Jährliche Sportspiele stehen immer vor dem gleichen Problem: Was fügt man zu einer bereits ausgefeilten und erfolgreichen Formel hinzu, damit sich ein einzelnes Spiel von der Masse abhebt? Obwohl das neueste Spiel in dieser langen Reihe von Veröffentlichungen natürlich den Kader und die Kosmetika von WWE aktualisieren und modernisieren wird, benötigt 2K24 natürlich ein paar Neuheiten.
Neue Match-Typen
Dieses Jahr kommen sie in Form von vier brandneuen Match-Typen: Special Guest Referee, Casket Match, Gauntlet Match und ein Ambulance Match und der Royal Rumble bietet jetzt zum Beispiel auch Unterstützung für acht Online-Spielende in 30-Superstar-Online-Matches. Dabei wird Fans auffallen, dass es die ersten vier Typen früher bei Spielen der SmackDown-Reihe bereits schon gab, aber natürlich nicht in der aktuellen Form.
Special Guest Referee
Mein Favorit war schon früher das Guest-Referee-Match, bei dem ihr selbst die Ring-Outs, Pins und Submissions betreut und das Match nach Lust und Launde entscheiden und betreuen könnt, immer noch ein großer Spaß.
Ambulance Match
Bei einem Ambulance Match wiederum prügeln sich zwei Superstars nach Hardcore-Regeln gegenseitig den Allerwertesten ein, bis einer so geschwächt ist, dass er vom anderen in einen Krankenwagen verfrachtet werden kann, um das Match zu beenden. Zunächst spielt sich das Match wie jeder andere traditionelle Kampf ab, endet dann aber mit Button-Mashing und dem Versuch, beide Türen des Krankenwagens zu schließen, um den Gegner einzusperren und den Sieg zu erringen.
Der Krankenwagen ist am Ring geparkt, was dazu führt, dass das Fahrzeug in die Aktion einbezogen wird. Ihr könnt den Wagen besteigen und dann euren Gegner unter dem Jubel des Kommentatorenteams vom Dach werfen. Es ist eine einfache Abwandlung eines Hardcore-Matches, die jedoch mit einem allgegenwärtigen Spektakel präsentiert wird, was so auch beim Casket-Match der Fall ist, eben nur mit einem zusätzlichen Sarg, in den der Gegner reingepackt werden muss.
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Gauntlet Match
Die Gauntlet-Matches kann man sich als eine Art Horde-Modus vorstellen.
Gameplay-Verbesserungen
Abgesehen von den Hardcore-Regeln ist das Kern-Gameplay von WWE 2K24 fast identisch mit der Grappling-Action des letzten Jahres, aber auch mit 2K22. Das ist auch klar, denn Visual Concepts hat es wirklich geschafft, die perfekte Balance zwischen Sport und Unterhaltung in seinem ersten Versuch nach der Überarbeitung zu finden, und seitdem musste das Studio nur noch kleine, sinnvolle Anpassungen vornehmen.
In diesem Jahr sind die bemerkenswerten Ergänzungen zum zentralen Wrestling-System der Schlagabtausch und die Super-Finisher, wobei letztere ein längst überfälliges Belohnungssystem für geduldige und dominante Spielende darstellen. Super-Finisher werden verfügbar, wenn man alle drei Finisher-Slots gesammelt hat, was einen nicht nur dazu ermutigt, einer dramatischen, aufgestuften Version des Finishing Moves eines Superstars entgegenzufiebern, sondern auch, aufgrund der Zeit, die man dafür braucht, ein anderes Tempo für den Hauptkampf zu schaffen.
Nicht jeder Superstar hat diesen Move verfügbar, aber als Beispiel gibt es bei John Cena eine Aneindanderreihung mehrere FUs oder Attitude Adjustments, wie er mittlerweile heißt, die euch den Sieg komplett sichern. Andere Beispiele sind Seth Rollins‘ Springboard-Version des Stomp und ein Avalanche Riptide vom obersten Seil, ausgeführt von Rhea Ripley.
Showcase-Mode
Beim interessanten Showcase-Mode dreht sich dieses Mal natürlich alles um WrestleMania und das Bestehen seit 40 Jahren. Somit werden viele Highlight-Matches aus all den Jahren genommen, um diese in der bekannten Manier anzugehen. Durch alle Kämpfe leitet Corey Graves, der alles kommentiert und einleitet und es gibt 21 Kämpfe insgesamt.
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Insgesamt fühlt sich das aber wie ein Aufguss von WWE 2K14 an, ohne viel Neues zu machen. Die Einbindung von altem WWE-Filmmaterial in das Gameplay ist zwar wirklich umwerfend akkurat und man merkt den Übergang manchmal wirklich nicht, aber wenn das Live-Action-Video mit komischer Musik unterlegt ist, ohne Kommentar, mit gefälschten Publikumsreaktionen und zensierten Gesichtern der Schiedsrichter und Kommentatoren, dann skipt man diese doch immer mal wieder.
Außerdem sind die Ziele ein wenig inkonsistent, wenn es darum geht, einige der alten klassischen Kämpfe nachzuspielen. Manchmal müsst ihr eine bestimmte Bewegung ausführen, und dann wird ein alter Clip ausgelöst, um zu zeigen, was als nächstes passiert. In anderen Fällen müsst ihr nur jemanden aufrichten und angreifen, und das Match spielt eine ganze Abfolge von Moves ab.
MyRise-Modus
Der andere große Einzelspielermodus, MyRise, ist in zwei separate Geschichten aufgeteilt. Dieses Jahr gibt es mit „Unleashed“ einen Handlungsstreifen mit einem weiblichen selbsterstellten Superstar und mit „Undisputed“ den männlichen Part.
In „Unleashed“ schlüpft ihr in die Rolle einer Wrestlerin, die die heißeste Promotion der Indie-Szene gegründet hat. Aber wenn sie die Gelegenheit bekommt, ihr Talent auf der großen Bühne der WWE zu zeigen, ist es an euch zu entscheiden wozu das führen wird. In „Undisputed“ wiederum tritt Roman Reigns in die Fußstapfen von The Rock und geht nach Hollywood. Er gibt seinen Titel auf und hinterlässt unserer Protagonistin mit einer großen Aufgabe, die er ausfüllen muss. Aber der „Tribal Chief“ wird nicht lange wegbleiben und schätzt keinen Anwärter auf seinen Thron.
Beide Storylines sind dabei durchaus interessant, nur manche Matcharten auf dem Weg dahin können etwas nervig sein. Allzu oft findet man sich nämlich in Handicap-Matches, Triple Threats oder Fatal 4-Ways wieder, die das Voranschreiten schon etwas nervig machen. Dennoch ist der Modus wieder einen großen Schritt weiter, voll vertont und die Einbindung des eigens erstellten Superstars sind echt toll.
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Und anstatt zwischen verschiedenen Orten hin und her zu rennen, um den richtigen NPC zu finden oder durch den Social-Media-Feed im Spiel zu scrollen, um mit Leuten zu streiten, sind die Haupt- und Nebenziele klar im Fortschrittsmenü der Geschichte aufgeführt, und alle Personen, mit denen ihr reden müsst, um diese Quests zu starten, befinden sich alle in einem Bereich.
Universe-Modus
Für Leute, die mehr nach einem Sandkasten-Ansatz für den Superstar suchen, ist Universe wieder da, und mit Ausnahme einiger kleiner Änderungen bei den Tools zum Aufbau der Story ist es praktisch identisch mit der Version von 2K22. Für Fans des klassischen Modus bedeutet dies, dass man jedes einzelne Detail seiner eigenen WWE-Version anpassen kann, von den Shows, die man produziert, über die Stars und Fehden zwischen ihnen bis hin zu den Gürteln, die sie gewinnen und verteidigen können.
GM-Modus
Der GM-Modus ist mein bevorzugter Management-Simulationsmodus, und die diesjährige Version ist noch größer und robuster als je zuvor. Es gibt nicht nur mehr Marken, die wir kontrollieren können, mehr Manager, mit denen wir arbeiten können, und mehr Power-Karten, aus denen wir wählen können, sondern jetzt können bis zu vier Teilnehmer versuchen, sich über mehrere Saisonspiele hinweg gegenseitig zu übertrumpfen.
Und WWE 2K24 bringt die berüchtigte ECW-Promotion für den MyGM-Modus zurück und hat somit nun auf einen langersehnten Wunsch vieler Fans gehört.
MyFaction-Modus
Ebenso ist auch wieder MyFaction oder anders gesagt WWE Ultimate Team mit dabei, der Sammelkarten-Modus, in dem ihr euch mit anderen Factions bekriegen könnt. Dabei gilt es immer weiter in der Rangliste zu steigen und zwischendurch auch einmal ein paar Booster-Packs zu öffnen.
Creation Suite
Und auch das Kronjuwel der WWE 2K-Franchise, die klassenbeste, detaillierteste und robusteste Erstellungssuite, kehrt mit brandneuer Unterstützung für „Create-A-Referee“ und „Create-A-Sign“ sowie neuen Teilen und Animationen zurück, um eigene Superstars, GMs, Arenen, Entrances, Move-Sets, Meisterschaften und mehr zu entwerfen.
Die Creation Suite in WWE 2K24 verfügt jetzt auch über eine „Quick Save“-Schaltfläche, mit der man praktisch den Fortschritt schnell speichern kann, während man noch einen Charakter erstellt oder bearbeitet. Die noch etwas schnelleren Ladezeiten und gut eingeblendeten Tutorials leiten einen dabei auch super durch und man kann wieder viel zu viele Stunden innerhalb dieses Modus alleine verbingen, um den perfekten Figher mit allen Features und Outfits zu erstellen. Die Optionen waren letztes Jahr bereits mannigfaltig und es wurde dem nun nochmal der Hut aufgesetzt.
Präsentation
In Bezug auf die Präsentation macht WWE 2K24 alle Schritte, die man erwarten kann, mit weiteren Verbesserungen bei der Darstellung der Attraktionen, Sounds und Superstars der WWE. Auch wurden die Kommentare leicht verbessert, ebenso wie die subtilen Details bei den Objektanimationen und Interaktionen.
Außerdem gibt es jetzt eine zweite Kameraperspektive, mit der man wie in früheren WWE-Spielen und dem jüngsten Konkurrenten der Serie, AEW: Fight Forever, auf die Rampe blicken kann.
Fazit
WWE 2K24 verbessert sich an allen Ecken und Enden. An jedem Modus wurde gekonnt weiter geschliffen, nur der diesjährige Showcase-Mode fällt leider etwas ab. Doch Grafik, Gameplay, Variation und die Liebe zum Detail kommen fast überall zum Tragen.
Noch vor drei Jahren steckte die WWE 2K-Serie in einer schweren Krise, doch seit dem 2022er-Ableger geht es stetig bergauf. 2024 ist ein besonderes Jahr für die WWE, denn man feiert das 40-jährige Jubiläum des WrestleMania-Events.
Das große Highlight-Feature im neusten WWE-Teil von 2K Sports ist der Showcase-Modus. In diesem spielt man 21 legendäre Matches der Wrestlemania-Vergangenheit nach, die von WWE-Kommentator Corey Graves moderiert werden.
Ganz ähnlich wie schon in den vergangenen Jahren verbindet auch WWE 2K24 dabei Gameplay mit echten Videosequenzen. Innerhalb der Matches muss man bestimmte Aktionen ausführen, damit die Geschichte voranschreitet. Das Prinzip ist inzwischen altbekannt, funktioniert aber im Vergleich zum Vorjahr einen Tick besser.
Zum einen gibt das Spiel nun in den Optionen zusätzliche Tipps, was man eigentlich tun muss. Zum anderen sind die geforderten Manöver weit weniger aufwändig. Das diesjährige Roster umfasst üppige 200 Stars.
Mit von Partie sind aktuelle Kämpfer wie zum Beispiel Cody Rhodes, Rhea Ripley oder Roman Reigns sowie etliche Legenden wie Hulk Hogan, Bret Hart und der Ultimate Warrior. Einige bekannte Namen aus den vergangenen Jahren fehlen dennoch: Adam Copeland ist inzwischen bei der Wrestling-Konkurrenz AEW - und Goldberg steht nicht mehr bei WWE unter Vertrag.
Brock Lesnar taucht lediglich im Showcase-Modus auf, ist aber nicht spielbar. Neuzugänge wie CM Punk und Jade Cargill werden zukünftig per Season-Pass nachgeliefert. Darüber hinaus können eigene Akteure per Editor, welcher um Schilder und Ringrichter erweitert wurde, erstellt bzw.
Bei den restlichen Modi hat Entwicklerteam Visual Concepts in erster Linie Feinschliff betrieben. Den MyGM-Modus erweitert man beispielsweise um ein Manager-System. Hier kümmert man sich weiterhin um seine eigene WWE-Show. Superstars sammeln jetzt Erfahrung und steigen so in der Ringstufe auf. Darüber hinaus verpflichtet man Akteure mit dem Talentscout. Kurz gesagt: Man hat nun mehr Möglichkeiten.
In MyUniverse gibt es auch keine großen Überraschungen: Hier kann man einen einzelnen Wrestler an die Spitze führen oder die gesamte WWE checken. Zusätzliche Story-Optionen runden den Modus ab. In MyRise warten weiterhin zwei Storys mitsamt Nebenaufgaben, schrägen Ideen und Insider-Gags auf einen.
Beim Gameplay bekommt man ebenfalls gute Optimierungen geboten. Zum Beispiel sind die Übergänge zwischen Aktionen und Kontern merkbar flüssiger. Mit dem Minispiel für Schlagduelle oder auch erweiterten Tag-Team-Optionen für die KI bringt man Abwechslung in das Geschehen.
Zudem passt man das Waffen-Handling an. Erstmals darf man Stühle, Leitern und Tische werfen. Für noch mehr Abwechslung sorgen die neuen Match-Modi „Ambulance“ und „Casket“. Hier muss man den Gegner in einen Krankenwagen bzw. Sarg einsperren, welches das Spiel mit einem altmodischen Buttonmashing-Mini-Game gelöst hat.
An der bekannten und eingängigen Steuerung drehte das Studio Visual Concepts nicht, darum sind Kenner der Vorgänger sofort “drin” - und alle anderen nach einer Handvoll Matches oder dem Abschluss des Tutorials.
Bei der Technik gibt es -leider- auch keine großen Überraschungen: Die Charaktermodelle haben ein paar Details mehr erhalten und auch die Animationen wirken eine Spur „smoother“ als noch im 23er-Teil. Der Wiedererkennungswert der einzelnen Wrestler ist enorm hoch, die Details tragen sehr zur allgemeinen Atmosphäre bei, und auch die Präsentation in Form von Videos und Zwischensequenzen kann sich definitiv sehen lassen.
Beim akustischen Bereich (Stimmen, Tracks) gibt es auch nichts zu bemängeln.
