zu erkennen, dass Glück nicht für jedermann das gleiche bedeutet.

Die Seele schwingen lassen: Ein Weg zu seelischem Glück

Die inneren Regungen sind es, die unser seelisches Glück massgeblich beeinflussen. Gefühle wollen und sollen sich bewusst und verständlich mitteilen können. Wenn wir ihnen Raum geben, entdecken wir die grosse Bedeutung des Wortes für unser seelisches Wohlbefinden.

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Die Macht des Wortes

Ein richtiges Wort zur richtigen Zeit kann Wunder wirken und verborgene Welten zum Vorschein bringen. Worte haben die Kraft, Brücken zu bauen, wo vorher nur Abgründe schienen. Sie können Trost spenden, Mut machen und Hoffnung schenken. Sie sind das Werkzeug, mit dem wir unsere innersten Gefühle ausdrücken und anderen zugänglich machen können. Doch oft sind wir gefangen in unseren eigenen kleinlichen Zweifeln, die uns daran hindern, unsere wahren Gedanken und Gefühle zu teilen.

Vertrauen in das eigene Empfinden

Es erfordert Mut und Vertrauen, sich über diese Zweifel hinwegzusetzen und offen zu kommunizieren, was uns auf dem Herzen liegt. Oft erscheinen uns unsere eigenen Gedanken widersprüchlich und unklar. Doch wir müssen akzeptieren, dass unsere Seele in der Lage ist, mehrere Wahrheiten zur gleichen Zeit zu tragen. Unsere Gefühle und Erfahrungen sind vielfältig und komplex, und das ist völlig in Ordnung. Indem wir lernen, diese Komplexität zu akzeptieren und zu integrieren, lassen wir unsere Seele wachsen.

Den Zusammenhang bewahren

Ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zu innerem Frieden und Glück ist es, den Zusammenhang zwischen unseren verschiedenen Erfahrungen und Wahrheiten zu suchen und zu bewahren. Jede Erfahrung, die wir machen, trägt zu unserem Gesamtbild bei. Positive wie negative Erlebnisse formen unsere Persönlichkeit und unser Weltbild. Indem wir diese Erfahrungen nicht isoliert betrachten, sondern als Teil eines größeren Ganzen, schaffen wir Harmonie in unserem Inneren.

Die Balance finden

Es ist wichtig, eine Balance zu finden zwischen dem Ausdruck unserer Gefühle und dem Bewahren von innerer Ruhe. Zu oft neigen wir dazu, unsere Emotionen entweder zu unterdrücken oder sie unkontrolliert herauszulassen. Beide Extreme können uns schaden. Der Schlüssel liegt darin, ein gesundes Mittelmaß zu finden, in dem wir unseren Gefühlen Raum geben, sie aber gleichzeitig reflektiert und bewusst kommunizieren.

Glücksphilosoph im Interview: Frank Martela

Der finnische Philosoph Frank Martela weiss, warum die Suche nach Glück unzufrieden machen kann. Und er verrät, worin das grösste Glück für uns liegen kann.

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Seit Jahren steht Finnland an der Spitze des «World Happiness Report» und gilt damit als das Land, in dem sich die Bürger selbst am glücklichsten einschätzen. Wie machen die das nur? Und was ist überhaupt Glück? Zeit für ein Gespräch mit Finnlands Glücks-Philosophen Frank Martela.

Forschungen zeigen, dass Menschen, die sich besonders anstrengen, ihr Glück zu maximieren, weniger zufrieden mit dem sind, was sie im Leben haben. Es gibt aber noch einen Grund, warum eine zu starke Fixierung auf das Glück das Gegenteil erreichen kann. Wenn negative Gefühle von der Gesellschaft nicht mehr toleriert werden, glauben Menschen, dass sie nicht unglücklich sein dürfen und dass sie scheitern, wenn sie negative Gefühle haben.

In diesem Sinne sind Kulturen gesünder, die es tolerieren, wenn Menschen unglücklich sind und dieses Gefühl auch nach aussen tragen. Weil Menschen dann leichter durch diese negativen Phasen kommen.

Wir Menschen sind soziale Lebewesen. Wir brauchen die Verbindungen zu anderen Menschen, um uns in unserem Leben gut zu fühlen. Laut unseren Studien erleben wir die grösste Sinnerfahrung in unserer Verbindung zu anderen. Diese Erfahrung wird noch gesteigert, wenn man einen positiven Effekt auf einen anderen Menschen hat. Jemandem zu helfen, ist der beste Weg, dem eigenen Leben mehr Sinn zu verleihen.

Sich zu sehr auf die anderen zu fokussieren und gar nicht an sich zu denken, ist auch nicht gesund. Aber sich nur auf sich zu konzentrieren, ist kein guter Lebensstil.

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Vermutlich zeichnet die finnische Gesellschaft aus, dass die Menschen hier ein sehr starkes Vertrauen haben. Ineinander, aber auch in die Institutionen im Land. Das scheinen die wichtigsten Faktoren zu sein, warum die Finnen so glücklich sind. Vertrauen aufzubauen, wäre also wichtig.

Die Menschen hier scheinen nicht so materialistisch zu sein. Es gibt Studien darüber, wie sehr sich die Menschen untereinander vergleichen. In den nordischen Ländern tun sie das offenbar weniger als in anderen Ländern. Wenn man sich mit anderen vergleicht, wird es immer jemanden geben, der mehr hat als man selbst. Und wenn man in etwas besser wird, ändert sich auch die Vergleichsgruppe. Je mehr man sich mit anderen Menschen vergleicht, desto unzufriedener ist man. Der Lebensstil, bei dem man sich mehr auf die Dinge konzentriert, die einem Spass machen, und nicht so sehr darauf achtet, was andere Leute haben, ist ziemlich gesund.

Neben dem Vertrauen ineinander und der relativ guten Qualität der demokratischen Systeme hier dürfte das sicherlich auch an dem nordischen Wohlfahrtmodell liegen, etwa mit einem guten Gesundheitssystem, Arbeitslosenunterstützung und grosszügigen Elternzeitregelungen.

Wenn wir darüber nachdenken, was das ultimative Ziel einer Nation ist, dann glaube ich, dass das Wohlergehen der Bürgerinnen und Bürger eines der wichtigsten sein sollte.

Wenn Sie hungern und dann Geld bekommen, um sich Essen zu kaufen, dann macht Sie das glücklich. Aber je mehr Geld Sie haben, desto weniger Wirkung wird zusätzliches Geld auf Ihr Glück haben.

Glück als solches kann man sicherlich nicht erlernen, genauso wenig, wie man einem Menschen beibringen kann, glücklich zu sein. Aber man kann ihm bestimmte Praktiken und Gewohnheiten beibringen, die zumindest einen kleinen positiven Effekt auf sein Glück haben können.

Die Schattenseiten des Glücks: Einsamkeit und Risikobereitschaft

«Das Glück zu suchen, macht nicht glücklich», sagt Pasqualina Perrig-Chiello, Psychologin an der Universität Bern. Die verkrampfte Suche könne sogar das Gegenteil bewirken: Wer ständig danach trachte, sich Momente des Wohlbehagens zu verschaffen, werde immer unzufriedener.

Beispielsweise fanden Psychologen der Universität Denver im Jahr 2012 heraus, dass der starke Wunsch nach Glück Menschen einsam macht. Die Teilnehmer, die sich am meisten wünschten, glücklich zu sein, fühlten sich am einsamsten.

Der exzessive Wunsch nach Glück macht aber nicht nur einsam, er könnte sogar in Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen stehen. Durch Befragungen identifizierten die Forscher jene Probanden, die Symptome einer Depression zeigten. Dieselben Personen gaben auch an, dass es ihnen enorm wichtig ist, glücklich zu sein.

So sind Menschen, die Glücksgefühle viel intensiver empfinden als der Durchschnitt, anfälliger für riskantes Verhalten. Es zeigte sich, dass jene Probanden, die zuvor angaben, Glücksmomente besonders intensiv zu erleben, deutlich mehr Bier tranken als die anderen. Andere Studien zeigen, dass solche Menschen auch in Situationen mit grösserer Tragweite bereit sind, Risiken einzugehen. Sie haben beispielsweise eher ungeschützten Geschlechtsverkehr mit Unbekannten oder sind anfälliger für den Konsum von Drogen.

Die Bedeutung von Leid und Ausgewogenheit

Viele Menschen wären am liebsten nie unzufrieden, sagt der Glücksforscher und Ökonom Bruno Frey von der Uni Basel. Für ein gesundes Gefühlsleben brauche es aber Ausgewogenheit: «Um glücklich zu sein, muss man auch wissen, was Leid ist.» Daher solle man kurze Phasen von Traurigkeit nicht durch Ablenkung oder gar Medikamente verdrängen, sondern zulassen. Andernfalls brauche man immer intensivere Glücksmomente, um sich wirklich gut fühlen zu können.

«Es herrscht heute ein ungeheurer Druck, glücklich zu sein.» Gerade deshalb, weil es in der Schweiz den meisten Menschen an fast nichts fehlt. Tatsächlich gehören Schweizer zu den Glücklichsten überhaupt.

Doch die Top-Platzierung in der Rangliste der glücklichsten Länder hat eine Kehrseite, sagt Psychologin Perrig-Chiello: «Wenn rundherum alle happy sind, kann man sich mit seinen Problemen völlig neben den Schuhen vorkommen.» Das zeigt sich sogar in der Schweizer Suizidrate, die über dem weltweiten Durchschnitt liegt.

Dieses von Psychologen als Suizid-Paradox bezeichnete Phänomen gilt auch für die anderen europäischen Anführer des «World Happines Reports», etwa Dänemark, Norwegen und Schweden.

Dieses erreichen Menschen, indem sie beispielsweise soziale Verantwortung übernehmen, sinnvolle Tätigkeiten ausüben oder an ihren schlechten Charaktereigenschaften arbeiten.

«Wenn man nach einem sinnvollen Leben strebt, muss man das Glück nicht suchen - es kommt von alleine.» Trotzdem lassen sich gewisse Dinge nicht erzwingen, etwa der perfekte Partner oder der Traumberuf.

Ehrfurcht als Weg zum Glück: Ein Interview mit Dacher Keltner

Der US-amerikanische Psychologe Dacher Keltner hält «ehrfürchtiges Staunen» für eine Art Abkürzung zum Glücklichsein. Das Beste daran: Jeder Mensch könne das üben.

Ehrfurcht beruhigt dich, sie macht dich wachsam den eigenen Absichten im Leben gegenüber, der grösseren Sinngeschichte. Je mehr wir dazu forschen, umso deutlicher wird, wie viel Potenzial dieses Gefühl hat.

Wir sehen die Gänsehaut auf dem Rücken der Menschen, wenn wir sie in Ehrfurcht versetzen. Und wir können über die Vitaldaten auch messen, wie das parasympathische Nervensystem übernimmt, das mit Erholung und Ruhe verbunden ist und dem Aufbau körpereigener Ressourcen dient. Wir können uns leichter öffnen. Emotionale Tränen fliessen, die ein Zeichen für Demut und Verbindung sind. Wir wissen, welche Erlebnisse ehrfürchtiges Staunen auslösen können, gemeinsam erlebte Sportereignisse, Tanzen, die Natur.

Es ist ein sehr einfacher Weg, um die eigene Stimmung deutlich zu verbessern. Man muss sich nur darauf einlassen, ein wenig offener durchs Leben zu geben und gelegentlich innezuhalten und auf die Welt um sich herum zu achten.

In einer anderen Untersuchung haben wir medizinisches Personal während der Coronapandemie gebeten, einmal am Tag ehrfurchtsvolle Momente festzuhalten. Ein gutes Patientengespräch, ein schöner Moment mit Kollegen, ein gutes Lied im Ohr, solche Sachen. Die Effekte dieser ehrfurchtsvollen Gedankensammlung auf das Stresslevel der Ärzte waren bemerkenswert.

Gleichzeitig muss man sich aber wahrscheinlich schon mit den eigenen Gefühlen auskennen, um bewusst ins Staunen zu kommen.

Heute Morgen waren es die Schulkinder hier auf den Strassen von Berkeley, denen ich auf dem Weg zur Bäckerei begegnet bin. Kinder funktionieren bei mir immer, weil sie ein lebendiger Ausdruck menschlicher Entwicklungsfähigkeit sind. Und die verfärbten Blätter gerade hier an den Bäumen, die faszinieren mich jedes Mal.

Glück im Buddhismus: Ein Gespräch mit Bhante Sukhacitto

Bhante Sukhacitto fand 23-jährig zum Buddhismus. Inzwischen ist er Mönch. Ein Gespräch über Achtsamkeitsmissverständnisse, über das Loslassen und das Glück.

Es gibt einen Unterschied zwischen Dingen, die mich vorübergehend glücklich machen, und dem, was Glück aus buddhistischer Sicht ist.

Die Idee, dass uns Wunscherfüllung glücklich macht, eigentlich ein Trugschluss ist. Wir alle kennen das, dass wir nach der Erfüllung eines Wunsches für kurze Zeit zufrieden sind. Nur hält das eben nicht an. Auf die Erfüllung eines Wunsches folgt ein nächster Wunsch. Und oft erfüllen sich unsere Wünsche ja eben gerade nicht. Unsere Erwartungen werden enttäuscht. Deshalb sind die Menschen oft auch so getrieben oder unglücklich. Und da setzt Buddha an.

Er lehrt, dass die Dinge vergänglich sind und deshalb nicht dauerhaft vollkommen befriedigend sein können. Wenn ich meine Zufriedenheit von äusseren Bedingungen abhängig mache, ist sie naturgemäss wacklig und deshalb mit Angst besetzt. Dann habe ich oft das Gefühl, sie verteidigen oder beschützen zu müssen. Im Buddhismus streben wir innere Zufriedenheit an, die unabhängig von äusseren Umständen ist und aus einem klaren und ruhigen Geist heraus entsteht, frei von Emotionen wie Zuneigung und Abneigung.

Davon bin ich überzeugt.

In der buddhistischen Lehre gibt es die Formel: Leiden entspricht Schmerz mal Widerstand. Das heisst: Je mehr wir gegen den Schmerz ankämpfen, umso stärker leiden wir darunter. Wenn wir ihn jedoch annehmen und gestalten, können wir das Leiden verringern.

Es geht nun darum, diese Selbstverurteilung abzulegen, nicht kontrollieren zu wollen, was sich nicht kontrollieren lässt. Die Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind.

Alles, was wir erleben, hat keinen festen Kern. Leben ist ein Prozess. Das Selbst ist im ständigen Wandel begriffen. Wer sagt: Das bin ich. Das gehört mir, ignoriert die Vergänglichkeit. Buddha lehrt, dass es kein unveränderliches, dauerhaft existierendes Selbst gibt. Mit anderen Worten verfügen wir über keine feste, absolute Identität. Und das zu akzeptieren, ist ein Kern der buddhistischen Lehre.

Gleichmut bedeutet nicht Gleichgültigkeit. Gleichmut bedeutet, ein tieferes Verständnis von Ursache und Wirkung entwickeln zu wollen. Das heisst, ich schaue mein Verhalten an. Ich mache gewissermassen Inventur. Wo ist meine Angst? Wo ist mein Groll? Wo habe ich anderen Menschen geschadet? Ich übernehme Verantwortung für meine Taten. Das hat also nichts mit Inaktivität zu tun. Im Gegenteil. Das ist harte Arbeit. Erst dadurch, dass ich die Ursachen meines Leidens erkenne, kann ich sie auch beseitigen und so einen Zustand des tiefen und nachhaltigen Glücks erreichen.

Ein Leitspruch übrigens, wie man seinen spirituellen Fortschritt messen kann, lautet: Kehren Sie immer wieder zu Ihren Blutsverwandten zurück. In den Kreis der Familie. Dort sind die Trigger. Dort werden Sie mit jenen Dingen konfrontiert, an denen Sie noch zu arbeiten haben. Das ist der ultimative Massstab.

Achtsamkeit heisst ja nichts anderes als Geistesgegenwart. Der Buddha ist da sehr klar. Er sagt, dass die Achtsamkeit sowohl nach innen wie auch nach aussen zu richten ist. Es geht also um ein Gewahrsein in der Welt, darum, präsent zu sein.

Achtsamkeit oder Meditation sollten nichts mit Anstrengung zu tun haben, aber mit Bemühen. Es geht dabei zum Beispiel nicht darum, gegen das Denken anzugehen. Sondern darum, das Denken zu erkennen, wenn es da ist. Die Vorstellung, nicht denken zu wollen, ist Schwachsinn. Die Natur des untrainierten Geistes ist nun mal Aktivität. Sich gegen das Denken zu wehren, wäre wiederum eine Form von Gewaltanwendung.

Versuchen Sie, jede Stunde eine Minute lang innezuhalten. Zum Beispiel auf den Atem zu achten und einfach zu spüren, was ist. Das kann schon viel verändern und Sie vielleicht nicht glücklicher, aber sicher zufriedener machen.