Wann gewinnt man beim Judo? Eine umfassende Regelkunde

Judo ist eine traditionsreiche Kampftechnik, die den Respekt vor dem Gegner hochhält. Nach der Durchführung des Anfangszeremoniells, einer freundschaftlichen Verbeugung der Judoka voreinander, ist das Ziel des Wettkampfs, den Gegner durch verschiedene Wurf- und Grifftechniken außer Gefecht zu setzen. Die Wettkampf-Regeln im Judo wirken auf den Laien zunächst kompliziert und nicht auf Anhieb verständlich. In diesem Beitrag erfahren Sie die Grundlagen der japanischen Kampfkunst.

Grundlagen des Judo-Wettkampfs

Gekämpft wird in der Regel im weißen Judo-gi (Judoanzug). Bei Wettkämpfen auf höherem Niveau trägt der eine Kämpfer statt des Zusatzgürtels einen weißen, der andere Kämpfer einen blauen Judo-gi. Der in der Wettkampfliste Erstgenannte bzw. zuerst Aufgerufene (weißer Zusatzgurt; weißer Judo-gi) stellt sich aus der Perspektive des Kampfrichters rechts auf der Matte auf. Der zuerst aufgerufene Kämp­fer bindet sich den weißen, der Zweitgenannte den roten Gürtel um.

Der Kampf beginnt mit dem Kampfrichterkommando „Ha-jime“ und endet mit „Sore-made“. Mit dem Kommando „Mate“ wird der Kampf kurzzeitig unterbrochen.

Kampffläche

Die Kampffläche ist farblich eindeutig gekennzeichnet (bei uns durch rote Matten). Der darum gelegte Mattenbereich (bei uns in grüner Farbe) darf - mit wenigen Ausnahmen - nicht betreten werden. Ein Hinaustreten wird mit der Strafe „Shido“ geahndet.

Wertungen im Judo

Im Judo gibt es weder Tore noch Körbe, sondern Wertungen. Bei jeder Aktion, die ein Kämpfer ausführt, beurteilt der Kampfrichter, wie gut sie war. Erfüllt sie bestimmte Kriterien, erhält der Judoka eine entsprechende Wertung. Es entscheidet also immer die Anzahl der höchsten Wertung, die vergeben wurde.

Lesen Sie auch: Eine Analyse von UFC 303

Zur Bewertung hat der Kampfrichter drei Kategorien zur Auswahl:

  • Yuko
  • Waza-Ari
  • Ippon

Yuko ist die kleinste Wertung, Waza-Ari ist höher und Ippon ist die höchste Wertung. Wertungen können mehrmals vergeben werden (außer für Ippon). Die Anzahl der Wertungen in jeder Kategorie werden auf der Kampfrichtertafel angezeigt (wiederum außer für Ippon): Auf der linken Seite für den Judoka ohne roten (bzw.

"Ippon" vergeben Kampfrichter bei einem nahezu fehlerfreien Wurf auf den Rücken, wenn er mit vollem Schwung und Kraft ausgeführt wurde. Ein 20 Sekunden andauernder Haltegriff ergibt ebenfalls Ippon. Eine Waza-ari-Bewertung erfolgt, wenn es dem Judoka gelingt, den Gegner auf den Rücken zu werfen, die Bewegung jedoch nicht technisch einwandfrei oder nicht kraftvoll genug war.

Wie man durch Wertungen gewinnt

Wer die höchste Wertung Ippon erhält, ist sofort Sieger (es ist egal, was für Wertungen der Gegner erzielt hat) und der Kampf ist zu Ende. Diese Wertung kann also nur einmal pro Kampf vergeben werden, und deshalb braucht sie auch nicht auf der Tafel angezeigt werden!

Zweimal Waza-ari ist soviel Wert wie Ippon, auch dann ist man sofort Sieger. Wenn mit diesen Wertungen der Kampf nicht vorzeitig beendet wurde, sondern die Kampfzeit regulär abgelaufen ist, gewinnt derjenige Judoka, welcher die höhere Wertung von beiden erzielt hat.

Lesen Sie auch: Alles über UFC 311

Dabei gilt: Ein Waza-Ari ist mehr wert als alle Yukos des Gegners.

Golden Score

Haben beide Kämpfer überhaupt keine Wertung erzielt, oder die Wertungen sind bei beiden absolut identisch, kommt es zunächst zu einer Fortsetzung des Kampfes. Es werden alle Wertungen von der Tafel glöscht und die Stoppuhr zurückgestellt. Es gewinnt dann der Kämpfer, der als erstes eine Wertung erhält. Der Kampf wird danach gleich beendet, auch wenn die Wertung nur ein Koka ist. Diese Regelung heißt Golden Score.

Im Fall gleicher Wertungen wird der Kampf somit auch dann fortgesetzt, wenn z.B. Golden Score: In dieser Verlängerung gibt es keine zeitliche Obergrenze.

Kampfrichterentscheid

Wenn es nach dem Ablauf einer zweiten kompletten Kampfzeit immer noch unentschieden steht, dann kommt es zu einem Kampfrichterentscheid. Der oder die Kampfrichter müssen einen Kämpfer zum Sieger erklären.

Für die Entscheidung wird geprüft:

Lesen Sie auch: Herausforderungen im argentinischen und brasilianischen Eisenbahnsektor

  • Welcher Kämpfer war aktiver, d. h. wer hat mehr versucht, anzugreifen?
  • Ist es einem Kämpfer fast gelungen, den anderen zu werfen?
  • Hat ein Kämpfer den anderen unter 10 Sekunden im Haltegriff gehalten?

Technische Aspekte der Wertung

Im Standkampf versucht der Judoka, seinen Gegner auf den Rücken zu manövrieren. Dabei nutzt er die Bewegungen des gegnerischen Kämpfers, um ihn durch verschiedene Wurftechniken zu Fall zu bringen. Gelingt der Fall des Gegners, folgt der Bodenkampf. Hier versucht der Judoka, seinen Gegner mithilfe der drei verschiedenen Grifftechniken Halte-, Würge- oder Hebelgriff, außer Gefecht zu setzen.

Beim Kampf im Stand gilt: Je mehr der Gegner auf den Rücken geworfen wird, und je schwung- und kraftvoller die Wurfausführung ist, desto höher die Wertung. Landet der Gegner dagegen auf dem Bauch gibt es keine Wertung!

Im Bodenkampf gilt: je länger man es schafft, den Gegner in einem Haltegriff fest-zuhalten, desto höher die Wertung. Ein Haltegriff zählt aber nur dann, wenn der Partner auf dem Rücken liegt!

Bei höheren Altersstufen kommen Hebel und Würgegriffe dazu. Bei wirkungsvoll angesetzten Hebeln oder Würgegriffen signalisiert der Unterlegene durch Abklopfen auf der Matte seine Aufgabe.

Haltegriff (Osae-komi)

Eine Waza-ari-Wertung gibt es für einen Haltegriff (Osae-komi), der mindestens zehn aber weniger als 20 Sekun­den gehalten wird. In der 20. Sekunde des ungelösten Halte­griffs ertönt das Kom­mando Ippon, welches den Kampf wiede­rum beendet.

Regelung bei Verstößen (Shido und Hansoku-make)

Drei Kampfrichter achten während des Wettkampfs auf die Einhaltung der Regeln. Durch Rufe und Handzeichen vergeben sie die Bestrafungen "Shidos". Kleine Verstöße, etwa eine passive Kampfweise, ziehen einen "Shido" nach sich. Ein einzelner Shido bleibt ohne Konsequenzen. Zwei Shidos führen zu einer Waza-ari-Bewertung für den Gegner. Der dritte Verstoß beendet mit Hansoku-make den Kampf zugunsten des Opponenten.

Die Disqualifikation heißt im Judo „Hansoku-make“. Drei Shidos führen zu einem Hansoku-make, also wiederum zur vorzeitigen Beendigung des Kampfes. Eine Ausnahme von dieser Regel begründen Shidos für das Greifen ans Bein während des Standkampfes.

Schwere Verstößen können direkt siegentscheidend sein. Der dritte Shido, Hansoku-make, führt zur sofortigen Disqualifikation. Die direkte Disqualifikation von einem Kampf bedeutet gleichzeitig die Disqualifikation vom gesamten Turnier.

Strafen werden auch für andere Unregelmäßigkeiten (z.B. wegen Inaktivität, unzulässiger Grifftechnik oder Beingreifen im Standkampf) erteilt.

Befürchtet der Kampfrichter in einer unübersichtlichen Bodenkampfsituation ein Risiko für einen der Kämpfer, so kann er den Kampf mit dem Kommando „Sono-mama“ unterbrechen. Beide Wettkämpfer verharren in der aktuellen Situation bis der Unparteiische die Situation - z.B. durch Kleiderordnen - bereinigt.

Ablauf des Kampfendes

Wenn der Kampf beendet wird, hat sich an dieser grundsätzlichen Einstellung nichts geändert und so gibt es auch den würdevollen Abgang, egal wie enttäuscht man über eine Niederlage oder wie euphorisch man wegen eines Sieges auch sein mag. Wenn der Kampf sein Ende findet, gibt es vom Kampfrichter auf der Matte das Sore-made, was soviel heißt wie "das ist alles". Er beobachtet, wie sich die Kämpfer verhalten, denn es könnte auch sein, dass sie das nicht mitbekommen haben. Die Judoka nehmen wieder in der Anfangsposition Aufstellung, also bei der Markierung gemäß der Farbe ihres Judoanzugs, richten den Judogi im Bedarfsfall und der Schiedsrichter hat ebenfalls seine Grundposition in der Mitte eingenommen. Er verkündet per Handzeichen, wer den Kampf gewonnen hat und danach erfolgt das gleiche Zeremoniell wie vor dem Beginn des Kampfes, denn die Gegner verbeugen sich gegenseitig und erweisen sich die Ehre.

Der bekannteste Fall ist wohl die Wertung Ippon, wodurch der Kampf vorzeitig sein Ende findet. Die zweite Variante ist dann gegeben, wenn ein Judoka Waza-ari als Wertung schon erreicht hat und dann nochmals punkten kann und Waza-ari awasete Ippon sein eigen nennt. Des Weiteren kann ein Kampf beendet werden, wenn es zum Kiken-gachi kommt, der Aufgabe durch einen der Teilnehmer. Hansoku-make ist eine weitere Option und bedeutet die Disqualifikation aufgrund eines Fehlverhaltens.